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Sonnabend, den 23. Juni.
1888
Die Kuldaer Reituna' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., 0 9 mit der belletristischen Wochenbeilage ,Stern- und Blumen- in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M 75 Pf.
Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
Zweites Blatt.
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auf die
„Fuldaer Zeitung"
für das mit dem 1. Juli beginnende
III. Quartal 1888
«olle man bei der nächsten Postanstalt, bei den Landbriefträgern oder in unserer Expedition (Buttermarkt 112) rechtzeitig machen.
Nb° Die ,Fuldaer Zeitung ist die Nb einzige in der Diözese Fulda ggf und im Regierungs-Bezirk Cassel Nb täglich erscheinende katholische Nb Zeitung.
Die .Fuldaer Zeitung- hat unter den in Fulda erscheinenden politischen Blättern
die mitns größte Aboll«euteu;ahl, weshalb auch die M Inserate ■ der ,Fuldaer Zeitung' den meisten Erfolg verbürgen.
Der Abonnementspreis beträgt pro Quartal M. 1.50, mit .Sterne und Blumen' Mk. 1.75 (ohne Bestellgeld).
Probe-Nummern stehen auf Wunsch gratis und franko zur Berfügung.
B** Neu zugehende Abonnenten erhalten die .Fuldaer Zeitung' bis zum Schluffe des Monats Juni gratis die Postabonnenten gegen Einsendung der Quittung.
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Abonnenten der heutigen Nr. ds. Bl. beigelegt.
—* * Heber Freimaurerei.
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Proben und Ceremoniell bei der Aufnahme.
(Fortsetzung.)
Der Groß-Experte setzt dem Rezipienden aufs Neue den Degen auf die bloße Brust.
Ehrw. — Profaner I Was fühlen Sie auf Ihrer Brust? Was haben Sie über den Augen?
Der Suchende antwortet, wie es ihm der Fürchterliche Bruder zuflüstert. — — Eine dicke Binde deckt meine Augen und ich fühle auf meiner Brust die Spitze einer Waffe.
Ehrw. — Mein Herr! Dieses Eisen, immer gezückt zur Bestrafung de» Woitbruches, ist das Sinnbild der Gewissensbisse, welche Ihr Herz zerfleischen würden, wenn Sie das Unglück hätten, Verrälher an dem Bunde zu werden, in den Sie jetzt eintreten wollen. Die Binde über Ihren Augen ist das Sinnbild der Verblendung, in welcher sich ein von den Leidenschaften beherrschter und mit Unwiffenheit und Aberglauben behafteter Mensch befindet.
E» folgt eine Pause.
Ehrw. — Mein Herr! Die Eigenschaften, welche wir bei der Aufnahme verlangen, find folgende: Die größte Aufrichtigkeit, unbedingte Gelehrigkeit und unerschütterliche Standhaftigkeit. Die Antworten auf die Fragen, welche ich Ihnen nun stellen werde, werden uns zeigen, was wir von Ihnen zu halten haben.
Hierauf beginnt das erste Verhör, währenddcffen der Fürchterliche Bruder keine Antworten mehr zuflüstert. — Die im Reglement für diesen Anlaß angegebenen Fragen sind: — Was beabsichtigen Sie, indem Sie hier erscheinen? Wer hat Sie auf diesen Gedanken gebracht? Hat nicht Neugierde Sie vielleicht am meisten bei Ihrem Entschlüsse
geleitet? Was für eine Ansicht haben Sie sich über die Freimaurerei gebildet? Antworten Sie mit Offenheit und sagen Sie vor Allem die Wahrheit! — Sind Sie bereit, die Prüfungen zu bestehen, durch welche Sie hindurchgehen muffen? Wissen Sie, welche Verpflichtungen man bei uns Übernimmt? Wer führt Sie in diese Loge ein? — Sind Sie schon lange mit ihm bekannt? — Hat er Ihnen nicht mitgetheilt, was die Maurer thuen. — Welche Gedanken haben die Gegenstände in Ihrem Herzen wachgerufen, welche soeben während Ihrer Gnschließung Ihrem Geiste entgegentraten? — Was denken Sie von dem Zustande, in welchem Sie sich befinden? — Welche Vorstellung erhalten Sie von einem Bunde, in welchem man fordert, daß der Kanoidat in einem so befremdlichen Zustande erscheine? Ist Ihr Vertrauen und Ihr Entschluß nicht etwas leichtfertig? Müssen Sie sich nicht fürchten, daß wir den Zustand der Schwäche, in welchen Sie sich bringen ließen, mißbrauchen? — Ohne Waffen, wehrlos und beinahe nackt, liefern Sie sich auf Gnade und Ungnade Leuten aus, welche Sie nicht kennen. — Flößt Ihnen da» Moral- Examen, das Sie machen müssen, nicht Furcht ein? —
Der Ehrwürdige wartet bei jeder Frage die Antwort des Suchenden ab und macht dabei solche Einwendungen, welche den Geistesanlagen und dem Charakter desselben entsprechen. Er legt namentlich Gewicht auf die Frage nach der Ansicht, welche sich der Profane hinsichtlich der Freimaurerei gebildet; ist die Antwort gegeben, so sagt er in feierlichem Tone: — Mein Herr, die Freimaurerei ist eine Institution, welche selbstständig vorgeht; sie hat ihr Prinzip in der Vernunft (nicht im Glauben) und ist deshalb uuiver- fell. Sie hat ihren eigenen Ursprung, welcher nicht mit dem der Religionen verwechselt werden darf; sie läßt einem jeden seine Glaubensfreiheit, aber sie weist jede religiöse Herrschaft zurück. Obgleich treu ihrem Fundamental-Dogma, ist die Freimaurerei doch vor Allem für den Fortschritt und setzt der Erforschung der Wahrheit keine Grenze. — Der Ehrwürdige stellt, wenn er es für angemessen erachtet, je nach den über den Profanen eingezogenen Erkundigungen noch einige besondere Fragen an denselben. Dann fährt man mit der Aufnahme weiter.
Ehrw. — Ueberlegen Sie den Schritt wohl, den Sie j-tzt thun wollen! Sie gehen, ich wiederhole es Ihnen, fchrccklichen Prüfungen entgegen. Fühlen Sie den Muth in sich, allen Gefahren zu trotzen, welche Über Sie kommen werden?
Bejahende Antwort des Suchenden.
Ehrw. — Dann stehe ich für nicht» mehr gut. Eine Panse.
Ehrw. — Fürchterlicher Bruder! Schleppen Sie diesen Profanen zum Tempel hinaus und führen Sie ihn an alle Otte, durch welche ein Profaner gehen muß, der unsere Geheimnisse kennen will!
Man bemächtigt sich de» Suchenden und bringt ihn, während man ihn hin- und herstößt, in das Vorzimmer. Dort dreht man ihn wieder im Kreise herum, wie beim Austritt ans der Reflexionskammer; hierauf führt man ihn zum Eingänge des Tempels zurück, dessen beide Thiu« flügel offen stehen. Etwas weiter vorn halten einige Brüder einen Rahmen, auf welchem mehrere Lagen starken Papier» aufgespannt sind. Er ist die» ungefähr eine Vorrichtung, wie die Reffe, durch welche die Kunstreiter im Cirkus springen.
Der Fürchterliche Bruder. — Was soll mit dem Profanen geschehen?
Ehrw. — Man bringe ihn in die Höhle!
Auf diesen Befehl hin packen zwei kräftige Brüder den Suchenden und schleudern ihn mit aller Gewalt auf da» ausgespannte Papier, da» bann zerreißt und ihn durchläßt. Andere Brüder fangen ihn auf der anderen Seite auf einer Matratze auf. Darauf schließt man die Thür« flügel mit großem Getöse. Ein eiserner Ring, welcher mehrere Male um eine gekerbte Ersen« Range gedreht wird, bringt ein Geräusch hervor, als ob man ein Schloß mehrmals umdrehe. Alle beobachten das tiefste Schweigen. Der Suchende ist noch immer feiner ganzen Länge nach auf der Matratze auigestreckt, die man unterdessen auf den, Boden niedergelassen hat. — Einige Augenblick' später führt
der Ehrw. einen kräftigen Schlag auf den Altar und sagt: — Richten Sie den Profanen auf und führen Sie ihn zum 2. Aufseher und lassen Sie ihn dort niederknieen!
Der Befehl wird sofort auSgefühtt.
Der Ehrw. — Profaner! Nimm theil am Gebete, welches wir jetzt für Dich an den Beweger aller Dinge richten.......Meine
Brüder l Demüthigen wir uns vor dem großen Baumeister aller Welten; anerkennen wir seine Macht und unsere Schwäche. Halten wir unsern Geist und unser Herz in den Schranken der Billig« keit und bestreben wir uns, durch unsere Werke uns bis zu ihm zu erheben. Er ist einer und unendlich; er ist durch sich selbst; er erhebt fich in allem und überall, er ist Alles. Würdige Dich, o Großer Weltenbaumeister, die friedlichen Arbeiter zu schützen, welche in Deinem Tempel versammelt sind; belebe ihren Eifer, stärke ihre Seele in bett Kämpfen gegen die Leidenschaft, entflamme ihr Herz mit Liebe zur Tugend und gib Ihnen dle erforderliche Beredsamkeit und Ausdauer, damit durch sie Dein Name geliebt, Deine Gesetze beobachtet, Dein Reich ausgedehnt werde! Stehe diesem Profanen bei, halte ihn mit Deiner schirmenden Hand aufrecht inmitten der Prüfungen, die er zu bestehen hat. So sei e». Amen!
Alle Anwesenden sagen: — Amen!
Dem Leser wird da« Widerliche, welche» in der Anwendung de« Gebete» inmitten de« Firlefanzes der Aufnahme liegt, nicht entgehen. Usbttgen» ist unter dem Großen Weltenbaumeister, an welchen die Freimaurer ihre „Gebete" richten, wie später klar werden wird, nicht der biblische Gott, sondern sein Wiedersacher, der Feuergeist, zu verstehen.
Ehrw. — Profaner! Beharren Sie noch bei Ihrem Entschlüsse?
Der Suchende gibt eine bejahende Antwort, worauf man ihn wieder aufstehen läßt.
Ehrw. — Wenn e» so ist, vettrauen Sie sich der unbekannten Hand, welche Ihre SchrUte leiten soll!
Der Fürchterliche Bruder gibt dem Süchenden die Hand und führt ihn mitten durch die Säulen, in welchen wieder tiefe» Stillschweigen herrscht, in die Nähe der Estrade. 1 (Forts, folgt.)
Vermischtes.
* Aus London wird geschrieben: Den Herren ist e» diesmal Vorbehalten, mit der ersten auffälligen Mode-Neuheit hervorzutreten, es sind dies farbige Regenschirme. In eleganten Herrenkreisen gilt es nur mehr als chic, weiße, grüne, blaue oder rothe Regenschirme zu tragen, die, mit Goldgriffen versehen, ein sehr festliches Aussehen selbst dem trübsten Regentag zu verleihen vermögen. Besonders unternehmende Herren tragen sogar Regenschirme, welche mit echten Goldschnürchen eingefaßt sind.
(Weise Vorsicht.^ „Na, Du hast Dir ja auf die Satteldecke Deine ganze Adresse sticken taffen?“ — „Ja i weißt Du, damit die Leute wissen, wohin da» Pferd gehört, wenn sie's auffangen."