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Sonnabend, den 19. Mai.

1888

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Erstes Blatt.

Wb Wegen des hl. Pfingstfestes wird die nächste Nummer nuferer Zeitung erst am Dienstag ansgegebe».

O Z«m hl. Pfingstfeste.

Die Gedächtnißfeier der Aussendung der heiligen Geistes am Pfingstfeste, an welchem nach der Ver­heißung der göttlichen Heilandes die christliche Kirche durch die Erleuchtung des hl. Geistes so feierlich und so wunderbar in die Welt eingeführt wurde, gewinnt in diesem Jahre eine ganz be­sondere Bedeutung. Das große Jubeljahr dcs Stellvertreters Christi auf Erden erinnert in mannigfacher Beziehung an dar großartige und gehcimnißvolle weltgeschichtliche Ereigniß der ersten hl. Pfingstfestes, als der hl. Geist in Gestalt feuriger Zungen auf die Jünger stch niederließ, Alle in verschiedenen Sprachen zu reden anfingen, und der hl. Petrus, der erste Statthalter Christi auf dem päpstlichen Stuhle, jene wundersame erste Predigt des Christenthums hielt, welche von allen den zahlreichen in Jerusalem versammelten Angehörigen fremder Länder, Sprachen und Nationen verstanden wurde, gleich als ob die­selbe in ihrcn Sprachen gehalten worden wäre.

May könnte es in der That eine Art Pfingst- wunder nennen, was fich in dem Jubiläumsjahre des dreizehnten Leo in der ewigen Stadt vollzieht. Wenn auch nicht durch ein Sprachenwunder, so doch durch eine wunderbare Füg: ng der göttlichen Vorsehung sehen wir aus allen Erdtheilen, von allen Zonen und Nationen, aus Sprachenstämmen des Orients und Occtdents, der alten und neuen Welt Angehörige der einen heiligen katholischen und apostolischen Kirche um den Nachfolger Petri geschaart, um ihm zu huldigen, um sein Antlitz zu schauen und seinen Segen zu empfangen, um von der großen Einheit des Glaubens Zeugniß abzulegen und von den Lippen des Jubelpapstes die Predigt der weltumfassenden Religion Jesu Christi zu vernehmen. Und wie bei dem großen Pfingstwunder, so haben auch jetzt die Ange­hörigen der verschiedenen Völker und Länder, trotz der hundertfachen Verschiedenheit der Sprache, alle die Predigt des Stellvertreters Christi auf Erden verstanden, zwar nicht im wörtlichen

Der Neffe.

Kriminalroman von F. A.

(17. Fortsetzung.)

„Herr Rath, ich sah auf die Uhr, es war die höchste Zeit, daß ich auf den Bahnhof kam, wenn ich mit dem Zuge fortfahren und pünktlich in Buchenberg sein wollte; ich hatte mir einen Wagen nach der Station bestellt. Ich wollte meinen Schwie­gervater und Ada schonend von dem Vorgefallenen benachrichtigen und bitten, die Verlobung aufzu­schieben. Als ich nach dem Bahnhof kam, war der Schnellzug, den ich zu benutzen gedachte, fort, ich mußte mit einem einige Minuten später abgehen­den Lokalzuge fahren, dadurch wurde ich so lange aufgehalten, daß sämmtliche Eingeladenen schon versammelt waren, als ich eintraf. Der Diener sagte mir, mein Vater und meine Schwester wären angekommen; nun mußte ich zuerst diese aufsuchen und sie mit meiner Braut bekannt machen. Ada und ihr Vater kamen, noch hatte Niemand eine Ahnung von dem schrecklichen Ereigniß, ich konnte in diesem Augenblicke nicht damit herausrücken, und so nahm ich mich zusammen und beschloß zu schweigen, bis der feierliche Akt vorüber; Gott weiß, was es mich gekostet hat!"

Sinne des Sprachenwunder», sondern insofern, als ihnen allen nur das gleiche Evangelium, die gleiche, reine und unverfälschte Lehre Christi und seiner Kirche, deren Hochwächter der römische Pipst ist, gepredigt und bestätigt wurde.

Gewiß ist die ganze Einrichtung der katholischen Wellkirche, ihre völlige Einheit im Glauben wie in den Heilsmitteln des Glaubens, an sich schon eine fortgesetzte Erneuerung und Bestätigung der Grundidee de» Pfingstwunders, aber das that- sächliche Zusammenströmen von Abgesandten und Pilgerschaaren au« allen Thülen der katholischen Welt bietet doch ganz besonders naheliegende, auch äußerlicheVergleichungSpunkte mit der ersten Predigt des hl. Petrus am Pfingstfeste.

Und nicht blos die Gläubigen der Kirche haben dem Oberhaupte der katholischen Kirche ihre Hul­digungen dargebracht, auch andersgläubige Fürsten und Staatslenker, selbst Muhamedaner und Heiden verneigten sich vor dem römischen Papste und brachten ihm Grüße und Geschenke. Alle diese Vorgänge beim Papstjubiläum, mag man ihnen auch theilweise nur eine äußerliche, förmliche Be­deutung beimesien, sie werden sicherlich für die Zukunft der Kirche und de» Papstthums von größter Bedeutung fein, wie sie ja heute schon ungemein zur weiteren Stärkung des päpstlichen und kirchlichen Ansehens in der ganzen Welt bei­getragen haben und von den Einen mit Begeisterung und Befriedigung, von den Andern mit wider­strebenden Gefühlen <x(6 ein wirklicher. Triumph der katholischen Kirche und des Papstthums auf­gefaßt werden. Nach den vielen Verfolgungen, welche die Kirche in den jüngsten Zeiten fast allenthalben, namentlich in den europäischen Staaten, zu erdulden hatte, und inmitten der be- klagenswerthen unfreien Zwangslage, in welcher sich der Nachfolger Petri noch immer befindet, muß die großartige Huldigung der Völker gerade in diesem Augenblicke als ein Wunderwerk der unerforschlichen Weisheit Gotte» erscheinen und al» ein neuer Beweis, daß die Kirche immerdar unter dem Schutze des hl. Geistes steht, der die Herzen her Menschen erleuchtet, sie in alle Wahr­heit einführt, von allem Kleinmuth, von aller Furcht und Zaghaftigkeit befreit und die heilige Liebe zu Gott und den Menschen in ihnen ent­zündet.

In der unermeßlichen Verblendung und 33er»

„Sie sollen nicht gerade freudig durch die An­kunft Ihres Vaters überrascht worden sein. Sie fühlten, daß feine Gegenwart gegen Sie zeugen würde," fuhr Schwendler fort.

„Ich habe Ihnen bereits zugestanden, daß ich geliehene» Geld aufweifen wollte," entgegnete Son­nenberg; er mochte nicht zugestehen, daß ihn der Gedanke erschreckt hatte, wie fein Vater und feine Schwester von Ava ausgenommen werden würden.

Schwendler zuckte die Achseln.

„Sie glauben mir nicht!" stöhnte Georg; „o mein Gott, mein Gott, was soll ich thun, um meine Unschuld zu beweisen!" Der einzige Mund, der für mich zeugen könnte, der meines alten Freundes Schmittchen, ist verstummt für immer."

Der Rath betrachtete ihn kopfschüttelnd; die Frechheit war so groß, daß ihm der Gedanke kam, Sonnenberg könne dennoch unschuldig fein. Doch nein, die Blutthat lag zu klar am Tage; er wollte sich keinen Augenblick durch die Betheuerungen be» Verbrecher» in seiner Ueberzeugung wankend machen laffen.

„Wir werden sehen, ob Ihnen Angesicht» der Leichen und am Schauplatze Ihrer That auch noch die kecke Zuversicht bleibt," sagte er und ließ Son­nenberg in sein Gefängniß zurückführen. —

wirrung der Geister, welche durch Verbreitung glauben»- und sittenloser „Aufklärung", wie durch Lauheit, Gleichgiltigkeit und Hang zu irdischem G nuß in den weitesten Schichten der menschlichen Gesellschaft um sich gegriff n hat, gibt es nur noch einen Rettungsanker, da» ist der christliche Glaube, nur noch einen Zufluchtsort, das ist die Kirche. Und darum bedarf die Menschheit heute mehr denn je ►er wunderbaren Erleuchtung und Aufrichtung durch die Kiese des hl. Geistes, be­dürfen die gläubigen Christen der vollen Gaben» und Gnadenfülle de» hl. Geistes, der Gaben bet Weisheit, be» Verstandes, der Rathe», der Stärke, der Wissenschaft, der Fiömmiskeit und der Furcht Gotte» , damit sie auch die Früchte des heiligen Ge'ste» erlangen, die da sind: Siebe, Freude in Gott, Friede, Geduld, Milde, Güte, Lang- muth, Sanftmuth, Treue, Mäßigkeit, Enthaltsam­keit, Keuschheit.

„Gott gibt seinen guten Geist denen, die Ihn darum bitten." Da» innige Gebet um die Gaben de» hl. Geiste» ist deshalb die schönste Pfingstbe- schästigung, ist eine Christenpflicht, welche leider in unserer Zeit und vielfach gerade in biefen Tagen so gerne vergessen und vernachlässigt wird. Die weltliche Pfingstfreude, die Freude an der schönen Natur, an ihrem Blühen und Gedeihen, kann mit dieser christlichen Pfingstpflicht recht wohl in Einklang gebracht werden. aber stets hat sich die erstere der letzteren, da» Vergnügen der Pflicht unterzuacdnen. .Wenn man den .Satzungen der Kirche und dem Triebe de» christkatholischen Herzens nachgekommen ist und in den gottge­weihten Kirchenräumen andächtig die Gaben des hl. Geistes herabgefleht hat, bann erhält bie Freude an der Natur und ihren reinen Genüssen erst ihre rechte Weihe, weil dann auch sie fich ver­webt mit der Anbetung und dem Preis des All­mächtigen, des Herrn der Schöpfung, und mit dem Danke für alle bie wunderbaren Gaben unb Früchte, bie er in feiner unermeßlichen Siebe unb Güte bei Menschheit auf ben Weg streut.

Deutsches Reich.

Berlin, 18. Mai.

* Heute Morgen ist nach längerer Pause wieder ein Bulletin über da» Befinden des Kaisers ausgegeben worden. Dasselbe lautet: S. M. der

Am nächsten Morgen wurde der Angeklagte unter starker Bewachung nach Hellburg gebracht und dort nach SchmittchenS und nach seinem Zim­mer geführt, die noch genau in dem Zustande be­lassen waren, wie man sie aufgefunden hatte. Die Seichen, an welchen die gerichtliche Obduktion be­reits vollzogen worben, waren im ehemaligen Schlafzimmer des alten Schmittchen aufgebahrt.

Georg Sonnenberg brach in ein lautes schmerz­liches Weinen aus, als er neben bet entseelten Hülle be» alten Rheder» stand, um dessen Sippen wieder das stille freundliche Sächeln lag, das er int Beben gehabt hatte, während Martin zornig ausfah, als ringe er noch mit dem Mörder feine» Herrn. Hatte aber der Richter von dieser Er­schütterung ein Geständniß erwartet, so sah er sich getäuscht. Wort für Wort wiederholte der An­geklagte die im ersten Verhör abgegebene Aussage. Wieder beschlich den Rath ein leiser Zweifel an der Schuld des Gefangenen und wieder wies er ihn zurück; er kam aber allmählich zu der Ueber­zeugung, daß der Prozeß nicht so schnell und glatt verlaufen werde, wie er es im Anfang vermuthet

Der alte Sonnenberg und Bertha waren, nach-