1888
Donnerstag, den 28. Juni.
Nb ter
| leiliig.
auf dem Gebiete der Regierung Preußens der Reichspolitik. Wie König Wilhelm I
Der Neffe.
Kriminalroman von F. A
der Reichspolitik. Wie König Wilhelm I. werde Ich, Meinem Gelöbniß entsprechend, treu und gewissenhaft die Gesetze und die Rechte der Volksvertretung achten und schützen und mit gleicher Gewiss-„Hastigkeit die verfaffungs- mitßigen Rechte der Krone wahren und ausüben, um sie dereinst Meinem Nachfolger auf dem Throne unverkümmert zu überliefern. Es liegt Mir fern, das Vertrauen des Volkes auf die Stetigkeit unserer gesetzlichen Zustände durch Bestrebungen nach Erweiterung der Kronrechte zu beunruhigen. Der gesetzlich- Bestand Meiner Rechte, so
Die Thronrede, mit welcher S. M. der Kaiser und König beide Häuser de» Landtags heute eröffnete, hat folgen- den Wortlaut:
Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtages!
In trüber Zeit heiße Ich Sie zum ersten Male von dieser Stelle aus willkommen. Nur wenige Monate hat das Scepter in Meines dahingeschiedenen Vaters Hand geruht, aber lange genug, um zu erkennen, welchen Herrscher das Vaterland in Ihm verloren hat. Die Hoheit Seiner Erscheinung, der Adel Seiner Gesinnung, Sein ruhmvoller Antheil an den großen Geschicken des Vaterlandes und der Heldenmuth christlicher Ergebung, mit dem Er gegen die Todeskrankheit kämpft e, haben Ihm im Herzen Seines Volkes ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Für die ungezählten Beweise treuen Gedenkens und liebevoller Theilnahme, welche Mir in diesen für Mich so schweren Tagen zugegangen sind, sage Ich Allen, die Mir mit ihrem Trost genaht sind, Meinen Königlichen Dank.
Nachdem durch Meines Herrn Vaters Heimgang die Krone Meiner Vorfahren auf Mich übergegangen ist, war es Mir ein Bedürfniß, bet dem Beginn Meiner Regierung Sie um Mich zu versammeln und unverweilt vor Ihnen das eidliche Gelöbniß abzulegen, welches die Verfassung vorschreibt.
Ich gelobe, daß Ich dieVerfassung des Königreichs fest und unverbrüchlich halten und in der Uebereinstimmung mit derselben und den Gesetzen regieren will, so wahr Mir Gott
werden konnte, so ist derselbe in dem edlen Wetteifer mit der staatlichen Fürsorge zu finden, welcher von allen Ständen und allen Klaffen der Bevölkerung und der Deutschen auch im fernen Auslande bethätigt worden ist. Es drängt Mich, allen, die zur Linderung der Roth beigesteuert haben, von dieser Stelle aus Meinen Dank auszusprechen.
Geehrte Herren! Sie können am Schluffe einer Legislaturperiode mit Befriedigung auf die wichtigen Ergebniffe zurückblicken, welch- Dank Ihrem einträchtigen Zusammenwirken mit der Regierung erzielt worden sind. Im Rückblick hierauf vertraue Ich, daß es uns auch in Zukunft gelingen werde, in gemeinschaftlicher, von gegenseitigem Vertrauen getragener u.durch die Verschiedenheit prinzipieller Grundanschauungen nicht gestörter Arbeit die Wohlfahrt des Landes zu fördern.
Geehrte Herren I In bewegter Zeit habe Ich die Pflichten Meines Königlichen Amtes übernommen, aber Ich trete an die Mir nach Gottes Fügung gestellte Aufgabe mit der Zuversicht des Pflichtgefühls heran und halte Mir da- bei das Wort des großen Friedrich gegenwärtig, daß in Preußen „der König des Staates erster Diener ist".
(49. Fortsetzung.)
Wie konnten Sie nach Ihren bereit» gemachten Erfahrungen so leichtsinnig sein, dem Pseudo-Edgar zu folgen?" fragte der Justizrath vorwurfsvoll den jungen Wanderer, nachdem er die ganze Geschichte erfahren.
„War wollen Sie," erwiederte dieser achselzuckend, „ich traute dem Gomelli eben einen solchen Anschlag nrcht zu und glaubte allen Ernstes an seine Reue. Hätte er mich hinaus nach dem Elb- park führen wollen, ich hätte vielleicht doch Verdacht geschöpft, aber daß ein Seemann oem andern in jenem schmutzigen, schlammigen Master da da» Grad bereiten wolle, da» hätte ich selbst von John- son nicht erwartet."
Lachend reichte ihm der Justizrath die Hand und sagte: „An diesem einen Zuge erkenne ich Sie al» den N ffen meine» Freunde» Schmittchen. eine derartige Austastung der Dinge sähe diesem ganz ähnlich."
„Sre erkennen ihn; ich erkenne ihn!" rief Meta, „aber wird man ihn vor Gericht anerk nnen, wird man f.tnen Versicherungen Glauben schenken?"
„Man wird e«; die Geständnisse de» alten Johnson und Gomellr'» werden darüber lernen Zwetfil Men."
helfe!
Geehrte Herren! Kaiser Wilhelm hat in Seiner ruhm- .eichen, von großen Thaten in Krieg und Frieden erfüllten Regierung das heutige Preußen geschaffen und d.s Streben unseres Volkes nach nationaler Einheit verwirklicht. Mein in Gott ruhender Vater hat mit derselben Pietät, welche Mich Ihm gegenüber beseelt, nach Seiner Thronbesteigung Sich in den öffentlichen Urkunden, welche Sein politisches V-rmächtnih darstellen, die Politik und die Werke Meines verewigten Großvaters angeeignet, und Ich bin entschloffen, Ihm auf diesem Wege zu folgen, auf dem Gebiete der Regierung Preußens wie auf dem
«Liegen des Festes Peter u»d Pauk TifcV wird die nächste Nummer d. Bl. erst am Sonnabend ausgegebeu.
lange er nicht in Frage gesteU wird, genügt, um dem Staatsleben das Matz monarchischer Einwirkung zu sichern, deffen Preußen nach seiner geschichtlichen Entwickelung, nach seiner heutigen Zusammensetzung, nach seiner Stellung im Reich und nach den Gefühlen und Gewohnherten des eigenen Volkes bedarf. Ich bin der Meinung, daß unsere Verfassung eine gerechte und nützliche Vertheilung der Mitwirkung der verschiedenen Gewalten im Staatsleben enthält, und werde sie auch dehhalb, und nicht nur Memes Gelöbnisses wegen, halten und schützen.
Dem Vorbilde Meiner erhabenen Ahnherren folgend, werde Ich es jederzeit als eine Pflicht erachten, allen religiösen Bekenntniffen in Meinem Lande bei der freien Ausübung ihres Glaubens Meinen Königlichen Schutz angedeihen zu kaffen.
Mit besonderer Beftiedigung habe Ich es empfunden, daß die neuere kirchenpolitische Gesetzgebung dazu ge- führi hat, die Beziehungen des Staates zu der katholischen Kirche und deren geistlichem Oberhaupte in einer für beide Theile annehmbaren Weise zu gestalten; Ich werde bemüht sein, den kirchlichen Frieden im Lande zu erhalten.
Die Reform der inneren Verwaltung ist in der letzten Session des Landtages in der Hauptsache zum Abschluß gebracht worden. Die Durchführung der neuen Gesetzgebung hat den Beweis dafür geliefert, daß der Gedanke der ehrenamtlichen Selbstverwaltung in das lebendige Bewußtsein der Bevölkerung übergegangen ist, und daß sich die geeigneten Kräfte bereitwillig in den Dienst des öffentlichen Wohls gestellt haben. Es ist Mein Wille, an dieser werthvollen Errungenschaft festzuhalten und durch Ausgestaltung und Festigung der neuen Institutionen dazu be,- zutragen, daß dieselben in ihrer erfolgreichen Wirksamkeit dauernd erhalten bleiben.
Ich halte in dem Finanzwesen an den altpreußischen Ueberlieferungen fest, welche den Wohlstand des Landes begründet und den Staat auch in schweren Zeiten zur Erfüllung seiner Aufgaben befähigt haben. Mit Befriedigung darf Ich auf die Finanzlage des Staates blicken, wie Ich dieselbe, Dank der Fürsorge Meiner Vorfahren an der Krone, bei M-üi-m Regierungsantritt vorfind-. Di-f- günstige Lage des Staatshaushalts hat gestattet, mit der Erleichterung der Steuern der Gemeinden und der minder begüterten Volksklaffen einen erfolgreichen Anfang zu machen; es ist Mein Wille, daß dieses Ziel weiter verfolgt werde, und dah in gleicher Weise dringliche Bedürfnisse, welche bisher wegen der Unzulänglichkeit der vorhandenen Mittel haben zurückgestellt werden müssen, demnächst ihre Befriedigung finden.
Die verheerenden Ueberschwemmungen, von welchen in diesem Frühjahr weite und furchtbare Theile des Landes heimgesucht worden sind, beanspruchen Meine volle Theilnahme. Durch di- Bereitwilligkeit, mit welcher Sie reiche Mittel bewilligt haben, ist Meine Regierung in den Stand gesetzt worden, viele der geschlagenen Wunden zu heilen und neue Vorkehrungen zur Abwehr ähnlicher Katastrophen zu treffen. Wenn den hartgeprüften Bewohnern der betroffenen Gegenden ein Trost in ihrem Unglück gewährt
„Und wenn sie nicht gestehen?"
„So haben wir hier eine unanfechtbare Zeugin," versetzte der Justizrath, auf Bertha deutend. „Wozu bedürfen wir außerdem der Anerkennung de» Gerichtes, wenn wir Beide ihn nur anerkennen, ich, der Testamentsvollstrecker, Sie, die Erbin des verstorbenen Herrn Christian Schmittchen I"
„Und was wird dann au» meinem Sohne?" schrie der alte Sonnenberg dazwischen und schlug mit der Hand auf den Tisch, daß die Taffen klirrten, „halt Ihr den ganz vergeffen? Soll der gar nicht wieder an'S Tageslicht kommen?"
Erschrocken fuhr Bertha au» einem leisen Geplauder mit Edgar auf, sich bittere Vorwürfe machend, daß sie über dem sie erfüllenden Glücksgefühl, für da» sie noch keinen Namen besaß, des Bruder» vergeffen habe; Meta schaute den Alten mit einem stummen Blicke an, in welchem nur zu deutlich zu lesen stand, daß der Gedanke an den Gefangenen den Untergrund ihre» Sein» bildete, über den alle anderen Ereignisse und Empfindungen nur wie Wandelbilder dahinzogen, der Justiz- rath legte aber die Hand begütigend auf den Alten und sagte in seiner halb sarkastischen, halb ge- schäftsmäßigen Weise:
„Ruhig, ruhig, Papa Sonnenberg, Ihr brav'r Sohn soll die längste Zeit in seinem Gefängnsse gesteckt haben; aber e» heißt bei unserem Gerichte:
Deutsches Reich.
Berlin, 27. Juni.
* Die Eröffnung de» preußischen Landtag» vollzog sich heute im Wesentlichen in denselben feierlichen Formen wie die de» Reichstags. Die Dekoration de» weißen Saales zeigte gegen Montag allerdings wesentliche Veränderungen. Der Thronbaldachin war der rothsammte preußische. Auf den Thronstufen stand der massiv preußische Thronseflel. Da» Bild, welches sich entfaltete, war wiederum ein farbenprächtiges. S. M. der Kaiser und König wurde üeim Ein- tritt von einem vom Herrenhaus-Präsidenten Herzog von Ratibor ausgebrachten dreimaligen Hoch, in welche» die Versammlung begeistert einflimmte, begrüßt. Die Thronrede fand im Allgemeinen lebhafte Zustimmung, besonders kam es am Schluß zu einer imposanten Beifallskundgebung. Mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser, welches vom Präsidenten des Avgeordnetenhauses ausgebracht wurde, schloß die erhebende Feier.
* Das Herrenhaus hielt heute seine erste Sitzung ab, die von dem Piäsidenten der früheren Session, Herzog von Rrtidor, mit einem warmen Nachruf auf den verewigten Kaiser uud König Friedrich III. eröffnet wurde. Der Narrens aufruf ergab die Anwesenheit von 151 Mitgliedern;
„Eile mit Weile." Da müff-n erst die Angeklagten und die Zeugen verhört, da muß die neue Untersuchung etng leitet und die Entlastung des Unschuldigen verfügt werden, darüber vergeht Zeit, wir haben noch nichts versäumt."
„Doch!" rief Sogar Wanderer, hastig aufstehend und nach der Uhr sehend. „Wer sind diese Zeu- gen anders als wir? Der Polizeldtrektor hat uns gestern zu heute nach dem Kciminalgericht bestellt —"
„Es war ein Bote da, der uns zu 12 Uhr geladen hat," fiel Frau Püttrich ein.
Da nur noch wenige Z it bis zur festges.tzten Stunde fehlte, so begaben sich Alle, mit Ausnahme des Justizrathes, dahin; auch M-ta Schmittchen, welche erklärte, Bertha und ihren Vetter nicht verlosten zu wollen.
Da beide Verbrecher inzwischen schon ein umfastendes G-stäadniß abgelegt hotten und die Aus- sagen der Zeugen in keiner Hinsicht davon ad- wichen, so erforderte deren Vernehmung kerne allzu lange Zeit; zudem fühlte sich der Gerichtsrath Bertha und ihrem Vater gegenüber recht unsicher und nahm die Ausfälle des alten Sonnenberg mit einer Gevuld und Sanflmuth hin, die fernen Protokollführer in Erstaunen setzte.
„Allwissend ist nur Gott, Herr Sonnenberg," sagte er endlich, als er ein längeres Stillschweigen doch für unvereinbar mit seiner Würde hielt, die
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