106.
Filbier
Dienstag, den 8. Mai.
1888
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°o° Die Freimaurerei
ist in unserer Zeit zu einer Macht geworden, die man nicht länger unbeachtet kaffen kann. In dieser geheimen, über die ganze Welt verzweigten Verbindung finden alle christenfeindlichen und n= volutionären Strömungen ihren mächtigsten Rückhalt. Sie ist der verborgene Hcerd alle» stillen und offenen Kampfes gegen Religion und Kirche, aller politischen und sozialen Umsturzbestrebungen. Sie ist so eigentlich das Hauptquartier des Fürsten der Finsterniß auf Erden. Die Hauptkraft aber des nächtlichen Bundes besteht wieder in dem Gc- heimniß, in welches er noch immer gehüllt ist. Mit Recht drang daher unser glorreicher hl. Vater Papst Leo XIII. schon wiederholt und nachdrücklich darauf, daß man die Freimaurerei entlarve. „Vor Allem", so schreibt er in seiner bekannten Encyelika Humanum Genua, „reißt der Freimaurerei ihre Marke ab und stellt sie als das dar, was sie wirklich ist! Klärt das Volk auf und zeigt ihm die Schliche, mit welchen die Sekte die Menschen versührt und in ihre Reihen lockt! Zeigt ihm die Verkehrtheit ihrer Lehre und die Schändlichkeit ihres Treibens!"
Ein Werl*) nun, welches dem hier ausgesprochenen dringenden Wunsche des Papstes in ausgezeichneter Weife entspricht, ist zweifelsohne das Werk Taxil's „Die Drei-Punkte-Brüder", welches soeben mit der Ausgabe des zweiten Bandes zum Abschluß gekommen ist. Taxil, früher selbst längere Zeit Freimaurer und gefeierter freidenkerischer Schriftsteller, war der geeignete Mann zu Enthüllungen über die Sekte. Für die völlige Zuverlässigkeit seiner Enthüllungen bürgt schon der Umstand, daß die Logen - Blätter, trotzdem die Werke Taxil's in Frankreich und im Ausland große» Aufsehen erregten, cs nicht einmal versuchten, die darin gemachten Angaben zu bestreiten. Was den Inhalt des Werke» selbst unbelangt, macht uns Taxil im 1. Kapitel (I, Seite 1—66)
*) Vollständige Enthüllungen über die Freimauerei »on Leo Taxil. Die Drei-Punkte-Brüder. Ausbreitung und Verzweigung, Organisation und Verfassung, Ritual, geheime Zeichen und Thätigkeit der Freimauerei. Autori- firte Uebersetzung aus dem Französischen. Freiburg in der Schweiz. Buchdruckerei und Buchhandlung des Werkes vom hl. Paulus. 2 Bände: XIV, 421 und 583, VIII. — Der 1. Band kostet 3 Mark oder 3 Fr. 75; der 2. 4 Mark »der 5 Fr.
Der Neffe.
Kriminalroman von F. A.
(8. Fortsetzung.)
IV.
Trotz der Mahnung dc» Onkels hatte Meta eine sehr unruhige Nacht. Es währte lange, ehe sie in der ungewohnten Umgebung den Schlaf finden konnte und als ihre Augen fich endlich schloffen, lag es bleiern wie ein Alp auf ihrer Brust. Erst gegen Morgen stellte sich ein sanfterer Schlummer ein, so daß sie nun später erwackte, als ihr in Anbetracht der ihrer harrenden Obliegenheiten Wünschenswerth war. Schnell stand sie auf, kleidete sich an und beschickte in einem reizenden halbrunden Erkerzimmer, das eine köstliche Aussicht auf die Elbe bot, den Kaffeetisch. Sie wollte dem Onkel die erste Mahlzeit im neuen Schlöffe besonders gemüthlich machen.
Sie hatte erwartet, ihn sowohl wie Sonnenberg heute besonders pünktlich erscheinen zu sehen, da Beide nachher hinüber nach Buchenberg zur Verlobung fahren wollten. Zu ihrer Verwunderung blieben sie lange aus urd auch der alte Martin ließ sich nicht blicken."
„Die Herren machen sogleich Toilette," tröstete
mit seinen persönlichen Erlebnissen in der Loge bekannt. Im 2. (Seite 66 — 137) stellt er uns den Effektivbestand und die Verzweigung des Bundes über alle einzelnen Länder der Erde vor Augen. Im 3. (Seite 137—271) gibt er uns einen klaren Einblick in die innere Verfassung und Gesetzgebung des Bundes. Im 4. (Seite 271—293) macht er uns mit den verschiedenen Systemen, Riten und Graden bekannt. Im 5., 6., 7., 8., 9. und 10. (I, 293—417 und II, 1 — 391) eröffnet er uns einen vollständigen Einblick in das Innere der Logen selbst, leuchtet er in ihre verborgensten S-ilupfwinkel. Wir belauschen hier so recht die Geheimbündler bei ihrer nächtlichen Maulwurfsarbeit. Wir lernen die Ränke kennen, mit welchen sie Unbehutsame umgarnen und in ihren N,tzen fangen. Wir schauen, wie sie vermittelst des mit teuflischer Schlauheit ungeordneten Räder- Werkes ihres Gradwesens Leute der verschiedensten Geistesverfassung an sich zu ketten, stufenweise zu verderben und ihren gottlosen und gemeingefährlichen Zwecken dienstbar zu machen wissen. Wir erhalten in den Hochgraden namentlich, in welchen der Schwerpunkt des Bundes liegt, einen Begriff von ihrem wahren Geiste. Die buchstäblich satanische Gottlosigkeit der Loge und ihr diabolischer, vor keinem Mittel zurückschreckender Haß gegen da» Christenthum unb gegen die ganze auf demselben erbaute Gesellschaftsordnung tritt uns da in wahrhaft erschreckender Nacktheit entgegen. Im 11. Kapitel (II, Seite 391—513) werden die geheimen Erkennungszeichen, Paßworte aller Grade und der hauptsächlichsten Systeme ausführlich und deutlich mitgetheilt. Auch dieses Kapitel hat seine große Wichtigkeit, wenn es auch Manchem ander» scheinen möchte. Die in demselben enthaltenen Enthüllungen sind der Freimaurerei, welche al» über die ganze Erde verzweigter Geheimbund ohne vor Profanen geheimgehaltene und doch allen Maurern der Erde bekannte Zeichen nicht sein kann, die allerunbcquen sten. Sie sind geeignet, eine ganze Revolution in der Drei - Punkte - Brüderschaft zu verursachen, ihr einen Schaden zuzufügen, den sie nicht völlig wieder ausb.flern kann. Bereits sind auch in verschiedenen Logenblättern Sckmerzenr- rufe gerade über diesen Theil der Taxil'schen Enthüllungen laut geworden. Im 12. und letzten Kapitel endlich beleuchtet der Verfasser (Seite 517 bis 529) die vorgebliche Wohlthätigkeit der Schurz-
sie sich mit einem Lächeln, durch da» sich eine stille Wehmuth stahl; sie wartete noch eine halbe Stunde, als aber auch jetzt Niemand kam, ward sie unruhig, warf eine leichte Hülle über und eilte nach dem alten Hause, das man von den Fenstern de» Schlosses aus nicht zu überblicken vermochte."
Die Hausthür war noch verschlossen; sie klopfte und rief, aber Niemand hörte; im ganzen Hause herrschte Todtenstille.
„Sie können unmöglich noch schlafen!" murmelte Meta und eine immer stärker werdende Angst schnürte ihr die Brust zusammen. „Wäre einem etwas zugestoßen, so müßten doch die Anderen ein Lebenszeichen geben." Nochmals pochte und rief sie. Da wiederum keine Antwort erfolgte, so lief sie nach der anderen Seite des Hauses, auf welche die Fenster der von Schmittchen und Sonnenberg bewohnten Zimmer gingen. Die Fenster waren geschlossen, dagegen stand die vom Wohnzimmer des alten Herrn nach dem daran stoßenden Balkon führende Glasthüre offen.
„Onkel, Onkel, wo bleibst Du denn? Ich warte schon lange mit dem Frühstück!" rief Meta hinauf. Sie beschattete das Auge mit der Hand und schaute erwartungsvoll hinauf, aber die Gestalt
fellträger, die weiter nichts ist, als schamloser Humbug, darauf berechnet, die profane Welt über die eigentlichen Ziele der Loge hinwegzutäuschen. Ec stellt sodann (Seite 529 —533) die freimaurerische Brüderlichkeit in'« rechte Licht, deckt (Seite 533 bis 536) die politischen Umtriebe des Geheimbundes auf, zeigt, wie die Sekte ihre Adepten selbst zum Meuchelmorde (S. 537—546) und zum Hoch« verrathe (S. 547 —556) anleitet und lüftet schließlich (S. 557—575) hoch den Schleier von den Frauenlogen oder der androgynen Freimaurerei. In letztem Paragraphen ist bte Quintessenz ber Enthüllungen Taxil's in seinem Werke „Les Sceurs Majonnes“ eingefügt. Diese Inhaltsangabe wirb genügen, um unsere oben ausgesprochene Behauptung zu rechtfertigen, baß bas Taxir'sche Werk ber Aufforberung bes hl. Vater« zur Entlarvung ber Sekte in ausgezeichneter Weise entspricht. Das Werk eignet sich zubem zu weitester Verbreitung, da es bei aller Fülle bes zusammengetragenen Materials sich leicht unb großentheilS selbst spannenb liest, währenb bie übrigen gegen bie Freimaurerei geschriebenen Werke vielfach trocken geschrieben sinb unb Stubium erforbern.
Was bie deutsche Bearbeitung anbelangt, so hat baS Werk Taxil's nicht nur, wie es fast immer bei Uebers tzungen ber Fall ist, keinen Schaben erlitten, sonbern in mancher Beziehung sogar be- beutenb gewonnen. Die stellenweise allzu große französische Weitschweifigkeit be» Originals würbe eingeschränkt. Die Sprache ber brutschen Bearbeitung ist so gewandt und frisch, daß es einem gar nicht zum Bewußtsein kommt, daß man es mit einer Uebertragung zu thun hat. Der beutsche Bearbeiter, ber augenscheinlich auch selbst bas Logenwesen, besonbers bas beutsche unb schweizerische, bis in'» Detail kennt, hat burch bie stete Rücksichtnahme auf bie Freimaurerei im Allgemeinen unb bie beutsche im Besonderen den Werth und bie Brauchbarkeit des Werkes wesentlich erhöht.
Die VerlagShanblung verdient für die schöne und sorgfältige Ausstattung des Buches bei ver- hältnißmäßig sehr geringem Preise alles Lob. Wir können das Werk „Die Drei-Punkte-Brüder" mit gutem Gewiffen unfern Lesern in jeder Hinsicht auf's Beste empfehlen. — Für Deutschland unb Oesterreich ist bie« Werk in Kommission bei ber Bonifocinr-Druckerei in Paberborn.
bes Onkels zeigte sich so wenig wie eine ber beiben anberen Bewohner des Hauses; nun konnte sie nicht mehr zweifeln, baß allen Dreien ein Unglück geschehen sein müsse. Mehr fliegenb al» gehend kehrte sie nach betn Schlöffe zurück unb rief Leute herbei.
„Bringt Leitern!" gebot sie, „bie Hausthür ist verschlossen, aber bie Balkonthür steht offen."
Nach ganz kurzer Zeit waren nicht nur bie Dienstboten, sonbern auch bie Arbeiter, welche noch immer mit ben Zurüstungen für bie Illuminationen unb mit anberen Vorbereitungen zu betn bevorstehenben Einweihungsfeste beschäftigt waren, zur Stelle; man setzte eine Leiter an unb ber Beherzteste stieg empor.
„Die Glasscheibe ber Thür ist eingedrückt!" schrie er hinunter unb verschwand. Eine Minute verging in bangem athemlosen Harren, dann erschien der Mann mit allen Zeichen des Entsetzens wieder auf dem Balkon und rief mit gellender Stimme: „Zu Hülfe! Zu Hü'fe! Mord, gräßlicher Mord!"
Der Gärtner und ein Arbeiter wollten die Leiter hinanklettern, aber Meta kam ihnen zuvor und klomm behend wie ein Eichkätzchen die Sprossen hinauf. Die Anderen folgten ihr. Im Vor-