Einzelbild herunterladen
 

JVo 63

Freitag, den 16. März.

188b

Mm

>ilHug

zu verschaffen suchte. Eichendorff ging nach seiner Verheirathung mit seiner Frau nach Berlin, um dort sich eine Anstellung zu suchen; denn jetzt, wo in Folge der KriegSereigniffe sein Vater fast zum armen Manne geworden, und Joseph auf keine Zuschüsse der Eltern mehr rechnen durfte, waren

Freund Veit in Wien zog mit ihm, und beide , ^-17-11« — —........

traten in das schwarze Freikorps unter Lützow | für ihn, der in Uebeifluß aufgewachsen, harte, ein. Seine große Begeisterung und sein Muth,

bisher ungewohnte Tage gekommen, wo er mit de« Lebens materieller Noth aus's bitterste zu kämpfen hatte. Es ward ihm zeitweise geholfen durch das Honorar, das ihm sein Nürnberger

Die Fuldaer, Zeitung^ erscheint täglich, Sonn- unb Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher AbonnementSpreiS ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 R. 50 Bf. mit der belletristische» Wochenbeilage »Stern« und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

Inserat«: Die einspaltig« Zeil« ober beten Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprecherü>er Rabatt.

apparates und zur Erhöhung der Einkünfte der Beamten, — das ist ein Projekt, welches gewiß in weiten Volkskreisen Anklang finden wird. Den würdigen Schluß des Regierungs-Programms, welches wir natürlich heute nur in aller Kürze würdigen konnten, bildet der edle Ausspruch: „Unbekümmert um den Glanz ruhmbringender Großthaten werde ich zufrieden sein, wenn dereinst von meiner Regierung gesagt werden kann, sie sei meinem Volke wohlthätig, meinem Lande nützlich und dem Reiche ein Segen gewesen."

* Zum hundertjährigen Gedächt­nis Joseph v. Eichendorff's.

(4. Fortsetzung.)

Immer mehr reiste in Eichendorff der Gedanke, seine Kräfte dem allgemeinen Wohle seiner Mit­menschen zu widmen. Mit den Resultaten feinte mchterffchen Genius allein war er nicht zufrieden. Auch die finanziellen Verhältnisse seines Vaters, die in Folge des Krieges sehr geschädigt wurden, miesen den Bräutigam darauf an, eine sichere Er­werbsquelle zu suchen. Preußen konnte in seiner damaligen gedrückten Lage eine solche nicht bieten. Er ging deshalb im Herbste dieses Jahres (1810) mit seinem Bruder nach Wien, unterzog sich dort nöthigen Staatsprüfungen, die er, wie sein Bruder, mit großer Auszeichnung bestand. Wien war damals der Sammelpunkt einer großen An- whl der hervorragendsten Männer, die in kurzer mit dem jungen schlesischen Dichter in das Allste FreundschaftSverhältniß getreten waren, vier dichtete der katholisch gewordene Friedrich m Schlegel mit seiner Gemahlin Dorothea, der geistreichen Tochter Mendelssohn'«, hier wirkte der ?°n Leo XIII. vor wenigen Wochen selig gc- ^/dchene Ordenspriester, der gefeierte Kanzelredner

Maria Hofbauer, hier arbeitete der berühmte Dialer Philipp Veit, hier lebten Theodor Körner,

❖ Das Regierungsprogramm des Kaisers und Königs Friedrich III.

(Schluß.)

Der Erlaß an den Reichskanzler und preu­ßischen Ministerpräsidenten beginnt mit einem I warmen Danke für den langjährigen, bewährten ersten Diener des verewigten Kaisers. An diesen Dank schließt sich unmittelbar eine Darlegung der Regierung-maximen des neuen Kaisers und Königs an. Der erste Eindruck dieses Regierungsprogramm» war für uns ein sehr sympathischer, und wir glauben nicht, daß dieser erste Eindruck durch ein­gehendere Betrachtung eine Abschwächung erfahren wird. Wir sind nicht so thöcicht, einen völligen „Umschwung" in den bisher maßgebenden Re- gierungegrundsätzen zu erwarten oder auch nur zu hoffen und zu wünschen, denn wenn man uns auch im vulgären „nationalen" Jargon zur „Opposition" zählt, so stehen wir doch keineswegs der bisherigen inneren Regierungspolitik in ihrer Gesammtheit feindselig gegenüber; — im Gegen- theil! Unsere Opposition richtete sich im Wesent­lichen gegen Schmälerung der Volksrechte, Gefähr­dung der persönlichen Freiheit und Unabhängig­keit, Verlttzung der religiösen Duldung, allzustarke Belastung des Volke» durch Steuern u. s. w., endlich gegen Ueberwucherung der Bureaukratie. Und gerade über diese und einige andere Punkte spricht sich der Erlaß Friedrich'« III. theil» offen, theil» andeutungsweise in einem Tone aus, der uns wohlthuend berührt und gewisse Vergleiche nahelegt, die wir im gegenwärtigen Augenblick nicht weiter verfolgen wollen. Die Mahnung, alle Erschütterungen der Verfassung und Rechtsord­nung im Reiche und in Preußen möglichst zu ver­meiden, scheint fast darauf hinzudeuten, daß da« jüngste kartellparteiliche Attentat gegen die Ver­fassung und das Wahlrecht im Reiche wie in Preußen nicht die Billigung des Kaiser» gefunden hat. Auch der Passus, wonach die Bestimmungen von Reichs- und Landesverfassung allseitig ge­achtet werden müssen, läßt kaum eine andere Deutung zu. Daß die Erhaltung der Wehrkraft und die vollendete Ausbildung und Organisation von Heer und Marine, letztere auch mit Rücksicht aus den neuen Kolonialbesitz, ganz besonders bc-

mit dem er zum Schwerte griff, spiegelt sich in vielen seiner Gedichte ab, die er während jener Kriegszeit niederschrieb: „Frisch auf, wir wollen

tont wird, versteht sich von selbst. Ein prächtiger Satz ist derjenige, welcher das Prinzip der reli­giösen Duldung im weitesten Sinne ausspricht:

Ich will, baß bet Grundsatz religiöser Duldung auch ferner meine Unterbauen, welcher Religionsgemeinschaft und welchem Bekenntnisse sie auch angehören, zum Schutze gereiche. Ein jeglicher unter ihnen steht meinem Herzen gleich nahe — haben doch alle gleichmäßig in den Tagen ber Gefahr ihre volle Hingebung bewährt.

Wenn man in diesen Sätzen auch keinerlei Spitze gegen die kulturkämpferischen Jrrthümer der Aera Falk und gegen den Antisemitismus entdecken wollte, so wird man doch den Worten des Kaisers vollen und ungeteilten Beifall zollen müssen. Möchten sie allenthalben im deutschen Reiche verstanden und beherzigt werden, möchte unter der Regierung Friedrich'« III. das von Kaiser Wilhelm so vielverheißend begonnene Werk der Wegräumung aller Ueberreste des Kultur­kampfes fortgesetzt und zum schönen Ziele geführt werden, möchte den Versuchen gewisser Kreise, an Stelle des Kulturkampfes einen rein konfessionellen Kampf heraufzubeschwören, nachhaltig entgegenge­treten werben!

Die Wirthschafts- und Sozialpolitik zeichnet der Erlaß in allgemeinen Umrissen, die ein volles Einverständniß mit den Ideen Kaiser Wilhelms bekunden. Sehr zeitgemäß ist sodann die Warnung vor der Halbbildung einerseits und vor der Ver- nachläsfigung der erziehlichen Aufgabe der Schule durch einseitige Erstrebung vermehrten Wissens andererseits, sowie endlich die Mahnung zur Ein- 1 fachheit in der Lebensführung, zur Vermeidung unverhältnißmäßigen Aufwandes im Privat- und öffentlichen Leben.

Hieran schließt sich eine scharf pointirte Auf­forderung zu größtmöglicher Sparsamkeit im Staatshaushalt. Der Geneigtheit zu finanziellen Reformen wird die möglichste Umgehung neuer Lasten und Erleichterung bisheriger Anforderungen entgegengestellt. Bemerkenswerth ist die natürlich zunächst für Preußen aufgeworfene Frage der selbständigen Steuerauflage durch Selbstverwal­tungskörper im Staate; augenscheinlich ist hier die städtische Schlacht- und Mahlsteuer, die Oc- troi-Abgabe gemeint, welche den Einzelnen unver- hältnißmäßig beschwere. Verminderung der Zahl der Angestellten zur Vereinfachung de» Beamten-

Wilhelm v. Humboldt, vom nächsten Jahre an auch Adam Müller, der von Berlin als Professor der Nationalökonomie hierher kam, u. a. m. Mit all diesen trat Joseph v. Eichendorff in intimen Verkehr; hier erweiterte sich sein Gesichtskreis, hier sammelte er sich die reichsten Erfahrungen, hier ward er in kurzer Zeit überall, auch in den höchsten Kreisen, al» hochgeschätzter Dichter der Romantik geliebt und verehrt, und sein Name ward noch allgemeiner gefeiert, als am Ende des Jahres 1812 im Mufen-Almanach: „Deutscher Dichterwald" die schönsten Blumen Eichendorffscher Poesie blühten. Trotzdem dem Dichter im öster­reichischen Staatsdienst die schönsten und sichersten Ausfichsten für seine juristische Laufbahn winkten, verblieb Eichendorff doch nicht in Wien. Die Begeisterung für die Befreiung seine» Vaterlandes ließ ihn in der Ferne nicht mehr ruhen, zumal als der Aufruf des Königs Friedrich Wilhelm III. „An mein Volk" vom 3. Februar 1813 ihm zu Ohren kam. Er zögerte nun keinen Augenblick mehr, dem Rufe seines Königs zu folgen. Sein |

Deutsches Reich.

Berlin, 15. März

* Se. Mas. der Kaiser hat keine besonders gute Nacht gehabt; erst gegen 2 Uhr Nachts kam, wie verlautet, ein erquickender Schlaf über ihn, der allerdings nur bis gegen 3 Uhr anhielt. Dann schlief Se. Majestät gegen Morgen wieder ein und stand daher erst gegen 1/a10 Uhr, aber neu ge­kräftigt, auf. Mit großer Vorliebe weilt der Kai­ser in der Orangerie; heute Vormittag mußte der hohe Herr aber diesem Genuß entsagen, da in Folge der äußerst kalten Nacht die Temperatur der । Orangerie heute Vormittag erst auf 7 Grad ge­stiegen war, während die Aerzte den Aufenthalt dem Kaiser erst bei 12 Grad gestatten. Die schlechte Nacht ist wohl weniger einer Verschlimme­rung des Halsleidens zuzuschreiben als den unge­heueren Anstrengungen, welche die Herrscherpflich- ten dem erlauchten Monarchen auferlegen. Beson­ders der gestrige Tag war überaus anstrengend für den Kaiser.

* Auf dem Wege, den der Trauerkondukt morgen nehmen wird, einst die via triumphalis des nun Entschlafenen, arbeiten fleißige Werkleute an der Ausschmückung. Mächtige Gerüste steigen auf zu den litzten Ehrenpforten, durch welche Kai­ser Wilhelm der Siegreiche ziehen wird, gebettet im engen Schrein und umgeben von der ganzen Pracht des Kaiser- und Königthum» und — was hundert- und tausendmal köstlicher — begleitet von der tiefinnigen Liebe und Verehrung des Volkes, dem es vergönnt war, unter seinem milden Scep- ter zu leben. Die Ausschmückung reicht vom Dom bis zur Siegesallee und ist von den hervorragend- uns schlagen, so Gott will, über'n Rhein, und weiter im fröhlichen Jagen, bi» nach Paris hinein."

Eichendorff gehörte der Freischaar bis zu deren I Auflösung an. Vom Dezember 1813 bis zum Juni des nächsten Jahres lag er mit den Be­satzungstruppen in Torgau, in welcher Zeit ihn die Kriegsereigniffe zur Dichtung einer großen Anzahl von Kriegsliedern veranlaßten, wozu ihm hier in Torgau die schönste Muße geboten war. Nach dem Sturze Napoleons verabschiedete sich Eichendorff im Jahre 1814 von der Armee. Es verdroß ihn, ein thatenlose» Leben hier in Torgau führen zu müssen. Nach Labowitz zurückgekehrl, I führte er im Oktober 1814 seine Braut zum I Altäre, die ihm nun als treue, liebevolle Gattin I und sorgsame Hausfrau ein angenehmes Dasein I