1888
Sonnabend, den 12. Mai.
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Erstes Blatt
Deutsches Reich.
Berlin, 11. Mai.
• Ueber dar Befinden des Kaisers ist heute Vormittag folgendes Bulletin ausgegeben worden: „Das Befinden Sr. Maj. des Kaisers und Königs war in den letzten Tagen verhältniß- mäßig gut, das Fieber war ganz gering, der Schlaf, wenn auch noch öfters unterbrochen, doch erquickend. Die Kräfte haben sich wieder gehoben. Mackenzie, v. Wegner. Krause. Hovell. Leyden. Bardeleben." — Der .Nordd. Allgem. Ztg/ wird von ärztlicher Seite berichtet: „Das Befinden des Kaisers hat sich in den letzten Tagen verhältnißmäßig günstig gestaltet, insofern die Krankheits-Erscheinungen insgesammt an Intensität nachgelassen haben. So ist da« Fieber fast gänzlich verschwunden und der Puls ruhiger und gleichmäßiger. Die Nächte bringen tieferen und stärkenden, wenn auch durch den noch immer reichlichen Auswurf unterbrochenen Schlaf. Die Ernährung ist durchaus auf Stärkung und Kräftigung berechnet und wird gut ertragen, wenn auch der Appetit des hohen Patienten noch zu wünschen übrig läßt. Trotz der Zunahme der Kräfte sind dieselben aber noch nicht ausreichend, um Sr.Maj. die freie Körperbewegung und das Verweilen außerhalb des Bettes oder des bettähnlichen Sophas zu gestatten." Von anderer Seite wird berichtet, daß die eiterige Absonderung allerdings noch in ziemlich reichlichem Maße fortdauert, aber nicht mehr so belästigend ist. Ferner, daß der Kaiser außer der gewohnten flüssigen Nahrung auch wieder etwas kompaktere Speisen, als klein geschnittenes Fleisch, Weißbrod u. s. w. genießt.
* Dr. Mackenzie erklärt in einer Zuschrift an das .Britesch Medical Journals er habe nie» mal» an die Presse irgendwelche Informationen gegeben, ausgenommen solcher, die behufs Widerlegung falscher und übertriebener Nachrichten au?- drücklich gestattet waren.
* Das Herrenhaus tritt am 16. d. Mtt. wieder zusammen, um das Volksschullastengesetz und die Vorlagen wegen Regulirung der Weichsel, der Oder und der Spree zu berathen.
* Die Wildschaden-Kommission des
eine Ansprache, der Bischof von Osnabrück das Pontifikalamt. Abends fand eine Festoersammlung statt, wobei Mgr. Doppelbauer die Willkommen- und Westermayer - München die Festrede hielt. Mgr. Hergenröther toastirte auf den anwesenden Fürsten v. Löwenstein, in dessen Namen Rochow antwortete. Sonntag werden die Pilger der Messe des Papstes beiwohnen, und Abends 6 Uhr in Audienz empfangen werden. — Der Bischof von Osnabrück ist gestern wohlbehalten hier eingetroffen und hat in der Amina Wohnung genommen.
* Bei dem Kaiser von Brasilien, welcher in Mailand krank darnieder liegt, haben sich seit Donnerstag Abend ernste Symptome von Gehirn-Congestionen verbunden mit Fieber gezeigt.
» Der Zustand des Königs von Portugal hat sich derart verschlimmert, daß man bereits eine Vertretung desselben in der Erledigung der laufenden Regierungsgeschäfte durch den Kronprinzen in Aussicht stellt.
* Die Zuckerprämien»Konferenz in London hat sich über einen Vertrag, wonach die Zuckerprämien abgeschafft werden sollen, geeinigt. Trotzdem ist es zweifelhaft, ob die Konferenz ein positives Resultat haben wird, da mehrere der beteiligten Staaten nicht gesonnen sind, den Vertrag zu ratifiziren. Von Belgien ist dies bereits sicher.
» Dublin, 11. Mai. In einer Versammlung der irischen Bischöfe zu Clonleiph wurde eine Resolution gefaßt, in welcher erklärt wird, daß, obschon das päpstliche Reskript mit der größten Achtung betrachtet werden müsse, die Bischöfe den- - •
noch sich verpflichtet hielten, deswegen eine M- - theilung an den Papst gelangen zu lassen.
* New-York, 22. April. Der Bau der katholischen Universität in Washington ist in Angriff genommen, das Ausgraben der Funda- mente beendigt. Im Mai soll die Grundsteinlegung stattfinden. - Eine Irländerin, Frau Mc. Gregor, hat den Barmherzigen Schwestern 50,000 Dollars geschenkt für ein bei San Diego (Diözese Monterey) zu erbauendes Hospital. — Der Direktor des katholischen Indianer-Bureaus in Washington, Hr. I. A. Stephan, hat bei Reusselaer, Indiana, 400 Acres Land angekauft, um darauf eine Normalschule für Indianer zu errichten. Junge Leute werden aus den verschiedenen Indianer-Schulen,
Nicht ohne Anstrengung wurde das kleine solide Möbel aufgebrochen. In einer Ecke desselben fand sich ein Bündel; der Beamte zog es hervor und er, wie seine Gefährten und die ihm zur Hand gehenden Dienstboten stießen einen lauten Schreckens- laut aus. Das Bündel enthielt zwei blutbefleckte Handtücher, ein blutbeflecktes Hemd mit dem Zeichen G. 8. und da hineingewickelt den Dolch, an welchem noch das frische Blut der Gemordeten klebte.
Die Unterbeamten zweifelten nicht mehr, der Mörder war gefunden und hieß Georg Sonnenberg; der Untersuchungsrichter konnte sich aber trotz des Augenscheines doch nicht zu dieser Ueber- zeugung bequemen. ,
Nicht nur Meta, sondern auch sämmtliche Hausgenossen gaben dem Architekten das Zeugniß, daß er ein friedfertiger, liebenswürdiger, fein gebildeter Mann sei, der mit dem alten Schmittchen in der besten Eintracht, ja in einem Verhältnis wie der Sohn zum Vater gestanden hatte. Er war, wie im Schmittchen'schen Hause sehr wohlbekannt, der Sohn eines der reichsten Bauern in Holstein, hatte als Lohn für einen sehr gelungenen Bau eine recht ansehnliche Summe vom alten Schmittchen in Em- pfang zu nehmen; seine Verlobung mit einem I schönen Mädchen, der einzigen Erbin eines kränk-
Der Neffe.
Kriminalroman von F. A.
(11. Fortsetzung.)
„Noch habe ich keinen Verdacht, sondern finde nur das Verhalten des jungen Herrn höchst eigen- thürnlich," erwiederte der Untersuchungsrichter mit recht scharfer Betonung. Wie zur Bekräftigung seiner Worte trat in diesem Augenblicke der alte Detektive ein und flüsterte seinem Vorgesetzten einige Worte in'» Ohr.
„Wie ich dachte," versetzte dieser laut, „außer den am Boden verstreut gefundenen Goldstücken hat sich kein Geld gefunden, wir haben es also mit einem Raubmord zu thun. Sind Sie sicher, daß die von Ihnen als vorhanden angegebene Summe nicht bereits verausgabt war?"
„Nein, die Auszahlungen sollten erst beginnen, das habe ich von meinem Onkel und auch von Herrn Sonnenberg gehört."
„Sonnenberg und wieder Sonnenberg," murmelte der Rath. „Durchsuchen Sie das Zimmer de» Herrn Architekten auf das Genaueste," gebot et dem Diener, der sofort verschwand.
Inzwischen verhörte der Untersuchungsrichter die .^.enerschast, ohne aber durch deren Aussagen
Abgeordnetenhauses hat beschlossen, daß Schwarzwild nur in geschlossenen ober vergitterten Revieren unterhalten werden darf. Der von den Deutsch- freisinnigen eingebrachte Antrag ging dahin, daß auch Roth- und Damwild nur in umgattertm Räumen gehalten werden sollte.
-Posen, 9. Mai. Die Ansiedelungs-Kommission kaufte die Besitzung Zaniloblota in Westpreußen für 140,000 Jl.
* Mainz, 9. Mai. Das .Mainzer Journ. theilt mit, daß an Herrn Dompräbendar Prof. Dr. Schneider die Anfrage ergangen sei, ob er gewillt sei, eine Domherrenstelle in einer preußischen Diözese anzunehmen. Die Entscheidung betreffs des Ortes steht noch aus. Die Verhandlungen werden durch ben Bischof einer Nachbar- Diözese geführt. „ u
♦ Hildesheim, 10. Mai. An Stelle des verstorbenen weltlichen Seminarlehrers Eikenköter ist Herr Pastor Schmitz zu Harsum zum Kreis- Schulinspektor sür das Dekanat Gr.-Vörste ernannt. (Köln. Vztg.)
• Passau, 10. Mai. Bischof Franz Joseph von Passau ist einer schweren Gemüthskrank- heit verfallen, so daß er nicht mehr im Stande ist, seines bischöfllichen Amtes voll zu walten. Es soll daher ein Weihbischof mit dem Rechte der Nachfolge ernannt werden, und seien die diesbezüglichen Verhandlungen mit dem päpstlichen Stuhle in Rom bereits zum Abschlüsse gelangt. Als Weihbischof wird in Kreisen des Passauer Klerus einer der hervorragendsten Männer des bayerischen Klerus, Dr. Nirschl, Professor der Kirchengeschichte an der Universität Würzburg, ein geborener Passauer, genannt.
Ausland.
«Boulanger ist gestern mit seinem General- stabe nach dem Nord-Departement abgereist. Die Kundgebungen bei der Abreise waren unbedeutend. Für die am Sonntag statlfindende Stichwahl im Departement J'öre ist Boulanger als Kandidat des nationalen Protestes aufgestellt. Boulanger selbst erklärt in den Zeitungen, daß er mit dieser Kandidatur nichts zu thun habe und eine etwa auf ihn fallende Wahl nicht annehme.
* Rom, 10. Mai. 209 deutsche Pilger sind gestern nach Besichtigung von Assist hier angekommen. Heute hielt Hergenröther in der Anima etwas zu erfahren, was ihm irgend einen Anhaltepunkt hätte geben können. Desto mehr hatten die suchenden Beamten nach Verlauf einer ganz kurzen Zeit in den beiden Zimmern des Baumeisters Sou- nenberg gefunden. , .
Zunächst war dem forschend umherschweifenden Auge des alten Detektive aufgefallen, daß in der durch Schwerter und Dolche gebildeten Rosette an der Wand eine Lücke sei, und das Stubenmädchen, das täglich die Reinigung der Zimmer besorgt hatte, erklärte ohne Zögern, an dieser Stelle habe ein besonders scharfer Dolch mit einem funkelnden Griffe gesteckt, sie habe beim Abstäuben immer gefürchtet, sich daran zu schneiden.
Mit großer Verwunderung bemerkte das Mädchen ferner, daß das Wasser im Waschbecken, das der junge Herr sonst nach dem Gebrauch stehen gelassen hatte, zum Fenster hinausgegossen war, man gewahrte die Spuren davon noch aus dem Fensterbrett, in der Schüssel selbst zeigte sich aber ein röthlicher Niederschlag. Die beiden Handtücher fehlten ganz. Der Kleiderschrank stand offen und enthielt nichts Verdächtiges, auch einige Schiebkasten und selbst der Schreibtisch waren unverschlossen; um so auffälliger erschien es, daß Sonnenberg einen kleinen Eckschrank sorgfältig verwahrt hatte.
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