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JTo 80.

Sonnabend, den 7. April.

1888

fnlbarr

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* Das neue srarrzöfifche Ministerium,

welches einen vollständig radikalen Chärakter trägt, macht nicht nur in Berlin, sondern auch in Wien und and-ren Residenzen den ungünstigsten Eindruck. Das Programm, welche« Floquet in der Kammer entwickelte, ist zwar vorsichtig abgefoßt, ist aber so dehnbar, daß sich die folgenschwersten Ereigniffe daran knüpfen lasten. Als sein Ziel bezeichnete Floquet Folgendes: Revision der Verfassung, wenn der Zeitpunkt günstig ist, Verbefferung des Arbkiterloose«, Revision des VertälinifleS zwischen Staat und Kirche, (Steuerreformen speziell der Gltränkesteuer; Annahme des bereit» von der Kammer votirten Militärgesetzes Seiten« de« Senats. Aufrechthaltung de» Friedens. Neber diese» Programm Flrquet» schreibt die ,K. Ztg.': „Da» Kabinet Floquet« ist als Geschöpf Clernen« ceaus waghalsig, verbtfferungslustig, radikal, ge­legentlich auch roth, aber es ist der Friede, weil es der Friede fein muß, wenn cs nicht al» Seifenblase platzen und sich auf ewige Zeiten lächerlich machen will; e« ist der Friede, weil die große Weltausstellung nur unter dem Schatten der Fliedenspalme gedeihen kann. Aber nach dieser Friedensfrist wird oder kann eine Zeit kommen, wo das Faß gegenseitiger Geduld über» läuft, und dann werd Deutschland zumal zu zeigen haben, daß es trotz Clemenceau, Floquet, Frey- cinet und — Boulanger den Franzosen gewachsen und im Stande ist, wie 1870 die Wacht am Rhein zu üben, so dermaleinst die Vogesengrenze zu wahren." — Die .Vosfische Ztg.' hält ein Ministerium Floquet nur von kurzer Dauer und bemerkt: „Dor deutsche Volk werde auch dem Kabinet Floquet, welchem es Vertrauen nicht entgegenzubringen vermag, mit jener Ruhe be­gegnen, welche da» Bewutztsein der friedlichen Absichten und einer ausreichenden Kriegsmacht verleiht. Stark in sich selbst, auf der Wacht für eine gerechte Sache, eng verbündet mit den be­freundeten Staaten, kann Deutschland den Zu­schauer spielen, was auch j.nseits der Vogesen bereitet wird." Und die .Rationalztg/ meint am Schluste ihrer Betrachtung: „Von dem Versuche,

Weißer Sonntag.

i.

O glückliche Kinderschaaren I O unvergeßlicher Lag!

Wie klingst du heut', — nach Jahren — Mir selig im Herzen nach.

Wie knie'n sie voller Freude Fromm betend, herzensrein;

O sagt, wer möchte heute Ein glückliq Kind nicht fein t —

Laß Herz dein eitles Wähnen Nach Glück! Glück kündet Dir Der Kinder heilig Sehnen: Mein Jesu komm' zu mir!

„Wie Kinder müßt ihr werden!" O Herr, welch' göttlich Wort;

Ja glücklich sind auf Erden Die Kinder heute dort.

II.

„O laßt die Kinder doch zu mir Mit rosigreinen Wangen, Daß ich sie segne für und für!

Mein Arm soll sie umfangen!"

„Kalt ist di» Welt, das Herz ist weich — Wer soll sie schützen, nähren?

Um sie ließ ich das Himmelreich Mit Seligkeit und Ehren!"

„Ich will der Seele Speise sein Auf wunderbare Weise,

Des Himmels Speise stark und rein Für deine Pilgerreise."

die innere Krisis durch auswärtige Abenteuer zu heilen, schreckt das Beispiel de» l’empire ab und wenn die französischen Minister in jetziger Stunde zu der Erhöhung ihres Prestige den Ton gegen das Ausland etwas forciren wollten, so haben wir den Eindruck, daß Frankreich dies nicht im Ernste nehmen würde. Deutschland steht jeden­falls mit vollkommenster Seelenruhe den Worten und Thaten des elften radikalen Ministeriums entgeg n." Die äußere Politik des Ministeriums Floquet wird sich unter dem Revanchenamen Gablet, welcher das Departement de» Aeußeren führt, zu einer deutschfeindlichen gestalten. Um so größer dürfte da« Inter.sie fein, über die einzelnen Personen des Ministeriums Näheres zu erfahren:

Charles Thomas Floquet ist am 5. Oktober 1828 zu St. Jean de Laz geboren. 1851 wurde er Advokat in Paris. Er plädirte in dem Prozeß gegen Peter Bonaparte 1869 mit großem Erfolge für die Familie des von jenem erschossenen Viktor Noir. Auch sonst lag der Haupttheil seiner anwalt- schaftlichen Pr. xi« auf dem Gebiete der politischen Proz sie, wie er sich auch Ihätig an radikalen politischen Organen als Mitarbeiter beteiligte, so daß er schon bald über einen gewissen parlamen­tarischen Eii fluß verfügte. Was seinem Namen eine weitere Verbreitung gab, war aber eine Episode, die im Allgemeinen wenig Hintergrund hatte, die in ihren Folgen ihm aber besonders in der letzten Zeit zu schcffen machte. Als 1867 Kaiser Al.zundr. 17. wu Rußland den Pariser Justizpalast an der Seite de» Kaiser» Napolon besuchte, trat Flrquet vor und rief in der Be­geisterung für die unterdrückten Polen, die zu jener Zeit en vogue war: Vive la Polognel und al» Alexander ihn erstaunt a blickte, wieder­holte et: Oui, Monsieur, vive la Pologne! An­fang» September 1870 wurde er Adjunkt der Mairc» von Pari» Etienne Arago, nahm aber, tretzdem er der kommunistischen Bewegung nicht absolut feindlich gegenüberstand, nach dem Auf­ruhr vom 31. Oktober seinen Abschied. Am 8. Februar 1871 wurde er in Paris zum Depu­taten gewählt, al» welcher er gegen die Einleit­ung der Friedenspräliminarien stimmte und ver­

„Ich bin dein Brod, ich bin dein Wein, Ich nähre und erfreue,

Und, will es so die Seele dein, Aus's Neue, stets auf's Neue!" —

So hast du, Herr, der Kinder Herz Zum LiebeSmahl geladen,

Du Himmelshort gen Erdenschmerz, Du Lebenshauch der Gnaden!

III.

O Kind im Lilienkleide, O Bräutlein rein und schön! Verrauscht hat bald die Seide, Die Blumen all' vergeh'».

Du hast wie eine Blüthe Erschlossen heut' dein Herz — Daß dich ein Engel hüte. Schau' immer himmelwärts.

In deinen Kelch gesunken Ist heute Jakobs Stern, Die Blume hat getrunken Als Thau das Blut des Herrn?

O Kind, du heil'g« Blume, Du bist nun schön und gut — Im Herzensheiligthume Der Gott des Himmels ruht.

Süß duftet ihm dein Bete«, Ihm strahlt dein Angesicht, Fühlst du in deinen Reden Den Gottesodem nicht?

Blüh' auf in Thau und Sonn«, Bis dich ein Engel bricht, Und in deS Bräut'gams Kron« Als klar- Lilie fl.cht.

suchte, bei dem Aufstand de» 18. März 1871 den Bürgerkrieg zu verhindern. Al» er trotz aller Bemühungen keine Aussöhnung zwischen der Re­gierung in Berseilles und den Aufständischen in Pari» zu Stande bringen konnte, legte er fein Mandat nieder. Seine zweifelhafte Stellung gegen­über der Kommune brachte ihm einen Prozeß; er wurde unter der Beschuldigung, Beziehungen zur Kommune unterhalten zu haben, in Biarritz ver­haftet und int Juni in Schloß Pau in Gefangen­schaft gesetzt, dann aber wieder freigelassen. 1872 und 1874 wählte ihn da» 11. Pariser Arron­dissement in den Muniz-palrath, 1876 in die Depulirtenkammer, wo er zugleich der Aeußersten Linken und der Radikalen Linken augehörte, später aber eher zu den gemäßigteren Radikalen gehörte. Einer seiner ersten parlamentarischen Schritte war ein Antrag auf Aufhebung de» über 42 Depar­tement» verhängten Ausnahmezustände» und auf eine vollständige Amnestie für die Kommunisten. Nach dem 16. Mai war er einer der unter Führung Gambetta's stehenden 363 republikanischen Abgeordneten, welche da« reaktionäre Ministerium Broglie-Fourlou stürzten. Januar 1882 zum Seinepräfekten von Gambetta ernannt, begünstigte er die Selbstständigkeitsbestrebungen de» Pariser Gemeinderaths, legte sein Amt aber schon im Oktober nieder. Januar 1883 stellte er den An­trag, allen Mitgliedern ehemaliger Regenten­familien den Aufenthalt in Frankreich zu verwei­gern. Der Antrag wurde aber damals nicht an­genommen. 1885 wurde er zum Präsidenten der Deputirtenkammer gewählt, al» welcher er heute fein Ministerium gebildet tat.

In der Zusammens. tzung de» neuen Kabine ts fällt besonders auf, daß Freycinet, ein Civi- list, die Leitung de» Kriegsministerium» übernommen hat. Damit ist den ehrgeizigen Be­strebungen einzelner Generäle, an deren Sp tz- der General Boulanger steht, und in deren Köpfen Staatsstreichgedanken herumgehen, vorläufig ein Riegel vorgeschoben worden. Gleichzeitig hat die Wahl Freycinet« zum Kriegsminister auch den Vortheil, daß das Ausland die friedlichen Ab­sichten Frankreichs weniger in Zweifel ziehen wird, und somit für eine gedeihliche innere Ent-

8ittM8flttigtr Kl».

Erzählung von E. H.

(3. Fortsetzung.)

„Wir fahren wohl nach Hause?" fragte er im verstimmten Tone.

„Wie Sie wünschen l" erwiderte Leo, noch im­mer mit gerötheten Wangen. Er hatte fich in eine Erregung hinein geredet, deren er nur schwer Herr werden konnte.

Auch er nahm sein Angelgeräth zusammen: dann ein paar kräftige Ruderschläge, da« Schilf­rohr rauschte, und schnell glitt da« leichte Fahr­zeug zwischen den grünen Ufern dahin. Da« Geläute der Kirchenglocken war verstummt, und unserem Leo war e«, al« zöge ein schwarzer Wolkenkörper an der Sonne vorüber, und ver­decke den glühenden Ball de« Tagesg'stirn« zur Hälfte. -

Al« die beiden jungen Leute in der Stadt an­gekommen waren, und dort, wo sich der kleine Fluß zu eine Art von See oder Bassin erweitert, ihr Bort abgegeben halten, trennten sie sich sofort mit flüchtigem Händedruck und Gruß, ohne wie sonst, bei solchen Gelegenheiten, vorher mit einander ge­frühstückt zu haben.

Leo begab sich eilend« nach Hause; er wußte nicht, wie ihm war: so mißmüthig und verdrosien war er lange nicht gewesen. Er fühlte sich gc=