JN2 109.
Sonnabend, den 12. Mai.
1888
Di, -uldaer Rtitung' erscheint tkglich, vonn- tmb Feiertage «»»genommen. Brerteljährlich« tooimemtirtlptei» ohne dAnger^hn und Bestellgeld. 1 M. 50 Pf. ,WU»oa ^it der belletriMchen Dochrnbeilage »Sterne und Blumen m Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 Pf.
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Zweites Blatt.
—♦ Heber Freimaurerei, m.
Nachdem wir in unserem ersten Artikel über Freimaurerei den Gesammlinhalt de« jüngst zum Abschluß gelangten Leo Taxil'schen Werke« ,Die Drei-Punkte-Brüber" kurz besprochen und in einem zweiten Artikel über da« Verhältniß der Loge zu den regierenden Fürsten und anderen hochgestellten Personen da« Wesentlichste angebeutet haben, lasten wir nun heute Einige« über Effektivbestand, Geschichte und Wesen der Freimaurerei rc. folgen:
Der Esfektivbestand der Freimaurerei aus der ganzen Welt ist nach den offiziellen Erhebungen (die Statistik ist 67 Buchseiten stark) vom Jahre 1885 folgender: 140 Maurerbünde (Groß-Oriente, Groß-Logen oder Supremes conseils) ungefähr 16,800 Logen und 1,075,000 Brüder.
Wir beschränken un« darauf, nur folgende näher- liegende Punkte zu erwähnen.
Der deutsche Großlogenbund, welcher die 8 deutschen Großlogen umsaßt, wurde 1872 kon- stitutrt. Sein Organ ist der deutsche Großlogentag. Derselbe besteht au« den 8 Großmeistern und je 2 von jeder Großloge zu erwählenden Br.: Meistern, und tagt alljährlich zu Pfingsten am Sitze einer der Großlogen.
Die deutschen Großlögen sind folgende:
1) Große National-Mutterloge zu den „Drei Weltkugeln" in Berlin. (Ritus von Herrdem und alter schottischer Ritus.)
Die Namen der Großmstr., Groß-Sekr., Gr.- Archivare, sowie die Großlogen, welche sich bei den resp. Großlogen vertreten lasten, übergehen wir.
2) Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland in Berlin. (Ritus von Herrdem und von Zinnendorf.) , , „ ..
Nach dem Kriege von 1870-71 beschränkt sich der „Höchste Rath" von Frankreich (Schottischer Ritus) darauf mit der Gr.-B.-Loge von Deutschland seine gedruckten Jahrbücher und Berichte aus- zutauschen. Der Groß-Orient von Frankreich dagegen unterhält mit derselbm Gr. Landesloge von Deutschland sehr rege und brüderliche Beziehungen. Es findet zwischen dem Groß-Orient und der Gr. L. L. monatlicher Briefwechsel mit besonderen Ziffern statt. Adr. M. P. Meyerhofs, 70 Dramen- burgerstr. Berlin.
3) Große Loge von Preußen, genannt „Royal York zur Freundschaft" in Berlin. (Ritus v. York.)
4) Große Loge von Hamburg. (Alter angenommener schottischer Ritus.)
5) Große Mutterloge des Eklektischen Bundes zu Frankfurt a. M. (Eklektischer Ritus.)
6) Groß-Loge „zur Sonne" in Bayreuth. (Alter angenommener schott. Ritus.)
7) Groß-Landes-Loge von Sachsen in Dresden. (Alt. ang. schott. Rit.)
8) Große Loge de« Freimaurerbundes „zur Eintracht" in Darmstadt.
Deutschland hat int Ganzen 460 Logen und 42,076 Br.
Manche Publizisten (Nichtfreimaurer) kamen bet ihren Berechnungen irrthümlicher Weise zu weit höheren Zahlen. Die« geschah hauptsächlich aus zwei Gründen. Emmal zählten ste ost dieselben Freimaurer doppelt und dreifach. In der Meinung, daß die Areopage, Kapitel und Logen gänzlich verfchiebene Maureroereine darstellten, summirten sie die Mitglieder der Kapitel zu denen der Logen und diese wieder zu denen der Areopage. In Wirklichkeit aber müflen, wie aus den Statuten hervorgeht, alle Mttglieder der Kapitel (Rosenkreuzer) zugleich aktive Mitglieder der Loge sein;
ebenso müssen die Mitglieder der Areopage (Ritter Kadosch) Mitglied des Kapitels und der entspr. Loge sein; es kommen deßhalb bei Festsetzung der Freimaurerzahl nur die Logen in Betracht. Andererseits machten Publizisten noch eine andere irrige Annahme, indem sie glaubten, daß es auf 10 aktive Maurer 20 gebe, welche aufgehört hätten, es zu fein, indeß immer noch im Dienste der Loge ständen und daher bei der Statistik mitzuzählen feien.
Indeß find die „indifferenten" Maurer wirklich al« ausgetreten zu betrachten. Wenige Freimaurer , welche der Loge den Rücken drehen wollen, finden nämlich den Muth, ihren Austritt zu erklären. Da die Loze auf jede Weife Leute, welche ihr nützlich find, zurückzuhalten sucht, würde ein solcher Schritt sie tausenderlei Unannehmlich- leiten und Verfolgungen aussetzen. Gewöhnlich stellen daher solche, welche der Freimaurerei überdrüssig geworden sind, einfach den Logenbesuch und die Zahlung der Beiträge ein, um so als „Indifferente" geräuschlos gestrichen zu werden. Leo Taxil konstatirt, daß 19 Zwanzigstel dieser logenbesucheuden Freimaurer nicht von jener aggressiven Gottlosigkeit beseelt sind, welche das eigentliche Wesen der Freimaurerei ist.
Die Geschichte der Freimaurerei wollen wir übergehen und nur bemerken, daß man am sichersten geht, wenn man die Stiftung des Geheimbundes auf den 24. Juni 1717 ansetzt. Die Gründer sind der Physiker Desaguliers, der Theologe James Anderson und George Payne in England. Die Märchen vsn dem großen Alter der Maurerei werden freilich von vielen großen Kindern noch immer geglaubt.
Das Wesen der Freimaurerei war von Anfang bis auf unsere Tage ein und dasselbe. Die Jlluminaten des vorigen Jahrhunderts waren die- selben Freimaurer wie die Dreipunktebrüder unserer Tage. Dies geht sonnenklar au« den vor uns liegenden: „Originalschriften, welche die Jllu- minatensekte überhaupt, sonderbar aber den Stifter derselben, Adam Weishaupt, gewesenen Profeffor zu Ingolstadt, betreffen und bei der auf dem Baron Baffufi'schen Schloß zu SonderSdorf, einem bekannten Jlluminaten-Reste, vorgenommenen Visitation entdeckt, sofort auf Kurfürstlich höchsten Befehl gedruckt, und zum geheimen Archiv genommen worden sind, um solche jedermann auf Verlangen zur Einsicht vorlegen zu lassen. Zwo Abtheilungen. München 1787 zu haben bei Joseph Lentner", renter aus „Einigen Originalschristen des Illuminatenordens, welche bey dem gewesenen Regierungsrath Zwack durch vorgenommene Hausvisitation zu Landshut den 11. und 12. Oktober rc. 1786 vorgcfundm worden. Auf höchsten Befehl Seiner Chmfürstlichen Durchlaucht zum Druck befördert. München bey Johann Bapt. Strobel 1787." Zwei recht interessante Bücher, die auch heute noch manchem Bruder die Augen öffnen könnten. Derartige Veröffentlichungen werden freilich gewöhnlich aufgekauft und vernichtet. Vielleicht findet sich noch Gelegenheit, auf den Inhalt derselben zurück zu kommen.
Vermischtes.
* Zur Aufklärung junger Leute, welche sich dem Militärstande, widmen wollen, wird offiziös auf die im Armee-Verordnungsblatt vom 11. April veröffentlichten Bestimmungen über Unteroffiziersschulen und -Vorschulen aufmerksam gemacht. Hervorgehoben zu werden verdient die Bestimmung, daß die Zöglinge bet militärischer Erziehung dort Gelegenheit finden,
ihre Schulkenntnifle soweit zu ergänzen, wie dies nicht nur im Hinblick auf ihren künftigen mili- ärischen Beruf, sondern auch für ihre spätere Verwendbarkeit im Civildienst wünschenswerth er# cheiut. Die Aufnahme von Zöglingen erfolgt jei der Unteroffizier-Vorschule zu Neubreifach m April, bei den Unteroffizier-Vorschulen zu Weilburg und Annaburg im Oktober jede« Jahre«. Die Aufzunehmenden dürfen in der Regel nicht unter 15 und nicht über 16 Jahre alt fein. Hiervon wird in diesem Jahre insofern abgewichen, al« ausnahmsweise die Anmeldung einzelner junger Leute, welche da« 16. Lebensjahr bereits überschritten haben, bis zum Oktober gestattet wird. Die in Unteroffizierschulen Einzustellenden müffen mindestens 17 Jahre alt sein, dürfen aber das 20. Jahr noch nicht vollendet haben. Eine dem Alter entsprechende kräftige Entwicklung, vollkommene Gesundheit und eine tadellose Führung find selbstverständliche Bedingungen zur Annahme. Die weiteren Aufnahme- bedingungen können bei den Bezirkskommando« und deren Feldwebeln in Erfahrung gebracht werden und sind auch in mehreren Exemplaren den Bürgermeistereien zur Erleichterung der Einsicht übersandt worden.
* Im Verlaufe des jüngst in Wiesbaden statt- gehabten Kongreffes für innere Medizin richtete einer der bedeutendsten Kliniker, Hofrath Profeffor Nothnagel-Wien, eine ernste Mahnung an die Eltern, Kindern keine geistigen Getränke zu verabreichen. Profeffor Nothnagel sagte: Ich möchte, soweit unser Wirkungskreis geht, die Bitte dahin richten, daß im Kindesalter weniger Alkohol gegeben wird — ich meine nicht als Arzneimittel, sondern als Genußmittel. Der Alkohol ist, medizinisch betrachtet, ein Reizmittel, ein kindlicher Organismus aber braucht kein Reizmittel. Ich halte es für einen Krebsschaden unserer heutigen Zeit, daß jedem Kinde vom zweiten bis dritten Lebensjahre Wein ober Bier bei Tische gegeben wirb. Ich will nicht sagen, daß die Kinder deßhalb alle Noth leiden ober schwere Krankheiten baoontragen, wenn sie etwas Wein ober Bier mit Waffer vermischt trinken, aber nöthig ist es nicht. Die heutige gesteigerte nervöse Erregbarkeit einerseits unb bie geringe nervöse WiberstandSkraft andrerseits sind eine Folge dieses zeitigen Mißbrauch« de« Alkohols bei Kindern. Nur ausnahmsweise darf man Kindern Wein geben, grundsätzlich aber als Nahrungsmittel nicht. Möge diese Mahnung seitens der Eltern allgemeine Beachtung finden!
* Heber das Honorar Dr. Mackenzie's hat sich schon ein ganzer Legendenkreis gebildet. Der Arzt Kaiser Friedrich's hat bekanntlich seine ansehnliche und sehr einträgliche Praxis in London zunächst aufgeben müssen, um sich der Behandlung des hohen Patienten in San Remo und jetzt in Charlottenburg gänzlich widmen zu können. Ein Pariser Blatt hat neuerdings seinen in Berlin weilenden Korrespondenten beauftragt, über die Bezüge des Dr. Mackenzie, seit derselbe sich ununterbrochen im Hause des Kaisers aufhält, sich zu informiren, und theilt nun mit, daß der englische Arzt ein Honorar von 1500 Mark täglich bezieht.
(Nicht unt erzub ringen ] Richter: „Was sind S,e für ein Landsmann?» — Zeuge: „Das ist mir selber nicht klar." — Richter: „Was soll das heißen?» — Zeuge: „Ich bin von einem englischen Vater und einer französischen Mutter auf einem amerikanischen Schiff in griechischen Gewäffern unter türkischer Flagge geboren. Run sagen Sie mir gefälligst, wo ich hingehöre."
(Zungenfertigkeit.) „Aber Weib, glaubst Du denn, daß Du mit Deinem Kleideraufwande anderen Männern gefallen wirst ?" — „Ich will auch keinen andern Männern gefallen, sondern nur andere Frauen ärgern.»
(Die bösen Fremdwörter.) „Wie wünschen Sie photographirt zu werden, sitzend, stehend, im Profil oder vielleicht en face?" — „I bin a Wirth, wissen S', und da wär' am Faß wohl 's beste."