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140.

Mett

1888

Mwwoch, den 20. Juni.

Ieikilg

* Die heutigen umfangreichen Tagesblätter ver» 1 „ öffentlichen wieder eine solche Fülle von Trauer- nover nehmen, kundgebungen aus Orten des In- und Aus- landes, daß man getrost behaupten darf, unser selig entschlafener Kaiser Friedrich erfreute sich der Liede und Achtung der ganzen Menschheit.

• In Ergänzung der bisherigen Mittheüungen über den Befund der Sektion Kaiser Friedrichs wird mitgetheilt, daß neben Krebs und putrider Bronchitis eine brandige Zerstörung der Schleim­häute als selbstständiger Prozeß bestand.

* Wie bereits mitgetheilt, beschränkte stch der kirchliche Theil der gestrigen Beisetzungs­feierlichkeiten auf Gebet und Gesänge. Die

Predigt in der Friedenskirche, wo die Leiche ber- gesetzt wurde, unterblieb auf Anordnung der Kaiserin-Wittwe Victoria nach mündlich ausge­sprochenen Wünschen ihres verstorbenen Gemahls.

• Je einfacher und knapper gehalten die Proklamation des Königs an das preußische Volk ist, mit desto größerer Spannung sieht man jetzt der Thronrede entgegen, mit welcher der Reichstag und später der L a«d t a g eröffnet werden soll und zwar, wie feststeht vom Kaffer selbst. E» unterliegt kaum einem Zweifel, daß sich die Thronrede im Reichstage etwas ein­gehender über die allgemeine Politik und auch in den üblichen Sätzen, die d.e Be­ziehungen zu anderen Staaten betreffen, über bte Ziele der äußeren Politik auslaffen wird Im Reichstag glaubt man, daß Fürst Bismarck ähnlich wie beim Tode Kaiser Wilhelms Gelegenheit nehmen werde, mit der ofstziellen Ankündigung de« Todes politische Betrachtungen zu verflechten. In parlamentarischen Kreisen scheint e» festzustehen, daß der Reichstag eine Adri sie an den Kaiser beschließen und nach zwei Sitzungen wieder geschlosien wird. Daß ihm legislatorische Aufgaben zugehen könnten, gilt für ausgesch^sien. Im preußischen Landtage wird sich die Sache wahrscheinlich ebenso abspielen. Einzelne Blätter kommen erst heute Abend mit ihrem Urtheil über die Proklamation des Königs heraus, auch sie knüpfen daran nicht so weit gehende Betrachtungen, wie es in der Presie des Auslandes zum The,l

blieb und ihm Vertrauen zeigte, konnte er dem Geheimniß auf die Spur kommen. Wie er ein­mal im Besitz desselben, später verfahren würde, das behielt er vorläufig noch der Ueberlegung vor.

Entschlossen folgte er seinem Führer.

Der schwache Laut, bett er vernommen, war doch ein Ruf der Warnung für ihn gewesen — Bertha Sonnenberg hatte ihn ausgestoßen.

Das junge Mädchen hatte, nachdem sie die „Meerkatze" verlasien, zuerst den Weg nach Ham- bürg eingeschlagen. Ihre Ort,kenntmß erstreckte stch so weit, daß sie wußte, welche Richtung ste zu nehmen habe, um nicht nach Altona zu gerathen, sie wußte jedoch nicht, wie ste sich von St. Pauli nach dem Zeughausmarkte finden solle. Und sie wagte sich bei Niemandem zu erkundigen. Dre Männer und Frauen, welche ihr begegneten, schauten ste ohnehin so sonderbar an und suchten ste auf- i zuhalten, so daß sie sich furchtsam in den Schatten der Häuser drückte.

I Behende wie ein Kätzchen kroch sie weiter und

geschehen ist. . .. R ,

• Die Kaiserin - Wittwe Viktoria wird sich, wie verlautet, zunächst mit dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich nach Schloß Erdmannsdorf begeben und ihre Residenz später definitiv m H an­

warnte, falls er sich noch nicht daheim befand, sie mußte auch seinen Verfolger im Auge behalten, all» es das Unglück fügen sollte, baß Beide schon auf ber Straße zusammeutrafen. Was sie dann thun wollte, barüder gab sie sich keine Rechenschaft sie hatte nur bas eine Bestreben, in bis Nahe des Bebrohten zu kommen, um ihn zu warnen und zu ^Wie aber, wenn der vermeintliche Edgar plötz­lich in eine andere Straße einbog? Dann hatte fi7ihn und gleichzeitig den Weg nach dem Zeug- haurmarkte verloren! Sie durfte ihm nicht vor- auseilen, sie mußte stch an feine Fersen heften und erst im letzten Augenblicke voransturzen wie ein vom Bogen geschnellter Pfeil. A

Sie ging athemschöpfend etwa» langsamer, schlüpfte in einen offenstehenden Thorweg, ließ den Matrosen vorüber und folgte ihm wie ein Schatten. Ohne einige Hinderniffe gmg das frei­lich nicht ab. Ein paar mal ward sie durch Männer, die ihr entgegenkamen, in frecher Weise angeredet; verschüchtert floh sie nach der anderen Seite der Straße, aber immer behielt ste den Verfolgten im Auge. Und nun glaubte ste auch die Gegend zu erkennen, ste wußte, daß sie m der Nähe de« Zeughausmarkte« war.

* Die meisten Fürstlichkeiten, welche zu den Beisetzungsfeierlichkeiten nach Berlin gekommen waren, sind bereits wieder abgereist. Der Prmz und die Prinzessin von Wale» verlasien heute den kaiserlichen Hof. In ihrem Gefolge reffen die eng- lischen Aerzte Dr. Mackenzie und Hovell mit ad.

• Zur Verkündigung der Thronbestei­gung de» Kaiser» Wilhelm II. werden sich folgenden höheren Offiziere an bte auswärtigen Höfe begeben: General v. Pape nach Rußland, General - Quartiermeister Graf Walbeisee nach Oesterreich»Ungarn, General v. Schlothe,m nach

Der Neffe.

Kriminalroman von F. A (42. Fortsetzung.)

Deutsches Reich.

* Berlin, 19. Juni.

Sie schritten bicht nebenetnanber gerabeau» gegen Osten bet nächsten Straße zu. Der Regen hatte jetzt etwa» nachgelassen, ber Monb machte wteder- holte, wenn auch vergebliche Anstrengungen, bte ihn verhüllende dichte Wolkenschicht zu durchbrechen, e» fiel dabei aber doch ein etwa» lichterer Schein auf die beiden Wanderer, Littimer war e», als höre er au» einer Seitenstraße einen schwachen Ruf. Einen Augenblick zögerte der Fuß de» jungen Manne», Gomelli richtete die Schritte nach dem düstersten Straßeng« flecht der Altstadt. Sollte er ihn doch in einen Hinterhalt locken wollen? Schnell aber schüttelte er diese Besorgniß wieder von stch ab er glaube seinen Mann zu kennen, und selbst wenn eine Gefahr für ihn lauerte, hatte er nicht Kraft, nicht Muth genug, ihr die Stint zu Meten, und war er nicht verpflichtet dazu? Er hatte fich . ü'esvitztm'Öhren ob sie den

heute Abend Meta geweiht al» Dritter tm Bunde Achtt dabei nut K^gar Wauder« noch

auf die

Fuldaer Zeitung"

für das mit dem 1. Juli beginnende

III. Quartal 1888

Italien, General-Lieutenant Fürst Karl Lichnowski an Se. Heiligkeit den Papst, General-Lieutenant von Derenthall nach Griechenland, General-Major Graf Schlüffen nach Rumänien und Serbien.

• Der Kaiser empfing heute Mittag den Ober- präsidenten von Posen Grafen von Zedlitz - Trützschler. ,

♦ Der Kaiser ist vom Kaiser von Rußland zum Chef des Petersburger Grenadierregiments ernannt worden.

* Geheimrath LudwigWiese erzählt aus der Schulzeit des Kaisers Wilhelm II.:

„Es ist bekannt, daß Prinz Wilhelm im Herbste 1874 in das Gymnasium zu Cassel, genannt Lyccum Fride­ricianum, eintrat, dasselbe von Obersekunda an dre, Jahre besuchte und dort zu Anfang 1877 in ehrenvollster Werse das Maturitätsexamen bestand. Nach der ausdrücklichen Bestimmung des Kronprinzen und seiner Gemahlin wurde ihr Sohn während seiner Schuljahre in Bezug auf An­forderungen- welche die Anstalt an seinen Fleiß und ferne Leistungsfähigkeit stellt-, mit seinen Mitschülern ganz gleich gehalten." Auf der letzten Revisionsreise, die Wiese tm qeuni 1875 kurz vor seinem Rücktritt aus dem Amte un­ternahm, inspizirte er auch das Gymnasium zu Cassel, lieber seine damalige Begegnung mit dem einstigen Erben des preußischen und deutschen Thrones lesen wir: „Prinz Wilhelm kam jeden Morgen zu Pferde von Wilhelmshohe, wo er im Sommer wohnte, herein und war zedesmal pünktlich um 7 Uhr in seiner Klaffe, damals Unterprima. Nach dem Willen des Kaisers wurde die Klaffe, welcher der Prinz angehörte, auf 20 Schüler beschränkt. In sei­nem Aeußeren und in seiner Haltung fand ich ihn von seinen Mitschülern nicht verschieden und in fernem Wesen durchaus bescheiden und anspruchslos. Ich konnte wahr­nehmen, daß der Prinz eine Vorliebe für Horaz hatte; er batte freiwillig mehrere Oden übersetzt und auswendig ge­lernt, und bisweilen, wie mir der Direktor sagte, brachte er Münzen und Abbildungen ant ker Gegenstände, durch welche er eine Stelle illustrirt glaubte, mit m die Klaffe. Das größte Jntereffe widmete er der Geschichte. Von meinen prüfenden Fragen verfehlte er k-me, und als ich, da ich von seinen Ausflügen gehört, fragte, ob er auch m Gelnhausen gewesen, bejahte er es, und wir machten dann von den lokalen Erinnerungen an Barbarossa aus einen Erkurs in die deutsche Kaiser-Geschichte, dem er mit Vergnügen und einer (nicht auf Namen und Zahlen be­schränkten Kenntniß folgte." - Der Direktor rühmte fern mlliqes Eingehen in alle Ordnungen der Schule und seinen unbefangenen Verkehr mit feinen Mitschülern, wobei er jedoch eine unziemliche Vertraulichkeit, die sich bisweilen cm ihn zu drängen suchte, mit gutem Takt fern M halten wußte. Auch fein treuer Fleiß wurde non ben lobend anerkannt; vielleicht keiner ferner Mitschüler stand m so strenger Gewöhnung an genaue und gewissen­hafte Eintheilimg und Verwendung der Bett In den Freistunden, besonders des Mittwochs und Sonnabends Nachmittags, unternahm der Prinz regelmäßig Exkur­sionen, von Mitschülern begleitet. Die Exkursionen er-

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wolle man bei der nächsten Postanstalt, bei den Land­briesträgern oder in unserer Expedition (Buttermarkt 112) rechtzeitig machen.

Die,Fuldaer Zeitung' istdre einzige in der Diözese Fulda gg* * und im Regierungs-Bezirk Cassel gg- täglich erscheinende katholische K Zeitung.

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