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Kaisers lautet: Die letzte Nacht war etwas weniger gut. Das Fieber ist ein wenig gesteigert. Sonst keine wesentliche Veränderung. Mackenzie. Wagner. Krause. Hovell. Leyden. Senator. Bardeleben. — Wie aus vorstehendem Bulletin hervorgeht, ist das Befinden des Kaisers heute weniger gut als vorher und als man nach dem ziemlich beständigen Fieberabfalle der letzten Tage zu hoffen berechtigt war. Das Fieber war gestern Nachmittag bis auf 38,9 Grad gestiegen, ging je. doch nach Darreichung von Antifebrin wieder her­unter. Bei der ärztlichen Konsultation gestern Abend wurde ein mäßiges Fieber von 38,2 Grad konsta- tirt. Die Nacht war unruhig und in Folge der Fieber-Erregung auch ein wenig erquickender Schlaf. Heute Morgen fühlte sich der hohe Patient dadurch matt und abgespannt und zeigte auch geringen Appetit. Die Körper-Temperatur betrug 38,1 Grad und der Puls war etwas beschleunigt. Dem Kaiser wurde von den Aerzten empfohlen, das Bett heute nicht zu verlasien. — Gestern Nachmittag brachte der Kaiser mehrere Stunden liegend auf dem Sopha zu. Die Anwendung fieberwidriger Mittel geschieht sehr mäßig und vorsichtig. Man hofft mehr von der Reaktion des kräftigen Orga­nismus gegen das Fieber und seine Ursachen. Die Athmung ist ruhig und unbehindert. Unter solchen Umständen konnte nach der ,Nordd. Allgem. Ztg.' ein Wechsel des Aufenthaltsortes bislang noch nicht ernstlich in Erwägung gezogen werden. Damit eine baldige allseitige Hebung der durch das Fieber so sehr geschwächten Körperkräfte des Kaisers herbei­geführt werde, ist ärztlich angeordnet, daß der Kaiser sich fast völlig von Regierungsgeschäften ent­halte, da auch nur die Ausführung der täglich er­forderlichen Unterschriften schon des Kaisers Kraft erheblich in Anspruch nehmen würde. Die Schrift­stücke werden daher auch in den meisten Fällen, namentlich dort, wo dies überhaupt thunlich, von dem Kronprinzen, und zwar mit der Bemerkung: „In Vertretung Sr. Majestät des Kaisers" unter- zeichnet, denn es hat sich gleich nach dem Regie­rungsantritt unseres Kaisers gezeigt, daß die täg­liche Vollziehung von Hunderten solcher Regierungs- Akte durch Namensunterschrift die Kräfte des Monarchen schwächte.

* Die ,Nordd. Allg. Ztg.' kann die Notiz der Preffe, bei der Zusammenkunft des Reichskanzlers mit der Königin Viktoria habe die endqiltige Re­gelung der braunschweigischen Thronfolge­frage einen wesentlichen Theil der Unterredung gebildet, als aus der Luft gegriffen bezeichnen. Die braunschweigische Frage sei dabei mit keinem Worte auch nur gestreift worden.

* Die Nachricht, daß die Hochzeit des Prinzen Heinrich mit der Prinzessin Irene auf unbe­stimmte Zeit verschoben sei, wird bestritten. Emem Hirschberger Telegramm zufolge ordnet das Hofmarschallamt die schleunigste Bereitstellung des königlichen Schloffes Erdmannsdors zum Empfange

überwinden vermocht. In das Landhaus, das er für sie und sich zum Sommeraufenthalt eingerich­tet und das sie nie bezogen batte, flüchtete er sich rrit seinem Schmerz oder beffer mit seinem Groll gegen das Schicksal. Bald darauf war er vom Schlage getroffen und gelähmt an den Stuhl gc- feffelt. In diesem Zustande führte er viele Jahre hindurch das Leben eines Einsiedlers, von dem man sich, wenn man überhaupt an ihn dachte, die wunderlichsten Dinge erzählte. Erst in der letzteren Zeit ward die „Schmalzburg" wieder ein Gegen­stand größerer Aufmerksamkeit, da sie einen Schatz, ein sehr reiches Mädchen, umschloß.

Ada, die einzige Tochter des Sonderlings, war durch eine ältere Verwandte erzogen worden, wenn dies wirklich der richtige Ausdruck für ein Verhält- niß ist, in welchem die Erzieherin durch den klugen, eigenwilligen Zögling völlig beherrscht ward. Vom Vater bald verzärtelt und bald zurückgestoßen, sprungweise und ohne jedes System unterrichtet, vom Verkehr mit Altersgenossinnen gänzlich abge­schloffen, bildete sich das junge Mädchen zu einem unberechenbaren, launenhaften Charakter aus, deffen vorstechender Zug ein unbändiger Hochmuth war.

Seit Schmittchen in der Nähe wohnte, kam Ada häufig zum Besuch seiner Nichte oder eigentlich des alten Herrn herübergeritten, denn sie kannte ihn von Kindheit an, da er einer der wenigen Bekann­ten ihres Vaters war, die es von Zeit zu Zeit durchgesetzt, in seine Klause zu bringen.

de» Prinzen Heinrich an, welcher bald nach seiner Hochzeit auf mehrere Wochen daselbst eintrifft.

* Das Abgeordnetenhaus nahm heute in dritter Lesung die Sekundärbahnvorlage an. Die in 2. Lesung gestrichene Position von 1,300,000 Mk. für Umgestaltung und Erweiterung der Bahn- hofranlagen bei Spandau wuroe wiederhergestellt, nachdem Minister v. Maybach die Bewilligung derselben im Jntereffe des Verkehrs und Sicher­heit für nöthig erklärt hatte. Dann wurde in die zweite Berathung der Kreis- uud Prooinzialord- nung für Schleswig-Holstein eingetreten. Eine längere Debatte rief die Bestimmung über die Bestellung kommiffarifcher Amtivorsteher hervor. Die Kommission hat aus der Vorlage, wie sie aus dem Herrenhause herüber gekommen, die Be­stimmung gestrichen, wonach die Zustimmung des Prooinzialraths im Weigerungsfälle auf Antrag des Oberpräsidenten durch den Minister des Innern ergänzt werden kann. Seitens der Fraktion der Konservativen wurde die Wiederherstellung dieser Bestimmung beantragt. Minister vm Puttkamer machte von der Wiederherstellung derselben da« Zustandekommen des Gesetzes abhängig. Die Wiederherstellung wurde schließlich mit 180 gegen 104 Stimmen beschlossen. Dagegen stimmten die Freisinnigen, ein Theil der Nationalliberalen und die Schleswig-Holsteiner aller Fraktionen. Wsiter- berathung morgen.

* Die Bierbereitungs-Kommission hat heute ihre Berathungen beendet. Angenommen wurde ein Antrag, worin die Regierung aufge- fordert wird, im BundeSrathe dahin zu wirken, daß eine baldige ges tzliche Regelung der Her­stellung und des Vertriebes der Bieres hervei- geführt werde.

* Die Petitionskommission des Abgeord­netenhauses hat sich u. A. mit einer Petition aus Frankfurt a. M. um Aushebung bezw. Abänderung des § 124 der Frankfurter Mevizinalordnung (betreffend Strafbarkeit der Ankündigung von Arzneimitteln in Frankfurter Blättern) beschäftigt. Die Kommission beantragt, die Petition der Re­gierung als Material für die bevorstehende Rege­lung des Geheimmittelwesens zu über­weisen.

* Zur Frage des Berliner Dombaues ist in Folge des kaiserlichen Erlass s das Dom- kirchen-Collegium aufgefordert worden, hinsichtlich des Raumbedürfniffes Ausstellungen und Vorschläge zu machen. Die Vorschläge hierüber dürften die Grundlage des letzten Vortrages des Ministers v. Goßler bei deut Kaiser gebildet haben. Eine Reihe von Vorfragen mit welchen die Wahl des Baustils in Zusammenhang steht, ist noch zu er­örtern, so die Rücksicht auf die dem Domplatz benachbarten Baulichkeiten, das Schloß und das Museum.

* Posen, 30. April. Die .Magdeb. Ztq/ will wissen, daß die Nachricht von der Erhebung

Der Neubau des Schlosses erregte ihr lebhaf­testes Interesse. Sie konnte stundenlang mit Schmitt­chen und Sonnenberg zwischen den Gerüsten herum­klettern und sich von L-tzterem die Einzelheiten des Planes und der Ausführungen erklären, und der harmlose Rheder hatte kein Arg daraus gehabt, wenn sie in seiner Abwesenheit auch allein mit Sonnenberg umhergestrichen war.

Der Bau und der Baumeister verschmolzen je­doch für Ada sehr bald zu einem Ganzen. Außer einigen Vettern und Anverwandten war Sonnen­berg der erste junge Mann, den sie kennen lernte, und es konnte nicht fehlen, daß sein frisches, leben­sprühendes Wesen, das sich sehr vortheilhaft von der trockenen, steifen und dabei noch selbstgefälligen Haltung der ihr bekannten Herren unterschied, einen lebhaften Eindruck aus sie machte.

Was Sonnenberg anbetraf, so ward er gefesselt durch Ada'» eigenartige Schönheit, wie durch die seltsamen Widersprüche, welche ihre wunderliche Erziehung in ihrem Charakter heroocgebracht hatte — herbe Verschlossenheit, weltfremde Scheu und eine rücksichtslose Nichtachtung aller durch Sitte und Herkommen gezogenen Schranken. Ada war es gewesen, welche dem jungen Baumeister zuerst ihre Neigung gestanden, und nachdem dies geschehen, nahm sie ihn auch, ohne daß er sich selbst ordent­lich Rechenschaft davon zu geben vermochte, in Besitz., Sie eilte zu ihrem Freunde Schmittchen, machte diesem mit der Zutraulichkeit eines Kinde»

der Herren v. Taczanowrki, v. Lacti und v. Potocki in den Grafenstand der Begründung ent­behre. — Polnische Volksversammlungen in Angelegenheit des polnischen Sprachunterricht» finden gegenwärtig, wo die polnische ländliche Bevölkerung mit der Frühjahrsbestellung zu thun hat, nur noch selten statt; auf jede Woche entfällt meistens nur noch eine Versammlung in der ganzen Provinz. Am 29. d. M. wurde eine derartige Versammlung, bei welcher Hauptredner der Chef- redacteur Dobrowolski vom .Dziennik Pozn.' war, in Pogorzella (Kr. Krotoichin) abgehalten. Die nächste Volksversammlung findet am 10. Mai in Kobylin statt.

* Der „altkatholische" Pfarrer Ricks in Heidelberg trat unlängst zum Protestantismus über. Von 140 seiner Religionsschüler blieb nur etwa die Hälfte im altkatholischen Unterricht zurück, der größte Theil der Uebrigen meldete sich zum prote­stantischen Religionsunterricht. Elf solcher zuvor altkatholischer Kinder wurden jüngst in Heidelberg confirmirt. Mit ihnen wurden auch 13 kathol. Männer in die evangelische Kirche ausgenommen. Pfarrer Rieks war durch 18 jährige Redactionr- tyätigkeit mit den meisten altkatholischen Gemein­den in nähere Fühlung gekommen und erklärt, dabei die Erfahrung gemacht zu haben (was man übrigens schon längst, schon i. I. 1871 wußte), daß bei den meisten Altkatholcken wirklicher Glaubensstandpunkt nicht vorhanden sei, sondern die große Mehrzahl sich au» politischen Gründen oder in Folge von Differenzen mit den kathol. OrtSpfarrern dem Altkatholicismus anschloffen.

Ausland.

* Brüssel, 30. April. Seit mehreren Wochen beschäftigt sich die Preffe mit dem Fortschritte der Arbeiten der großen internationalen Ausstellung der Industrie, Kunst und Wissenschaft und mit der bevorstehenden feierlichen Eröffnung derselben. Wie aus sicherer Quelle verlautet, ist am 23. d. beschlossen worden, die großartigen Parkanlagen mit ihren zahlreichen Pavillons am 5. Mai dem Publikum zu übergeben, die Jndustriehallen da­gegen erst am 19. Mai, am Vorabend des Pfingst­festes, zu eröffnen, da die vollständige Einrichtung und Ausschmückung derselben vor diesem Tage nicht beendet sein wird. Berücksichtigt man den äußerst strengen Winter, welcher hinter uns liegt, besonders aber auch die Ungunst der Witterung dec vergangenen Monate, so hat eine solche un­bedeutende Verschiebung des Eröffnungstages ihre Erklärung. Die Einweihung am 19 Mai wird durch glänzende, festliche Veranstaltungen und die Anwesenheit des Königs ausgezeichnet werden. An alle Aussteller ergeht ein letzter Aufruf, den Ver­sandt der Maaren und die Einrichtung der In­stallationen zu beschleunigen; die deutsche, eng­lische und österreichische Sektion werden sich vor-

die Eröffnung, sie liebe Sonnenberg und wolle ihn heirathen, woran sie als ganz selbstverständlich die Bitte knüpfte, er möge mit ihrem Vater reden und ihr dessen Einwilligung auswirken.

Das Ansinnen war dem alten Rheder in mehr als einer Hinsicht recht ungelegen gekommen. Jn- deß, Sonnenberg hatte seine Bitten mit denen Ada's vereint, Beide versicherten hoch und theuer, daß sie ohne einander nicht leben könnten und selbst Meta hatte ein gutes Wort für das junge Paar eingelegt. So war er denn eines schönen Tages nach der „Schmalzburg" hinübergefahren, hatte den Zutritt zu Widmann wieder einmal er­zwungen und diesem mit vieler Mühe zwar noch nicht die bedingslose Zustimmung zu der Verbin­dung, aber doch die Eclaubniß entrissen, daß der junge Sonnenberg sich ihm Vorfällen und die Be­werbung um seine Tochter fortsetzen dürfe.

Der Erfolg war größer als Ada und Sonnen­berg zu hoffen gewagt hatten und ihre Freude grenzenlos. Sie tröstete Schmittchen über die Vereitelung der eigenen Wünsche, die zu dem noch nicht einmal feste Gestalt angenommen hatten. Zudem zeigte Meta sich so gelassen freundlich gegen den Architekten, so theilnahmvoll und schwesterlich gegen Ada, war so heiter und ruhig, daß er die gehegte Vermuthung, Sonnenberg sei ihr selbst nicht gleichgültig, als eine irrige wieder fallen ließ.

(Fortsetzung folgt.)