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Dienstag, den 24. April.
1888
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Deutsches Reich.
Berlin, 23. April.
* Die heutigen Nachrichten über das Befinden des Kaisers geben wieder einmal der Hoffnung Raum, daß dieser Anfall noch einmal überwunden wird. Im Laufe des gestrigen Nachmittags war das Fieber fast ganz überwunden, die Temperatur 37,8. Erst in den späteren Abend« und Nachtstunden stieg das Fieber wieder, erreichte aber nicht die Höhe der vergangenen Tage. Heute Vormittag war es bis auf 38,3 gefallen, und es ist im Laufe des Tages noch weiter heruntergegangen. Der Kaiser fühlt sich heute im Allgemeinen wohler, und da er reichlich Nahrung einnimmt und verdaut, so werden sich auch die Kräfte, die in den letzten Tagen allerdings gelitten haben, wieder heben. Die Eiter- äbsonderung erfolgt noch immer in mäßigen Umfange. Der Husten, der zuweilen störend auftritt, steht mit ihr in Verbindung. Die Aerzte fanden bei der heutigen Konsultation Vormittags den Kaiser in wesentlich gehobenerer Stimmung, und er gab seiner Freude Ausdruck, als ihm in Aussicht gestellt wurde, daß er auf einige Zeit das Bett verlaffen könne. Auch die heutige Untersuchung hat wieder ergeben, daß die Lungen vollständig frei sind. Wenn nicht neue und unerwartete Zwischenfälle eintreten, dürfte nach Annahme der behandelnden Aerzte die Befferung in den nächsten Tagen fortschreiten.
* Der ,Berl. Börsencourier' meldet, daß der Kaiser gestern die Ernennung des Grafen Herbert Bismarck zum preußischen Staatsminister vollzogen habe.
* Bezüglich des Testaments Kaiser Wilhelms erfährt die ,Nationalztg.', daß über das
NmMterigtt KI«.
Erzählung von E. H.
(17. Fortsetzung.)
Hastig, wie besorgt nochmals am Reden verhindert zu werden, richtete sie nunmehr das Wort an Rohlfsen: „Nein, mein Herr," sagte sie, „nie« nials hat Herr Roosen mir ein bindendes Versprechen gegeben, mich zu der Seinen zu machen, hätte er's mir gegeben, er hätte es auch gehalten, denn er ist ein Ehrenmann, und unfähig einer Lüge; zum Verräther an Menschenehre und Glück "7 wie Sie vorhin sagten — wird ein Roosen werden. Wenn ich und mit mir meine guten Eltern an meine Liebe weitgehende Hoffnungen knüpften, so ifFS nicht seine Schuld. Mit Be- sorgniß mag er meine stetig wachsende Neigung öu ihm beobachtet haben, und deßhalb mied er Eich unser Haus — ich glaube mich hierin W zu irren. Warum mußte ich Unglückliche ^uch in jeder Blume, in jedem Bande, das er •fr schenkte, in jedem Zeichen feiner Aufmerksam- das er mir widmete, den Beweis einer ei- •werten Neigung erblicken. Wer hieß mich und «eine Eltern in jedem freundlichen Wort, das er W mi$ verschwendete, in jeder zarten Rücksicht- na9me, deren er mich würdigte, eine Gewähr
Privatvermögen, welches 24 Millionen Mark betrug, im Wesentlichen folgende Dispositionen gemacht worden sind. Es erhalten die Kaiserin Augusta 3 Millionen, die Großherzogin von Baden 1 Million, Kronprinz Wilhelm und Kronprinzessin Victoria Augusta je eine Million, Prinz Heinrich eine Million und ein für ibn erkauftes Gut. Außerdem fallen von einer Million Ersparnisse, über welche der Kaiser in seinem ersten Testament anfangs der sechziger Jahre verfügte, dem Kaiser Friedrich dreiachtel, der Großherzogin von Baden zweiachtel zu. Dem Krontresor sind zwölf Millionen überwiesen; der Rest ist für eine große Reihe von Legaten bestimmt.
• Das Abgeordnetenhaus befaßte sich im ersten Theile seiner heutigen Sitzung mit der Be- rathung der Resolution zu dem Gesetzentwurf über die Erleichterung der Volksschullasten. Durch dis von der Kommission vorgeschlagene Resolution wird die Regierung aufgefordert, auf die angemeffene gesetzliche Ordnung des Lehrer- besoldungswesens und namentlich der Alterszulagen unter Einfügung einer dritten weiteren Stufe derselben Bedacht zu nehmen. Außerdem wiederholte heute der freikonservative Abg. Frhr. v. Zedlitz seinen in der Kommission bereits gestellten aber dort abgelehnten Antrag, durch die Resolution die Regierung auch aufzufordern, baldthunlichst auf die Regelung der Schulunterhaltungspflicht nach dem „Kommunalprinzip" gemäß Artikel 25 der Verfassung Bedacht zu nehmen. Die beiden Vorschläge führten zu einer längeren Debatte über unser Schulwesen im Allgemeinen und über die Lehrer im Besonderen, an welcher sich die Abgg. Lubrecht (nat.-lib.), Frhr. v. Zedlitz (freikonservativ). Dr. Brüel (Hospitant des Centrums), Dr. Windthorst, v. Rauchhaupt (kous.) und Abg. Rickert beteiligten. Abg. Dr. Windthorst bekämpfte bei dieser Gelegenheit besonders die reine Staatsschule und stellte die Forderung, daß die Volksschule von dem Geheimrathskollegium eman- zipirt werden und der Status quo ante wiederhergestellt werden müsse. Das Resultat der Verhandlungen war die Ablehnung des Antrages Zedlitz seitens des Centrums und der Konservativen. Der Antrag der Kommission wurde mit einer von den Abgeordneten Lubrecht und Brüel vorgenommenen Modifikation nahezu einstimmig
finden, daß jede wahre Liebe nothwendig Gegenliebe erwecken müsse? — Rein, Herr Rolfsen, wenn hier Jemand schuldig genannt werden soll, so kann nur ich es allein sein — ich Thörin, die ich wähnte, mein armseliges Ich könnte einem Roosen begehrenswert erscheinen."
Sie brach zusammen und in Weinen aus. Herr Rohlfsen hielt die Unglückliche in seinen Armen, und ließ sie dann sanft auf einen Stuhl nieder.
„Armes Kind", sagte Rolfsen tief erschüttert, „verzeihen Sie mir, daß ich gezwungen war, Ihr Gemüth so gewaltsam zu bewegen — aber hemmen Sie auch Ihre Thränen, die mir wehe tun. Heroisch haben Sie sich selbst überwunden, haben in so hochherziger Weise der Wahrheit die Ehre gegeben, daß ich bewundernd vor Ihnen stehe, und mir sage, so hohen Edelrnuth kann Gott nicht unbelohnt lassen. Weinen Sie nicht mehr — die Hoheit Ihrer Gesinnung birgt in sich schon ein so hehres Glück, daß Sie das irdische gern darüber oer gt ff en können. Nehmen Sie den Dank eines alten Mann s, beff.n Herz von schweren Zweifeln befreit, er wird Ihrer in Ehren gedenken allezeit — wenn auch die Wahrheit, die Sie ihm sagen, ihm zweifältig das Herz bricht. Leben Sie wohl mein Kmd, ich muß jetzt gehen, aber wir sehen uns bald wieder."
angenommen. Das Haus befaßte sich sodann mi kleineren Vorlagen. Die Wahlprüfungen führten zu einer kurzen aber bezeichnenden Debatte. Die Wahlprüfungskommission hatte bezüglich des Wahlkreises Neuwied-Altenkirchen beschlossen, die Wahlen der Abgg. Dr. Dünkelberg und Dietz zu beanstanden und u. A. von der Regierung darüber Auskunft zu verlangen, wie bei der Abgrenzung der Urwahlbezirke in Neuwied der Vorschrift Rechnung getragen ist, daß jeder Urwahlbezirk ein möglichst zusammenhängendes und abgerundetes Ganzes bilden muß. Angesichts der hier wieder einmal konstatirten „Wahlkreisgeometrie" beantragte der Abg. Rickert mit Unterstützung der Abgg. Dr. Windthorst und Dr. Lieber die Regierung aufzufordern, sie möge den Nachgeordneten Behörden die genaue Befolgung der gesetzlichen Vorschriften über die Bildung der Urwahlbezirke zur Pflicht machen. Die Vertreter der Kartellparteien konnten sachlich dem Antrags nichts entgegenstellen, sie machten demselben deßhalb allerlei platonische Komplimente, verschanzten sich jedoch hinter den Einwand, daß derselbe bei dieser Gelegenheit nicht angebracht sei, da in Neuwied die Eintheilung bereits seit längerer Zeit bestehe, und deßhalb dem Landrath jetzt nicht der Vorwurf der Wahlkreisgeometrie gemacht werden könnte. Nachdem hierauf der Abg. Rickert den Antrag zurückgezogen mit der Ankündigung, daß er denselben als selbständigen Antrag einbtmgen werde, fanden die Herren v. Eynern (nl.), v. Minnigerode (kons.) und Dr. Gerlich (freikons.), daß sie an demselben doch noch mehr auszusetzen hätten, daß derselbe eigentlich eine überflüssige Demonstration fei, und was dergleichen Verlegenheitsausreden mehr sind. Sie werden ja in den nächsten Tagen Farbe bekennen müssen. Der Kommifsionsantrag wurde heute von keiner Seite beanstandet. Den letzten Gegenstand der Tagesordnung bildete die erste Berathung des von den Abgg. Scheben und Gen. gestellten Antrages betr. das Verbot vonSurro- goten bei der Bierbereitung. Der Antrag, welcher bezweckt, daß unter dem Namen „Bier" nur feilgehalten ober verkauft werden darf ein Getränk, zu dessen Bereitung lediglich Gerstenmalz, Wasser, Hefe und Hopfen verwendet worden ist, wird nach Befürwortung durch den Antragsteller und vom nationalliberalen Abg. Graf
„Mein Herz sagte es mir, und doch glaubte ich nicht", sprach er vor sich hin, als er langsam unter der Sonnengluth des Himmels die Straßen dahin schlich. „Ein fremder Mensch mußte mir sagen: zum Verräther wird nie ein Roosen werden."
Er bog in die Straße ein, an der fein Wohnhaus lag. Grell schien ihm die Sonne ins Gesicht, er vermochte kaum Personen und Gegenstände um sich her zu erkennen; verworren drangen die Stimmen der Vorübergehenden, das Rasseln der Wagen und alle jene Laute an fein Ohr, von denen die Straßen einer Großstadt wider« hallen. Da fiel ein Schatten in fein Gesicht, ein junger Mann blieb vor ihm stehen und redete ihn an. Es war einer der Komptoirarbeiter des Hauses Berkefeld.
„Guten Morgen, Herr Rohlfsen", grüßte er hastig, „haben sie schon gehört?"
„Was soll ich gehört haben?" fragte der alte Herr ausdruckslos.
„Die „Loreley", mit der auch wir Maaren verladen haben, ist gestern in der Frühe vor der Themse aufgelaufen und mit Mann und Maus untergegangen. Das Telegramm ist soeben im Böcsensaal ausgehängt worden."
„Allmächtiger Gott!" R hissen wankte, der Stock mit dem silbernen Knopf entfiel seiner Hand;