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M 67.

Mttwoch, den 21. März.

1888

Muer Ä jcilmin.

Die Fuldaer, Rettung' erschemt tügltch, Bonn» und Feiertag« ausgenommen. Vierteljährlicher LbonnementSpreij ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Ps.» mit der belletristischen Wochenbeilage »Stern« und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf.» auswärts 1 M. 75 Pf.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

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auf die

Jul darr Zeitung'

für das mit dem 1. April beginnende

II. Quartal 1888

rnolle man bei der nächsten Postanstalt, bei den Land­briefträgern oder in unserer Expedition (Buttermarkt 112) rechtzeitig machen.

MB* Die »Fuldaer Zeitung' ist die einzige in der Düszese Fulda und im Regierungsbezirk Gaffel täglich erscheinend- katholische Zeitung. *9fl

Die »Fuldaer Zeitung' hat unter den in Fulda er­scheinenden politischen Blättern

weitaus die größte Abouurutkmahl,

weshalb auch die ■ Inserate » der »Fuldaer Zeitung' den meisten Erfolg verbürgen.

Der Abonnementspreis beträgt pro Quartal M. 1.50, mit .Sterne und Blumen' Mk. 1.75 (ohne Bestellgeld).

Probe-Nummern stehen auf Wunsch gratis und franko zur Verfügung.

MB* Neu zugehende Abonnenten erhalten die .Ful­daer Zeitung' bis zum Schluffe des Monats März gratis die Postabonnenten gegen Einsendung der Quittung.

Deutsches Reich.

Kerl in, 20. März.

• Der Kaiser empfing heute den Nuntius in Wien, Kardinal G a l i m b e r t i, welcher ein Hand­schreiben des Papstes an den Kaiser und die Kai­serin überreichte. — Die Kaiserin Augusta em­pfing heute Vormittag den General-Adjutanten General - Lieutenant Fürsten Anton Radziwill vor deffen Abreise nach Madrid und Lissabon.

* Zum Ober-Hof- und Hausmarschall de« Kaiser« ist an Stelle des Grafen Perponcher, welcher in den Ruhestand tritt, der bisherige Hofmarschall Graf Radolinski ernannt worden. Zum Haus­marschall Sr. Majestät ist der Kammerherr Frhr. Reischach ausersehen. Der bisherige Kammerherr der Kronprinzessin Graf Seckendorfs ist Oberhof- meister und die Fürstin Hatzfetdt-Trachenberg Oberhofmeisterin der Kaiserin geworden. Zum

* Zum hundertjährigen Gedächt­nis Joseph v. Eichendorfs.

(7. Fortsetzung und Schluß.)

Friedrich Wilhelm IV., der sich gegen seine kathol. »n.erthanen gerechter zeigte, al« seine Vorgänger, hatte großes Interesse daran, Eichendorss im Kultus­ministerium erhalten zu wissen, deßhald beurlaubte er seinen treuen Beamten nur und suchte ihn während dieses Urlaubs literarisch zu beschäftigen. Auf Wunsch des Königs schrieb Eichendorss da­mals eine Geschichte des „Schlosses Marienburg und seiner „Wiederstellung''. Die Schrift erschien im Jahre 1844 in Königsberg. Trotzdem der König dem Dichter sehr geneigt war und diese tüchtige Arbeitskraft dem Staatsdienste zu erhalten suchte, bat Eichendorss nach Ablauf seine« Ur­laubes nochmals dringend um seine Entla ung, «eil ein Verbleiben im Kultusministerium unter Eichhorn, ihm, dem ehrenhaften, katholischen Charakter ein Hing der Unmöglichkeit sei. Endlich willigte der König in den Wunsch ein, zumal Eichendorss'« Gesundheit auch in Folge der unge­heuren Arbeitslast, die er zu tragen hatte, schwäch­lich zu werden begann. Und so schied denn der 56 Jahre alte Geh. Regierungsrath Joseph von Eichendorss am 30. Juni 1844 aus dem preu­ßischen Staatsdienst. Die letzten dreizehn Jahre

Hofmarschall Sr. Majestät des Kaisers ist Frhr. v. Lyecker, bisher persönlicher Adjutant, ernannt. Die Palastdame Gräfin Brühl hat das Prädikat Exzellenz erhalten.

* Der Reichstag nahm heute einstimmig und ohne Debatte den Entwurf einer Adresse an Se. Maj. den Kaiser in Beantwortung der gestri­gen Botschaft an. Die Adresse spricht den Dank für die Uebernahme der Kaiserwürde und die Trauer anläßlich des Ablebens Kaiser Wilhelms aus, so­wie die Bereitwilligkeit des Reichstages, den Kai­ser in der Erreichung der in der Botschaft bezeich­neten Ziele zu unterstützen. Der Präsident theilte noch mit, daß das Präsidium, wenn es bei dem Kaiser zur Audienz zugelaffen werde, die Gesin­nungen der Treue und Theilnahme des Reichstages noch persönlich aussprechen werde. Ein von allen Parteien gestellter schleuniger Antrag: den Reichs­kanzler zu ersuchen, dem Reichstage in der nächsten Session eine Vorlage behufs Errichtung eines Denkmal» für den hochseligen Kaiser Wilhelm zu machen, wird gleichfalls einstimmig und ohne Debatte angenommen. Nachdem noch die Gesetz­entwürfe, betreff. Reingewinn aus den General- stabrwerken, betreff, die internationale Literarkon- vention und betreff. Löschung nicht mehr bestehen­der Firmen im Handelsregister definitiv Annahme gefunden, wird die Session mittels kaiserlicher Bot­schaft vom 12 d. Ms. durch Staatssekretär von Bötticher geschlossen. Unter dreifachem Hoch auf Se.M. den Kaiser trennt sich die Versammlung.

* Beide Häuser de» Landtags hielten heute Sitzungen ab. Das Herrenhaus nahm ein­stimmig und ohne Debatte den Entwurf einer Adresse an S. M. den Kaiser an, der inhaltlich dem im Abgeordnetenhause angenommenen ent­spricht. Die Kreis- und Provinzialordnung für Schleswig-Holstein wurde en bloc angenommen. Morgen, 1 Uhr: Verlängerung der Legislatur­perioden. — Das Abgeordnetenhaus nahm heute die bereite mitgetheilte Adresse in Beant­wortung der königlichen Botschaft von gestern auf Antrag des Abg. v. Schorlemer-Alst per accla- mation einstimmig und debattelos an und nahm dann die dritte Berathung des Staatshaushalts­etats für 1888/89 vor. Mit Rücksicht auf die Geschäftslage de« Hause« wurde die Debatte mög-

lebte der Dichter nur seiner Familie und seinen schriftstellerischen Arbeiten. Die ersten Jahre nach seinem Abschied vom Staatsdienst lebte er in dem von früheren Zeiten her wohlbekannten Danzig. Hier befaßte er sich mit der Uebersetzung von geistlichen Schauspielen seines Lieblingsdichters. Bei Cotta erschien dann im Jahre 1846 der erste Band dieser Werke Calderon's und der zweite Band dieser Uebersetzungen folgte einige Jahre darnach. Außerdem schrieb er währenv dieser Zeit viele literaturgeschichtliche Abhandlungen und machte eingehende Vorstudien zu fpäter veröffentlichten Arbeiten.

Im Spätjahre 1846 besuchte Eichendorss die alte Kaiserstadt an der Donau. Dorthin zogen den Dichter so viele schöne Erinnerungen aus den Jugendjahren, die er hier in trautem Freundes­kreise so anregend und heiter verlebte. Große unb allseitige Ovationen brachten die Wiener d.m berühmten deutschen Liederdichter entgegen. Sämmt- liche öffentliche Blätter theilten ihren Lesern mit, wen Wien gegenwärtig zu beherbergen die Ehre habe; Deputationen von gelehrten und politischen Vereinen kamen ihn zu begrüßen, man bereitete dem willkommenen Gast zu Ehren viele großartige und glänzende Festlichkeiten, bei welchen Opern­sänger Eichendorff's Lieder vortrugen, kurz, es herrschte in allen hervorragenden Kreisen des

lichst eingeschränkt. In der Generaldebatte er­klärte Abgeordneter Dr. Windthorst, daß er wohl Veranlassung hätte, sich ausführlich zu äußern, daß er sich indessen mit Rücksicht auf die Lage, in der wir uns befinden, auf einige kurze Bemerkungen beschränken wolle. Redner führte dann aus, daß man bei der Steuerveranlagung nicht zu streng vorgehen, dagegen aber Sparsam­keit üben möge. Ferner regte Redner eine Re­form der direkten Steuern in der Richtung an, daß die höheren Einkommen schärfer herangezogen werden, da die unteren Klassen durch die indirekten Steuern schon stark belastet seien. Abg. Rickert (dfr.) wollte dagegen von einer Reform der direkten Steuern nur dann etwas wissen, wenn die Regierung ihren Widerstand gegen die Quoti- sirung aufgebe. Hierauf wurde die Generalde­batte geschlossen und in die Spezialberathung ein­getreten, die stellenweise unter so großer Unruhe geführt wurde, daß der Abg. Berger sich ver­anlaßt fühlte, den Präsidenten zu bitten, die Ruhe im Hause wenigstens einigermaßen herzustellen. Abg. Rickert fragte an, ob noch im Laufe dieser Session eine Vorlage wegen Erlasse« der Relikten­beiträge der Lehrer zu erwarten sei, konnte aber keine Auskunft erhalten, da die Minister in­folge der stattsindenden Vereidigung der Beamten am Erscheinen behindert waren. Die Bewilligung einer Mehrforderung von 6000 Mark zur Aus­bildung altkatholischer Theologen, die bereits in 2. Lesung abgelehnt worden war, wurde mit 184 gegen 97 Stimmen abgelehnt. Die Bc- rathung wurde beim Kultusetat abgebrochen. Morgen findet die letzte Sitzung vor Ostern statt.

• August Reichensperger, der unermüd­liche Vorkämpfer für die katholische Sache und der erfolgreiche Organisator einer parlamentarischen Vertretung christlich-konservativer Interessen, feiert am 22. März seinen achtzigsten Geburtstag. Es hat archivarischer Studien bedurft, um diese Thatsache konstatiren zu können, denn Herr Reicheni- perger liebt es, seinen Geburtstag still zu feiern, und kaum seine nächsten Freunde wissen den Tag. Da stellt nun die ,Kobl. Volksztg.' fest, daß nach dem Civilstandsregister der Stadt Koblenz Herr Appellationsgerichtsrath a. D. Dr. August Reichens-

Wiener Lebens ein wahrer Enthufiasmus und wollte man dort den leutseligen Schlesier nach Preußen nicht mehr zurückkehren lassen. Hier in Wien machte er auch die Bekanntschaft mit vielen durch Geist und Wissen herporragenden Männern; er lernte Karl Ernst Jarke kennen, ferner den be­rühmten Historiker Friedrich von Hurter; hier schloß er sich dem Redemptoristenpater Madelener an; hier trat er in Verkehr mit Fürst Friedrich Schwarzenberg, Ernst von Feuchtersleben, Graf Leo Thun u. A. m. Nach so schönen Tagen, die der Dichter in und bei Wien ein Jahr ver­lebt hatte, kam es ihn freilich schwer an, als er sich wieder im Herbst 1847 seiner Heimath zu­wenden sollte. Eichendorff zog einige Monate zuerst nach Berlin, ging im März den dortigen stürmischen revolutionären Bewegungen, die er längst vorausgeschaut, aus dem Wege, und siedelte dann mit seiner Familie nach Dresden über. Hier in Dresden war fein fast ausschließlicher Gesell­schafter der junge geniale Dichter Lebrecht Dreves, der wenige Jahre vorher katholisch geworden war. Vom Spätherbst 1850 bis 1855 lebte Eichendorff wieder in Berlin; es waren dies für feine lite­rarische Thätigkeit wohl die fruchtbarsten Jahre, die er, zurückgezogen von allem öffentlichen poli. tischen Leben, überaus glücklich und zufrieden in seiner Familie zubrachte, wobei er alles geräu^-