Einzelbild herunterladen
 

Ö 00 I

188*

Fulimr

Zweites Blatt

!

5

n

»

1

)

Q

e it

6

Leiden trug, allezeit still zu Dir, allezeit stark durch Dich als den Meister im Helfen für das gnädige Ziel, das Du seiner Trübsal gesetzt hast." Nach dem Gebete stimmte die gesammte Trauer- Versammlung den Choral an: „Ich weiß , daß mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erde wieder aufwecken und werde darnach mit dieser meiner Haut umgeben werden und werde in meinem Fleisch Gott sehen denselben werde ich sehen und meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder." Die Sopranstimmen sangen hierbei das Lied: „Christus, der ist mein Leben." Dann wurde der Sarg nach dem Leichenwagen getragen und der 3ug setzte sich langsam unter dem Geläute aller Glocken in der festgesetzten Ordnung in Bewegung. Garde du Corps eröffneten denselben, dann folgte sofort die Geistlichkeit, um die Leiche am Eingänge ,er Friedenskirche empfangen zu können. An diese chloflen sich die Hofbeamten und die Aerzte, dann folgten mit den Reichsinsignien die Minister. Dem Leichenwagen vorauf gingen die Hofchargen, neben dem Leichenwagen vier Ritter des Schwarzen Adlerordens, welche die Zipfel des Leichentuches hielten, zwölf General-Major», welche den Bal­dachin über dem königlichen Sarge trugen und sechs Generallieutenants, welche die Kordons hielten. Ferner gingen neben dem königlichen Leichenwagen die zwölf Kommandeure der preu­ßischen, bayerischen und sächsischen Leibregimenter des verstorbenen Kaisers. Hinter dem Sarge wurde das Leibpferd Kaiser Friedrich'» geführt. Der Sarg glich dem, in welchem Kaiser Wilhelm bei- gesctzt worden. Den Allerhöchsten und Höchsten Leidtragenden trug General-Feldmarschall Graf von Blumenthal da» Reichrpanier voran. An der Seite des Kaisers, bissen Züge schmerzlichen Ernst zeigten, schritt König Albert von Sachsen, der treue Freund des verstorbenen Kaisers. Dem Kaiser folgten Prinz Heinrich und die übrigen Mitglieder der königlichen Familie, sowie die fremden Fürstlichkeiten, darunter der Großherzog und der Erbgrvßherzog von Baden, der Groß- Herzog von Hissen, der Großherzog von Mecklen- burg-Schwerin, die Herzöge von SachsewCoburg und Anhalt, der Fürst Reuß j. L., der Erbgroß- Herzog von Mecklenburg-Strelitz, die Prinzen Leopold von Bayern und Leopold von Schwarz­burg-Sondershausen, der Prinz von Wale», Prinz Albert Viktor von England, der Kronprinz von Schweden, Großfürst Wladimir von Rußland u. A. Im weiteren bestand der Kondukt aus Ab­gesandten fremder Fürsten, der Generalität, den Rittern von Schwarzen Adlerorden, den Chefs der fürstlichen Häuser, den Spitzen der Reichs- und Landesbehörden, den Präsidien des Reichstags und Landtags und Deputationen der Residenzstädte Berlin, Potsdam und Charlottenburg. Auch Fürst Bismarck und Gref M oltke folgten der Leiche ihres kaiserlichen Herrn.

Der Zug bewegte sich durch die Hauptalleen de» Schloßgartens von Sanssouci, woselbst Truppen der Garnison Chaine bildeten. Vom Obelisken ab wurde die Chaine von Innungen, Krieger­vereinen und anderen Korporationen formirt. Die Trauerstraße war dem Ernste der Feier ent­sprechend dekorirt. An der Friedenrkirche empfing H» gesammte Geistlichkeit den königlichen Sarg und geleitete denselben in das Gotteshaus, wo Orgelklang den Trauerzug empfing. Dann stimmte der Domherr die Neidthari'sche Motette : „Sei getreu bis in den Tod, so will ich Dir dre Krone des Leben» geben", worauf die Liturgie begann. Eine Trauerrede fand nicht statt. Als Oberhof­prediger Dr. Kögel den Segen über die sterbliche Hülle gesprochen, erdröhnten drei Jnranteriesalven,

—* Die Beisetzung Kaiser Friedrichs.

Al» vor wenig mehr als drei Monden die irdische Hülle des Kaisers Wilhelm vom Dome zu Berlin nach dem Mausoleum zu Charlottenburg übergeführt wurde, hatte noch der Winter sein weißes Bahrtuch ausgebreitet und der Weg der Leidtragenden ging über knirschenden Schnee. Wie ganz anders heute, da ein zweiter Kaiser zur letzten Ruhestätte gebracht wird. Wir stehen am Ausgange des Frühlings und die Natur zeigt sich in herrlichster Entfaltung. In glänzendem Sonnen- fchüne zieht der düstere Trauerzug durch die grünen Gärten von Sanssouci. Die Anordnung der Beisetzungsfeier, sowie namentlich des Trauer- zuges, ist so ziemlich dieselbe wie sie bei der Bei­setzung Kaiser Wilhelms gewesen. Und doch wie verschieden ist da» Bild, verschieden durch Ort und Tageszeit.

Die Einsargung der Leiche Kaiser Friedrich» hat bereit» am Sonntag Nachmittag stattgefunden. Zahlreiche Abordnungen von deutschen und frem- den Souveränen, von Städten und Körperschaften waren vorher erschienen, um Kränze niedcrzulegen. Bevor die Zulöthung des Sarges begann, waren der Kaiser, die drei Kaiserinnen, sowie die übrigen Mitglieder der königlichen Familie nochmal» an die Bahre herangctreten, um Abschied zu nehmen für immer. , , „, .. „

Heute (Montag) früh begaben sich dre Thetl- nehmer an dem Trauer-Kondukt, Fürstlichkeiten, Minister, Generalität u. s. w., soweit dieselben nicht schon in Potsdam weilten, in drei Extra- zügcn nach der Station Wildpark. Um 9 Uhr erklangen zum ersten Male die Glocken sämmt- licher Kirchen der Insel Potsdam. Gleichzeitig setzten auch die Kirchenglocken der Reichshauptstadt ein. In der JaSpiSgallerie des SchloffeS Friedrichs- kron, wo die Leiche aufgebahrt war, begann um 9 Uhr die Aufstellung zur Feier. Generalfeld­marschall Graf von Blumenthal stand mit dem Reichspanier am Kopfende des Sarges, neben ihm die General-Adjutanten von Mifchke und von Winterfeld mit gezogenen Degen. Der Oberst­kämmerer Graf zu Stolberg-Wernigerode, sowie die Staatsminister von Maybach, von Lucius, Bronfart v. Schellendorff, von Friedberg, von Bötticher, von Goßler, von Scholz und Graf Bismarck traten hinter die Tabourets mit In­signien der Kaiser- und Königswürde. Hieraus ordneten sich die Hofchargen sowie die sonst emge- ladenen Personen. Als der Kaiser sowie die übrigen Mitglieder des kaiserlichen Hauses und

I die sonstigen fürstlichen Leidtragenden um W Uhr in die Jaspisgallerie eingetreten waren, begann

I die Trauerfeier. Der Chor der Zwölfapostelkrrche I zu Berlin, 80 Stimmen, intonirte den Bach'schen I Gesang „Bald trugst Du mich zu höheren Freu- I den, die diese Welt nicht geben kann". Hierauf I folgte der Bach'sche Choral „Jesus meine Zuver- I sicht". Inzwischen war Oberhofprediger Dr. ! Kögel an den Sarg herangetreten, um da» I Gebet zu sprechen. „An seinem Sarg", so sprach der geistliche Redner u. A., „sagen wer Dir in I der Abschiedsstunde wehmütigen Dank für Alle», I was Du an ihm und für ihn gethan , für iever 1 vorbildlichen Zug der Liebe und Leutseligkeit, mit I dem Du ihn zum Dienen und zum Herrschen I schmücktest, für das Einheitsband zwischen -ud I und Nord, das er in großer Zeit in nttsrlichem I Kampfe mitschaffen half, für alle dre helden- I müthige Geduld, mit der er sein lange«, schwere»

Dienstag, den 19. Juni.

x gttTWtt A Jniluu

.. _...

sowie 101 Kanonenschüsse, worauf unter Glocken- I geläute die tiefergreifende Feier schloß. *

Eine gewaltige Menschenmenge hatte die Trauer- I straße entlang, soweit dieselbe freigegeben n-ar, I Aufstellung genommen. Tribünen, Fenster urd I Balkons waren dicht besetzt. Allenthalben trug I da» Publikum eine dem tiefen Ernste der Feier I entsprechende Stimmung zur Schau und die I Ordnung war eine musterhafte. I

Lebensbild des hochseligen Kaisers I

Friedrich. |

(Schluß.) j

Am 11. Dezembe/1861 raubte der Tod der königlichen I Familie den Prinzen Albert, Gemahl der Königin Viktoria I von England, den Vater der Kronprinzessin. Am 24. Jul, I 1860 war die Prinzessin Charlotte und am 14. August I 1862 Prinz Heinrich geboren worden. In diesen Jahren I nahm der Kronprinz den regsten und selbstthat'gsten An- I theil an dem Aufblühen der Gewerbe und Künste. Seme I ersten kriegerischen Erfahrungen sammelte der Kronprinz I in Schleswig während des Krieges, ohne gerade direkt an I den Kämpfen beteiligt zu fein. Damals wurde er vom Könige durch Verleihung des 5. westfälischen Infanterie- I Regiments Nr. 53 ausgezeichnet. Das Ritterkreuz des Maria-Theresien-Ordens hatte der Kaiser von Oesterreich ihm schon nach dem Sturme von Düppel verliehen. Die bedeutendste Auszeichnung aber, die dem Kronprinzen m | diesem Feldzuge zu Theil wurde, war die Ernennung des­selben zum kommandirenden General des 2. Armeekorps. Am 17. Dezember hielt die zweite Abtheilung der sieg- reichm Armee, mit deren Erfolgen der erste Waffenruhm des Kronprinzen verknüpft war, den feierlichen Einzug m Berlin. Im deutschen Kriege von 1866 wurde dem Kronprinzen als Jüngstem der Feldherrn das Oberkom­mando über die II. preußische Armee übertragen. Von Glatz und Reisse aus rückte er am 26. Jun, in Böhmen ein, passirt« die gefahrvollen Gebirgspässe, siegte am 28. | bei Rachod und Trautenau, am 29. bei Skalrtz und trug in dem Entscheidungskampfe beiKöniggrätz durch sem recht­zeitiges Erkcheinen bei Chlum am Mittage des 3. Jul, wesentlich zum Siege bei. Die Schlacht war gewonnen, der Feldzug entschieden. Abends 8 Uhr trafen der König und sein Sohn auf dem Schlachtfelde zusammen. Der König umarmte seinen Sohn, der ihm die Hand küßte, der Vater übergab dem treuen Sohne und Helfer den Orden pour le merite, den der Kronprinz unter Thranen ent- geqennahm. Rach dem siegreichen Kampfe von Komggratz bestand die kronprinzliche Armee noch die Gefechte von Tobitschau am 17. Juli, den Vorstoß gegen Prerau — ein blutiges Gefecht bei Blumenau bildete den Schlußakt der Tressen des Krieges. Der Jubel, welcher in Berlin den Siegern entgegengebracht wurde, war em gewaltiger. Unter den Führern waren es besonders der Kronprinz und Prinz Friedrich Karl, deren Persönlichkeiten dem Volke von hohem Interesse waren. Die für denkKronprinzen bereits gehegte Verehrung steigerte sich zum Enthusiasmus. Am -0. Sep­tember, bei dem Einzuge der Truppen m Breslau, wurde der Kronprinz zum Chef des 2. schlesischen Dragoner-Re­giments Nr. 8 ernannt und erhielt den Vorsitz einer Prü­fungs-Kommission, welche die im Kriege gemachten Erfah­rungen zu untersuchen hatte. Während des Krieges hatte die kronprinzliche Familie ein schwerer Schlag getroffen, indem Prinz Sigismund (geb. 1864), wahrend der Vater auf dem Schlachtfelde abwesend war, starb. Anfangs des Jabres 1868 übernahm der Kronprinz auch den Vorsitz der Landesvertheidigungs-Kommission. Reben seiner um- fasienden militärischen Thätigkeit sand der Kronprinz m den sorgenden Jahren immer noch Zeit 'm Kreise feinet Lieben sich den Freuden eines wahrhaft glücklichen Fami­lienlebens hinzugeben. Außerdem beschasUgten ihn Kunst und Wissenschaft sehr angelegentlich. Im ^ahre 1869 un­ternahm der Kronprinz die denkwürdigste »"d größte Reise seines Lebens, die Reise nach dem Orient anläßlich der Eröffnung des Suezkanals. Auf der Rückreise berührte er Paris, wo ihm von Napoleon und seiner Gemahlin ein glänzender Empfang bereitet wurde. .

9 Bei Ausbruch des deutsch - franzosischen Kr,eges, aus dem Sieqeswege zur deutschen Emhert, erhielt der Kron­prinz den Oberbefehl über die 3. Armee und damrt über die süddeutschen Truppen. Unter seinen Augen erfocht die o oirmee am 4. August einen glanzenden Sieg bei bet Erstürmung von Weißenburg und des bochmter legenden Gaisberqes. Es folgte die Schlacht 5et Worth. Am 16. August rückte „unser Fritz" in Nancy em. Das eiserne Kreuz erster Klaffe war der Lohn, welchen der Komg fer­nem Sohne und Feldherrn sandte, das der zweiten Kaffe roar ihm schon nach dem Weißenburger Siege zu The, geworden. Wahrend der Kämpfe um Metz blrel» er bo ,ur Deckung stehen unb ging bann auf einer südlichen Lime über Sommeret), Bar le duc u. s. w. vor, um unter Mit.