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M 66. Dienstag, den 20. März.

Jiliner Ä Jtitiig.

1888

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Die kaiserliche Botschaft an den deutschen Reichstag «nd die könig­liche Botschaft an den Preußischen

Landtag,

welche in den betr. heutigen Plenarsitzungen (vgl. die Parlamentsberichte des heutigen Blattes) vom Fürsten Bismarck verlesen wurden, haben folgenden Wortlaut:

Allerhöchste Botschaft.

Wir Friedrich, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen rc. rc. rc.

thun kund und fügen hiermit zu wiffen:

Durch den nach Gotte» Rathschluffe erfolgten Hintritt unseres geliebten Herrn Vaters ist "mit der Preußischen Krone die Deutsche Kaiserwürde auf Uns übergegangen. Wir haben die mit der- selben verbundenen Rechte und Pflichten mit dem Entschlüsse übernommen, die Reichsverfaffung un­verbrüchlich zu beobachten und aufrecht zu erhalten »nd demgemäß die verfaffungsmäßigen Rechte der einzelnen Bundesstaaten und de» Reichstages ge­wissenhaft zu achten und zu wahren.

Im Bewußtsein der mit der Kaiserlichen Würde Uns überkommenen hohen Ausgabe werden Wir nach dem Vorbilde Unseres unvergeßlichen Herrn Vaters jederzeit darauf bedacht sein, in Gemein­schaft mit den Uns verbündeten Fürsten und freien Städten unter der verfassungsmäßigen Mitwirkung des Reichstages Recht und Gerechtigkeit, Freiheit «nd Ordnung im Vaterlande zu schirmen, die Ehre des Reichs zu wahren und den Frieden nach außen und im Innern zu erhalten und die Wohlfahrt des Volks zu pflegen.

Durch die einmüthige Bereitw.lligkeit, mit welcher der Reichstag den auf die Fortbildung der vater» ländischen Wehrkraft behufs Sicherstellung des Reichs gerichteten Vorschlägen der verbündeten Regierungen zugestimmt hat, ist des Hochseligen Kaisers Majestät noch in den letzten Tagen Seines Lebens hoch erfreut und gestärkt worden. Ihm ist es nicht mehr vergönnt gewesen, dem Reichs­tage Seinen Kaiserlichen Dank für diese Beschlüffe auszudrücken. Um so mehr ist es Uns Bedürfniß, dieses Vermächtniß des in Gott ruhenden Kaiser­lichen Herrn dem Reichstage zu übermitteln, und

km Rhöitur im Schnee?) x,

Mit einigen Freunden hatten wir, Gymnasial­lehrer Dr. R. und ich, beschlossen, den nahenden Frühling nicht abzuwarten, sondern schon sitzt im frühen März der hohen Rhön, deren malerische Kuppen uns in Fulda täglich einladend winkten, einen Besuch abzustatten. Ist es schon in lieb­lichen Sommertagen eine anerkennungswerthe That, die steilen kuppen der Rhön zu besteigen, so muß der Besuch dieses im Winter gewiß ungastlichen Gebirges für rüstige Touristen gerade in dieser Zeit einen besonderen Reiz haben. Doch als am sistgesetzten Tage, Samstag den 3. März, ffch die 5. Auflage unsers diesjährigen Winters mit Schnee und Frost einstellte, da nahmen alle Reiselustigen bis auf meinen bezeichneten Freund «nd mich ihre Zusagen zurück.

So dampften wir beide denn Nachmittags nach Kerzell ab, von wo wir unsere Gebirgstour an­traten. Im schönsten Sonnenschein marschirten ^ir durch fußhohen Schnee nach Rothemann. Da begann sich ein schneidender Wind zu erheben, «nd bald steckten wir im heftigsten Schneesturm. Doch schien uns das Wetter mit seinen Launen Uur zu necken. Denn die Sonne brach wieder

(»Aus dem Feuilleton der ,Frkf. Ztg? vom 19. ds.

dem Letzteren auch Unfern Dank und Unsere An­erkennung für die bei diesem Anlaß aufs Reue bewiesene patriotische Hingebung auszusprechen.

In zuversichtlichem Vertrauen auf diese Hin­gebung und die bewährte Vaterlandsliebe des ge- fammten Volks und seiner Vertreter legen Wir die Zukunft de« Reiche» in Gotte» Hand.

Gegeben Charlottenburg, den 15. März 1888.

8.) Friedrich,

von Bismarck.

Allerhöchste Botschaft.

Wir Friedrich, von Gottes Gnaden König von Preußen rc.

thun kund und fügen hiermit zu wissen:

Nachdem es Gott gefallen hat, nach dem Hin­scheiden Seiner Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm, Unseres vielgeliebten Herrn Vater«, Uns auf den Thron Unserer Vorfahren an der Krone zu berufen, entbieten Wir dem Landtage Unserer Monarchie Unfern Gruß.

Die Gestnnungen und Mächten, in welchen Wir Unsere Regierung angetreten haben, die Grundsätze, nach denen Wir Unseres Königlichen Amtes wal­ten wollen, haben Wir Unserem getreuen Volke verkündet.

In den Wegen Unseres glorreichen Herrn Vater- wandelnd werden Wir kein anderes Ziel Unseres Strebens kennen, al» das Glück und die Wohl­fahrt des Vaterlandes.

In gewissenhafter Beobachtung der Verfassung, unter Wahrung der Machtfülle der Krone, im ver­trauensvollen Zusammenwirken mit der Landesver­tretung hoffen Wir dieses Ziel unter Gottes Bei­stände zum Heile des Vaterlandes zu erreichen.

Wir sind Uns der nach Artikel 54 der Verfas­sung Uns obliegenden Pflichten voll bewußt. Da jedoch Unser Gesundheitszustand Uns zur Zeit nicht gestattet, dieser Verpflichtung persönlich nachzukom­men, Wir aber das Bedürfniß fühlen, unverweilt Unsere ohnehin keinem Zweifel unterworfene Stel­lung zu den Verfaffungsordnungen des Landes vor der Volksvertretung zu bekunden, so geloben Wir hiermit schon sitzt, daß Wir die Verfassung Un­teres Königreiches fest und unverbrüchlich halten durch, das Wetter verzog sich, und der Himmel lachte im reinsten Blau. Wir befanden uns in Thalau, es war 5 Uhr. Wir hatten uns schon ziemlich in die Höhe geschraubt. Der alte Schnee fing an, uns zu tragen, und den neuen hatte der Sturm weggefegt. Bald fanden wir unter unse­ren Füßen festen, meterhohen Schnee; doch kamen mitunter auch Stellen, wo wir sogar bi« an die Hüften einsanken. Von Weg war keine Spur mehr zu entdecken, wir marschirten deshalb über weite Schneegtfilde ohne jede Bahn bei unterqehen- der Sonne und scharfer Rhönluft. Um 7 ll2 Uhr erblickten wir einige menschliche Wohnungen. Es war Dalherda. Hier wechselten wir die durch­näßten Beinkleider und stärkten uns in der behag­lich warmen Wirlhsstube. Im Fremdenbuch waren wir die ersten Gäste dieses Jahres.

Mit gut gethronten Kanonenstiefeln und einem -lästigen Stück Brod in der Tasche begannen wir am nächsten Morgen um 8 Uhr den weiteren Aufstieg. Jetzt ging's über wohl 2 Meter hohen Schnee, deffen Sohle vom durchstoßenden Wander- labe nicht erreicht werden konnte. Im Hellen Sonnenschein funkelte und glitzerte derselbe gar nächtig. Zu unfern Füßen lagerten sich bereits >ie niedrigeren Berge der Rhön. Gegenüber er- yob sich der auf seinem breiten, kahlen Gipfel mit einem großen Kreuze geschmückte hohe Kreuz- ‘

und in Uebereinstimmung mit derselben und den Gesetzen regieren wollen.

Charlottenburg, den 17. März 1888.

Friedrich.

von Bi«marck. von Puttkamer. Maybach. Lucius.

Friedberg, von Boetticher. von Goßler.

von Scholz. Bconsart von Schellendorff.

Deutsches Reich.

Berlin, 19. März.

* S. M. der Kaiser hatte eine ziemlich gute Nacht; sein Befinden ist ein befriedigende». Alle, welche den hohen Herrn zu sehen Gelegenheit hatten, stimmen darin überein, daß das Aussehen des­selben ungemein wohl und rüstig ist. Dem ,V.T.' zufolge hält Dr. Mackenzie den gegenwärtigen Zeit­punkt zu einem größern operativen Eingriff vom Munde aus für günstig. Es soll sich dabei um die Beseitigung jener abgestorbenen Knorpelreste handeln, von denen einzelne Theile bereit» in San Remo ausgehustet worden.

* Der .Reichsanzeiger' veröffentlicht folgendes Schreiben I. M. der Kaiserin Augusta an den Reichskanzler:

„Die erhabenen Kundgebungen der Trauer und Theil- nahme bei dem Hinscheiden Meines in Gott ruhenden Ge­mahls, des Kaisers und Königs Wilhelm Majestät, legen das letzte ergreifende Zeugniß dafür ab, was Er dem Vaterlande, was Sein vom Allmächtigen begnadetes Leben für die Welt gewesen ist. Die überwältigende Macht dieser weltumfassenden Liebe und Verehrung für unfern zur ewigen Heimath eingegangenen lieben Herrn läßt Mich, die Gefährtin Seines Lebens, an Sie die Bitte richten, den Dank für Alles öffentlich auszusprechen, was Ihm in der pflichttreuen, gottesfürchtigen Erfüllung Seines verantwortlichen Berufs, was Mir nach Seinem friedlichen Scheiden in der Schwere Meines Leides an unzähligen Beweisen solcher ehrenvollen Gesinnung aus Deutschland und dem Auslande dargebracht worden ist. Die Worte versagen für die Tiefe Meines Schmerzes, wie für die Fülle Meines Dankes. Möchten ihn Alle, die mit Mir trauern, so aufnehmen, wie mein wundes Herz denselben Allen, vom Höchsten bis zum Geringsten entgegen bringt. Was Mir an Kräften verbleibt, soll dem Vorbilde dessen geweiht sein, Dem zur Seite zu stehen Mir vergönnt gewesen ist.

Berlin, den 18. März 1888.

Augusta.

* Die Nachricht, wonach der Hierhertunst des Nuntius G alim ber t i für die nächsten Tage ent-

berg, 931 Meter. In dieser einsamen, wilden und weiten Gebirgsfläche ging uns das Herz auf. Wir sangen und jodelten nach Herzenslust, und Niemand kritisirte uns. Jetzt ging's an Wäldern vorbei, von deren hohen Tannen nur noch die Spitzen aus dem Schnee ragten. Um 11 Uhr erreichten wir nach erheblichen Strapatzen — denn wir waren wieder oft bis zu den Hüften einge­sunken — das Schweizerhaus. Ganz erstaunt waren deffen Bewohner, bei diesem Wetter und bei 10° Kälte Reisende zu sehen. Vom P/g Meter hohen Gartenzaun war jede Spur, das Schennen- thor bis zur Hälfte verschneit. Hier waren wir übrigens im Fremdenbuch nicht die ersten Gäste dieses Jahres. Herr Inspektor X und einige an­dere Herren aus Fulda hatten bereits am 2. Ja­nuar diesem, dem Himmel nahen Plätzchen, einen Besuch abgestattet. Dieses alte, große Schwe.zer- haus steht auf dem langen Rücken des ansehn­lichen Berges, des DammerSfeldes, und erinnert an die Zeiten der Fuldaischen Fürsten, denen diese Domänenwiese jährlich 4500 Gentner des besten Heues lieferten und noch dazu eine bedeutende Heerde Rinder nährten. Jetzt aber waren diese Wiesen in ein gewaltiges, gletscherartiges Eisfeld verwandelt, welches uns bei unferm Weitermarsche wieder sehr gut trug. Wir stiegen nun stark berg­auf, und um 12 Uhr hatten wir den Gipfel de«