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M 70. Sonnabend, den 24. März. 1888

3ritnng.

Die Fuldaer, Zeilmcg' erscheint täglich. Sonn» und Feiertage auggenommen. Vierteljährlicher «bonnemeMSpreig ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen »ochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf. Inserat«: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Muer

Erstes Blatt.

ane* MrUungrit

auf die

Juldaer Zeitung'

für das mit dem 1. April beginnende

II Quartal 1888

weit man bei der nächsten Postanstalt, bei den Land­briefträgern oder in unserer Expedition (Buttermarkt 112j rechtzeitig machen.

MB* Die ,Fuldaer Zeitung' ist die eiujige in der Diözese Fulda und im Regierungsbezirk Cassel täglich erscheinend; katholische Zeitung. M

Die »Fuldaer Zeitung' hat unter den in Fulda er­scheinenden politischen Blättern

mitavs die größte AbourttuteuMI, weshalb auch die gg Inserate WW der »Fuldaer Zeitung' den meisten Erfolg verbürgen.

Der Abonnementspreis beträgt pro Quartal M. 1.50, mit .Sterne und Blumen' Mk. 1.75 (ohne Bestellgeld).

Probe-Nummern stehen auf Wunsch gratis und franko zur Verfügung.

MB* Neu zugehende Abonnenten erhalten die »Ful­daer Zeitung' bis zum Schluffe des Monats März gratis di« Postabonnenten gegen Einsendung der Quittung.

Die Bestellung mutz bis zum 28. er. längstens geschehe«, sonst berechnet die Post 10 Pfennig extra für Porto Nachbestellung.

Hnft-MdllpHd f,nb fÜr bie auswärtigen Dlflbllzbllol Abonnenten der heutigen Nr. »r. Bl. beigelegt.

❖ Das Großkapital,

in.

Vorläufig wird bei uns das Großkapital heut­zutage noch zu Handelsgeschäften vorzugsweise ver­wendet, weil cs im Allgemeinen bei uns noch nicht die Größe erreicht hat, die den Al fluß eines Thei- les desselben in einen andern Kanal nöthig macht. Aber auch in dieser Form schädigt cs durch seine erdrückende Macht das Kleingeschäst, vorzugsweise aber den Landmann, wie wir im Folgenden zeigen «erden.

Unter allen Ländern der Erde ist Brasilien das Hauptproduktionsland des Kaffee's. Dort wird mehr Kaffee gewonnen, als in den übrigen Kaffee­ländern der ganzen Erde zusammengenonnen. Tie brasilianischen Kaffeesorten gehören zwar zu den leichteren und werden von denen vieler anderer Länder an Güte übertroffen, sie sind deshalb aber auch die billigeren und werden von den geringeren Leuten, die an Zahl ja so sehr überwiegen und verhältnißmäßig den meisten Kaffee trinken, der größeren Billigkeit wegen vorzugsweise gekauft. Auch der Mittelstand erlaubt sich nur brasilianische Sorten von mittlerem Preis, ein echter Java, Ceylon, Mokka ist ihm zu theuer, und viele Kaffee­sorten des Handels, welche die letztgenannten nobe- wen Kaffeenamen führen, sind weiter nichts An­deres, als brasilianische bessere Sorten, die unter falscher Flagge segeln.

Dcr Kaffee bedarf zu seiner Herstellung bis zur Form, in der er geröstet werden kann, sehr vieler Arbeit. Die einzelne Kaffeebohne geht durch sehr viele Händepaare, bis sie marktbereit wird. Der "offee ist sehr empfindlich und verliert durch un­günstiges Erntewetter oder durch ein Versehen bei der weiteren Behandlung nach der Ernte schnell and bedeutend an Güte. Das AllcS verursacht dm verhältnißmäßig hohen Preis des Kaffees, der

mit seinem verschwindend kleinen Nährwerth in gar keinem Verhältniß steht, denn die eben erwähnten Eigenschaften des Kaffees erfordern große Kapitalien für allerlei kostspielige Anlagen, mittelst deren man die Schwierigkeiten der Herstellung des marktfertigen Kaffees zu überwinden sucht.

Die Ernten Brasiliens bestimmen also den Preis des Kaffees. Wird dort viel geerntet und verläuft das Ecntewetter gut, so sinkt der Kaffeepreis, wie er im entgegengesetzten Falle steigt. Doch halt! Was sagten wir 1 Die Ernten Brasiliens bestim­men den Kaffeepreis? — Da hätten wir wohl bald etwas Unwahres gesagt, denn wir wollten sagen, die Ernten Brasiliens sollten den Kaffeepreis bestimmen, wenn es stets mit rechten Dingen zu­ginge. Nun geht es aber gar zu oft nicht mit rechten Dingen zu, und deshalb wird der Kaffec- preis nicht durch das Gesetz des Angebotes und der Nachfrage bestimmt, sondern durch den Willen einer Anzahl Besitzer von vielen Millionen, welche das Kaffeegeschäft, den Großhandel mitKoff-e allein in Händen haben und von denen der Hauplschwarm in Amsterdam sitzt. Die erdrückende Macht des Kapitals dieser Leute, die fest zusammenhalten und in gemeinschaftlichem Einverständniß handeln, läßt keinen Andern auskommen, wenn sie ihn nicht in ihre Verbindung aufnehmen. Sie kaufen alle Kaffee- vorräthe auf, etwaige ihnen entgehende kleine Be­träge üben keinen Einfluß, sie halten mit dem Ver­kauf des Kaffees zurück und treiben so den Preis in die Höhe, sie schlagen los, wann und wie es ibnen gefällt. Zudem sind sie Gläubiger der großen Masse der Kaffeeplantagenbesitzer. Die Brasilianer sind zu neun Zehntel ihrer Volkszahl Mischlinge, Nachkommen von Europäern und Indianern und Negern und haben wie alle Mischlinge meist nur die schlechten Eigenschaften ihrer verschiedenfarbigen Stammeltern geerbt. Sie sind leichtlebig und leichtsinnig und die Herren Plantagenbesitzer, welche zu der Aristokratie des Landes gehören, haben auch ihre nobelcn Passionen, ein Jeder fast von ihnen will auch einmal oder öfters Paris sehen, wo der brasilianische Mischling mit dem hochtönenden por­tugiesischen Namen eine viel und stets gesehene Figur in dem Durcheinander dieses modernen Ba­bylon ist. Das kostet Alles Geld, aber die Kaffec- barone Amsterdam'« haben es ungezählt, sie leihen dem Plantagenbefitzer auf Hypothek, sie machen noch lieber Vorschüsse auf die Ernte und haben so den Kaffecproduzenten in der Hand. Als vor nur wenigen Monaten der Kaffee so plötzlich im Preise stieg, da war das nicht die Folge einer drohenden oder stattgefundcnen Mißernte, Gott bewahre, nein, die Herren Koffeebarone spckulirten einmal wieder auf Hausse und das hatten sie leicht, sie gaben einfach Nichts billiger heraus.

Wenn wir auch sagen müssen, daß es traurig genug ist, daß der Mensch in diesem Falle nicht vom natürlichen Verlauf der Dinge, sondern vom Willen einiger weniger Besitzer ungezählter Mil­lionen abhängig ist, so wollen wir diese Zustände auf dem Gebiete des Kaffeehandels doch nicht zu tragisch nehmen, denn der Kaffee ist immerhin ein Luxusartikel, seine Nährkraft ist so gut wie Null sein einziger Werth besteht in der wohlthätigen, lange anhaltenden Anregung des Nervensystems, einer Wirkung, die er dem geringen Gehalt an Kcfföin verdankt, das in größerer Menge, z. B. schon in der Menge eines kleinen Tropfens, eines der furchtbarsten tödlichsten Gifte ist. Dieses Gift übt in der starken Verdünnung, in der es in einer Portion Kaffee vorhanden ist, die belebende Wir- !ung au», aber nur dann, wenn der Körper nicht rurch übermäßigen Genuß von Kaffee abgestumpft st. Wenn nun dieser Luxusartikel mir zu theuer wird, fo verzichte ich eben auf seinen Genuß oder *

ich schränke ihn ein. Soviel Gewalt sollte ein Jeder über sich selbst haben, leider ist a^er die große Masse des Volkes allzu sehr ein Sklave der Ge­wohnheit. Würde das Volk den Spekulanten mit Einschränkung des Kaffeegenusses, der ja nicht un­bedingt nöthig ist, antworten, so müßten sie schon klein beigeben. Freilich würden darunter die klei­nen Kaufleute eine Zeit lang leiden, das ließe sich aber nicht vermeiden, doch würde für letztere auch wieder mancher Schaden wegsallen, der ihnen durch das Gebühren der großen Kaffeemonopolisten, die dadurch ihren Meister fänden und vor ruriederholung ihrer Kunststücke sich hüten würden, so oft erwächst.

Die verschiedenen großen Rothschilds in London, Paris, Wien und Frankfurt haben zwar jeder sein eigenes selbstständiges Geschäft, mit einem Theile ihrer kolossalen Vermögen arbeiten sie jedoch gc- meinschäftlich auf allen möglichen Gebieten dci Handelslebens. Das läßt auf die Größe der von ihnen betriebenen Geschäfte schließen, für die ihnen ihre eigenen Vermögen einzeln noch nicht aus­reichend genug erscheinen. Wie die Plantagenbe­sitzer Brasiliens als Schuldner der Amsterdamer Kaffeebarone in deren Händen sind, so sollen die großen Heerdenbesitzer Argentiniens in Süd­amerika, eines Lindes, das mindestens viermal so groß als Deutschland, aber dünn bevölkert ist, den Rothschilden verschuldet sein. Auf dem Ge­biete des Geschäftes in thierischen Produkten, bc- sonders in Wolle, haben die Rothschilde deshalb eine mächtige Hand und wissen ihre Stellung gut auszunutz n. Wir erinnern uns noch der vor einigen Jahren von den Rothschilden entrirten großen Spekulation in Wolle, die damals eben ihrer Größe wegen die Geschäftswelt in Athem hielt, wenn wir auch über den Verlauf derselben Nichts berichten können, weil wir ihn leider nicht verfolgt haben.

Was nun aber der Mensch unbedingt braucht, das ist das liebe Brod. Wenn auf diesem Ge­biete das Großkapital mit seiner Machtfülle den natürlichen Verlauf der Dinge stört, so ist da« doppelt empfindlich. Wir sehen hier ganz von dem Spekulationstreiben der Börse, wie cs sich in Differenz- und Schcingeschäften äußert, ab, darüber haben wir früher schon zur Genüge ge­sprochen. Wir wollen hier nur von der Ueber- füllung unseres Getreidemarktes durch das fremde Getreide reden, die wiederum ein Werk des Groß­kapitals ist.

Wenn wir Etwa» nöthig haben, so kaufen wir es am besten bei unserm Nachbarn, wenn wir c« von demselben preiswürdig erhalten können, und sollten wir wirklich eine Kleinigkeit mehr zahlen, so ist das auch noch nicht schlimm, der Nachbar wird seine Waare los, er hat eine Einnahme und einen Verdienst, die ihn in den Stand s.tzen, wieder Etwas ausgeben und auch von mir kaufen zu können, wenn ich ein Geschäftsmann bin. Wir finden so beide unsere Rechnung.

Der zahlreichste Stand unseres Volkes ist der landwirthschaftliche, folglich hängt von seinem Wohlergehen das Wohlbefinden der übrigen Stände ab, die an Kopfzahl ihrer Mitglieder und Arbeiter die des landwirthschaftlichen Standes und seiner Arbeiter zusammen nicht erreichen. Hat der Land­mann Verdienst, so kann er mehr ausgeben und seinen Arbeitern einen bafferen Lohn geben. Eine ganze Menge von Gebrauchsgegenständen wird jetzt mehr gekauft, die städtischen Erwerbszweige, die Fabriken, die Gewerbe und kaufmännischen G-schäfte blühen auf und verdienen ebenfalls. Als wir vor einigen Jahren eine Reihe von schlechten Ernten hatten, da sagte man allgemein, cs würde nicht eher b> ffer werden, bis einige bessere Ernten gemacht seien. Nun sind die letzten