1888
Montag, den 7. Mai.
| Zeitung.
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Deutsches Reich.
Berlin, 5. Mai.
♦ Der Kaiser wohnte gestern zum ersten Male wieder dem Familienbiner bei; auch machte Se. Majestät gestern dis ersten Gehversuche. Diese Gehversuche wurden heute fortgesetzt. Se. Majestät fühlte dabei keine Anstrengung. Der Appetit ist rege, die Kräfte nehmen fortgesetzt zu. Das Fieber ist so gut wie geschwunden.
* Die polnische Fraktion des Abgeordnetenhauses beabsichtigt, an den Kaiser eine besondere Ergebenheits-Adresse zu richten, in welcher namentlich der Freude über den Besuch der Kaiserin in den östlichen UeberschwemmungSgebieten dankbarer Ausdruck gegeben wird. Die künstlerische Ausführung dieser Äbresse ist in dem hiesigen Atelier von Max Rahn bewirkt worden.
♦ Das Herrenhaus nahm beute die vom Abgeordnetenhause beschloflenen Abänderungen zu der Kreis- und Prooinz-alordnung für Schleswig- Holstein an, lehnte dagegen den vom anderen Hause beschlossenen Gesetzentwurf, betr. Gleichstellung der Lehrer an nichtstaatlichen höheren Lehranstalten nut denen an StaatSanstalten in Bezug auf Dienüeinkommen und Penston ab. Die nächste Sitzung findet voraussichtlich am 16. d. M. behufs Berathung des Volksschullastengesetze» statt. Das Abgeordnetenhaus nahm den vom Abg. Berling und Gen. eingebrachten Gesetzentwurf betr. Erlaß der Reliktenbeiträge der Lehrer gegen die Stimmen der Konservativen und eine» Theils des Centrums an. Der Gesetzentwurf betr. die Verleihung von Korporationsrechten an Niederlassungen geistlicher Orden und ordensähnlicher Kongregationen wurde in erster und zweiter Lesung ohne bemerkenswerthe Debatte angenommen. Abg. Prinz Arenberg sprach der Regierung für diesen neuen Schritt auf dem Wege des kirchenpolitischen Friedens seinen Dank au» und kon- statirte mit Befriedigung, daß nach der Erklärung des Kultusministers im Hsrrenhause die Korporationsrechte derjenigen Genossenschaften die nach dem Klostergesetze foctbestanden haben, von diesem Gesetze unberührt bleiben, und daß auch den Genossenschaften, welche noch weiterhin zugelassen werden und die vor Erlaß de» Klostergesetzes im Besitze der Korporationsrechte waren, auf demselben gesetzlichen Wege die KorporattonSrechte
MariHsHld^
(Im Maimonat.)
Ein Bild ist mir in's Herz gegraben Ein Bild so schön, so wundermild; Ein Sinnbild aller guten Gaben, Es ist der Gottesmutter Bild; In guten und in bösen Tagen, Will ich dies Bild im Herzen tragen. Ich sah das Bild an meiner Wiege, Beim Anfang meiner Pilgerfahrt, Und dort schon hatten seine Züge Mir Gottes Schönheit offenbart: Dort lernt' ich meine Mutter lieben Und hab' als Kind mich ihr verschrieben. Dies liebe Wunderbildniß winket Mir Trost im Leben und im Tod, Und wenn der dunkle Vorhang sinkst. Erglänzt es mir als Morgenroth: Einst hoff' ich in den Himmelsauen, Dich, o Maria, selbst zu schauen.
Der Neffe.
Kriminalroman von F. A.
(8. Fortsetzung.)
Da» veränderte Benehmen seines jungen Baumeisters entging Herrn Schmittchen nicht, und er erkundigte sich bei ihm, ob etwa der alte Widmann sich eines andern besonnen habe und die
wiedererlangen sollen. Redner zog schließlich seinen auf denselben Endzweck gerichteten Antrag zu Gunsten der Regierungsvorlage zurück. Abg. Magd zins ki erklärte, daß die Polen für das Gesetz stimmen würden, wenn auch die Wohlthaten desselben den polnischen LandeStheilen vorenthalten würden, indem er zugleich gegenüber den bekannten Flunkereien der ,Nordd. Abg. Ztg.' konstatirte, daß aus Grund der vorjährigen kirchenpolitischen Novelle in den polnischen LandeStheilen noch kerne einzige Ordensniederlassung wieder zugelassen sei. Der anwesende Herr Kultusminister Dr.v. G o ß l er nahm keinen Anlaß, in die Debatte einzugreifen. Letztere wurde sodann geschlossen und in die zweite Berathung eingetreten, zu der Niemand das Wort verlangte, worauf der Präsident die unveränderte Annahme des Gesetzentwurfs konstatiren konnte. Der Antrag Berling und Gen. betr. Schutz der Landwirthschaft gegen Hochwildschaden wurde an eine Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Schließlich wurve eine lange Reihe von Petitionen von vorwiegend lokaler und persönlicher Bedeutung erledigt. Montag: Verbesserung der Oder und der Spree, Petitionen.
* Die Herrenhauskommission zur Vorberathung des Vo l k s s ch u l l a st e n g es e tz e s hat heute § 4 unter Streichung der vom Abgeordnetenhause aufgenommenen Bestimmung, wonach Volksschulen mit Schulgeld neben solchen ohne Schulgeld zugelassen sein sollen angenommen. Ein Antrag, die zwei untersten Klassensteuerstufen unter allen Umständen schulgeldfrei zu machen, wurde abgelehnt. Angenommen wurde eine Resolution, wonach Staatsleistungen noch diesem Gesetz nicht für sich allein der Grund sein dürfen, Beihilfen aus anderen Fonds zurückzuziehen. Die Kommission tritt am 15. d. M. wieder zusammen; am Tage vorher findet die zweite Abstimmung über die Vorlage im Abgeordnetenhause statt. (Von anderer Seite wird berichtet, § 4 sei in der Kommission unverändert angenommen worden.)
• Der Kur. Pozn. bestätigt in einem gegen die Nordd. Allq. Ztg. gerichteten Artikel, daß von denjenigen Klöstern in der Provinz Posen, welche auf Grund des Klosterqesetzes während des kirchen-politischen Kampfes geschloffen wurde, bisher trotz aller Bemühungen noch keines wieder eröffnet worden sei. r L r ,
* E» sind Versuche im Gange, bet der lerch-
Verlobung auf Hinderniffe gestoßen sei. Sonnenberg versicherte, daß dem nicht so sei, schob seine Niedergeschlagenheit auf eine körperliche Abspannung und wich den Fragen de» alten Herrn geschickt aus. Der harmlose Mann ließ sich beruhigen, nicht so Meta; sie batte sich gewöhnt, in Sonnenbergs Mienen zu lesen und tief, sehr tief zu blicken.
Eine geheime Angst zehrte an ihm, daran konnte kein Zweifel sein. Besonders schien ihn eine fieberhafte Unruhe zu faffen, wenn Morgens beim Frühstück Martin die Postsachen hereinbrachte: sein Auge überflog sie suchend und ein paar Mal hatte er sich eines auf grobes Papier geschriebenen ziemlich ungeschickt zusammengefaltenen Briefes mi einer solchen Hast bemächtigt und deffen Inhalt durchflogen, daß er darüber die Rücksicht auf die Anwesenden ganz außer Acht ließ.
Meta bemerkte, daß er nach dem Empfange eines solchen Briefe» immer noch niedergeschlagener und finsterer ward; sie hätte gern den Onkel darauf aufmerksam gemacht, aber eine unüberwindliche Scheu hielt sie davon ab, sie konnten sich nicht entschließen, an den Tag zu legen, wie groß der Antheil war, den sie an Sonnenberg nahm. Zudem begann auch für sie jetzt eme Zei der unruhigsten Geschäftigkeit. Der Umzug m
ten Kavallerie, vorerst bei den Husaren, außer Säbel und Karabiner auch noch die Lanze (ohne Fähnchen) einzuführen. Diese Versuche, insbesondere die Erwägungen, der wievielte Theil einer eben Schwadron nur mit dieser Waffe zu versehen wäre, sind jedoch der.Post' zufolge noch zu keinem entscheidenden Abschluß gelaugt.
* Der .Jnsterburger Ztg.' hat auf offener Postkarte das „Norddeutsche Telegraphen- und Korrespondenz-Bureau, Dr. Richard Grothe in Berlin", Telegramme über den Tod des Kaisers gegen ein bestimmtes Honorar angeboren. Ja der Offerte wird folgende Umschreibung in den Telegrammen angekündigt: „Sobald da» Ableben Seiner Majestät mit Bestimmtheit vorauszusehen ist, telegraphiren wir: „Die Trauung wirb heute stattfinben", ober „Satz drucksertig' ; tst der Tod eingetreten: „Trauung hat so eben stattgefunden", ober „Satz soeben ausqebruckt." „Der Druck selbst währte, nachbem Satz schon seit — druckfertig — Stunden", heißt: „Der Tobeskampf dauerte, nachbem Aerzte schon seit so unb so viel Uhr den Eintritt des Todes voraus- aesagt hatten, so und so viel Stunden." Aehnliche Umschreibungen wollen auch Sie bei Eingehung eines Abonnements sestsetzen." Offenbar will Herr Rothe eine eventuelle Censur seiner Depeschen vermeiden, was man ihm ja nicht zu verübeln braucht. Ueber die Taktlosigkeit, seine geschmackvollen Formeln per Postkarte in die Welt zu schicken, braucht man kein wnteres Wort zu verlieren.
• Neisse, 5. Mai. Wie die Neiffer Ztg. meldet, wird die elfte General-Versammlung der Katholiken Schlesiens im Juli in Beuchen stattfinden.
* Mainz, 4. Mai. Behufs Aufbesserung der Gehälter katholischer Geistlichen läßt die Regierung so eben bei den Betreffenden Erhebungen anstellen. Das geringste Gehalt eines definitiv angestellten Geistlichen soll auf 1800 Mark erhöht werden. Die Wohnungen fallen einen Theil der Besoldung bilden und die Accidentien nach einem zehnjährigen Durchschnitt angenommen werden.
Ausland.
* Der vom österreischen Kriegsminister geforderte Spezialausrüstungskredit beträgt 54 Mill., wovon 52 Millionen für das Landheer, 2 Mill, für die Flotte bestimmt sind. Nur ein Theil dieses das Schloß sollte noch vor dessen Einweihung bewirkt werden, damit alle bisher im alten Herrenhause verfügbaren Zimmer für die einsprechenden Gäste hergerichtet werden konnten. Arbeiter und Arbeiterinnen tummelten sich, welche sich sämmtlich mit ihren Anfragen und Anliegen an die Herrin des Hauses wendeten, so daß dieser nicht viel Muße blieb, ihrem eigenen Herzenskummer und dem eines Anderen nachzuhängen.
Am Abend vor dem zur Verlobung des Archttekten bestimmten Tage war der Umzug vollendet; Meta und sämmtliche Diener sollten diese Nacht zum ersten Male in dem neuen Heim schlafen; nur Sonnenberg, Schmittchen und der alte Martm blieben noch in dem alten Hause zurück.
Sonnenberg wollte sofott nach dem Emweth- ungsfeste nach Berlin abreisen, wo er sich dauernd niederzulassen gedachte, und hatte gebeten, daß er für die wenigen Tage seiner Anwesenhett noch tn der bisher von ihm inne gehabten Wohnung bleiben dürfte, Schmittchen hatte seinen Umzug auf den nächsten Tag verschoben. ,
„Ich habe nun einmal die Eigenheit, erst nut einer Sache ordentlich zu Stande kommen zu müssen, ehe ich mich zu einer anderen wende", sagte er, al» Meta ihm Vorstellungen machte.