1888
Mittwoch, den 9. Mai.
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Erstes Blatt.
* Die Freimaurerei.
Anläßlich unseres gestrigen Artikels „Die Frei- maurerei" wurde uns von befreundeter Seite über denselben Gegenstand ein größeres Material zur Beifügung gestellt, das eigentlich für einen bereits angekündigten Vortrag im hiesigen katholischen Kasino bestimmt war, jedoch auch für weitere Kreise von Jnteresie sein dürfte.
Für heute Einiges über das Verhältniß der Loge zu den regierenden Häuptern und anderen hochgestellten Personen:
Der hl. Vater sagt, wie schon erwähnt, in seiner Encyklika (Humanum Genus):
„Vor Allem reißt der Freimaurerei die Marke herunter, mit welcher sie sich deckt und stellet sie als das dar, was sie ist. Sodann klärt das Volk auf, und zeigt ihm die Schliche, welche die Sekte anwendet, um die Menschen zu verführen und in ihre Reihen zu locken, zeigt ihm die Verkehrtheit ihrer Lehre und die Schändlichkeit ihres Treibens."
Wenn man einwendet, daß der Loge auch Regenten und Familienangehörige derselben beige- treten, die nöth'ge Rücksicht auf diese Letzteren aber jedes böse Wort gegen den Geheimbund zu einem Ausdrucke königsfeindlicher Gesinnung mache, so find wir ganz der Meinung S. Pachtler's, die er in seinem vortrefflichen Werke: der stille „Krieg gegen Thron und Altar" ausspricht, „daß nämlich Regenten mit ihren Anverwandten, selbst wenn sie äußerlich die höchsten Logenämter bekleiden, niemals „Arbeitsleute" oder „Baumeister", sondern eben „Bauherren", und demnach in einem Verhältniß zur Loge sind, wie ein reicher Rentner, der sich ein schönes Schloß will bauen laffen, zu einem Bauunternehmer, welcher eben noch reicherer Rentner werden will. Niemand aber — und das ist eine Ehre — wird leichter betrogen al« aristokratische Naturen; Niemand schwerer, als ein durchtriebener Gauner. Man werfe mir also nicht Un- ehrerbietigkcit gegen fürstliche Personen vor, welche der Loge die Ehre der Mitgliedschaft erweisen. Er wird nur von den stillen Baumeistern gesprochen, nicht von den Beschützern."
Folgender Eid bei der Aufnahme eines schottischen Alt- oder Obermeisters und Ritter des heil. Andrea« wird genügen, um die Anklage der Un-
Der Neffe.
Kriminalroman von F. A.
(9. Fortsetzung.)
„Der arme Martin ist mausetodt, er hat ein paar Stiche in der Brust," sagte ein Arbeiter, der den Diener untersucht hatte. In diesem Augenblicke kam der Kutscher zurück.
„Warum find Sie noch nicht fort?" herrschte ihn Meta an.
„Ich muß wieder vom Balkon hinabsteigen, die Hausthür ist verschloffen," erwiederte Wille und entfernte sich.
„Der Onkel pflegt seine Schlüffe! und darunter auch den Hauischlüffel immer neben sich auf den Nachttisch zu legen," versetzte Meta.
Man suchte, der Schlüffe! zum Bureau steckte im Schlöffe, da« Bund, woran er befestigt war, hing daran; der Hausschlüssel war nicht zu sehen.
„Holt einen Schlaffer herbei und laßt die Haue- thür öffeen," befahl Meta, die bereit« die Qual kennen lernte, tausenderlei Kleinigketten bedenken und besorgen zu müffen, während die Brust von einem großen furchtbaren Schmerze erfüllt ist.
Der Onkel war tobt, daran konnte sie nicht
ehrerbiettgkeit gegen hohe Protektoren unmöglich zu machen:
„Ich N. N. gelobe und schwöre zu Gott, dem Schöpfer der Welt, gegen meinen rechtmäßigen Meister dieser hohen schottischen Loge, im Beisein gegenwärttger schottischer Bundesbrüder, einen freien und körperlichen Eid, daß ich die Geheimnisse, zu welchen ich jetzt gelange, und meine Vermuthung, die ich davon nehmen werde, aus'« allergeheimste aller Welt verbergen will, und an Keinen den geringsten Punkt davon offenbaren wolle, wenn er auch derMeister des ganzen Ordens wäre, wo ich ihn nicht in einer rechtmäßigen, hohen schottischen Loge er- k.annt, oder er mir als ein solcher von meinen Oberen dieser Loge sei bekannt gemacht worden." Sarsena S. 212.
Die Loge selbst hat wiederholt erklärt, daß sie den regierenden Häuptern nicht den geringsten Einfluß auf die „Arbeit" gestattet, sondern von ihnen nur den unentbehrlichen Schutz entlehnt. Br Valenti (Le Franc-Ma^on Fevr. 1852 p. 117) gesteht offen: Der Einritt von Souveränen in den Orden ist ein guter Wurf. Obgleich sie zum maurerischen Tempelbau nicht beitragen können, obgleich wir den Anblick glänzender Auszeichnungen uns müssen gefallen lassen, — so sind sie doch für den Orden sehr kostbar, sei e« wegen ihres Reichthum« oder ihres ungeheueren Einflusses. So frei auch dis Äsheimbünde zu sein scheinen, so find ne doch von der Sttmmung in den höheren Klaffen noch zu abhängig ; aber immerhin können sie sich nur in den Strahlen der Sonne und unter wolkenlosem Himmel entwickeln. Da, wo der Fürst schmollt, darf man den Kopf nicht so hoch erheben, während man bei günstiger Brise vom Hofe her mit vollen Segeln fahren kann. Mögen also unsere erlauchten Gäste ewig davon dispensirt sein, im Schweiße de« Angesicht« zu arbeiten, sondern immer stumm und unthätig wie eine Puppe bleiben! Ihre bloße Gegenwart wirkt glücklich genug, besonders auf Leute, welchen ein gute« Werk in der Dunkelheit und Sülle schon große Mühe kostet. Wo sie (die Fürsten) verschwinden, ist da« Gebäude (die Loge) bedroht, wie ein Bienenschwarm ohne Königin. — Wie stolz man sich im Uebrigen über gekrönte Häupter hinwegsetzt, sehm wir au« der folgenden Erklärung eine«
mehr zweifeln, wäre sie selbst noch unerfahrener gewesen al« sie war, so hätte sie doch begreifen müffen, daß weder führ ihn, noch für den alten Marün eine menschliche Hülfe mehr zu erwarten sei. Man hatte ihn beraubt, auch da« ward durch da« geöffnete Bureau und die herausgezogenen Kästen dargethan, und sie wußte ja, daß er gegen seine sonstige Gewohnheit feit gestern eine sehr große Geldsumme im Hause gehabt hatte. Aber wer hatte da« außer ihr noch gewußt? Martin, der ebenfalls als Leiche am Boden lag und Sonnenberg, — Sonnenberg, der Thür an Thür mit dem Onkel geschlafen hatte und jetzt verschwunden war!
„Wohin war er gekommen? Hatte ihn die Mörderhand ebenfalls getroffen und hatte man feinen Leichnam fortgeschleppt und irgendwo verscharrt? War er noch rechtzettig geflohen? — Gtflohen, feige geflohen, er, der junge kräftige Mann, und hatte feinen alten Freund wehrlos im Stiche gelassen? Das war ganz undenkbar: Sonnenberg war muthig, besaß Waffen und verstand sie zu führen.
Noch einmal ging sie in feine Zimmer und sah sich um. Die Degen und Rapiere, die er im
amtlichen Maurer-Journals (Le Monde Ma$on nique, t VI. nov. 1863 p. 441): „Dis Frei maurerei muß ihreKraft aus sich selbst schöpfen, und wenn sie das Unglück hat, gekrönte Schirmherrn zu besitzen, so darf sie ihnen keinen größern Einfluß einräumen, als eben die profane Stellung derselben erheischt. Ja der That sind die gekrönten Häupter oft die Grundursache der Mißbräuche und der Intoleranz, welche noch im Schooße des Orden» selbst herrschen." — Es muß darum im wohlverstandenen Interesse sämmt- licher Regenten liegen, den Geheimbund enthüllt zu sehen.
Nach dieser Richtung machte große» Furore eine bei Habbel in Amberg erschienene Broschüre, der Hammer der Freimaur erei am Kaiserthrone derHabsburger. Sie zeigt urkundenmäßig mit riesiger Sachkemttniß die grauenhafte Maulwurfsarbeit, der Br.', besonders auch im Jahre 1866, sie beschäftigt sich mit dem stillen Mitbr.'. Franz I und Br.'. Leopold II, Br.. Türe, Koffuth, Klapka, Bluntschli, Robert Blum 2C. 2c. Man lernt diese gesammten salomonischen Tempelbauer kennen und kann diese unterweltische Musik belauschen, welche die Musikanten zu übertönen verstehen durch da» Geschrei erheuchelter Loyalität, Humanität und Wohlthätigkeit, dieser ihres „Passterscheiner," um mit Bessing zu reden, „vor der großen Welt."
Wir wollen nicht unterlaßen zu bemerken, daß die weitaus größte Mehrzahl der Freimaurer, wie die» aus den späteren Ausführungen hervorgeht und wie es im Interesse der Maurerei liegt, nicht wissen, was unter der Decke der Freimaurerei kriecht. Der Freimaurer der gewöhnlichen Sorte weiß außerordentlich wenig, sehr Viele scheinen nur zum Mitbezahlen und Mitessen ausgenommen zu sein.
DerrtscheS Reich.
Berlin, 8. Mai.
• Seit gestern Abend macht sich wieder eine deutliche Beflerung im Befinden des Kaisers bemerkbar. Für das beffere Befinden spricht auch der Umstand, daß er heute fast eine Stunde lang mit dem Reichskanzler konferirte.
* Der.Reichsanzeiger' veröffentlicht heute wieder eine Reihe anläßlich der Thronbesteigung erfolgten
Wohnzimer als Wanddekoration angebracht hatte, hingen in symmetrischer Ordnung da, auch die Flinte und der Revolver befanden sich an ihren Plätzen, die Waffenrosette zeigte nur eine einzige Lücke, es fehlte ein Dolch.
„Er hat doch eine Waffe ergriffen und ist den Ueberfallenen zu Hülfe geeilt," sagte sie sich indem sie in da» Wohnzimmer des Onkels zurückkehrte, „aber wo ist er geblieben? Lebt er noch? Ist er nach Buchenberg hinübergefahryi?" Sie schauderte; von diesem Schauplatze des Entsetzens zur Verlobung, da» war ja undenkbar!
Durch einen zufällig noch int Schlosse beschäftigten Schlosser war inzwischen die Hausthür geöffnet worden, der Weg war frei und damit schien auch wieder Leben und Bewegung in die Dienerschaft gekommen zu sein, welche bisher völlig erstarrt und rathlos umhergestanden hatte. Man flüsterte sich die Vermuthung zu, welche man sich über den Mord, btßen Ursachen und dessen Ausführung gemacht hatte, und die Beherzesten machten Miene, Hand an die Leichen zu legen.
Meta war im Vorzimmer ihres Onkels dicht neben dem offen stehenden Schrank in einen Sessel gesunken, hatte das Gesicht mit dem Tuche verhüllt