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131. Sonnabend, den 9. Juni.

1888

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Zweites Blatt.

—* Ueber Freimaurerei.

x.

Proben und Ceremoniell bei der Aufnahme.

(Fortsetzung.)

Taxil sagt in seiner Charakteristik der Loge: Die Ceremonien der Loge sind soweit entfernt, die imponirende Majestät des katholischen Kultus zu besitzen, daß sie vielmehr lächerlich und oft geradezu abgeschmackt sind; sie verrathen durch die ihnen charakteristische gehässige und glatte Nach­äffung des Heiligen die infernale Bosheit, welche sie eingegeben hat." ...»

Wenn wir nun im Folgenden das in der Loge gebräuchliche Aufnahmeritual ausführlich mit­theilen, so find wir uns wohl bewußt, damit die Geduld des Lesers auf eine harte Probe zu stellen. Jndeß glaubten wir da« Ritual unverkürzt geben zu sollen, um so von der Geistlosigkeit derselben einen Begriff zu geben. Wir halten dafür, daß schon allein die Veröffentlichungen des abge­schmackten Rituals manchem denkenden Aspi­ranten den Eintritt in die Loge gründlich ver- leibett müssen.

Hat die Stunde für die Eröffnung der Sitzung geschlagen, so nehmen alle anwesenden Mitglieder der Loge auf die Einladung des Ehrwürdigen hin, geschmückt mit ihren Gradinstgnien, die ihnen zukommenden Plätze ein. Der Ehrwürdige steigt in den „Ost.n" hinauf, nimmt auf seinem Throne Platz und thut einen kräftigen Hammerschlag, welcher von den Aufsehern wiederholt wird. Diese drei Schläge bewirken ein augenblickliches voll­kommene» Stillschweigen im Tempel. Der Bruder Decker schließt die Thüre; alles steht aufrecht an seinem Platze. Auf den Bänken liegen Degen von der Art, wie sie im Theater angewendet werden.

Der Ehrw. — Bruder 1. Aufseher! Welches ist die erste Pflicht eine» Logen-Aufseher» ?

1. Aufseher. — Ehrwürdiger! Zuzusehen ob die Loge wohl gedeckt ist, und ob alle Brüder auf den Säulen Maurer find.

Ehrw. — Vergewissern Sie sich darüber, mein Bruder!

1. Auff. — Bruder Groß-Experte! Sehen Sie nach, ob die Loge gedeckt ist, und thun sie Ihre Pflicht.

Auf diese Aufforderung hin geht der Groß- Experte, mit seinem Schwerte bewaffnet zum Tempel hinaus. Er untersucht das Vorzimmer, er empfiehlt dem dienenden Bruder Decker, Niemanden etntreten zu laffen, bevor er gehörig auf die vor­schriftsmäßigen Fragen geantwortet hat. Während dieser Zeit durchlaufen die zwei Aufseher, um sich zu vergewiffern, daß alle anwesenden Brüder wirk­lich Mitglieder der Loge find, schnell ihre respek- tiven Säulen.

Wenn der Groß-Experte in den Tempel zurück- kehrt, begibt er fich zum 2. Aufseher und sagt ihm leise: Die Loge ist von außen gedeckt.

2. Aufs, sagt zum Ersten. — Bruder 1. Aufs.! Der Bruder Groß-Experte hat seine Pflicht ge- than; die Loge ist von außen gedeckt. Auch was die nördliche Säule anbelangt, sind alle Brüder, welche dort sind, Maurer.

1. Aufs. — Ehrwürdiger! Der Tempel ist sowohl von außen, als von innen gedeckt; alle Brüder auf beiden Säulen sind Maurer.

Ehrw. — Bruder 1. Aufseher! Welches ist die zwefte Pflicht eines Logen-Aufsehers?

1. Aufs. — Sich zu rrtgeroiffern, ob alle Brüder in Ordnung sind.

Ehrw. — Vergewiff rn Sie sich also, Brüder 1. und 2. Aufseher, jeder auf seiner Säule und

erstatten Sie mir Bericht. In Ordnung, meine Brüder, das Gesicht nach dem Osten.

Daraufhin kehren sich alle auf den beiden Säulen Anwesenden zu 3/< gegen die Estrade und nehmen eine eigenthümliche Stellung ein, welche man „Lehrlings-Ordnung" nennt. Die Stellung ist derart, daß sie nur von Eingeweihten eingenommen werden kann; denn jeder, der sie einnimmt und sich so zu drei Vierteln dreht, kann nur von den Aufsehern, keineswegs aber von seinen Nachbarn gesehen werden. Die Aufseher kehren, nachdem sie diese Prüfung vollendet haben, auf ihre respek« tiven Plätze zurück.

2. Aufs. — Br. 1. Aufseher! Alle Brüder der nördlichen Säule sind in Ordnung.

1. Aufs. — Ehrw. Meister! Alle Brüder der beiden Säulen stnd in Ordnung.

Ehrw. — Br. 1. Aufs.I Zu welcher Stunde pflegen die Maurer ihre Arbeiten zu eröffnen?

1. Aufs. — Zur Mittagsstunde, Ehrwürdiger! Ehrw. Welche Stunde ist es?

2. Aufs. — Ehrwürdiger! Es ist Mittag.

Ehrw. — Da die Stunde gekommen ist, zu welcher wir unsere Arbeiten eröffnen müffen, so laden Sie, Brr. 1. und 2. Aufs., die Brr. ihrer Säulen ein, mit mir die Arbeiten der Achtbaren Loge N. im Oriente N. im Lehrlingsgrade, im .....Ritus zu eröffnen.

1. Aufs. — Br. zweiter Aufseher, Brüder, welche ihr die südliche Seite ziert! Der Ehrw. ladet uns ein, mit ihm die Arbeiten der Achtbaren Loge ... zu eröffnen.

2. Aufs. — Brr., welche ihr die nördliche Säule ziert! Der Ehrw. ladet uns uns ein u.s. w. - Br. 1. Aufseher! Die Botschaft ist meiner Säule mitgetheilt.

1. Aufs. — Ehrwürdiger! Die Botschaft ist der nördlichen und südlichen Säule mitgetheilt.

Ehrw. (nachdem er sein Haupt entblößt und dreimal mit dem Hammer auf eine besondere Weise auf den Altar geklopft hat): Zu mir meine Brüder! (Alle richten ihre Augen auf ihn.) — Durch da» Zeichen! (Alle machen das Zeichen des Lehrlingsgrades.) — Durch die Batterie! (Alle schlagen dreimal auf besondere Art in ihre Hände.) — Und durch den geheimnißvollen Zuruf!

Alle Anwesenden. — Hussa! Huffa! Huffa!

(Der Zuruf ist je nach den Riten verschieden. Im französischen Ritu» sagt man: Vivat! Vivat! Semper vivat! — Im Schottischen: Houze! Houze! Houze! — Im Ritus von Misraim: Alltluja! Alleluja! Alleluja!)

Ehrw. — Meine Brüder! Zur Ehre des Großen Baumeisters der Welten, im Namen und unter den AuSspicien de» N. Orients ist die Maurerlehrlingsloge N, im N. Ritus rc. eröffnet!

Laffm Sie sich nieder! (Man fitzt fich.)

Ehrw. — Bruder Sekretär! Wollen Sie ge­fälligst das in unserer letzten Sitzung entworfene Protokoll verlesen? — Br. 1. und 2. Auss.! Laden Sie die Brüder, welche ihre Säulen zieren, ein, gefälligst dieser Lesung ihre Aufmerksamkeit zu schenken.

Die Aufseher geben die Botschaft weiter.

Ehrw. — Bruder Sekretär! Sie haben das Wort.

Nach beendigter Verlesung des Protokolls sagt der

Ehrw. — Brüder 1. Aufs, fragen Sie die Brüder, welche die Säulen bilden, ob sie zu dem Protokollentwurf Bemerkungen zu machen haben. . ,,,

1. Aufs, (nach einem Hammerschlage). — Brüder, die Ihr die nördliche und südliche Säule ziert! Der Ehrw. fragt, ob Sie zu dem Protokoll­entwurf Bemerkungen zu machen haben.

Hat ein Bruder eine Berichtigung vorzuschlagen, o erhebt er sich, klatscht in seine Hand und streckt zegen den Aufseher seiner Säule den Arm gerade ms. (So begehrt man das Wort.) Der Aufs, ienachrichtigt den Ehrw. Hat der Ehrw. das Wort gewährt, so setzt der Aufs, den Br. hievon in Kenntniß, der jetzt erst sprechen darf. Derselbe muß immer den Ehrw. oder die ganze Loge an­reden; er darf sich niemals an einen Bruder im Einzelnen wenden. Uebrigens darf man nur über das Protokoll und feine Abfaffung sprechen.

Sind die als begründet anerkannten Berbeffe- rungen vorgenommen oder werden keine Bemer­kungen gemacht, so thut der 1. Aufs, einen Hammerschlag und sagt: — Ehrw.! Es herrscht auf beiden Säulen Stillschweigen.

Ehrw. Ich lade den Bruder Redner ein, seine Anträge zu stellen.

Der Redner. — Ich beantrage die Annahme des Protokollentwurfs unserer letzten Arbeiten.

(Dies ist tatsächlich die ganze „Rede" des Redners; derselbe begründet seine Anträge nie­mals.)

Ehrw. — Meine Brüder! Mit Rücksicht auf das Stillschweigen der Loge und nach Anhörung des Antrages unseres Br. Redner ist der Entwurf angenommen; bestätigen wir ihn durch unsere Zu­stimmung.

Nun strecken alle nach dem Vorgänge des Ehrw. ihren rechten Arm aus und laffen ihn geräuschvoll auf ihren Schenkel niederfallen. Das Alles gehört zu den sogen. „Familienarbeiten", bei wel­chen nur Mitglieder der Loge zugegen sein dürfen. Ist aber das Protokoll angenommen, so können besuchende Brüder, welche den Meistergrad besitzen müssen, eingeführt werden.

Ehrw. — Bruder Ceremoniemeister! Wollen Sie sich in den Vorhof des Tempels verfügen, um zu sehen, ob besuchende Brüder da sind.

Sind besuchende Br. da, so sagt der Ceremo- nienmeister: Ehrw.! Besuchende Br.....an

der Zahl, begehren die Erlaubniß, an unseren Ar­beiten theilzunehmen. Der Ehrw. beauftragt hier­auf den Groß-Experten, dieselbe auf ihre Freimau­rereigenschaft zu prüfen. Die Formalität besteht in einem durch da« Reglement bestimmten Verhöre in den üblichen Fragen, in Zeichen, Griffen, Paß­worten, heiligen Morten u. s. w>, auf welche wir noch eingehend zu sprechen kommen.

Haben die Besuchenden den Formalitäten Ge­nüge geleistet, so sagt der

Ehrw. — Bruder 2.Aufs.! Melden Sie dem zugeordneten Ceremonienmeister, daß er die aner­kannten besuchenden Brüder mit den ihrem Grade und ihrer Würde gebührenden Ehrenbezeigungen einführen könne.

Nach einer kurzen Anrede, in welcher er die Besuchenden willkommen heißt, läßt der Ehrw. ihnen maurerischen Beifall klatschen (vurch die Bat­terie de« Lehrlingsgrades) und ladet sie ein, sich auf den ihnen gebührenden Plätzen niederzulaflen. Wenn ein besuchender Bruder zu spät kommt, klopft er in der festgesetzten Weise, an die Thüre. Der Bruder Decker öffnet dieselbe dann halb, prüft ihn schnell und schließt dann sofort wieder. Hier­auf thut der

1. Auss. einen Hammerschlag. — Ehrw.! So- eben hat man maurerisch an die Pforte des Tem­pels geklopft.

Ehrw. Bruder 2. Aufs. Laffen Sie nach­sehen, welcher Bruder also geklopft hat!

2. Aufs. Ehrw.! Ein besuchender Bruder be­gehrt E nlaß in diese achtbare Werkstätte.

Man führt den zu spät gekommenen 93r. ein. Er macht das Z ichen und führt den vorschrists- mäß'gen Gang au«.