1888
Mittwoch, den 11. April.
M 83
Fllldller W Jeitmiz.
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Des heil. Vaters Leo XIIL Brief
an die
ehrwürdigen Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe
des katholischen Erdkreise», soweit diese die Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhle bewahrt haben.
Ehrwürdige Brüder! Gruß und Apostolischen Segen! Daß der fünfzigste Jahrestag Unsere« Priesterthum« jüngst zur Freude der Kirche erschienen ist, haben Wir, wie billig, der außerordentlichen Gütte Gotte« zuzuschreiben, durch btffen Willen und fürsorglichste Rathschlüffe da« ganze Leben der Menschen gelenkt wird. Konnte doch eine so große, überall kundgegebene Uebereinstim- mung der Geister in Beweisen liebevoller Hingebung, weitester Freigebigkeit und öffentlichen Freudeergüssen in gleicher Weise nur Jener wachrusen, in dessen Hand die volle Herrschaft über die Vernunft, den Willen und da» Herz der Menschen gelegt ist, und der die Ereignisse zur Ehre der katholischen Religion leitet und regelt. — E» ist die» ein herrliche» und denkwürdige» Faktum, au« dem selbst die Feinde der Kirche, wenn auch widerstrebend und ungern, mit ihren eigenen Augen ersehen, wie da« göttliche Leben derselben, die ihr von Gott verliehene innere Kraft immer vorhanden ist, und so mit Nothwendigkeit zur Üeberzeugung geführt werden, daß die gottlosen Völker mit wahnsinnigem Beginnen fich aufbäumen und gegen Chri- stu« vergebliche Ränke schmiede«.
Wir haben schon, damit sowohl da« Andenken an diese göttliche Wohlthat al« auch der Nutzen derselben die weiteste Verbreitung fänden, die Schatzkammern der göttlichen Gnade der gesamm- ten Un« anvertrauten Heerde erschlossen: und auch haben Wir nicht unterlassen, für diejenigen, welche bisher außerhalb der einzigen Heilsarche fich befinden, die Segnungen der göttlichen Gnade zu erflehen: was Wir in der Abstcht gethan haben, e« möchten alle Nationen und Völker im Glauben durch da« Band der christlichen Liebe vereint, schnei- ler dem einzigen Schafstalle mit dem einzigen Hirten beigesellt werden: in diesem Sinne haben Wir such zu Unserem Herrn Jesu« Christus mit Inbrunst bei der feierlichen jüngst begangenen Kano- Nisotionrftier gebetet.
Wir haben nämlich, indem Wr die Augen zur
-indliMmM KI«.
Grjiihlung von 6. H.
(6. Fortsetzung.)
Leo hatte mit dem deutschen Korrespondenten de« Hause» Berkefeld und Herrn Lamotte, mit welchem er fich seit Langem wieder vertragen, kegeln sollen; er hatte e» vorgezogen, bei seinem Schwiegervater in spe zu frühstücken. Und wer hätte ihn darum schelten wollen, wiewohl dir» die beiden vorerst genannten Herren auf da« Eiftigste besorgten.
„Ich habe e« vorhergesagt," hatte der Korrespondent bemerkt, währender den Arm seine» fran- Mschen Kollegen genommen, um mit ihm fortzu- gehen, „daß Ihnen da» Philisterthum, von dem »it Sie zeitweilig mit immenser Mühe befreit, ®ieber kommen würde, sobald Sie an den Köder kl vertrackten Rohlfsen gebissen. Nein — Roo- irn, nehmen Sie'« mir nicht Übel, aber ich glaube, würde eher Feueranbeter werden, al» daß ich
zu einem derartigen Schürzenkultu» bequemen i°ttte. Wenn Sie jeden Abend und pben Sonnig Nachmittag bei Ihrer Braut fitzen können, dichte ich, sollten Sie'« dabei bewenden lassen. Sie sonst ein so prächtiger Kerl — gilt Ihnen knn die Freundschaft Ihrer Kollegen gar nicht«
triumphirenden Kirche erhoben hielten, den christlichen Heroen, über deren vorzügliche Tugenden und Wunder kein Zweifel mehr übrig blieb, nachdem der diesbezügliche Prozeß glücklich beendigt war, sowohl die höchsten Ehren der Heiligen, al« auch die Verehrung al» Selige feierlich durch Dekret zugebilligt, damit das himmlische Jerusalem mit dem irdischen, welche« noch auf der Wanderschaft begriffen ist, durch da« Band der Freude verbunden werde.
Damit der Sache selbst aber mit Gotte« Hilfe gewissermaßen die Krone aufgesetzt werde, wünschen Wir die Pflichten der christlichen Liebe au« der Fülle Unserer unendlichen Gnaden quellen, so weit e« möglich ist, in dem weitesten Maße denjenigen gegenüber zu bethätigen, welche den Tod de« Gerechten gestorben und au« diesem Leben gegangen find mit dem Zeichen de« Glauben» und eingefügt dem Stamme de« mystischen Weinstocke«; so indessen, daß fie von dem Eingänge zur ewigen Ruhe ferngehalten werden, bi« fie der göttlichen rächenden Gerechtigkeit für die begangenen Fehltritte die letzte Sühnung geleistet haben. — Mr werden aber hierzu bewogen sowohl durch die frommen Wünsche der Katholiken, denen, wie Wir wissen, dieser Unser Entschluß sehr angenehm sein wird, al« auch durch die grause Fürchterlichkeit der Qualen, von denen die Seelen der dahin Geschiedenen gereinigt werden; außerdem aber lassen Wir Un« in dieser Hinsicht von der Gewohnheit der Kirche leiten, welche auch während der ftöhlicheren Fest- lichketten im Laufe de» Jahre« die heilige und heilsame Erinnerung an die Verstorbenen pflegt, damit diese von den Sündenstrafen erlöst werden.
Well nun nach katholischer Glaubenslehre es erwiesen ist, daß die Seelen im Fegefeuer durch die Gebete der Gläubigen, hauptsächlich aber durch ein würdige» hl. Meßopfer unterstützt werden, so halten Wir dafür, daß unsererseits kein nützlichere« und erwünschtere« Geschenk an dieselben gelangen könne, al« wenn wir an allen Orten zur Genug- thuung für dieselben da« reine hochheilige Opfer unsere« göttlichen Vermittler« vervielfältigen.
Deshalb bestimmen Wir mit allen nothwendigen Dispensationen und Derogationen den letzten Sonntag im nächsten Monat September al» den Tag der Sühne im weitesten Sinne, an dem von Uns und ebenso von Unseren Brüdern, den einzelnen Patriarchen, Erzbischöfen, Bischöfen und anderen «■>—aas—
mehr?" Der Korrespondent hatte in wahrhaftem Unmuth gesprochen.
Leo hatte den Sprecher fteundlich angeblickt und gesagt: „Lassen Sie'» gut sein, Franck" — so hieß der Korrespondent — „wenn ich erst verhei- rathet bin, werde ich Sie und die anderen guten Freunde, so ost ich nur kann, zu mir einladen, und Sie sollen der Erfahrung ftoh werden, daß e» fich mit und bei meiner Babette noch einmal so gut lebt, al« in der räucherigen Kneipe oder in der Kegelbahn. Ich wette, Sie werden bald Lust verspüren, meinem Beispiel zu folgen."
Der Korrespondent hatte ein wenig spöttisch die Sippen verzogen. „Mr werden'« abwarten l" hatte Lamotte gesagt, dann waren die Herren gegangen.
Leo hatte ihnen mit einer gewissen Wehmuth nachgesehen. Sie waren ihm Beide seit lange lieb und werth geworden: — der Franzose durch sein herzlich verbindliche«, achtsam artige« Wesen; Franck durch seinen kecken Humor und den übersprudeln- den Lebenrmuth, der ihn den Freund gern hineinziehen ließ in bett Wirrwarr seiner häufig abenteuerlichen Neigungen, beiten doch stet« ein ehrlicher, rechtschaffener Sinn alle« Unmoralische nahm.
„Brave Burschen!" hatte er vor sich hin gesprochen, während auch er fich zum Gehen angc-
Prälaten, welche eine Diözese besitzen, von jedem in seiner entsprechenden Patriarchal-, Metropolitan- und Kathedralkirche die besondere Messe für die Verstorbenen mit möglichster Feierlichkeit und in dem Ritu«, welcher in dem Missale in den Com- memoratio omnium fidelium defunctorum angegeben ist, gefeiert werde. Dasselbe soll in'ämmt« sichert Parochialkirchen und Kollegialen, gleichviel ob Weltpriester oder Ordensleute denselben vorstehen, und von allen Priestern geschehen, wenn nur nicht die dem Osficium de» Tage« entsprechende Messe übergangen wird, überall wo die Verpflichtung hierzu vorhanden ist. — Die anderen Christ- gläubigen aber ermahnen Wir dringend, zu beichten und zum Helle der armen Seelen im Fegefeuer fich mit dem himmlischen Brode zu stärken. — Diesen ertheilen Wir den vollen Ablaß für die Abgestorbenen; den Einzelnen, die, wie oben angegeben, celebriren werden, ertheilen Wir kraft Unserer Apostolischen Autorität da» Privileg de» pri- vilegirten Altäre».
So nämlich werden die armen Seelen, an denen die Ueberbleibsel der Schuld durch schreckliche Qualen abgewaschen werden, einen sehr willkommenen und besonderen Trost aus dem Helligen Meßopfer erfahren, welche» die gesammte Kirche in Gemeinschaft mit seinem fichtbaren Oberhaupte von derselben Gestnnung der Liebe beseelt Gott darbringen wird, damit er denselben Linderung gewähre und sie in den Ort de» Lichte» und de» ewigen Frieden« eingehen lasse.
Inzwischen ertheilen Wir euch, ehrwürdige Brü- der, dem gesammten Äletu« und dem euerer Obhut anvertrauten Volke al« Unterpfand der göttlichen Gaben liebevoll im Herrn den Apostolischen Segen.
Gegeben zu Rom zu St. Petrus am feierlichen Ostertage de« Jahre« 1888 im elften Jahre Un- fete« Pontifikate«._________Papst Leo XIII.
Deutsches Reich.
Berlin, 10. Sprit.
* Der Kaiser hat zur Unterstützung der Ueberschwemmten aller deutschen Landesthelle 50,000 Mark dem EentralcomitL zu Berlin überwiesen. — Der Kaiser Aat gestern Sir Morell Mackenzie da« Großkreuz de« Hohenzollern'schen Hausorben« mit dem Stern mit folgender schrift-
schickt. „Gewiß, ich werde mir die Freude nicht versagen, fie später recht oft bei mir zu sehen. Auch meine Babette wird an ihnen Gefallen finden. Hat doch die Freundschaft ein Recht an unser Herz, wie die Liebe. — —
Leo war zu seinem Schwiegervater in die vom Morgensonnenlicht hell durchstrahlte Vorderstube getreten, die er van Anfang an so außerordentlich gemüthsich gefunden, besonder« , well man durch da« große dreiflügelige Fenster derselben einen so behaglichen Buck auf den saubersten, traulichsten Theil der alten Stadt thun konnte — einer der vielen Kirchlhürme zeigte in nächster Nähe feine vergoldete W-tterfahne, und zwischen mächtigen, grünen Linden erhoben fich die geschwungenen Giebel alter Patrizierhäuser.
Der Frühstückltisch war bereit« gedeckt. Auf dem frischen, blüthenwiißen Seinen glänzten und blitzten seinbemalte Porzellanteller und Taffen, und die sauber geputzte Theekanne von Britannia-Mc- tall mit dem Silbergeschirr um die Wette. Eigen- thümlich poetisch muthet ein von zarter Hand recht geschmackvoll arrangirter Frühstücksttsch an. Auch Seo empfand Sehnliche«, während er da« feine Aroma der Pekkotheeblätter athmete, langsam über die sonnenbeleuchteten Dielen de» Zim-