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JV 114.

Freitag, den 18. Mai.

1888

Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlich« Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf^ mit der belletristischen Wochenbeilage »Stern« und Blumen' in Fulda 1 R. 70 Pf., auswärts 1 R. 75 Pf.

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Deutsches Reich.

Berlin, 17. Mai.

* Der Kaiser brachte gestern zum ersten Male nach der Krisis einige Zeit im Freien zu, indem er eine Rundfahrt durch den Charlotten« bürg er Park machte. Dieselbe ist dem Kaiser sehr gut bekommen. Die Nacht war zwar wieder­holt durch Hustenanfälle unterbrochen, brachte aber doch erquickenden Schlaf. Bei dem heutigen «armen Wetter begab sich der Kaiser schon Vor­mittag» in den Park und benutzte zum ersten Male da« eigen« für den Aufenthalt de« Kaiser» im Freien hergestellte Zelt. Morgen wird wahr­scheinlich wieder ein Bulletin ausgegeben, worauf die Ausgabe von Bullettns bi» auf Weitere» über­haupt eingestellt werden dürste.

* Als Termin für die preußischen Landtags­wahlen soll, wie man hört, ein Tag im An­fang des November in Aussicht genommen fein.

* Das Herrenhaus nahm heute die Gesetz­entwürfe betr. die Regulirung der Weichsel und der Nogat, betr. die Verbesserung der Oder und der Spree, sowie die Abänderung de» Kanalgc- setze» vom Jahre 1886 und betr. die Vertheilung der öffentlichen Lasten bei Grundstückstheilungen und die Gründung neuer Ansiedlungen in Schles­wig-Holstein unverändert in der vom Abgeordneten­hause beschlossenen Foffung an. Für die Schließung der Nogat verwandte sich Oberbürgermeister Müller, während die Grafen Mirbach und Schlieben im Jntereffe der Erhaltung dr« Pil- lauer Tiefs dagegen sprachen. Minister v. May­bach erklärte, daß die Vorlage etwaige weitere Schritte nicht präjudiciren werde. Bei der Be- rathung der zweiten Vorlage sprach sich Frhr. v. Durant gegen die vom anderen Hause aufge- nowmene Bestimmung betr. die Erleichterung der Jntereffenten des Rhein - Emrkanals au»; ebenso Frhr. v. Stumm. Minister v. Maybach sprach für die Annahme jener Bestimmung, durch deren Ablehnung die ganze Vorlage gefährdet würde. Finanzminister v. Scholz konstatirte, daß die Re­gierung die Einführung einer entsprechenden Schifffahrtsabgabe auf dem Rhein - Emrkanal für selbstverständlich halte. Nächste Sitzung un­bestimmt.

* Das Abgeordnetenhaus tritt Freitag, den 25. d. M., wieder zusammen. — In einem

Der Neffe.

Kriminalroman von F. A.

(16. Fortsetzung.)

„Warum haben Sie mir da« nur nicht früher gefügt," schalt er mit seinem jovialen Lächeln, „darum brauchen Sie doch nicht zu verzweifeln, Üh leihe Ihnen da« (3 t Ib!" Ich wollte Einwen­dungen machen, aber er hatte bereit« sein Bureau aufgeschloffen, holte die Summe hervor und sagte, indem er die Kaffenscheiue auf den Tisch legte: „SM, still, Sie sind mir sicher und können mir da« Geld verzinsen, c« ist eine ganz gute Anlage für mich I In Mar kscheinen können Sie da« Ver­wögen nicht deponiren, darüber würde die ganze Versammlung die Nase rümpfen, also bleibt Ihnen nicht« übrig, al« morgen in aller Frühe nach Hamburg zu fahren, und zwar mit dem Zuge, der 4 Uhr 45 Minuten hier durchkommt, der nächste, der hier hält, kommt erst 8 Uhr 50, und da« ist zu spät. Sie werfen sich sogleich in den Verlobungstaat, warten auf dem Bahnhof bi« Fränkel sein Geschäft öffnet, bewirken den Um­tausch und fahren mit dem nächsten Zuge gleich nach der Schmalzburg, dort treffen wir zusammen. Und nun gute Nacht, auf Wiedersehen morgen

Zimmer de« Herrenhauses fand heute eine Sitzung de» Staatsministeriums statt, worin über den Schluß der Landtagsfeffion Entscheidung ge­troffen sein dürste.

* Der Reichskommiffar für die Melbourner Weltausstellung, RegierungSrath Wermuth, ist am 12. d. M. mit dem Dampfer de» Nord­deutschen Lloyd „Hohenstaufen" in Melbourne ein­getroffen. Die Zuweisung der für die deutsche Industrie und Kunst bestimmten Ausstellungsräume ist bereits in beftiedigender Weise geregelt.

* Der erkrankte Bischof von Passau hat in dem unweit Paffau in gesunder Lage befindlichen Orte Fürstenstein Landaufenthalt genommen.

Ausland.

* JnWien ist am 13. d.M. von dem pracht­vollsten Wetter begünstigt die Enthüllung des Maria-Theresia-Denkmals in Anwesenheit des Kaisers, der Kaiserin, des kronprinzlichen Paa­res, der Mitglieder des kaiserlichen Hauses, sowie zahlreicher Fürstlichkeiten vorgenommen worden. Der Meister, der da« Maria-Theresia-Denkmal geschaffen hat, ist ein Deutscher au« dem Deutschen Reiche; ein Kcrnwestfale, Profeffor Kaspar von Zumbusch, dcffen Wiege meinem schlichten Bür­gerhause der kleinen münsterländischen Stadt Waren­dorf stand. Volle 13 Jahre ernster Arbeit hat er auf diese« seinen Ruhm für immer begründende Werk verwendet; ihm zur Seite standen andere tüchtige Mester, namentlich der Oberbaurat Baron Hasenauer, welcher die Ausführung de« architek- tonischen Theile« leitete. Meister Zumbusch zählt seit lange zu den gefeiertsten Persönlichkeiten Wien«, und besonders heute steht er im Vordergrunds der an die Enthüllung seines Werkes sich knüpfenden gländenzen Festlichkeiten, deren Kosten allein auf eine Summe von 25,000 Gulden geschätzt werden.

* Rom, 14. Mai. Heute wurden die Pilger aus Mexiko zum Empfang zugelaffen und mit einer Ansprache beehrt, in welcher der Papst der Vergangenheit ihres Vaterlandes rühmend ge­dachte. — Demnächst soll noch dem dritten fran­zösischen Pilgerzuge eine Audienz gewährt wer­den. — Der Schluß der vatikanischen Ausstel­lung erfolgt Ende dieses Monats, die Wieder­eröffnung im Oktober, von wo ab dieselbe bis zum Jahresschluß für das Publikum geöffnet bleibt.

* Die irische Bewegung, welche nach den

beim Verlobungsfeste." Damit wehrte er meinen Dank ab.

„Warum gab Ihren Herr Schmittchen nicht eine Anweisung auf seinen Barquier statt des Geldes, das wäre doch einfacher gewesen."

„Er dachte auch daran, fand es aber bester, daß auch Fränkel nicht erfahre, daß er mir die von Herrn Widmann verlangte Summe vorge­streckt habe."

„Fränkel wußte doch, daß das Geld von Herrn Schmittchen kam, er hat seinen Firmenstempel auf den Packeten erkannt."

„Ich habe vergesten, sie zu entfernen," versetzte Sonnenberg betroffen.

„Das haben Sie," bestättgte der Rath mit einem eigenthümlichen Lächeln, „man kann nicht eben an Alles denken. Doch erzählen Sie weiter."

„Ich ging in mein Zimmer, legte mich nieder, erwachte am andern Morgen rechtzeitig, stand auf, kleidete mich an, ging, um Herrn Schmittchen nicht zu wecken, leise dis Treppe hinunter und schloß die Thür auf. Im Begriffe hinauszu­treten, bemerkte ich, daß ich das Etui mit dem für meine Braut bestimmten Schmuck nicht zu mir gesteckt hatte; die Thür halb offen lastend, eilte ich im Finstern die Treppe wieder hinauf,

ersten Berichten in Folge des Bekanntwerdens der Entscheidung der Inquisitions-Kongregation einen unangenehmen Charakter anzunehmen schien, be­ruhigt sich, wie wir es nicht anders erwartet haben, immer mehr. Die Bischöfe haben ihre Zu­stimmung zum Dekret der Inquisition, wodurch das Boy cotten und der Feldzugsplan ver- urtheilt wird, nach Rom eingesandt, und werden ihren Emfluß geltend machen, das gut katholische Volk zu überzeugen, daß der päpstliche Akt, weit entfernt, den Triumph der nationalen Bewegung zu hemmen, denselben beschleunigen wird, indem er ihn reinigt und indem er in England, wie anderswo, ein Wachsen der Sympathien für Irland Hervorrufen wird.

—* Ueber Freimaurerei.

v.

Ehe wir dazu übergehen, die Organisatton, die Grade, Zeichen rc. an der Hand der Taxil'schen Enthüllungen ausführlich zu beschreiben, wollen wir uns noch etwas ausführlicher mit seiner Person beschäftigen.

Da es gestattet ist au« dem Werke: „Les Freres Trois Points“ Auszüge zu machen, so wollen wir ihm heute in eigener Sache das Wort geben. Er schreibt:

„Zunächst muß ich einem Vorwurf zuvorkommen, den man ohne Zweifel gegen mich erheben wird, daß ich bei meiner Aufnahme in die Loge einen Eid geschworen habe, nichts über die Freimaurerei zu offenbaren, und daß ich durch diese Veröffent­lichungen jenen Eid breche.

Ich könnte erwidern, daß Unser hl. Vater, in­dem er mich von den kirchlichen Censuren entband, mich zu gleicher Zeit von jenem gottlosen Eide entbunden hat. Uebrigens ist ein Eid, durch welchen man sich zu einer schlechten Sache verpflichtet, durch sich selbst null und nichtig, wie jeder Katholik weiß.

Jndeß schreibe ich nicht nur für Katholiken. Ich bezwecke, Diejenigen, welche versucht wären, der nächtlichen Sekte sich anzuschließen, davon zurück­zuhalten, auch möchte ich den Versuch machen, die­jenigen ehrenwerthen Leute, die so unglücklich waren, sich in die Loge zu verirren, zum Aus­tritt aus derselben zu bestimmen. Ich muß deß- halb konstatireu, daß ich durch die Freimaurerei selbst von meinem Freimaurer-Eide gelöst wurde.

zündete nochmals Licht an, nahm das Etui zu mir, löschte da» Licht aus, lief schnell die Treppe hinunter, stieß die Hausthür auf und verschloß sie wieder hinter mir. Da», Herr Rath — da» ist mein Verbrechen," schluchzte er auf. „Ich habe dem Mörder die Thür geöffnet!"

„Was wollen Sie damit sagen?"

„Der Mörder hat sich während der Zeit ein­geschlichen , wo ich wieder oben war und da« Etui holte. Al« ich hinunter kam, rvar e» mir, al« hörte ich ein leise« Geräusch; ich achtete nicht darauf; jetzt weiß ich, daß Jemand hinter mir herschlich."

„Wer sollte das gewesen fein?"

„Der Raubmörder, der wußte, daß Herr Schmittchen viel Geld im Hause hatte, der meine Entfernung benutzte, um sich au« meinem Zimmer den Dolch zu holen und die mich verdächtigenden Spuren zurückzulaffen."

„Ein solches Verfahren würde eine ganz ge­naue Ortrkenntniß vorausßtzen; man hat mir mitgetheilt, daß außer Ihnen nur der alte Martin und Herrn Schmittchen'« Neffe und Nichte darum gewußt haben, daß eine so große Geldsumme im Hause war."