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1888
Sonnabend, den 17. März.
M 64
Jtilnng.
Fuldaer
Zweites Blatt
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wolle man bei der nächsten Postanstalt, bei den Land- briefttägem oder in unserer Expedition (Buttermarkt 112) rechtzeitig machen.
MB* Die ,Fuldaer Zeitung' ist die einzige in der Diözese Fulda und im Regierungsbezirk Cassel täglich
erscheinenend; katholische Zeitung. *WI
Die .Fuldaer Zeitung' hat unter den in Fulda scheinenden politischen Blättern
mitius die größte Ab-uurutkurahl,
rnchtbare Thätigkeit in einer Zeit, in welcher in Folge der Unterdrückung der katholischen Kirche iiie religiösen Interessen so unzählige Differenzen auf allen Gebieten der Leben« hervorriefen. Hier verlebte Eichendorff sieben Jahre, wo er im Verkehr mit hervorragenden Männern auch zu dichterischem und schriftstellerischem Schaffen wieder kräftige Anregung empfing.
Von dem, wa« Eichendorff in Danzig und Königsberg geschrieben, wollen wir hier nur das Wichtigere kurz andeuten. In diesen Jahren ent» stand die prächtige Novelle: „Aus dem Leben eines Taugenichts", einer mit sprudelndem Humor gegebene Schilderung des Taugenichts. Der Taugenichts ist eine poetische Natur von bewunderungswürdiger Harmlosigkeit, empfänglich für alle Schönheiten des Lebens, die er mit kindlichem Gemüthe erfaßt. Der „Taugenichts", eines der hervorragendsten Produkte der deutschen Novellistik, ist die populärste Schöpfung des Dichters und von jeher für die studirende Jugend die Lieb« lingslektürr. Neben dem „Taugenichts", der in kurzer Zeit mehrere Auflagen erlebte, erschienen damals noch seine Tafellieder, sodann die drei Dramen: „Meierbeth'S Glück und Ende (Berlin 1828), „Ezzilin von Romano" (Königsberg 1828) unb der letzte Held von „Marienburg" (Königsberg 1830). Obgleich unser Dichter für das Drama bedeutende Begabung befaß, gebrach es dem Romantiker doch sehr an der dramatischen Kunst resp. an der dramatischen Form. Die Schilderung von Personen und Handlungen find zu verschwom« men, wir vermissen in der Darstellung die scharfe Gliederung und die ausgeprägten Umrisse der einzelnen Scenen und Charaktere; „es fehlt", wie Gottschall sagt, „in der Ausführung alle» energische Gepräge und stören hier die weichen ver- schwimmenden Tinten romantischer Schwärmerei." Wenn deßhalb Eichendorff's Dramen weniger für die Bühne passen, so liegt der Grund hiervon keineswegs im Mangel an dramatischer Auffassung und Begabung des Dichters, sondern in den eben angedeuteten Mängeln, welche die etwas vernach- läfsigte äußere Form dieser Dichtungen zeigen. Eichendorff ist eine zu sehr lyrisch gestimmte Dichternatur. Die Lyrik ist bei ihm so überwältigend, daß sie dem Dichter unmöglich macht, da» feste Gepräge der dramatischen Kunstform zu wahren.
Nach sieben Jahren langer segensreicher Arbeit in Königsberg wurde Eichendorff im Sommer 1831 in da« Kultusministerinm für katholisches- Schul« und Kirchenwesen berufen und verblieb in dieser Stellung dreizehn Jahre. Seine rastlose, fruchtbare Thätigkeit, die er in der Hauptstadt des Landes während dieser langen Zeit übte, war besonder» dahin gerichtet, den Kampf zu schlichten, den die preußische Regierung in jenen Tagen gegen die kath. Kirche heraufbeschworen. Die Akten sind bi» jetzt noch nicht veröffentlicht, welche einen Blick in da» Schaffen und Wirken gestatten, da» der Dichter unter den denkbar schwierigsten Verhältnissen zum Segen der Kirche und de» Staate» in Berlin entfaltete. Wenn auch da» Verhältniß Eichendorff's zu Altenstein mit der Zeit ein recht günstiges geworden ist, und der Minister gegen den Dichter eine große Verehrung an den Tag legte, wenn auch in Folge der Bulle „de salute animarum“ eine geordnete Hierarchie der Kirche in Preußen wiederhergestellt war, so hatte Eichendorff doch bei seiner ganzen AmtSthätigkrit einen beständigen Seelenkampf zu bestehen, bei dem sein katholisches Gewissen und die Forderungen der protestantischen Prinzipien, nach welchem da» preußische Ministerium ausschließlich das Verhältniß der katholischen Kirche zum Staat gestaltet wissen wollte, die beiden streitenden Faktoren waren.
Auch nach der „Konvention" von 1821 glaubte Preußen die katholische Kirche al» eine abgeschlossene Landeskirche beherrschen zu können.
Man suchte in Preußen jetzt, wie früher, die Katholiken allmählig von Rom zu dezentralistren und sie um den preußischm Staat zu zentralisiren und dazu hatte die Berliner Regierung Mittel in Hülle und Fülle zur Hand, und außer auf beit vorhandenen setzte sie ihre Hoffnung auf die immer mehr au« rein protestantischen Elementen sich zusammensetzende geschlossene Beamten-Hirarchie und auf die möglichst genaue Zurichtung de« ganzen Schulwesens nach protestantischem Muster. Die irrige Auffassung der preußischen Regierung, welche die katholische Kirche als einen dem Staate völlig untergeordnten Verwaltungszweig betrachtete, trat Eichendorff, dem katholischen Beamten, in seiner Thättgkeit fortwährend hindernd in bett Weg unb mußte manche Differenzen zwischen ihm und seinen protestantischen Vorgesetzten hervorgerufen haben. Trotzdem empfing der ehrliche, biedere Charakter, der bei allem Widerstande im Kultusministerium die Fahne der katholischen Ueber- zeugung hochhielt, stets die lobendste Anerkennung von Seiten der Regierung. — Die oft sehr ernsten Vorgänge im Kultusministerium zwischen ihm und seinem Chef vermochten aber doch nicht, dte seelen« frohe Gemüthsstimmung de« Dichter« zu stören. Die Sorgen de« Morgen« verscheuchte er, wenn er zu Hause dann zum Griffel griff und Verse wie „Das Rathrkollegium" niederschrieb, in denen er den kleinlichen Sinn der Beamtenwelt in bitter satyrischer Weise geißelte. (Forts, folgt.)
auf die
Fuldaer Zeitung
für das mit dem 1. April beginnende
II. Quartal 1888
Vermischtes.
* Breslau, 14. März. Das Kreisblatt für den Krei« Strehlen enthält eine interessante Verfügung de« dortigen Landraths, betreffend den „Geschäftsverkehr mit dem königlichen Landrathsamte". Nach einigen Vorschriften über die Art des zu benutzenden Papiers, sowie über die Arten der Eingaben rc. heißt es wörtlich in der Verfügung: „Indem ich vorstehende Anordnungen, gegen die noch häufig Verstöße vorkommen, den Nachgeordneten Behörden wiederholt in Erinnerung bringe, kann ich nicht unterlassen, darauf aufmerksam zu machen, daß einzelne dieser Behörden in ihren Berichten und Anzeigen die der vorgesetzten Dienstbehörde gegenüber zu beachtenden Formen vielfach außer Acht lassen. Statt z. B. sich der Worte „Bericht" oder „Anzeige" zu bedienen, werden öfter Redewendungen gebraucht, wie „mit dem Bemerken", „mit dem Erwidern", „mit dem Ersuchen" und bergt., und für das gebührende „gehorsamst" wird „ergebenst" gesetzt, mitunter selbst auch letzteres fortgelaffen. Diese Verletzung der äußeren Form, die, wenn überhaupt, wohl nur vereinzelt absichtlich geschieht, glaube ich im Interesse der dadurch nothwendigen Disziplin länger nicht ungerügt hingehen lassen zu dürfen und spreche die Erwartung aus, daß die nachgenannten Behörden küiiftig hin keinen Anlaß zu solchem Vorgehen mehr geben werden. Der Königliche Landrath v. Lieres."
* Schliemann und Virchow sind nach Ober-Egyp- ten abgereist. Die Nachgrabungen am Ksmleh - Bahnhofe in Alexandrien, welche zu einem eigentlichen Resultate nicht geführt haben, sind, wenn nicht aufgehoben, so doch zunächst unterbrochen. Die unbedeutenden Funde sind an das egyptische Museum in Kairo abgeliefert worden. An der Stelle, an welcher Dr. Schliemann das Grab Alexanders des Großen vermuthet, steht eine Moschee, es können daher daselbst keine Nachgrabungen angestellt werden. Dr. Schliemann sott mit dem Gedanken umgehen, einen Tunnel unter die Moschee zu führen ober biefetbe nach einem amerikanischem System auf bie Seite zu schieben.
§ Der älteste jetzt lebenbeMensch in Deutschland ist jedenfalls der Leibgedinzer Wapniarek in dem Dorfe Hutta bei Gnesen. Derselbe ist, wie sich kürzlich bei einer gerichtlichen Verhandlung herausgestellt hat, nach Ausweis seines Taufzeugniffes im Jahre 1764 geboren. Wapniarek war wegen großer Geistesschwäche nicht mehr vernehmungS- fähig.
[@in Beitrag zur allgemeinen Theuerung. Base: „Ach! Herr Vetter, Sie glauben gar nicht, wie jetzt Alles theuer ist! Man kann gar nichts mehr kaufen; wo man auch hinschaut und fragt — Alles, Alles enorm theuer; — gibt es denn da gar kein Mittel, gar keinen Rath?" — Vetter: „Ja, meine liebe Safe, da ist halt der gute Rath auch theuer."
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■ü* Zum hundertjährigen Gedächtnis Joseph v. Eichendorff's.
(5. Fortsetzung.)
Daß e« für Eichendorff so „anders" kam, hatte er in erster Linie dem Geh. Ober-Regierungsrath Schmedding in Berlin zu verdanken, dem die Prüfung der Examensarbeiten oblag, und der durch die eben erwähnte von großer Gründlichkeit und reifer Auffassung zeugende Prüfungsarbeit Eichen- dorsss auf diesen mit reichen Kenntnissen ausge- statteten Gelehrten und scharfsinnigen Juristen besonder» aufmerksam wurde. Sodann war es das freundschaftliche Verhältniß zwischen unserem Dichter und dem Oberpräsidenten der Provinz, dem Freiherrn Heinrich von Schön, welche« dazu beitrug, daß der gut katholische Eichendorff im Staatsdienste nicht da« Schicksal seiner Glaubensgenossen in gleichem Maße zu theilen hatte. Obgleich von Schön ein Gegner der katholischen Kirche gewesen, gewann er die Person unsere» Dichter» in dem Grade lieb, lernte seine ungewöhnliche Begabung so sehr schätzen, daß er bei seiner Versetzung al» Oberpräsident nach Königsberg in Berlin den dringenden Wunsch aussprach, daß man seinen treuen Freund und tüchtigen Mitarbeiter Eichendorff ebenfalls nach Königsberg vers.tzen möge. Es mag vielleicht dem Minister Altenstein eine Uederwindung gekostet haben, dem katholischen Staatsbeamten eine besondere Anerkennung für feine segensreiche Wirksamkeit zukommen zu lassen, allein die öffentliche Meinung n-thigte ihn dazu. Eichendorff wurde in Danzig bereits zum Regierungsrath ernannt und kam jetzt al« Oberpräsidialrath nach Königsberg, welche Stellung er am 23. September 1824 antrat. Bevor er von Danzig schied, empfing er noch den innigsten Dank de« Bischof» von Ermland, de« Prinzen Joseph von Hohenzollern, wegen seine- entschiedenen Eintretens für die Rechte der Sache Gotte» in einer für Die katholische Kirche Deutschland« so trüben Zeit. In Königsberg, wo seine Stellung eine sehr einflußreiche war, hatte er bei der Regierung die katholischen geistlichen Angelegenheiten zu bearbeiten. Wie in Danzig entwickelte er auch hier eine für Staat und Kirche gleich
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