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1888

Donnerstag, den 17. Mai.

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Nil irr

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* Die Orientbahnen.

Die Eröffnung der Eisenbahnlinie Belgrad-Salo- nichi findet am 18. Mai statt. In der Sitzung der Gesellschaft für Erdkunde in Köln am 4. Mai hielt Regierungsrath v. Pffelstein einen lehrreichen Vortrag über das türkische Eisenbahnnetz. Die Ab­sicht der Türkei nur Ausführung eines Bahnnetzes reicht bis in die sechziger Jahre hinauf und die Seele des Unternehmens war Aalt Pascha. Nach langen Verhandlungen der Pforte mit verschiedenen europäischen Großmächten erhielt Baron Hirsch die Genehmigung für vier Linien (Konstantinopel-Adria- nopel-Sofia-Novibazar»Serojewo - Doberlin- Pri- stina-Nisch-Salonichi, Philippopel- Yamboli-Burga«, Yamboli-Adrianopel-Dedeagatsch), zusammen 2500 Km. lang. Die Pforte verbürgte einen Ertrag von 14,000 Fr. vom Kilometer und versprach außer­dem eine bedeutende baare Beihilfe für den Aus­bau der schwierigen Strecke Serajewo-Mitrowitza. Der Betrieb sollte durch die österreichische Süd- bahngesellschaft geführt werden, welche sich ver­pflichtete, da» erforderliche Material beizustellen und eine Pachtrente von 8000 Fr«, vom Kilometer zu zahlen. Diese Pachtrente und die türkische Ver­bürgung blldeten die Grundlage für die Kapital­beschaffung, welche in der Form der bekannten Türkenloose erfolgte. Das konzessionirte Bahnnetz ist indeflen nie ausgeführt worden. Im Jahre 1871 starb Aalt Pascha und sein Nachfolger, der Alttürke Mahmud Pascha, war der Verbindung mit Centraleuropa abgeneigt. Durch Vertrag vom 18. Mai 1872 legte die vom Konzessionär gebil­dete Gesellschaft ihr Recht in die Hände der tür­kischen Regierung zurück, verpflichtete sich aber gleichzeitig, al« einfache General-Bauunternehmung der Regierung folgende Theile de« früher konzes- fionirten, nunmehr türkischen Staat«bahnnetze« aue- zuführen: 1) die Linie Konstantinopel-Adrianopel- Sarembej, 2) Adrianopel-Dedeagatsch, 3) Adria- nopel-Damboli, 4) Salonichi-Uerküb-Mitrowitza, 5) Doberlin-Banjaluka. Diese Strecken wurden mit Ausnahme von 5) ausgebaut und 1875 in Betrieb gesetzt. Die türkische Regierung, welche selbst zwei Linien autzuführen sich verpflichtet hatte, um da» Hauptnetz zu einem leistungsfähigen Ganzen zu machen, war dagegen nicht in der Lage, die Arbeiten auch nur in Angriff zu nehmen. Aus dieser Zeit stammen die Streitigkeiten zwischen der

Der Neffe.

Kriminalroman von F. A.

(15. Fortsetzung.)

„Das Alle» und in der Waschschüffel die Spu­ren, daß Sie sich die blutigen Hände gewaschen und da» Waffer zum Fenster hinuntergegoffen haben."

„O, mein Gott, mein Gott, da« Bubenstück, wa« an mir begangen, ist noch ärger al« der Mord!" schrie Georg wieder aufspringend. „Der Mörder hat mich mit allem Fleiße der That ver- dächtigt."

„Sie beharren Angesichts dieser Beweise noch immer beim Leugnen?" fragte der Untersuchungs­richter.

„Der Schein ist wider mich, ich begreife e», daß Sie mich anklagen und verdammen", stöhnte Georg; „aber bei Gott im Himmel, ich bin un­schuldig."

„Lästern Sie nicht", gebot de, Untersuchung«- richter unmuthig. Ihre Schuld liegt sonnenklar am Tage. Nachdem Eie den Mord verübt hatten, nahmen Sie da« Geld, deffen Aufbewahrungsort Sie ganz genau kannten; um aber den Schein zu erregen, al« seien Räuber von außen eingedrungen,

Pfotte und dem Baron Hirsch, die auch heute noch nicht ganz geschlichtet sind. Nach dem Berliner Kongreß traten Delegirte von Osterreich-Ungarn, der Türkei, Serbien und Bulgarien zum Abschluffe einer Konvention über den Ausbau der türkischen Bahnen zusammen. Diese fogeitunnte Conferenze ä quatre fand in Wien statt und vereinbarte, daß der Anschluß der osmanischen an die mitteleuro­päischen Bahnen über Serbien und Oesterreich-Un­garn zu erfolgen habe. Zu diesem Zwecke sollten bauen: Oesterreich-Ungarn eine Linie nach Semlin bezw. Belgrad, Serbien eine solche von Belgrad nach Risch und von hier einerseits in süd­östlicher Richtung weiter über Pirot an die neue serbisch-bulgarische Grenze bei Zaribrod, anderseits in südwestlicher Richtung an die serbisch-türkische Grenze bei Vranja; Bulgarien die Fortsltzung der serbischen Linien Belgrad-Zaribrod über Sofia bis Vakarel; endlich dis Türkei einerseits den Anschluß von Vakarel an den Endpunkt der im Betriebe stehenden rumelischen Linie, anderseits den Anschluß von Vranja bir Uesküb an die Linie nach Salonichi zu bauen habe. In Ausführung dieser Beschlüsse wurden gebaut und eröffnet: Pest-Sem- lin am 10. Dezember 1883, Semlin-Belgrad und Belgrad - Risch am 15. September 1884, Risch- Vranja am 13. September 1886. Da auch auf der Verbindungsstrecke Uesküb-Vranja die Haupt­arbeiten bereit« vollendet sind, so hätte nunmehr ein diretter Verkehr mit Salonichi eröffnet werden können, wenn nicht die eüauchte Pforte sich da­hinter verschanzt hätte, daß die Linie nach Salo­nichi nur gleichzeitig mit der Linie nach Kon­stantinopel dem Verkehr übergeben werden dürfe. Die Linie Risch-Pirot ist am 13. November 1887 eröffnet worden, diejenige Pirot (Zaribrod)-Vakarel soll angeblich im Mai fertig sein, jedenfalls wird sie im Laufe de« Sommers betriebsfähig und eben so wird die Linie nach Konstantinopel wohl zur gleichen Zeit dem Verkehr übergeben werden können. Die Entfernung von Pest nach Salonichi beträgt 1052 Km., diejenige von Pest nach Kon­stantinopel 1402 Km. Die Züge, welche in 8*/2 Stunden den Weg von Pest nach Belgrad (352 Km.) zurücklegen, werden bann 30 Stunden ge­brauchen, um nach Salonichi, und 38 Stunden, um bi» Konstantinopel zu kommen. Heute beträgt die Reisetour von Pest über Bukarest und Varna nach Konstanttnopel 56 Stunden. Man wird nach

dmchwühlten Sie da« Bureau, verstreuten die darin befindlichen Papiere und begnügten sich auch nicht mit der Summe von drechunderttausenb Mark, die Sie brauchten."

„Ich habe also noch mehr gestohlen", versetzte Sonnenberg mit einer Art Galgenhumor; „würden Sie mich vielleicht über den Verbleib diese« Gelbe« belehren?"

„Wir werden auch die« in Erfahrung bringen", lächelte der Rath überlegen; „für jetzt hat dieser Umstand untergeordnete Bedeutung."

„Verzeihen Sie, Herr Rath, für mich hat er eine sehr große", rief Georg lebhaft. „Das Ver­fahren de« Verbrechers beweist, daß ich die That nicht ausgeführt haben kann; ich würde bod) nicht mehr genommen haben, al« ich brauchte I"

„Diese Erwägung hat Sie eben veranlaßt, da« zu thun, wa« man Ihnen nicht zutrauen würde, wie Sie auch die Balkonthür geöffnet und die Glasscheibe derselben eingedrückt haben."

„Die Balkonthür stand offen, die Scheibe war eingedrückt!" wiederholte Georg, wie von einer schweren Last befreit aufathmend, „da sehen Sie —"

„Wir sahen, daß die Scheibe vom Zimmer au« zerbrochen war, denn da» Gla» lag draußen", unterbrach ihn Schwendler.

Eröffnung der direkten Verbindung die ganze Reise zurücklegen können, ohne den Wagen des Expreß­zuge« zu verlassen, während dieser Zug heute nur bi« Giurgewo geht und der Reisende ferner noch 15 Stunden einschließlich der Seefahrt auf dem häufig fehr stürmischen Schwarzen Meere zu über- stehen hat. Man kann annehmen, daß die Zahl der Reisenden nach Konstantinopel von 3000 jähr­lich auf 10,000 und selbst 15,000 sich heben wird, besonders da die Fremden alsdann nicht mehr von den Zöllnern belästigt werden, indem die Vierer- Konferenz eine direkte Leitung de« Gepäcks und der Güter bestimmt hat. Das ist in den Haupt­zügen der gegenwärtige Stand der Eisenbahn-Ver­bindungen in der Türkei; ob in absehbarer Zeit von der asiatischen Küste des Bosporus ein direkter Schienenweg nach dem Unterlaufe de« Euphrat ge­streckt werden wird, ist mehr als fraglich. Un­zweifelhaft aber würde eine solche Verbindung mit Jahren zu den wichttgsten der Erde sich empor­schwingen müssen, sobald nämlich Mesopota­mien wieder da» würde, wa» e» einst war und bei geeigneter Verwaltung wieder werden könnte, nämlich eine Kornkammer der Welt.

Deutsches Reich.

Berlin, 16. Mai.

* Die Brfferung in dem Befinden de« Kaisers dauert fort. Hustenreiz und Auswurf find zwar noch vorhanden, dagegen find die Schlingbeschwerden und die Rachenentzündung im Verschwinden. Bei der heuttgen Consultation der Aerzte hat wieder eine Auswechselung der Kanüle stattgefunden. Dieselbe ging leicht von Statten und bot neuerdings Gelegenheit, da» gute Aussehen der Wunde am Athmungskanal zu kon- stattren.

* Als Vertreter des Zaren wird Großfürst Sergei von Rußland zur Vermählung de» Prin­zen Heinrich in Berlin eintreffen. Fall» b'e dem Hochzeitstage vorangegangene Nacht für dm Kaiser nicht günstig ist, findet der kirchliche Akt nicht in der Schloßkapelle, sondern in einem Zimmer neben dem kaiserlichen statt.

* Das Herrenhaus hat heute seine Plenar- berathungen wieder ausgenommen, und zwar mit der Verhandlung über das Volksschullasten- Gesetz. Dasselbe war bekanntlich einer Kommis-

„Und eine solche Dummheit trauen Sie mir, einem Architekten zu!" entgegnete Georg, verwun­dert die Hände zusammenschlagend.

„Ich glaube zu Ihrer Ehre, daß Sie doch nicht genug Routtne im Morden befitzen, al» daß Sie hätten Alles kaltblüttg erwägen können," erwiederte der Rath; „für einen Anfänger haben Sie schon Erstaunliches geleistet. Sie haben, obgleich Sie den Hausschlüssel besaßen, auch dm auf dem Nacht- ttsch neben Herm Schmittchen liegmden Schlüssel entfernt, um die Entdeckung de» Verbrechm» mög- lichst lange zu verzögern. Sie haben sich nach dem vollbrachten Morde gewaschen, die Spuren des Blutes verwischt, habm sich forgfälttg ange­kleidet, find mit dem Frühzuge nach Hamburg gefahren, habm in der Bahnhofs-Restauration gewattet, bi« Banquier Fränkel seinen Laden ge­öffnet, haben die Kassensche ne in konsolidirte An­leihe umgesetzt und find dann nach Buchenberg gefahren, um dort Verlobung zu halten.

Sonnenberg hatte dem Richter mit aufgerissenen Augen und halbgeöffneten Munde zugehört. Je weiter Schwmdler sprach, desto starrer mürben seine Züge, burch seine hohe kraftvolle Gestalt ging ein Beben; so schwankt der Baum, den der