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Donnerstag, den 7. Juni.

1888

Die Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., ,u mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

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-Lt. Zu den Krisengerüchten.*)

Seit mehr als einer Woche durchschwirren wie­der einmal Krisengerüchte die politische Luft. Schon zum dritten Male seit der Thronbesteigung Kaiser Friedrichs wird in durchaus glaubwürdiger Form über ernste Meinungsverschiedenheiten zwischen dem neuen Kaiser und Könige und den ersten Rath­gebern der Krone Preußens und Deutschlands be- richtet. Das erste Mal handelte es sich um das sattsam bekannte Battenberg'sche Heiraths-Projekt, das zweite Mal sollte das Staatsministerium gegen eine Reihe vom Kaiser beabsichtigter Auszeichnungen und Ordensverleihungen Einsprache erhoben haben. Jetzt endlich wird die Sanktion und Publikation des von den Kartellparteien mit Bismarks Gut­heißung durchgesetzten Gesetzes über die Wahl­periodenverlängerung in Preußen als der Aus­gangspunkt einer „Krisis" bezeichnet. In allen drei Fällen haben diejenigen Blätter, welche sich sog. offiziöser Beziehungen rühmen und die Unter­stützung der BiSmarckßchm Politik in der charak­teristischen Pose des besonders Beauftragten und Legitimirten betreiben, ausdrücklich betont, daß der Kaiser vor die Wahl gestellt worden sei, entweder auf seine Absicht zu verzichten oder aber dem Ge- sammtministertum seine Entlastung zu gewähren, mit anderen Männern einen Regierungsversuch zu machen. Es ist nicht unwichtig, die Quelle dieser Versionen ausdrücklich festzustellen. Denn wir haben es schon wiederholt erlebt, daß gerade die­jenige Preste, von welcher solche Ausstreuungen ausgingen, hinterher die sog. „oppofitionellen" Blätter verhöhnten, gleich als ob diese die Urheber der Rücktritts-Gerüchte gewesen seien. Wer, wie wir, tagtäglich diesen Ränken und Jntriguen der Kartellpreffe zu folgen gezwungen ist, gewöhnt sich nachgerade an dieses systematische Lügengetriebe eines großen Theiles der deutschen Preste, und statt sich zu ärgern über diese niedrigen und feilen Gepflogenheiten, trifft man rechtzettige Vor­kehrungen, um die Wahrhett und die Thatsachen, wenigstens soweit der eigene Einfluß reicht, vor den Griffen und Kniffen dieses ekelhasten Betrugs­systems sicher zu stellen. Sollte, was wir jetzt schon als ziemlich sicher annehmen, die derzeitige „Krists" ohne besondere äußerlich wahrnehmbare Resultate vorübergehen bezw. im Sande verlaufen, so darf man mit voller Sicherheit darauf rechnen, daß der ganze sog. „nationale" Preßchorus den

*) Nachdruck nicht gestattet.

Der Neffe.

Kriminalroman von F. A.

(31. Fortsetzung.)

Die beiden Mädchen bemühten sich, ihn auf die Schönheiten des Bauwerks aufmerksam zu machen. Meta erzählte ihm, das Schloß habe schon lange vor seiner Vollendung das größte Aufsehen er­regt; man sei von »eit hergekommen, um es zu sehen, und es wären dem Baumeister auf Grund dieser Leistung beretts andere sehr bedeutende Aufträge angetragen worden. Aber vergeb­lich; der Alte blieb bei seinem Unglauben und der Behauptung:

„Wie wird beim ein ordentlicher Baumeister, der seine Sache gelernt hat, solche Winkel und Ecken machen! In dem ganzen Hause ist ja wohl keine ordentliche Wand, an die man ein Bett fetten kann."

„Es steht »lies sehr gut," erwiderte Meta mit einem traurigen Lächeln, „und ist wohnlich genug; leider bewohnt es der nicht, der es sich erbaut und eine so große Freude daran hatte."

„Hatte er die wirklich daran?"

Freisinnigen und „Radikalen" nachschreien wird, die von ihnen in die Welt gesetzten Gerüchte über Ministerkrisen rc. hätten sich als eitel Er­findung, Lug unv Trug erwiesen. Es ist eigent­lich beschämend für uns Deutsche und wirft kein besonders gutes Licht auf den vielgerühmten deut­schen Scharfsinn, daß das meist aus Halbgebildeten bestehende Lesepublikum der Kartellpreffe sich solche Attentate auf das gute Gedächtniß und auf die gesunde Logik schweigend oder gar mit innerer Be­friedigung gefallen läßt.

Es fällt uns nicht im Mindesten ein, alle die unverbürgten Gerüchte und Versionen, welche feit einer Woche über die neueste Krisis umgehen, als baare Münze hinzunehmen. Der größte Theil ist augenscheinlich pure Kombination, und wenn ein süddeutsches nationalliberales Blatt sogar zu dem plumpen Manöver greift, eine Berliner Krisis- Depesche mit dem Zeichen „B ...." zu verzieren und dadurch auf einen sehr hohen Ursprung hin­zudeuten, so haben wir dafür nur ein mitleidiges Lächeln, und zwar lediglich aus Mitleid mit dem armen liberalen Philister, der sich derart an der Rase herumführen läßt. Die Welt will betrogen sein . . .! und eine „liberale" Zeitung, welche das nicht versteht oder nicht will, hat selten auf einen großen Leserkreis zu rechnen. Aus dem ganzen Wust von Nachrichten über die neueste „Krists" läßt sich nur Folgendes als ziemlich au­thentisch und zuverlässig herausschälen: 1. Der Kaiser hat bereits bei der Vollziehung des Reichs­gesetzes über die Verlängerung der Legislatur­perioden für den deutschen Reichstag schwere Be­denken gehabt, und zwar wegen der Verfaffungs- Aenderung, welche er mit feinem kurz vorherge- gangenen offiziellen feierlichen Erlaß nicht im Ein­klang glaubte. 2. Der Kaiser und König hat dieselben Bedenken auch gegenüber dem preußischen Gesitzesvorschlag gleichen Inhalts gehabt, hat sich aber schließlich bestimmen laffen, das Gesetz zu sanktioniren. 3. Diese Sanktion ist unter einer Bedingung erfolgt, nämlich mit einem Hand­schreiben an den Minister des Innern v. Putt- karner, worin der Kaiser betont, daß nach der wichtigen Versaffungsänderung und Verlängerung der Legislaturperioden mtt um so größerer Gewissenhaftigkeit und Aengstlichkeit auf voll­ständige Wahlfreiheit Bedacht genommen werden müsse.

Das find die einzigen Thatsachen, welche als feststehend angenommen werden dürfen. Wie sich

„O, gewiß, er war feinem Baumeister fo dankbar."

„Und hat feine Dankbarkeit fo glänzend be­wiesen , daß man nicht daran glauben kann," schluchzte Bertha.

Meta legte den Arm um ihre Schulter und zog ste an sich.

„Gehen wir jetzt in's Schloß," sagte sie zu dem alten Bauer, „es wird Ihnen sicher gut darin gefallen."

Ec stand noch einige Minuten unschlüssig, ob er nicht wieder Kehrt machen und auf eine weitere Besichtigung des „närrischen Dinges", wie er den Bau nun einmal nannte, verzichten sollte; endlich gab er doch den Bitten der beiden Mädchen nach und folgte ihnen in das Schloß.

Der junge Baumeister hatte hier feine außerge­wöhnliche Begabung in einer womöglich noch glänzenderen Weise betätigt als in der Her­stellung des äußeren Baues. Währmd er sich bei diesem streng nach ben Ges-tzen bes gothischen Styles gerichtet, hatte er bei (Einleitung und Herrichtung der Wohnräume auch den Charakter gewahrt, jedoch Überall auf die Anforderungen der Gegenwart Rücksicht genommen.

die Sache weiterhin entwickelt hat, ob der Kaiser die Publikation des Gesetzes von der gleichzeitigen Bekanntgabe jenes Wahlschreibms abhängig ge­macht, ob er die Publikation nachträglich unter­sagt, ob Minister v. Puttkamer eine Rechtfertigung gegen den in jenem Schreiben liegenden indirekten Vorwurf gegen sein Wahlsystem versucht hat oder noch versuchen will, ob endlich das Staatsmini­sterium im Verlauf der Angelegenheit irgendwie mit feinem Rücktritt gedroht hat u. a. m. — das weiß man vorderhand noch nicht. Was in gewiffen Blättern, z. B. auch in der .Köln. Ztg/, darüber zu lesen ist, kann ebensowohl Kombination, als diplomatischer Schachzug, als endlich Wahrheit sein; die Wahrscheinlichkeit spricht sogar für die an zwei­ter Stelle genannte Möglichkeit, denn die zweideu­tige Haltung deffelben Blattes in der Battenberg- Affaire, als es eine bereits entschiedene Frage aus taktischen Gründen zu einer noch schwebenden Kon­fliktsfrage aufbauschte, muß jeden besonnenen Poli­tiker bei Beurtheilung der anscheinend inspirirten Berliner Artikel des „Weltblattes" zur äußersten Vorsicht mahnen. Angesichts solcher Artikel muß man sich fragen: was bezweckt jbiefe oder jene Nachricht, was steckt dahinter, was will man auf diesem Umwege erreichen? Denn es ge­hört eine gewiffe Naivetät dazu, zu glauben, ge­wisse Berliner Kreise versähen das Kölner Blatt mit authentischen Nachrichten, um die Wißbegierde des Publikums zu befriedigen. Nein, jdas ist nie und nimmer der Zweck der Diplomatie und ihrer Helfershelfer. Die Preffe ist in ihrer Hand nur eine willkommene, weil ihrer direkten Verantwort­lichkeit entrückte Handlangerin zur Erreichung ge­wißer Absichten, und zwar meist solcher, zu deren Realifirung man eines Druckes der öffentlichen Meinung bedarf. So auch hier! Den eigentlichen Zweck dieser hier und dort erschienenen, sich theil- weise widersprechenden „osfiziösen" Artikel — auch darin liegt Absicht — über die neueste „Krisis" erblicken wir aber lediglich in dem Bemühen, die öffentliche Meinung wieder einmal für die Bei­behaltung der bestehenden Regierung in die Hitze zu treiben, die Position gewißer Männer, welche keinen Widerspruch vertragen können, abermals zu befestigen, das Publikum durch Ausmalung der - von einer anders gearteten Regierung für den äußeren Frieden drohenden Gefahren zu beunruhigm.

Dem sei aber wie ihm wolle; mag auch die „Krists" abermals spurlos vorübergehen oder nur in einer öffentlichen ober vertraulichen kaiserlichen

Die große Halle, von ber aus bie Treppe auf« stieg, bilbete mit ihren sich oben verschlingenden Pfeilern jenen Laubengang, welcher im gothischen Ban die Aehnlichkeit mtt dem Walde wachrust. Die hohen Fenster hatten bunte Scheiben mtt Schilderten; aus Eichenholz waren die ringsum aufgestellten, mit dunklem Leder überzogenen Ruhe­bänke; aus Eichenholz die Geländer der von zwei Settm emporführenden und sich in einer Galerie vereinigenden Treppe. Dieselbe Bauart wiederholte sich in dem großen Speisesaal, um ben eine Galerie in Gestalt eines Chores lief und ber eine mit Schnitzwerk verzierte Vertäfelung hatte, aus welcher das Buffet und der Kredenztisch aufragten. Der Speisetisch und die mit grünem gepreßten Sammet überzogenen Stühle warm ebenfalls ans Eichen­holz.

Die Pracht dieser Räume verfehlte doch nicht ganz ihre Wirkung auf ben alten Bauer, obgleich bie geschliffenen Gläser unb dar Silberzeug, was das Buffet und ben Krebmztisch hatte schmücken sollm, noch in ben Kisten verpackt waren, bas Marmorfims bes Kamins leer staub unb bie Kronleuchter in ben Hüllen steckten. Unverstände