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JV 142.

Freitag, den 22. Juni.

1888

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" Inserate?Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. ~__

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auf die

„Fuldaer Zettimg"

für das mit dem 1. Juli beginnende

HI. Quartal 1888

»olle man bei der nächsten Postanstalt, bei den Land­briefträgern oder in unserer Expedition (Buttermarkt 112) rechtzeitig machen.

3NF* Die ,Fuldaer Zeitung' ist die gDM- einzige in der Diözese Fulda und im Regierungs-Bezirk Cassel täglich erscheinende katholische Zeitung.

Die .Fuldaer Zeitung' hat unter den in Fulda er­scheinenden politischen Blättern

die weitaus größte Abouukuteniaiil,

»eshalb auch die M Inserate ■ der,Fuldaer Zeitung' den meisten Erfolg verbürgen.

Der Abonnementspreis beträgt pro Quartal M. 1.50, mit .Sterne und Blumen' Mk. 1.75 (ohne Bestellgeld).

Probe-Nummern stehen auf Wunsch gratis und franko zur Verfügung.

Neu zugehende Abonnenten erhalten die »Ful­daer Zeitung' bis zum Schluffe des Monats Juni gratis die Postabonnenten gegen Einsendung der Quittung.

Deutsches Reich.

Berlin, 22. Juni.

* Die Nachricht, daß die kaiserliche Familie noch in diesem Sommer das Berliner Residenz­schloß dauernd beziehen werde, bestätigt sich nicht. Der Kaiser wird vielmehr mit seiner Familie die Sommermonate hindurch im Marmorpalais zu Potsdam verbleiben.

* Die Kaiserin - Mutter wird dem Vernehmen nach bereits Sonnabend Potsdam verlaflen, um sich nach dem Rhein zu begeben.

* Prinz und Prinzessin Heinrich kehren nicht nach Schloß Erdmannsdorf zurück, werden viel­mehr vorläufig in Potsdam verbleiben, um später nach Kiel überzufiedeln.

Der Reffe.

Kriminalroman von F. A-

(44. Fortsetzung.)

In demselben Augenblicke ertönte die Pfeife des Wächters, der durch den Hütferuf aufmerk­sam gemacht worden war und feinen Gefährten das Signal gab.

Jttzt gab Gomelli feine Sache verloren und wollte fein Heil in der Fluch suchen.

Mit einem heftigen Anlaufe rannte er seinen Gegner, der stch in seinen naßen Kleidern nicht gut bewegen konnte, über den Haufen und suchte das Weite zu gewinnen.

In seiner kopflosen Eile verirrte er sich aber sogleich in dem Gewirr der Gaffen und lief den herbeieilenden Wächtern in die Hände. Rach kurzer Gegenwehr wurde er überwältigt und sammt dem triefenden Littimer und der halb ohnmächtigen Bertha Sonnenberg nach der nächsten Polizeiwache gebracht.

Der wachthabende Polizeibeamte war nicht wenig erstaunt, in dem Matrosen, der ein finstere», trotziges Schweigen beobachtete, den vielbesprochenen Ntffen und Erben des ermordeten Rentier Schmitt« chen zu erkennen, noch weit seltsamer und aben­teuerlicher klangen ihm aber die Aussagen, welche die beiden anderen eingebrachten Personen thaten.

♦ König Leopold von Belgien wird nach Ab­lauf der Trauerzeit dem Berliner Hofe einen Be­such abstatten. t ,

* Dem Kaiser ist durch Armeebefehl des Prinz­regenten von Bayern das erste Ulanenregiment verliehen worden. Bisheriger Chef desselben war Kaiser Friedrich.

* Londoner Meldungen zufolge hat Kaiser Friedrich im letzten Jahre umfaßende Auf­zeichnungen gemacht, welche politische und Familien-Angelegenheiten betreffen. Ein Therl dieser Aufzeichnungen soll vor etwa vier Wochen nach England überführt worden sein.

* Aus Posen wird bestätigt, daß Graf von Zedlitz das Portefeuille des Innern ab gelehnt hat und in seiner Stellung als Oberpräsident von Posen verbleiben wird.

* Der Bundesrath faßt heute über den Antrag Sachsens betr. die Verlängerung des kleinen Belagerungszustands für Leipzig Beschluß. In den Bundesrathsausschüffen beginnt nächster Woche die zweite Berathung der Vorlage betr. die Alters- nnd Invaliditäts-Versicherung.

* Der .Staats anzeiger' veröffentlicht eine König­liche Verordnung, wonach der L a n d t a g auf den 27. Juni berufen wird. Die Verordnung datirt vom 20. Juni. .

* Infolge des Heimganges Sr. Majestät unseres Kaisers Friedrich ist die Abhaltung des 2. d e u t f ch e n Jnnungstages zu Berlin, vom 24. Juni auf den 9. Srptember d. I. verschoben.

* Der Kaiser hat mittelst Erlasses von heute genehmigt, daß für weiland Se. Majestät Kaiser Friedrich Sonntag den 24. d. in allen Kirchen eine Trauerfeier stattfindet. Bei derselben wird eine Bekanntmachung des Ableben» Kaiser Fried­richs verlesen werden, in der es u. A. heißt :

Seine edle Männlichkeit, seine machtvolle Erscheinung, sein ritterlicher Sinn, seine Leutseligkeit und Freundlich­keit gewannen ihm frühzeitig die Herzen. Vor Allem hingen mit Begeisterung ihm an die, welche unter ihm gekämpft und gesiegt hatten. Der Süden und der Norden Deutschlands waren in der Liebe zu ihm, in dem Ver­trauen auf ihn geeinigt. Allein trotz der Höhe auf der er stand, trotz des Ruhmes, der ihn umstrahlte, trotz der Liebe, die ihn umgab, war es doch ein Weg tiefster Selbstverleugnung, den ibn Gott geführt hat. An einem der Gedenktage aus der Zeit der Befreiungskriege, am 18. Oktober, im Jahre 1830 geboren, wurde er in einem

Sie schienen ihm indeß wichtig genug, trotz der vorgerückten Nachtstunde, seinem Vorgesetzten, dem Direktor der Kriminalpolizei, noch Anzeige davon zu machen.

Er ließ Littimer aus den int Depot vorhandenen Kleidern der Sicherheitsbeamten so gut oder so schlecht dies gehen wollte, mit trockenen Sachen versehen und ging zu dem Direktor, um Bericht zu erstatten.

Nach Verlauf von kaum einer Stunde war er mit diesem zur Stelle. Derselbe stellte nochmals ein Verhör mit Littimer und Bertha an und be­fahl alsdann, eine Kutsche herbeizuholen. Er wollte da« junge Mädchen selbst zu ihrem Vater bringen und gleichzeitig die Verhaftung des alten Johnson in der „Meerkatze" bewirken, denn er zweifelte keinen Augenblick an der Wahrheit der ihm mit- getheilten Thatsachen.

Ganz im Gegensätze zu dem Rath Schwendler hatte er den Architekten Sonnenberg nie für den Mörder de» alten Schmittchen gehalten und immer behauptet, man n.üffe in einer anderen Richtung suchen. Schon im Vorau» genoß er nun ven Triumph, die Richtigkeit seiner Behauptung be- w-isen und dem Untersuchungsrichter die Verbrecher vorführen zu können, deren Fang ihm über Nacht gelungen.!

Bertha's räthfelhaste» Verschwinden hatte in­

Alter, wo andere noch in der Vollkraft des Lebens und Wirkens stehen, dahingerafft. Von Jugend auf für den Thron bestimmt, hat er denselben nur wenige Tage über drei Monate eingenommen. Ein Friedenswerk wollte er vollbringen; unbekümmert um den Glanz ruhmbringender Großthaten, wollte er zuftieden sein, wenn seine Re­gierung dem Volke wohlthätig, dem Lande nützlich und dem Reiche ein Segen sei. Gott hat es ihm nicht beschieden, seine in der Stille gereiften Gedanken und Grundsätze allzumal zu verwirklichen.

Der Erlaß ist schön und würdig; aber zu be­stimmen, was von der Kanzel einer katholischen Kirche verlesen werden soll, da» ist Sache der bischöflichen Behörde, vollends wenn da» zu verlesende Aktenstück einen religiösen Ton an­schlägt. Nach dem Tode des Kaisers Wilhelm haben mit dem entsprechenden Erlaß eigenthüm- liche Dinge fich abgespielt. Er wurde zuerst durch den evangelischen Oberkirchenrath veröffentlicht, und an seiner ganz entschieden protestantischen Färbung brauchte man sich deshalb nicht zu stoßen. Erst nachträglich wurde bekannt, daß genau der­selbe Erlaß vom Kultusministerium sämmtlichen Ordinariaten als Formular einer von der Kanzel vorzunehmenden Bekanntmachung zugeschickt worden war. E» freut un», daß dies Mal der Erlaß taktvoll redigirt ist und nicht zuerst als Kundgebung einer protestantischen Kirchen-Behörde an die Otffentlichkeit gelangt. Ob die Ordinariate die Verlesung desselben anordnen, bemerkt beispiels­weise die »Köln. Vztg.', das geht uns nichts an; nur war eine Verwahrung nöthig, als ob die Verlesung derartiger Erlaffe in katholischen Kirchen etwas Selbstverständliches sei.

* Die polnische Landtags- und Reichstags­fraktion beschloß, auch an S. M. den Kaiser Wilhelm eine Adreffe zu senden.

* Posen, 20. Juni. Die Aussicht über den katholischen Religionsunterricht in den Volksschulen ist folgenden bekannteren Geistlichen von der königl. Regierung verweigert worden: dem Propst Akoszewski in Buk; im Decanat Krotoschin dem Propst Polczynrki zu Wyganowo, dem bekannten Abge­ordneten Dr. v. Jazdzewski zu Zduny und dem Dacan Kegel in Krotoschin, wogegen den übrigen Geistlichen im Decanat Krotoschin, ebenso allen Geistlichen im Decanat Rogasen die Aussicht unter den bekannten Bedingungen (Ertheilung des Religionsunterrichts in deutscher Sprache) zuge- zwischen in der „Meerkatze" nicht geringe Auf- regung hervorgerufen. Der alte Sonnenberg, der kurz nach ihrer Entfernung au» der Gaststube in sein Quartier hinaufgekommen war, hatte daffelbe dunkel und leer gefunden, aber noch tdn Arg daraus gehabt, weil er glaubte, Bertha befinde fich noch bei der Wirthin. Erst als er unwillig nach der Tochter rief und von Frau Käthe erfuhr, dieselbe sei schon lange nach ihrem Zimmer hinauf­gegangen, ward er unruhig, ein Gemüthszustand, der sich bei ihm immer im Brummen und Schel­ten auf die ganze Welt äußerte.

Er schalt auf die Tochter, die ihm hier solche thörichte Streiche angab und die überhaupt Schuld daran war, daß er nach Hamburg" gekommen und so lange dageblieben sei; auf seinen Sohn Georg, um dcffentwillert all' das Ungemach über ihn herein­gebrochen war; auf den alten Schmittchen, der den verrückten Einfall gehabt, ein Schloß zu bauen; auf seine verstorbene Frau, die ihn beschwatzt, den Jungen etwa» Anderes werden zu laßen, al» ein ehrlicher Landmann, und nicht am wenigsten auf die eigene Schwäche und Nachgiebigkeit.

Frau Käthe bemühte sich, ihn zu beruhigen; das gelang ihr aber nur schlecht, besonders weil sie sich selbst in groß r Angst um das junge Mädchen befand. Sie trieb ihren Mann fort, nach ihr zu suchen; natürlich kehrte derselbe aber bald unver-