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Dienstag, den 27. März.

1888

filhtr W Zeit»».

Die Fuldaer, Bettung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Lbonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 3R. 50 Pf^ mit der belletristischen Wochenbeilage »Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf. Inserat«: Die einspaltige Zeile oder deren Staunt 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Stabatt.

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O Rückblick auf die geschloffene Reichstagssession.

Auf die vergangene Reichstags-Session läßt sich, soweit das Resultat in Betracht kommt, nur mit gemischten Gefühlen zurückschauen. Der Kartell» ound führt seit den letzten Wahlen im Reichstage da« Regiment; seinen Zielen entsprechen alle Be- schlüsie parteipolitischer Natur. Unter dem Bruch des vielfach gegebenen Versprechens, das Reichs­wahlrecht unangetastet zu lasten, brachten die Kartellbrüder im egoistischen Parteiinterefle den Antrag durch, wodurch für das Reichs wahl­recht statt der 3jährigen die 5jährige Periode eingeführt würde. Vergebens bestreiten die Kartell­brüder, daß es sich hier nicht um eine Verkürzung der Volksrechte handele. Thatsächlich kann das Volk über die einzuschlagende Politik und über seine Vertreter fortan nicht mehr alle 3, sondern nur alle 5 Jahre sein Urtheil aussprechen. Wie das keine Minderung des Volksrechtes sein soll, begreift der gewöhnliche Menschenverstand nicht. Da» ist der betrübendste Beschluß der verlaufenen Session. Aehnlich sieht es auch mit dem Beschlust: betreffend die Einschränkung der Oeffentlichkeit der Gerichtsverhandlungen au». Gerade die O.ffent- lichkeit ist die beste Korrektur für Schäden, die ja doch vielfach sich geltend gemacht haben. Aus­schreitungen aber ließen sich auf andere Weise verhindern, als das den Kartellparteien beliebte.

An den Geldbeutel der Steuerzahler sind auch in der abgelaufenen Session wieder sehr hohe Forderungen gestellt worden. Das geschah beson­ders für militärische Zvecke. Trotz der stets be­tonten und geübten Sparsamkeit konnte jedoch das Centrum, bei der gegenwärtigen bedrohlichen Sage, zu den militärischen Forderungen nicht nein jagen. Ei« Trost dabei ist, daß das Wehrgesetz, abgesehen von den finanziellen Kosten, im Frieden dem Volke keine großen Opfer auferlegt, im Kriege dagegen die Sicherheit gegen Ueberfälle gewaltig erhöht.

Geraume Zeit in den Berathungen nahm die Erhöhung der Getreidezölle ein. Es galt, die allzuhohen Forderungen der Großgrundbesitzer auf da« richtige Maß herabzusetzen. Dieses Verdienst gebührt in erster Linie dem Centrum und beson­ders dem Abg. Dr. Windthorst, dessen Vermitte-

Das lange Wirthshausfitzen der Männer, der Rui« des Familien- glückes.

E» ist für manche Männer ein harter Satz, dm wir da geschrieben haben, ein Wort, das sie nicht gerne hören, und wa» viele doch beachten und er­wägen müssen, wollen sie nicht früher oder später ihr eigenes U «glück und der Familie Elend be­klagen.

Alle Tage eine Stunde in'» Wirthshaus gehen, will schon etwas sagen, aber noch weit mehr, wenn man bedenkt, daß manchen Männern das Bier y länger je besser dünkt, daß je mehr sie trinken, um so mehr alle Bedenken, Sparsamkeit und Mäßigung schwinden. Wenn man die Summen berechnen könnte, die nach 10 Uhr Abends in den Wirthshäusern verthan, die Arbeit, welche am folgenden Tage weniger verrichtet wird, es würde Vielen grauen über die Größe dieser Summe.

Doch sehen wir davon ab und betrachten wir dar späte und lange Wirthshaussitz n nur in seinem «rnfluß auf das innere Familienleben.

Zum häuslichen Glück, zur Erhaltung de» Haus- Adens ist es unbedingt nothwendig, daß der Mann Abends zeitig zu Haufe fei. Das Weib ist die

lungrvorschlag fast alle Parteien des Hauses auf sich vereinigte. Um so unwilliger freilich waren die auf volle Verdoppelung der Zölle verseflmen Agrarier, welche bereits jetzt wieder zu bohren anfangen, obwohl sich die Zölle noch gar nicht eingelebt haben. Das Centrum hat stets die größte Sympathie für die Landwirthfchaft an den Tag gelegt; aber es muß doch auf andere auch Rück­sicht genommen, ein Ausgleich zwischen den ver­schiedenen Interessen gefunden werden.

Scharfe Debatten, die schärfsten in der Session, ergab die Berathung des Sozialistengesetzes, das in ganz exorbitanter Weise verschärft werden sollte. Das Centrum hat einmüthig diese Ver­schärfung des Ausnahmegesetz'» abgelehnt und da auch die Nationalliberalen sich dagegen erklärten, so blieb es bei der zweijährigen Verlängerung des jetzt bestehenden Gesetzes. Bei der Sozialistenvor­lage wie bei den Getreidezöllen zeigte es sich, wie unnatürlich der Kartellbund ist. Ec ging bei beiden Gelegenheiten in die Brüche. Wenn er trotzdem bestehen bleibt, so geschieht das, weil er als Wahlmaschine gute Dienste geleistet hat, aber nur zum Vortheile der Aationalliberalen.

Hat das Volk die Kartellbrüdermehrheit schon wegen der Verkürzung des Volksrechtes zu be­dauern, so gilt das noch in besonderem Grade für Handwerker und Arbeiter. Die National­liberalen und Freikonservativen haben die An­nahme des Befähigungsnachweises verhin­dert und sie find auch zum Theil die Gegner der obligatorischen Sonntagsruhe. Letzterer An­trag ist wohl vom Reichstage angenommen worden, aber ob ihm der Bundesrath zustimmt, erscheint bei bett früheren Bedenken des Reichskanzlers zweifelhaft. Auf dem Arbeiterfchutzgebiet ist trotz des Drängens des Centrums kein Schritt vorwärts geschehen und da» ist angesichts der Zeitlage sehr bedauerlich.

I die Insassen des dortigen Gefängntfies, kamen in Lebensgefahr, doch gelang es der Feuerwehr, die Gefährdeten zu retten. Dann durchbrach die Fluth den rechten Deich der Nogat bei Jonas- borf, fetz'e das kleine Werder unter Wasser und überschwemmte die N .ederung auf eine Ausdehnung von 2 Meilen. Die Bewohner retteten sich nach Elbing, dessen Vorstädte gleichfalls unter Wasser stehen. Die Eisenbahn zwischen Marienburg und Elbing ist voraussichtlich auf längere Zeit unfahr­bar. An der Nogatmündung stehen 8 Dörfer unter Wasser, viel Vieh ist ertrunken und mehrere Häuser sind eingestürzt. Die Eisstopfung an der Danziger Weichsel wurde schließlich durch Pioniere gesprengt. — In Berliner Blättern wird zu Sammlungen für die Ueberschwemmten im Weichsel- und Elbegebiete aufgefordert.

* Nach EmS ist, wie von dort berichtet wird, vom Hofmarschallamt die Anfrage gerichtet wor­den, ob in den „Vier Thürmen", in denen be­kanntlich Kaiser Wilhelm während seines hiesigen Aufenthaltes stets gewohnt hat, alle Räume heiz­bar feien. Nachdem diese Frage bejaht worden ist, soll gestern die Weisung hier eingetroffen sein, alles für die kaiserliche Familie in Bereitschaft zu setz'n. Der Korrespondent folgert hieraus indessen nur, daß man für den Fall, daß der jetzige Auf­enthaltsort mit einem Badeort vertauscht roerben soll, bem Kaiser bie Wahl zwischen Wiesbaden und Ems lassen wolle.

* Der .Reichsanzeiger' publizirt die Gesetze betr. da» Sozialistengesetz und die Verlänge­rung der Legislaturperiode. Das erstere ist am 18. und das letztere am 19. von Sr. Maj. dem Kaiser vollzogen worden.

* Staatssekretär Graf Herbert Bismarck soll eine hohe russische Ordensauszeichnung erhalten haben.

* Wie groß die Opfer Willigkeit in der sozialdemokratischen Partei ist, ergibt stch auf'« Neue au» einem detaillirten Verzeichniß von Geldbeiträgen für Parteizwecke, über deren Eingang die Abgeordneten Bebel, Gcillenberger, Meister und Singer qüttiren. Dasselbe umfaßt die Monate Dezember, Januar und Februar und weist nach 1. für Unterstützungszwecke etwa 5500 Mark, 2. für den R.ichütagswahlfonds 13,100 Mark (darunter „aus Nirgendheim als Antwort

Gefährtin de» Manne», nicht feine Sklavin. Sie hat dem Manne ihre Freiheit geopfert, darum soll auch der Mann seiner Freiheit Schranken ziehen und Alle» meiden, was sich mit der Würde des Hausvaters, mit der ehelichen Liebe nicht verträgt.

Der Hausvater ist des Hause« Hort; die Nacht keines Menschen Freund; um diese dunkle Zeit wird darum der rechte Mann nicht de» Hauses Hut allein dem Weibe überlassen, nicht nächtliche Wege soll er gehen, er wäre denn durch Amt und Pflicht gerufen, sondern selbst der Hüter seine« Hause» sein.

Wa» ist da» für ein Mann und Vater, der in jeder Woche manche halbe Nicht außer dem Hause zubringt, spielt und trinkt und wer weiß, was Alles noch treibt, der ist kein christlich Haupt eines christlichen Hause«.

Was für ein Kummer muß e« für die arme Frau fein, wenn sie in ihrer stillen Stube fitzt, wenn nach und nach im Hause Alle der Schlaf überkommt, Alles zu Bette geht, sie allein aber, die am frühesten auf war, das schwerste Tage­werk hatte, kann nicht zur Ruhe gehen ober boch nicht schlafen, benn bet Mann ist noch nicht da- heim, unb wie er heimkommt, bas weißt sie nicht. Wenn btaußen ein Ton laut wirb, fährt sie auf:

Ist er«? Noch immer nicht, seufzt sie dem ver­hallenden Tone nach und läßt das Haupt wieder sinken ins thränenfeuchte Kissen. Und was alle» für Empfindungen und Gedanken leuchten züngelnd und feurig durch die Nacht ihres Jammers, wer will uns das erzählen und uns vor Augen legen den Schmerz christlicher Hausmütter, deren Männer die Nacht durchschwärmen?

Dieser Schmerz, ein glühendes Eisen in de» Menschen Herz, wird noch oqn Außen vermehrt durch den Aerger, nicht ungestört ruhen unb schlafen zu können, vielleicht hier unb ba butch Eifersucht, bie ber erhitzten Einbildungskraft die Untreue des Mannes vorgaukeln möchte, durch Groll, daß der Mann für sich allein das Geld gebrauche, was sie gemeinsam verdient.

Aber noch stärker bohrt sich dieses glühende Eisen in dar Herz des Weibes, noch tiefer zuckt das Weh. Es meint die Fran, daß ihre eigene Liebe den Mann nicht mehr zu halten vermöge, daß sie fein schützender Engel nicht mehr sei, daß sie ihm lästig geworden, daß er ihr immer mehr zu entweichen suche, als ob sie ein schaurig Wesen wäre. Sie weint aber nicht so sehr über da» eigene Weh, sondern über das Eiend, in welches der Mann allmäiig versinkt unb bas ihn zu ver­schlingen broht. Sie weint als Mutter über ihre

Deutsches Reich.

Berlin, 26. März.

* Traurige Nachrichten bringt ber Telegraph aus Marienburg unb Elbing. Gestern fand eine Eisstopfung bei Halbstadt statt. Die Finthen der Weichsel stauten sich und überschwemmten einen Theil von Marienburg. Viele, besonders