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1888

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Erstes Blatt.

© Zum Lutherfestspiel in Berlin.*)

Die Angelegenheit des Lutherfestspieles in Ber­lin hat wieder einmal eklatant gezeigt, daß die Störung des konfessionellen Friedens von einer unduldsamen protestantischen Clique ge­radezu systematisch betrieben wird. Man kann dem Berliner Polizeipräsidium und den beiden Ministern des Innern und des Kultus nur auf­richtigen Dank wisien, daß sie durch eine nach jeder Richtung hin gerechtfertigte Cenfurirung des herausfordernden Lutherfestspieles eine Orgie der Intoleranz in der deutschen Reichshauptstadt verhindert haben. Am Mittwoch Abend hat aller­dings die Aufführung stattgefunden, aber die Un­ternehmer haben sich die Streichungen gefallen lasten müsten, das Trümpelmann'sche Stück kam in gekürzter Form zur Darstellung. Das Wölfi­sche Telegraphen-Bureau hat sich dazu hergegeben, eine Nachricht der .Post' zu verbreiten, wonach der Kaiser sein Befremden über das Verbot des Lutherfestspiels zu erkennen gegeben habe, und eine weitere Nachricht der .Köln. Ztg.', der Kaiser habe sich bei dem Minister v. Puttkamer über die Ursachen des Verbotes erkundigt. Aehnliches mel­dete die ,Nat.-Ztg.'. Man erkennt hier nur zu deutlich die künstliche Mache. Dieselben Blätter, welche über unerhörte Indiskretion und grobe Fälschung zetern, wenn ein freisinniges Blatt eine ihnen unbequeme, vom Kaiser geschriebene Zettel- bemerkung in die Oeffentlichkeit bringt, wollen in diesem Falle auf das Genaueste über die Mei­nungsäußerung und über die amtlichen Schritte des Kaisers unterrichtet fein. Die Mache ist um so durchsichtiger, wenn man bedenkt, daß es sich überhaupt nicht um ein „Verbot" des Festspiels gehandelt hat, sondern nur um eine gründliche Säuberung des Stückes von solchen Stellen, die nach der Ueberzeugung der beiden Minister und des Polizeipräsidiums „eine schwere Gefähr­dung des konfessionellen Friedens" darstellen wür­den. Mag man jetzt in protestantischen Hetzblät­tern sagen, was man will, es steht fest, daß die Verfügungen der Cenfurbehörde nicht rückgän­gig gemacht worden sind, daß das Stück vielmehr

*) Nachdruck verboten.

Der Neffe.

Kriminalroman von F. A.

(33. Fortsetzung.)

Es währte wohl ein paar Minuten, ehe das junge Mädchen mehr als verworrene Laute ver­nahm; erst als ihr heftig klopfendes Herz sich etwas beruhigt und ihr Ohr sich mehr an die fremdartigen Töne gewöhnt hatte, unterschied sie, daß das Gespräch in englischer Sprache geführt ward, und je angestrengter sie lauschte, um desto mehr ward ihr zu ihrer freudigen Ueberraschung klar, daß sie der Unterhaltung zu folgen ver­mochte, da sie sich ohne Wifien ihres Vaters ins­geheim mit der englischen Sprache vertraut ge­macht hatte.

Was sie hörte, war angethan, alle ihre Geistes­und Seelenkräfte auf das Höchste zu spannen. Auf den Fußspitzen schlich sie an die Thüre des Nebenzimmer», kauerte sich nieder, so daß ihr Ohr am Schlüflelloche lag und lauschte mit au- gehaltenem Athem.

„Warum bestellst Du mich hierher? fragte die ihr bekannt scheinende Stimme in gedämpftem Tone. „Weßhalb muß ich in diese Spelunke , mmen?"

in gesäuberter, abgekürzter Faffung aufgeführt worden ist.

Man muß die beanstandeten Aufzüge und Stellen, welche jetzt in der .Magdeb. Ztg.' und im ,Berl. Tagebl.' veröffentlicht werden, vollinhaltlich gelesen haben, um sich ein Urtheil über den hier gegen katholische Lehren und Einrichtungen zu Tage tre- tenden Fanatismus zu bilden. Die Tetzelscene ist geradezu empörend ausgestattet. Auch die Reli­quienverehrung, die Mefie, das Ordenswesen, Papst und Papstthum sind in der unerhörtesten Weise herabgewürdigt. Wir wollen nur drei charakteri­stische Stellen hier wiedergeben. Ein Franziskaner- Mönch äußert sich einer Novize gegenüber über das Ordensgelübde also:

. . . . „Du wirst lügen, wie Sie alle logen! Logst ja heute schon, (Mit Schmerz): Ein jeder kennt die Lüge, lügt dem andern, Und keiner hat den Muth, es zu gestehen."

Ein Dominikaner, welcher seinen Klosterbruder am Freitag zum Fleischeffen verleiten will, spricht:

Es hat des Kreuzes heil'ge Macht

Schon manches wieder ins Gleis gebracht.

(Schlägt mit Würde über dem Fletsch ein Kreuz.) Fiat piscis, es werde Fisch I

So darf es schmücken unfern Tisch!

In Luthers's Reden kommen u. A. folgende Stellen vor:

Weil er dem Heil'gen Gottes hat gelogen. Weil Christum er verschmäht und schmähet, soll Des Papstes Bannstrahl selber sich verzehren.

Das Papstthum ist die Quelle alles Frevels.

Der Papst hat sich mit göttlicher Gewalt Umlagen, um zur Wahrheit jede Lüge

Zu stempeln, wenn sie neue Macht ihm leiht.--

Vornehmlich hier — auf diesem, unserem Volke, Der hochberühmten deutschen Nation, Hier lastet seine Tyrannei am schwersten.

Diese und andere Stellen wurden von der Cen- sur gestrichen. Wir dächten, diese Pröbchen genügen vorläufig zur Kennzeichnung de» Werkes.

Sehr bezeichnend ist übrigens die Stellung­nahme des Kanzlerblattes zu dieser undeli- taten Angelegenheit. Die ,Nordd. Allg. Ztg.' vertheidigt in ihrem Abendblatte vom Mittwoch, also unmittelbar vor der Aufführung, die von den Behörden vorgenommenen Streichungen und Censuren und sagt u. A., es sei „zur Wahrung des Reformationsgedankens 300 Jahre nach seiner Verwirklichung nicht nothwendig, die Bretter, welche die Welt bedeuten, dazu zu benutzen, um ein Klostergelübde für eine Lüge zu erklären, die

„Hoho, mein Söhnchen, thu' nur nicht so vor­nehm, hast wohl schon noch in anderen Spelunken fürlieb genommen als in der „Meerkatze", ant­wortete eine andere Stimme, in welcher Bertha die des nebenan wohnenden alten Matrosen, der den Arm in der Binde trug, erkannte.

„Paßt sich aber doch nicht für —"

„Still", unterbrach ihn der Andere, „jetzt bist Du unvorsichtig, nenne keine Namen."

„Wenn hier in der abscheulichen Bude die Wände Ohren haben, warum bestandest Du darauf, daß ich kommen mußte?"

„Als ob mir eine Wahl bliebe? Der verdammte Arm ist so schlimm geworden, daß ich liegen bleiben muß, und was ich Dir zu sagen habe, duldet keinen Aufschub."

„Und wenn man uns hört?"

„So versteht man uns nicht. Nebenan wohnt ein alter Bauer mit seiner Tochter, glaubst Du, daß die englisch sprechen? Uebrigens sind sie nicht zu Hause, denn wenn der Alte herauftommt, kracht die Treppe; ee ist drüben Alles still."

Bertha drückte die Hand auf das Herz, al« fürchte sie, defien Pochen könne sie verrathen, und schmiegte sich noch enger an die Thür.

„So rede schnell, ehe sie kommen," hörte sie

Verehrung der Heiligen und Reliquien in der variirtesten Weise lächerlich zu machen, das Ab­laßwesen in einer für die heutige kirchliche An­schauung völlig karrikirten Form zu stigmatisiren, von dem Meßopfer in den unpafiendsten Aus­drücken zu reden, die Fasten in einer für das katholische Bewußtsein geradezu blasphemischen Form zum Gegenstand einer burlesken Theater- fcene zu machen. Freilich, wer das Alles nicht nur für gestattet, sondern auch für „evangelisch- lutherisch" halte, mit dem werde über die ganze Frage kaum zu dirkutiren fein." Wir schreiben diese Auslaffung allen Schreiern in der Prefie in's Stammbuch! Selbst das.Berliner Tageblatt', welches zuerst von allen Berliner Blättern in der heftigsten Weife gegen die polizeiliche Cenfur geeifert hatte, muß jetzt, nachdem ihm der Wort­laut der beanstandeten Hetzstellen vorliegt, einge­stehen, daß es sich „keineswegs einverstanden erflären könne mit der ziemlich fanatischen Unduldsam­keit und Streitlust", welche in den betr. Stellen ju Tage tritt.

Ein Artikel der .Rheinisch-Westf. Ztg.', welcher in viele nationalliberale Blätter übergegangen ist, behandelt das Thema: „Toleranz und Schwäche" und sucht das Trümpelmann'sche Stück durch den Hinblick auf Jensen'» (jedenfalls ist Janfien ge­meint) „Geschichte der Reformation" zu recht- fertigen. Der Artikelschreiber, der nicht einmal den Namen de» berühmten katholischen Historiker», geschweige denn den Titel seine» allbekannten Werkes weiß, urteilt nichtsdestoweniger mit sou­veräner Anmaßung über Jänfien's Geschichte des deutschen Volkes. Jedenfalls hat er ebensowenig das Trümpelmann'sche Stück und seine fanatischen Lästerungen gegen den Katholicismus gelesen, hat aber trotzdem sein Urtheil fix und fertig. Zum Schlufie des Artikels wird ganz offen vor — — „übertriebener Duldsamkeit bezw. Rück­sichtnahme auf Andersgläubige" gewarnt!

Da» sind die Ideen, welche heute von einer protestantischen Clique, die leider schon über ganz Deutschland verbreitet ist und im Evangelischen Bunde ihren Mittel- und Sammelpunkt hat, ver­breitet werden. Unter gebildeten und vernünftigen Protestanten sollte über die Sprache des Trümpel- mann'schen Festspieles nur eine Stimme sein, denn sie läßt sich nimmer entschuldigen, viel weniger rechtfertigen. Was würden wohl unsere protestan-

die Stimme des Ersten wieder. „Willst Du Geld? Ich habe Dir doch schon einmal gesagt, daß ich auch nichts habe."

„Trotz der Erbschaft!" höhnte der Alte.

„Höll; und Teufel, mach mich nicht rasend!" fuhr der Erste auf. „Habe ich Dir nicht von dem niederttächtigen Testament erzählt? Der Advokat schöpft das beste Fett ab."

„So mußt Du eben warten, spottete der alte Matrose.

„Warten, warten!" fuhr der Erste auf, als ob ich Zeit zum Warten hätte, sie paffen mir höllisch auf; ich muß ausbaden, was Du Dir eingebrockt hast."

„Nein, mein Sohn, das thut der Baumeister," lachte der Andere, „der sitzt fest genug, und recht geschieht'» ihm, hatte er doch das Meiste von dem Jux, nach dem Du mir den Mund wäfieng ge­macht hattest, schon weg."

Nur mit großer Mühe unterdrückte Bertha einen lauten Schrei.

Jetzt wußte sie, wer die Beiden waren — Sogar Wanderer und sein Spießgeselle, der Mörder de» alten Schmittchen, der Matrose, defien Mützenband sie gefunden. ,

Sie sprang auf, sie wollte hinauseilen, Polizei