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j\g 121. Montag, den 28. Mai.

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(Zu Ludwig windthorst's goldener Hochzeit, 29. 2Hai (888.)

(Nachdruck t> ertöten.]

Ungebeugt und ungebrochen. Von der Schmähung unbeirrt, Ließ er nie sich unterjochen, Wo der Zwang das Recht verwirrt. Plumps Machtgewalt verachtend, Stand der geistesstarke Mann, Der, nach eitlem Lohn nicht trachtend, Sich der Feinde Lob gewann.

/yolb’ne Hochzeit! Zu der Feier, elf Himmel, strahl' im gold'nen Glanz, Gold'ne Töne gib, o Leier, Mägdlein, windet gold'nen Kranz! Gold'ne Hochzeit! Wie viel Treue, Wie viel Liebe birgt das Wort, Wie viel Opfer, täglich neue. Wie viel Sorgen fort und fort!

Herbsttag ist; des Lebens Ernte Fährt man in die Scheunen ein, Was man sä'te, was man lernte, Halm und Frucht und gold'nen Wein. Milde strahlt des Abends Schimmer Nun des Morgens Glanz zurück. Junger Liebe Rosenflimmer, Trauten Herdes stilles Glück.

Aus dem Schnee der fünfzig Jahre Tritt der Lenz in reichster Pracht Zu dem gold'nen Hochzeitspaare, Und die ganze Schöpfung lacht; Liebe schwillt aus tausend Quellen, Strömt aus treuer Kindesbrust; Freundschaft sprüht in klaren Wellen, Und es wogt ein Meer der Lust.

Gold'ne Hochzeit! Mächt'ger steigen Heut' die Wogen hin zum Strand: Einem Paar will Lieb' erzeigen Heut' das ganze deutsche Land.

Blume, winde dich zu Blume, Spende, Wald, dein vollstes Laub, Diesem gold'nen Paar zum Ruhme, Mai, gib alle Pracht zum Raub!

Von des Herdes warmen Gluthen Riß der starke Mann sich los, Steuert' in der Brandung Fluthen Aus des Hafens sich'rem Schoß; Treu in Lieb und Leid ergeben, Hielt das Weib den Theuren nicht: „Deinem Land gehört Dein Leben, Rehr als Liebe gilt die Pflicht!"

Fern der Heimath, fern den Seinen Stand der Mann im Ehrenfeld, Herrlich Allen zu erscheinen Als der Freiheit Bannerheld: „Freie schuf der Herr, nicht Knechte,-- Leuchtend auf der Fahne stand, „Gottes Rechte, Volkes Rechte!“ Mächtig schwang sie Ludwig's Hand.

Ludwig Windthorst! Bei dem Namen Klopft gar hoch der Deutschen Herz, Denn sein Wort war Heldensamen, Männer zeugend, stark wie Erz; Millionen Männer bringen Heut' dem kampferprobten Greis Auf begeist'rungsfrohen Schwingen Ihres Herzens Dank und Preis.

Wie ihm Frauenherzen schlagen, «ie die Jugend ihn umschwärmt, ne wiflen's auszusagen. Die an solcher Gluth erwärmt. Greift in meine Saiten, holde Musen, daß ein Sang mir glückt, Würdig deffen, dem mit Golde Heut der Tag die Stirne schmückt.

Steigen müßt' ich in die Tiefe, In des Lebens reichen Schacht, Daß mein Wort zu Tage riefe, Was sein Geist hervorgebracht. Daß mein Lied die Felsenquadern Sprengte der Vergangenheit, All' sein Gold in breiten Adern Zeigte der erstand'nen Zeit.

Grieche! Wie Du Deinen Helden Feierst in der Odyssee, Gleiche Thaten könnt' ich melden Don des Schicksals Wohl und Weh, Wie mein Held, der unverzagte, Durch des Meeres Klippen fuhr, Was er wirkte, was er wagte Auf der besten Männer Spur.

Wie dem Locken der Sirenen Er beharrlich widerstand. Wie mit starken Armes Sehnen Er dm Riesen überwand;

Wie der Circe Zauberkünste Er zu Schanden hat gemacht, Wie im Kreis der Lügmdünste Er die Wahrheit hat entfacht.

Mit der Wahrheit schlichtem Worte Hat er Trug und List verdrängt Und der Freiheit eine Pforte Mit des Rechtes Schwert gesprengt. Klugheit und Geduld erprobten Sich im Kampf mit der Gewalt; Die im blindm Zorne tobten, Mußtm ihm erliegen bald.

Wie er seinem Herrscher wahrte Gold'ner Treu' und Liebe Zoll, So in Allem offenbarte Sich sein Herz, der Treue voll; Legt' er seine Waffen nieder. Trug ihn hnm die glatte See, O wie floh empfing ihn wieder Dann sein Weib Penelope.

Eifrig in's Gewand der Liebe Spann sie ihres Herzens Leid, Schauend in das Kampfgetriebe Aus des Hauses Einsamkeit. „Deinem Land gehört Dein Leben, Mehr als Liebe güt die Pflicht!" Die den Helden uns gegeben, Jene Starke zagte nicht.

Gold'ne Hochzeit! Mächt'ger steigen Heut' die Wogen hin zum Strand: Einem Paar will Lieb' erzeigen Heut' das ganze deutsche Land! Feinde wandeln sich und bringen Ihm der höchsten Achtung Sold, Und auf der Begeist'rung Schwingen Tragen wir der Liebe Gold.

Gold der Freundschaft, Gold der Treue Tief im Herzen ausgeprägt, Gold, das ihm aus Himmels Bläue Das Gebet entgegenträgt;

Gold auch zu dem Heiligthume, Das der Jungfrau auserseh'n, Zu des Ew'gen höchstem Ruhme, In Hannover wird ersteh'n.

Gold'ne Hochzeit! Zu der Feier, Himmel, strahl' im gold'nen Glanz, Gold'ne Töne gib o Leier, Mägdlein windet gold'nen Kranz! Und mit höchstem Jubeltone Schwingt das Lied sich vom Altar: Gott, mit gold'ner Sternenkrone Schmücke Du das gold'ne Paar!

Leo v. Heemfiede.

Der Neffe.

Kriminalroman von F. A.

(23. Fortsetzung.)

„Was wollen Sie? Wie kommen Sie hierher?" stieß Meta hervor.

„Ich war hier eingeschlossen." antwortete Bertha schüchtern. O, seien Sie nicht böse, helfen Sie Dir, Sie wollen ihn ja auch retten, Sie glauben auch nicht an seine Schuld!"

„An seine Schuld!" wiederholte Meta. „Mäd­chen, wer bist Du? — Doch was frage ich," unterbrach sie sich, Bertha schärfer anblickend, „diese Augen kenne ich, ich kann mich nicht täuschen, Du bist seine Schwester!"

Einer unwillkürlichen Eingebung folgend, schlang sie die Arme um Bertha und drückte sie zärtlich au sich.

„Ich bin Bertha Sonnenberg," erwiederte diese, sich eng an sie schmiegend. „O wie gut Sie sind, viel bester und viel schöner al» seine Braut. Sie hätten ihn nicht von sich gestoßen, Sie hätten ihn nicht verlassen; Sie hätten sich auch seine» atten Vater« und seiner Schwester nicht geschämt."

„Still, still, mein arme» Kind," bat Meta, da» hocherglühende Gesicht abwendend. „Wieso weißt Du da» Alle»? Doch komm mit, nicht hier im Angesicht de» Tode» sollst Du mir da» erzählen; e» ahnt mir, daß wir einander sehr Viel mttzutheilen haben."

Sie führte Bertha mit sich fort au» dem Sterbezimmer, in da« nun sofort Diejenigen Ein­laß erhielten, welche für die Bestattung der Tobten sorgen und bi« dahin Wache bei ihn n halten sollten, und ging mit ihr hinüber nach dem Schlöffe.

„Sieh'," sagte sie, auf da« schöne, stattliche Gebäude deutend, „die« ist da» Werk Deiner Bmder« und sein Lohn ist Kerker und Schmach."

„Nicht für immer, nicht für immer," erwiederte Bertha zuversichtlich; „ich weiß bestimmt, seine Unschuld wird bald an den Tag kommen."

Wieder drückte Meta sie an sich. „Wie danke ich Dir für diese« schöne Vertrauen, da« giebt auch mir Tröst und Hoffnung; doch komm, Du mußt mir erzählen, wie Du hierhergelangt bist."

Sie ließ Bertha keine Zeit zum Reden, bi» sie sie in ihr Zimmer geführt und sie dort neben sich

auf eine in einem kleinen zierlich ausgeschmückteu Erker stehende gepolsterte Bank gesetzt hatte.

„Ich führe Dich später im ganzen Schlaffe umher, damit Du genau kennen lernst, «a« Dein Bruder geschaffen hat," sagte sie, gewahrend, mit welchen erstaunten Blicken da» junge Mädchen ihre Umgebung musterte. „Jetzt aber sage mir, bist Du schon lange hier?"

„Ich bin mit meinem Vater zu Georg'» Ver­lobung gekommen," erwiderte Bertha, in Thränen ausbrechend, denn nun stand wieder der furchtbare Auftritt der Verhaftung ihre» Bruder» in seiner ganzen Deutlichkett vor ihr. Sie schilderte ihn mit kindlicher Lebendigkeit und einer Anschaulich, leit, durch welche Meta nun erst einen vollen Einblick in da« Gewebe, in da« Sonnenberg ver- strickt worden war, gewann.

„Hätte ich nur den Vater einen Tag eher be­wegen können, ihm da» Geld zu geben, so wäre Alle» ander» gekommen," schluchzte sie, „aber e» war nicht möglich, er ist so eigen."

„Du thatest, war Du konntest," sagte Meta beschwichtigend; „aber ist'» wirklich wahr, daß Ada Widmann sich von ihm abgewandt hat, daß