Montag? den 26. Marzi
1888
I leiten.
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❖ Das Großkapital.
IV. (Schluß.)
66 gibt viele Länder der Erde, die durch Klima, Boden und andere mitsprechende Verhältnisse von der Natur weit mehr begünstigt find, wie unser im Ganzen karges Vaterland. Das mildere Klima mancher dieser Länder verhindert häufigere Mißernten. Der oft metertiefe Humus- leben solcher Länder erfordert oft hundert und mehr Jahre hindurch keine Düngung und erspart dadurch dem Besteller viele Kasten. Die großen Flächen, welche die dünn gesäete Bevölkerung unter sich vertheilt hat, brauchen nur oberflächlich bestellt zu werden, wenn auch die Hektar weniger dadurch bringt, die große Zahl der Hektaren bringt es wieder ein. In manchen erst fett kurzer Zeit besiedelten Ländern, wie in Amerika z. B., konnte man bei Anlage der Güter die Erfahrungen vorausgegangener Jahrhunderte benutzen, und so find denn auch die amerikanischen Farmen alle so angelegt, daß der Hof in der Ritte der Farm und das zugehörige Feld dicht darum herum liegt. Dadurch hat der Farmer nicht so weite Wege, er spart eine Menge Zeit und kann sie zu nutzbringender Arbeit verwenden, er kann schon vom Hofe aus Alle» überschauen, er hat seine Arbeiter stets im Auge, er kann auf seiner geschloffenen größeren Bodenfläche sich freier bewegen und die billigere Maschinenarbeit an Stelle der theuren Handarbeit einführen. Dahin können wir bei unseren geschloffenen Dörfern nie gelangen, auch durch das Verkoppeln nicht. Dank aller dieser Verhältniffe können solche Länder viel billiger produziren und billiger verkaufen, wie unsere Landwirthe, und sie. finden doch ihre Rechnung dabei. Die Verkehrsverhältniffe sind heutzutage so leichte, daß in wenigen Stunden Abschlüsse zwischen Orten, die tausend und mehr Meilen von einander liegen, durch den Telegraphen gemacht sind, die Frachten sind durch die hohe Entwickelung der Schifffahrtskunst äußerst niedrig, so daß sie nicht viel mitsprechen. Kostet doch die Fracht für einen Centner Weizen von Bombay in Ostindien bi» Mannheim trotz de» weiten Wege» blos 50 Pfennige!
Damit kann unser Landwirth nun freilich nicht konkurriren." Er kann mit feinen Produkten
~ Wie der Buschmüller seinen Mahlburschen bekehrt hat.
(Schluß.)
„Ja, dieser a'te Gauner macht immer noch unsere Gegend unsicher," erwiederte der Buschmüller. „Wahrhaftig, nicht», war niet- und nagellos, ist vor seinen Dieberfingern ficher, — nur Mühlsteine und glühender Eisen. Fast jedermal, wenn er da war, fehlt mir war, da» letzte Mal war'« ein schöner Kell, den er mir geganst hat — aber Sapperlot," unterbrach er sich, „dort liegt ja schon wieder einer im Hof — wart', Spitzbub', Dich will ich doch einmal kuriren!"
Mit diesen Worten schritt der Müller rasch au» dem Hause, um nach einigen Augenblicken wieder mit einem großen eisernen Keil in der Hand ein» zutreten. Mit schmunzelnder Miene trug er denselben in die Küche und legte ihn dort in da» lustig flackernde Herdfeuer."
„Alter, wa» hast Du vor?" fragte die Müllerin, die verwundert diesem seltsamen Thun zugeschaut hatte.
„Will nur dem alten Diebrvogel eine gute Lehre geben," lachte der Buschmüller. „Die Finger soll er sich einmal gehörig verbrennen, dann wird er
gegen die vom Großkapital eingeschleppten Massen nicht aufkommen. Sollen wir ihn nun im Stiche lassen, getreu dem Grundsätze der Manchester- partei, die da sagt, ein Betriebszweig habe das Recht feiner Existenz verloren, wenn er nicht mehr konkurriren könne? Ja dann müßten wir unseren vaterländischen Boden wüst liegen lassen, die ganz erwerblo» gewordenen Bauern können dann aus- wandern, das heißt wenn sie dann noch die Mittel dazu haben. Treiben doch die herrschenden Mißstände so schon manchen aus unserer Mitte nach Amerika, der außer dem Kapital, das in seiner Arbeitskraft und in den Kosten seines Heranwachsens und seiner Erziehung steckt, auch gewöhnlich noch ein Baarkapital mitnimmt, denn drüben werden beim Landen jetzt Alle vifitirt und die Mittellosen werden mit der ersten Gelegenheit unweigerlich auf Kosten des Schiffskapitäns, der ste gebracht hat, zurückgefchickt. Und was werden die dort bleibenden Landsleute? Nichts Anderes, als weitere Konkurrenten von uns.
Darum ist bet Schutzzoll gegen das fremde Getreide am Plötze, und es ist zu begrüßen, daß das deutsche Reich den Weg des Schutzzolls zur Hebung der deutschen Landwirthschaft einge- schlagen hat. Werden dadurch, wie manche sagen, die Getreidepreise nicht wesentlich in die Höhe gehen, dann ist dem deutschen Landwirth dadurch freilich auch nicht viel geholfen, dann zeigt diese Erscheinung aber auch, wieviel das Großkapital seither verdient hat, wenn es auch die Kosten des Zolle» tragen kann und doch noch verdient. Dann bleibt immer noch da» Mittel, den Zoll entsprechend zu erhöhen, endlich wird doch die Grenze erreicht werden, wo es dem Überflüssigen ausländischen Getreide nicht mehr möglich ist, einzudringen und unser Getreide unverkäuflich zu machen. Steigen aber die Getreidepreise zu Gunsten unseres Landwirth» in Folge de» Zolles, so braucht deshalb da» Brod noch nicht tijeurer zu werden, der unnöthige Zwischenhandel im Innern unsere» Lande» kann zunächst einen Theil seine» seitherigen unverhältnißmäßig hohen Gewinnes fahren lassen, das Brod war ja doch verhältnißmäßig theuer und fein Preis stand mit dem niedrigen Getreideprei» durchaus nicht in dem richtigen Verhältnis!. Würde aber das Brod wirklich etwas theurer, nun der Landmann kann bann auch mehr kaufen unb besser bezahlen unb der höhere Preis
ein anbei Mal alle Sachen, bie ihn nicht« angehen, liegen lassen."
Der Bufchmüller, es ist wahr, war ein frommer, gottesfürchtiger Mann, aber er war auch ein Mann, ber einen frohen, körnigen Spaß gern hatte. Denn man muß nicht benlen, daß es zur Frömmigkeit gehöre, recht sauer, wie sieben Tage Regenwetter, in bie Welt zu blicken; nein: wo die Frömmigkeit so recht tief unb fest im Herzen sitzt, ba, lieber Leser, ist auch allezeit bas Gewissen ruhig unb ein freubiger Sinn strahlt hell aus ben Augen.
So war es auch bei unserem Buschmüller, ber jetzt ben Keil, nachbem berfelbe glühend heiß geworden war, mit einer Zange aus dem Feuer nahm unb schlau lächelnd in ben Hof hinaus an feine frühere Stelle trug.
Dann kam er rasch zurück unb verriegelte fest bie Hansthür hinter sich.
„So, nun laßt Euch nur nicht sehen," schärfte er vergnügt seinen Leuten ein. „Der alte Jäkef, ber so oft bie Leut' betrogen, soll nun auch einmal angeführt werben."
E» bauerte nicht lange, so trat ber Jude, ben alten Filzhut tief im Nacken, einen schmutzigen Quersack über ber Schulter tragend, in ben Hof- raum ein.
bes BrobeS wird durch reichlicheren Verdienst der Nichtlanbwirthe mehr al» ausgeglichen.
Die niedrigen Getreidepreise der letzten Jahre veranlaßten viele Landwirthe, den Körnerbau mehr einzuschränken und sich mehr auf Futterban und Aufzucht und Mästung von Vieh zu verlegen. Das ging eine Zeit lang, es ist aber jetzt auch Nichts mehr damit, denn dadurch ist schließlich eine solche Masse Vieh aufgezogen worden, daß das Vieh jetzt auch Nichts mehr kostet. Für solche Preise kann kein Landwirth Vieh aufziehen und mästen und dabei feine Rechnung finden, geschweige denn Etwas verdienen.
Also Kampf gegen die Einfuhr fremder Produkte, soweit sie nicht nöthig sind, durch da» Großkapital, Kampf gegen da» übermäßige Wachsen derselben auf gesetzlichem Wege und mit redlichen Mitteln. Unterbinden wir ihm seine Zuzug«- quellen, zum wenigsten die aus unseren Kreisen, Jedermann kann dabei helfen, jeder auf feinem Posten, und wenn derselbe auch noch so gering ist.
Um Mißverständnisse zu vermeiden, erklären wir, daß wir wohl wissen, daß eine gewisse Menge Großkapital in jedem Lande nöthig ist, ei soll nur nicht so anwachsen, daß es Alles erdrückt. Wenn ein Mann eine größere Geschäftsanlage macht, wozu fein Vermögen nicht ausreicht, bann hat er ben Großkapitalisten nöthig, ber ihm vielleicht bie ganze fthlenbe Summe vorfchießt, er hat bann nur mit Einem Gläubiger zu thun. Er kann nicht bei hunbert kleinen Leuten in kleinen Beträgen bie Summe zusammenborgen, von benen ihm manche vielleicht ben Betrag ihrer Forderung bald wieder kündigen, wenn sie vielleicht in die Lage kommen, ein Kind ausstatten zu müssen. Der Großkapitalist hat das nicht so leicht nöthig, er hat immer noch soviel, daß er sich einen adeligen Schwiegersohn mit seinem Titel und Wappen für seine Tochter kaufen kann, der nach Verbringung seines Vermögens in Saus und Braus, um das bequeme noble Leben fortzusetzen, sich leider nur allzuoft an eine Person verkauft, die nach dem Baronstitel und dem adeligen Wappen an dem Kutschenschlag lüstern ist, wenn sie auch oft nicht richtig Deutsch sprechen gelernt hat. Geld deckt Alles zu.
„Nix zu handeln?" rief er in näselndem Tone. „Nix zu handeln? Der Jäkef i» da!"
Alles blieb stille, nur ber Mühlbach rauschte und die Mühle klapperte geräuschvoll dazu.
„IS denn Kan» daham?" rief der Jude wieder mit gellender Stimme, und feine blinzelnden Augen spähten nach den Fenstern, ohne aber einen der Insassen zu gewahren.
,,J» Kans daham?" wiederholte er nochmals und schritt auf die Hansthür zu. Er pochte, er drückte und rüttelte an der Klinke, aber nichts regte sich im Haufe. '
„Wahrhaftiger Gott, es is Kans daham," bekräftigte er, sich umwendend, während feine listigen Blicke lauernd int Hofe umherirrten.
Da sah er den eisernen Keil, und beutegierig wie ein Marder sprang er danach.
Doch rascher noch al» er die Diebs finger auS- gestreckt hatte, zog er sie mit einem jämmerlichen Aufschrei wieder zurück, denn furchtbar hatte et sich verbrannt.
„Au waih! Au waih geschrie'n," zeterte er kläglich, die Hand schwenkend. „Es ist doch Ans daham, wahrhaftiger Gott, da is Ans daham."
Und mit einigen Sprüngen war er zum Hof