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Montag, den 16, April.

M 87.

1888

Wutha» Rettuno- erfäetnt täali«, «mm- «nd Friertage ausgenommen. BierteljShrlicher «bonnementsprei« ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 R. 50 Pf. SH* Suldaer, 8«tu«(r Woch^bZage ,St?rn. und Blumen" in Fulda 1 M. 70 Pf, auswärts 1 ».75 Pf.

Inserate: Die einspaltige Zeil« oder deren Raum 15 Pf, bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 14 April.

• Kaiser Friedrich hat am Donnerstag in Lebensgefahr geschwebt; glücklicher Weise ist es Herrn Pros. v. Bergmann gelungen, sie noch rechtzeitig zu bannen. Ueber die Einzelheiten geht der .Köln. Ztg.' folgende Darstellung zu: In der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag wurde der Kaiser von schwerer Athemnoth befallen; sein Krankenwärter begab sich deßhalb gegen 1 Uhr zu dem in der Nähe des kaiserlichen Zimmer» schlafenden Dr. Hovell, weckte ihn und theilte ihm seine Wahrnehmungen mit. Dr. Hovell glaubte zunächst nur an eine unbegründete Aengstlichkert des Wärters, der sich daraus wieder entfernte. Als der Wärter indeß nach einiger Zeit wieder- kam stand Dr. Hovell auf und begab sich zum Kaiser, etwa gegen 2 Uhr. H’er sand er nun, daß die Canüle — die rechtwinklige, Mackenzie,che - nicht richtig saß; er versuchte, ihre Lage wie­der in Ordnung zu bringen; allein die vielfachen Versuche, bei denen die Umgebung der Wunde vielfach verl tzt worden ist, waren vergeblich; erst gegen Morgen glaubte Dr. Hovell einen Erfolg erzielt zu haben. Im Laufe des Tages aber, Donnerstags, hatte der Kaiser wiederholt Erstickuugs- anfälle auszustehen, deren Anlaß die Herunter- stoßung großer (Jewebetheile in die Lungen war; sie steigerten sich und mit ihnen die Athemnoth dermaßen, daß schließlich Sir Morell Mackenzie selbst der Ansicht war, wenn Prof. v. Bergmann nicht bald komme, fei der Kaiser in Gefahr. Prof.sior v. Bergmann wurde sofort geholt; er traf gegen 4 Uhr mit seinem Assistenten Dr. Bramann im Stadtschlosse zu Ehorlottenburg ein; bei der Untersuchung fand er, daß die rechtwinklig gebogene Canüle Überhaupt nicht mehr rn bte Luftröhre reichte; sie saß zwar noch tu der Wunde, sah aber mit ihrem vorderen Therle beträchtlich aus derselben heraus; die Luftröhre felbst war mit einer Wvchermasie erfüllt. Prof. v. Bergmann beseitigte aus'» schleunigste die ungeeignete l^inüle und legte eine neue Canüle ein, und Sir Morell Mackenzie entschied sich selbst dafür, daß diese Bergmann'sche Canüle nunmehr liegen bleiben müsse. Der Kaiser erholte sich dann nach und nach und Freitag Morgen konnte Piof. v. Bergmann

NikldMtngtt KI«.

Erzählung von 6. H.

(10. Fortsetzung.)

„Mit Ihnen in wichtiger Angelegenheit zu reden," versetzte der alte Herr, indem er sein Gegenüber finsteren Blicke« maß. „Mein Name ist Rohlfsen — ich erhielt vorgestern einen Brief von Ihnen, der mich veranlaßt hat, Sie aufzusuchen unv um näher- Erklärungen in der von Ihnen zur E-örte- rung gebrachten Angelegenheiten zu bitten."

Der Tischler sah Rohlfsen von oben bi» unten an. „Also Sie find . . . ." wollte er alsdann beginnen.

„Ich sagte Ihnen bereit«," fuhr ihm der Buch­halter unwirsch in die Rede, „daß ich mich Rohlf- srn nenne und daß ich Aufklärung wünsche über ein eigenartige« Schreiben, welches Sie mir zu« stellten und das in meiner Famllie große und schmerzliche Aufregung verursacht hat. Im U-bri- gen wollen wir doch wohl diese äuß ist b hfate Angelegenheit nicht hier im Korridor verhandln?"

Die vornehme Ruhe und die bestimmte Rede­weise des alten Herrn schienen dem Tischler zu im- poniren. „Wollen Sie in diese» Zimmer tuten," sagte er, während er die Thür zu seinem Staate- Srmache öffnete, da» in seiner »urstatiung von

beim Krankenbesuch feststellen, daß das Befinden verhältnißmäßig sehr befriedigend war, so daß der Kaiser sogar die Fahrt nach Berlin machen konnte; ein Beweis von der stauneniwerthen körperlichen Kraft, die Kaiser Friedrich von Haus aus besitzt.

• Der Kronprinz hat dem Oberpräsidenten Dr. Achenbach die Summe von 10,000 Mk. für die Ueberschwemmten zustellen lassen.

* Ein Londoner Telegramm meldet, daß die Königin Viktoria ihren Berliner Besuch aufgegeben habe. Diese Nachricht klingt ganz ttn» wahrscheinlich, da hier die Vorbereitungen zur Aufnahme bereits im Gange sind. Der Besuch der hohen Frau dürfte sich keineswegs bis zum Hochzeitstage (24. Mai) des Prinzen Heinrich und der Prinzessin Irene ausdehnen, vielmehr nur von kurzer Dauer sein.

• Der König von Schweden hat während seiner Reise von Hamburg nach Frankfurt, vom Gesandten von Lagerheim auf die Ueber- schwemmungen bei Hannover aufmerksam gemacht, demselben 2000 Mark für die Geschädigten gegeben, welche v. Lagerheim gestern dem Staats­minister Achenbach aurhändigte.

• Da» Abgeordnetenhaus nahm heute die Geb tzentwürfe betr. die Errichtung eine» Amts- gerichte» in Gnadenfeld, die Abänderung von Amts­gerichtsbezirken, die Heranziehung der Fabriken rc. zu den Wegebaukosten in Westfalen und die Zu­stimmung de» Staates zur Aufnahme einer Priori- tätenauleihe der westholsteinische.n Eisenbahn-Gesell' schäft in 3. Lesung an, überwie» den Antrag Metzner auf Einrichtung von Schornsteinfegerkehr- bezirken und Einführung de» Besähigungsnach- weises für das Schornsteinfegergewerbe an eine 19er Kommission, erklärte sich bannt einverstanden, daß der Antrag schleswig-holsteinischer Abgeord­neter auf Annahme eines Ges> tz ntwurfes betr. die Vertheilung der öffentlichen Lasten bei Grund- stückstheilungen unv die Gründung neuer An­siedlungen in Schleswig-Holstein ohne vorherige kommissarische Vorberathung direkt int Plenum zur 2. Berathung gelange, und erledigte schließlich eine Reihe von Petitionen von vorwiegend totaler Bedeutung. Montag: NothstandSvorlage, Weichsel- regulirung.

* Elberfeld, 13.April. DieTHümmel'sche Angelegenheit fällt, ba bie Thal mittels der Presse schreiend rothen Tapeten, schlechten O-loruckorlvern, übergoldeten Blumentöpfen unv buntlackirten N>p peS einen nichts weniger al» angenehm wohnlichen Eindruck machte.

Der Tischler bot dem Buchhalter einen Stuhl, doch dieser setzte sich nicht.

„Nach dem Inhalt de» Schreiben», da» Sie an mich richteten, ist der junge Mann, dem sich meine Tochter verlobt hat, bereit» mit der ihrigen ver- lobt gewesen und hat er ihr somit ein bindendes Eheveisprechen geaeben?" fragte Rodlsen. „Sie können das als Mann von Ehre versichern? "

„Verlobt nun eben nicht," erwi-derte der Tisch­ler zögernd. Ts macht sich da« eben, wie'« so zu gehen pflegt, wenn so junge» Volk viel mit ein­ander verkehrt."

„Da» verstehe ich nicht," warf Rohlfsen sehr kühl ein.

„Nun — wie soll ich'« Ihnen klar machen, wenn Sie'« nicht begreifen können," antroortde der Tischler, da« Gesicht zu höhnischem Lachen ver­ziehend und beide Hände hinter dem Latz feiner blauen Schürze schiebend. „Sie sah nach ibm — er nach ihr — da gibt'» denn ein Blaß- und Rothwerden — au» Geberben werben Worte, au« Worten Handlungen, und so w-iter. Nun, wa» soll man dazu sagen: Jugend hat keine Tugend,

begangen ist unter die Amnestie. E« kann dies aber erst nach erlangter Rechtskraft geschehen. Thümmel, sowie sein Mitangeklagter, der Buch- druckenidesitzer Wiemann (Barmen), die bekannt­lich am 13. Januar d. I. vorn Landgericht zu Kaff l wegen Beschimpfung von Einrichtungen bet katholischen Kirche und Beleidigung von Elberf-lber Richtern, begangen in der beschlag- nahmten Broschüre „Rheinische Richter und römische Priester", zu 6 Wochen, bezw. 10 Tagen G-fängniß verurtheilt worben sind, haben gegen btiö Unheil bas Rechtsmittel der Revision einge­legt. Das Reichsgericht wird sich nun in den nächsten Tagen mit der Angelegenheit beschäftigen. Sollte die Revision verworfen und damit da» Kaff ler Urtheil rechtskräftig werden, dann fällt die Strafe unter die Königliche Amnestie.

* Hildesheim, 13. April. Rach der,Hilde»h. Ztg." wird bas bischöfliche G-neral-Vicariat in Betreff be« kirchlichen Collektenwesen» demnächst eine wichtige Verordnung erlaffen, welche namentlich den Nachweis der erforderlichen kirch­lichen Legitimat on bezweckt.

• Würzburg, 13. April. Würzburg hat einen Vertreter im Landtag! Das nach mehr als einem Dutzend von Wahlgängen endlich erzielte Ergebniß wird Viele überraschen, und man sieht auch noch nicht klar, wie es gekommen ist. Daß etwa» pafüren w rde, ließ sich allerdings vermuthen, fett einige Wahlmänner der Cntrumspartei bei den Wahlakten zu erscheinen begannen, und vollend», als gleich auf den nächsten Tag nach dem ergeb- nißlosen Geschäft von Donnerstag schon wieder eine Zusammenkunft veranstaltet wurde. In der Morgensitzung gab'« allerdings wiederum nicht», oa die C ntrums-Wahlmänner zwar erschienen, aber keine Stimmzettel abgaben. Sofort wurde Fortsetzung für den Nachmittag angesetzt, und jetzt endlich, beim 16. Wahlgang, waren 69 abstirnmkNde Wahlmänner anwesend. Da» waren über zwei Drittel, und nun wurde, wie bereits mitgetheilt, der Regierungsrath Burkard (freis.) mit 41 Stimmen gewählt.

* Weimar, 14. April. Der Großherzog und die Großherzogin reifen gegen die Mitte der nächsten Woche zu einem mehrwöchentlichen Auf- entoalt nach dem Haag zum Besuch d-S Königs der Ni b'rtanbe, d ffen Gesundheitszustand zwar und vor Allem keine U berlegung — haben wir'» doch wäür-nd unserer Jugendzeit selbst nicht ander» gemacht."

Der Buchhalter sah den Tischler eine Weile ernst und schweigend an, dann sagte er: „Sie haben mir von einer Auseinandersetzung geschrieben, die zwischen 3 men und mir notywendig sei. Wie den­ken Sie sich diese Auseinandersetzung?"

„Nun, wenn mein würdiger Verwandter meine Tochter in's Gerede gebracht und sie in ihren ge­rechtfertigten Hoffnungen betrogen, darf ich wohl erwarten, daß derjenige, der ihn sich zum Schwie­gersohn erwählt, für da» verlorene Glück meine» Rtnbe« gern ein Besonderes zu thun bereit sein wird."

„U id die» Besondere — was wäre das nach Ihrer Meinung? Eine G ldentschädigunq etwa?"

„I i nun, ich habe seiner Z it ein nicht kleine« Stück Geld an den jungen Manschen gewendet, da­mit er nach dem Ableben seiner Eltern keine Roth leide. Ich hab' für ihn gekhan, was menschen­möglich war; mag’» Ihnen wenig erscheinen: — H rr, ich war nie mit Glücksgütern gesegnet und hab' meine liebe Noth, mich und die Meinen ehr­lich durch; bringen. Und vergessen Sie nicht: — nicht meine Pflicht mär’», den jungen Burschen in mein Hau« zu nehmen, ihn zu füttern, zu kleiden und zur Schule zu schicken, al« feine natürlichen