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1888

Freitag, den 8. Juni.

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Zeitung.

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Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

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» Die katholische Universität in den Vereinigten Staaten.

Die Grundsteinlegung der katholischen Univer- fitüt zu Washington vollzog fich vor wenigen Tagen mit großer Feierlichkeit. Der Präsident der Vereinigten Staaten, Mr. Cleveland, alle Mi­nister und eine große Anzahl von Senatoren und Deputirten wohnten der Ceremonie bei. Es läßt sich aus dieser Anwesenheit der höchsten Staats­würdenträger bei dem Einweihungsakte der Schluß ziehen, welches Ansehen der Katholizismus in den Vereinigten Staaten selbst bei der protestantischen oder anglikanischen Bevölkerung und in den offi- gießen Kreisen genießt. Die Feinde der Kirche in Europa, welche unaufhörlich von der Trennung der Kirche vom Staate sprechen und dabei mit so großer Vorliebe auf das Beispiel Amerikas Hin­weisen, könnten daraus lernen, wie diese große Republik jene „Trennung" auffaßt. Die Errich­tung der katholischen Universität zu Washington bezeichnet einen neuen Markstein für die staunen­erregend rasche Entfaltung, die der KatholizismusindenVereinigtenStaa- ten nimmt. Vor einem halben Jahrhundert gab es in jenen Gebieten kaum einige Tausend Katho- iken, heute bereits 10 Millionen. Das ist zwar nur ein Viertel der Bevölkerung; allein in Anbe­tracht der ganz unzähligen Menge der Sekten rc- präsentiren diese 10 Millionen die kompakteste und stärkste konfessionelle Gruppe; und man kann ohne Uebertreibung sagen, daß die moralische und reli­giöse Zukunft der amerikanischen Civilisation der Vereinigten Staaten zum großen Theil auf der katholischen Kirche beruht. Unter diesen Um­ständen ist die Errichtung einer kathol. Universität sozusagen die öffentliche und feierliche Anerkennung des hervorragenden Platzes und der segensreichen Wirksamkeit der katholischen Kirche in der ameri­kanischen Republik; sie bezeichnet gleichsam bereit Eintritt in'S Mannesalter. Längst schon strebten die amerikanischen Katholiken und ihr Episkopat nach dem Besitz einer Hochschule; Leo XIII. hat diesen Wunsch verwirklicht. Die Universität besteht dem inneren Baue nach bereits vollständig; sie hat schon ihre Profefloren, ihre Studienpläne, ihre Einkünfte; nur der äußere Bau fehlt noch; und dieser wird jetzt bald genug vollendet sein. Man muß es als eine höchst glückliche Idee bezeichnen, daß gerade Washington als Universitätrsitz ge-

Der Neffe.

Kriminalroman von F. A.

(32. Fortsetzung.)

„Nun, Herr Sonnenberg, was sagen Sie zu meinen Vorschlag?" fragte Meta, al» er die ge­leerte Taffe auf den Tisch stellte. Von einer bei ihm sehr ungewöhnlichen Rührung übermannt, reichte ihr der Alte die Hand.

„Sie sind ein wackere» Mädchen, Fräulein Schmittchen, ich danke Ihnen. Zeigen uns das Schloß, setzen un« guten Kaffee und delikaten Kuchen vor und wollen nun gar noch meine Bertha hier behalten, und dabei heißt'» doch, mein Junge habe Ihren Onkel erschlagen."

„Kann e» einen besseren Beweis geben, daß ich nicht daran glaube!" rief Meta lebhaft. „Können wir der Welt einen besseren Semei« zu seinen Gunsten liefern, al» daß wir verbunden find! Lasten Sie mir Bertha hier."

„Noch bin ich ja nicht fort," war die aus­weichende Antwort.

„Aber wenn Sie gehen! Bertha muß hier bleiben; sie und ich, wir bringen Georg'» Unschuld an den Tag.

wählt wurde; denn einerseits ist Washington das lebende Symbol der Union. Dann sind es nicht die großen unruhevollen lärmenden Volks eentren, wo hauptsächlich der Handel das große Wort führt, wie beispielsweise Newyork, die sich vorzugsweise als Pflanzstätten ber Wissenschaften eignen, sondern die stilleren Provinzstädte und Städtchen, wie Washington e» ist. Eine besondere Eigenthümlich- leit der katholischen Universität in Washington ist bereit kirchlicher Charakter; sie ist nicht allein bas Werk bes Episkopat», sie bleibt auch unter besten unmittelbarer unb ausschließlicher Leitung. Wenn man sich bei ausgezeichneten Tugenden und der hohen Intelligenz, sowie de» glühenden für Ame­rika'« Wohl begeisterten Patriotismus der ameri­kanischen Bischöfe erinnert, deren Primas, Kardi­nal Gibbon«, in ganz Amerika und in Europa sich einer so hohen Beliebtheit erfreut, dann muß man mit ganz besonderem Vertrauen und mit ganz außergewöhnlichen Hoffnungen auf diese neu ent­stehende Hochschule blicken. Jeder Staat muß da­für Sorge tragen, daß die Herde der höheren wiffenschaftlichen Bildung, welche im Grunde ge­nommen ihre geistige Größe unb ihren Grab in ber Civilisation bebeuten, nicht verlöscht werden. Von diesem Standpunkte au« muß die Gründung der katholischen Universität zu Washington ton allen Amerikanern, welchen die Zukunft ihres Lan­de« am Herzen liegt, mit Freuden begrüßt werden: „Denn nicht allein die katholische Kirche, sondern noch mehr die ganze amerikanische Civilisation wird daraus ihren Nutzen ziehen." — Leider ist in Deutschland die unduldsame Staatsallmacht so weit gesteigert worden, daß die katholischen Reichr- bürger mit einem gewissen Neid auf Amerika, Frankreich, Belgien, die Schweiz und sogar auf Raub-Italien blicken müsten, welchen Ländern da« Glück vergönnt ist, neben eigenen kathol. Volks­schulen katholische freie Hochschulen besitzen zu dürfen.

Deutsche- Reich.

Berlin, 7. Juni.

* Der .Staatsanzeiger' veröffent­licht in feinem amtlichen Theile das Gesetz betreffend die Verlängerung der Legislaturperiode. Dasselbe bestimmt: An Stelle de» Artikels 73 der Verfastungsm künde vom 31. Januar 1850 tritt folgende Bestimmung: Die Legislaturperiode des Hauses der Abgeord-

„Ach, mein liebe« Kind, das kann Keiner, Keiner!" seufzte der Alte, „wenn da Gott nicht ein Wunder thut!"

„Er wird e« thun, Vater," sagte Bertha zuver­sichtlich.

„Aber er kommt nicht selbst vom Himmel; wir müsten un« rühren, daß er uns zu seinen Werk­zeugen machen kann," fügte Meta hinzu. „Ver­sprechen Sie mir, Bertha hier zu lasten, bis der Prozeß ihres Bruders enschieden ist." Sie hielt ihm die Hand hin; aber Sonnenberg schlug nicht ein, er war nicht der Mann, sich überrumpeln zu lasten. „Wir wollm die Sache überlegen," sagte er bedächtig; dann wandte er stch zu Bertha und trieb sie zum Aufbruch.

„Sie haben noch viel Zeft, e« gehen noch mehrere Züge," bat Meta.

„Wohl, aber e« wird dunkeln, ich will zur Stadt," beharrte er, vielleicht in dem Gefühl, den Bitten de« jungen Mädchen» nicht länger wider­stehen zu können.

„Von morgen an bin ich ebenfall» in Ham­burg," sagte Meta, „dann sehen wir un» noch öfter. —

.Der alte Schmittchen war doch ein Narr, da­

ueren dauert fünf Jahre. Dieses Gesetz tritt mr Ablauf der gegenwärtigen Legislaturperiode des Hause» der Abgeordneten in Kraft. Das Gesetz trägt das Datum vom 27. Mai 1888. — Die gestrige Mittheilung von einem angeblichen Kom­promiß, auf Grund besten die Publikation de» Legislaturperiodengesetzes unterbleiben solle, hat fich also nicht bestätigt. — Die Veröffentlichung kommt vollständig überraschend; nicht nur für die Presse aller Parteien, welche die endgültige Be­seitigung des Gesetzes oder doch seine Verschiebung auf längere Zeit als sicher angenommen unb von den verschiedenen Standpunkten aus bereits kom- mentirt hatte, sondern auch für manche Personen, die sich in dieser dunklen Angelegenheit für unter­richtet hielten. Da« Schicksal des Gesetzes muß thatsächlich bi« heute unentschieden gewesen sein. Die Artikel der offiziösen Preste, au» denen die Wahrscheinlichkeit einer Verwerfung ober Auf­schiebung bes Gesetzes hervorging, bezweckten wahr­scheinlich nicht eine absichtliche Irreführung bes Urtheils, sondern entsprachen der Unsicherheit, in der sich auch die maßgebenden Persönlichkeiten bis zuletzt befunden haben. — Die Frage bleibt aller­dings noch immer offen, ob nicht ein die Wahl­freiheit betreffender Erlaß noch nachträglich zu geeigneter Zeit erscheint. Die ,Vofl. Ztg.', die von der Publikation des Gesetzes noch nicht- weiß, behauptet düs sogar mit Bestimmtheit.

* In den Bureau x de» Deutschen Reichstage» soll in den letzten Tagen angestrengt gearbeitet worden sein, um für den Ministern. Puttkamer hinreichende» Material „zur Rechtfertigung" zu sammeln. So meldet die ,Voff. Ztg.'

* Die Thronfolge im Fürstenthum Lippe dürste in diesem Jahre noch nicht geregelt werden. Bei der stattgehabten Eröffnung der Landtag»- session in Detmold sprach der Kabinet-minister von Richthofen nur die Hoffnung au», daß noch in der laufenden Legislaturperiode ein Thronfolge­gesetz zu Stande kommen würde; daß die Hoffnung aber in Erfüllung gehen wird, ist angestchtS der vorhandenen, theils staatsrechtlichen, theil» persön­lichen Schwierigkeiten noch sehr ftaglich, nament­lich so lange seitens der Regierung bezw. de» Fürsten noch keine Aeußerung über die Richtung, in welcher eine Lösung der Frage versucht werden soll, vorliegt. Wahrscheinlich wird man sich mit einem Provisorium begnügen müsten, damit nach dem Tode des Fürstm eine Regentschaft eingesetzt

bei bleibe ich," erklärte Sonnenberg, nachdem sie fich von Meta, die ihnen das Geleit gegeben, ver­abschiedet hatten, so laut, daß Bertha sich er­schrocken umsah, ob die Freundin vielleicht noch in Hörweite fei.

„Baut fich da ein Schloß mit wer weiß wie viel Stuben, al» ob man fich jemals in mehr al» einer aufhalten könnte," fuhr ber Alte, ohne sich stören zu lasten, fort. „Weißt Du aber, wer ein noch viel größerer Narr ist?"

Wer Vater?"

'.Mein Sohn, Dein Bruber. Wohnt mit Meta in ein unb betnfelben Hause, sieht nicht, daß sie ihm von ganzer Seele zugethan ist, und streckt nicht alle zehn Finger nach ihr au». Für die Dummheit hat er wahrhaftig Gkfängniß verdient."

Bertha hatte selten mit dem Vater so voll über­eingestimmt wie in dieser Ansicht, nur die Ge- fängnißstrafe fand sie für den Bruder denn doch zu hart.

Al» Vater unb Tochter nach bem Bahnhof kamen, ergab e» sich zu ihrer unangenehmen lieber« raschung, daß sie boch länger al» sie geglaubt hatten, auf ben nächsten Zug warten mußten. Die Dämmerung brach herein, al» er enblich heran-