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Montag, den 12. März.

1888

lilhtr W 3cituna.

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Zweites Blatt.

Lebensbild des f Kaisers Wilhelm.

Kaiser Wilhelm war geboren am 22. März 1797. Trübe Schwüle lag über dem preußischen Staate, als an jenem Tage um 3/.2 Uhr der zweite Sohn des damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm in dem Palais dem Zeug­hause gegenüber, welches zur Residenz des preußischen Kronprinzen bestimmt und auch von Friedrich dem Großen bereits bewohnt war, zur Welt kam. Es war „ein präch­tiger kleiner Prinz", wie die Oberhofmeisterin Gräfin Boß in ihrem Tagebuch schreibt, und am 3. April fand die Taufe in Gegenwart der Majestäten, der Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses und der Minister und Generale im kronprinzlichen Palais statt. Vor dem Altar mit brennenden Kerzen stand der Ober-Konsistorialrath Sack, und im Halbkreise umringten denselben mit dem Kronprinzen die Pathen, nämlich: der König Friedrich Wilhelm II und die Königin, die verwittwete Prinzessin Ludwig, Schwester der damaligm Kronprinzessin und später» Königin von Hannover, die beiden noch lebenden Brüder Friedrich's des Großen, die Prinzen Heinrich und Ferdinand von Preußen und deren Gemahlinnen, die Brüder des Kronprinzen, die Prinzen Heinrich und Wilhelm, und die Kurprinzession von Heffen-Kaffel, des Kronprinzen Schwester, die Prinzessin Georg von Heffen- Darmstadt und der Erbprinz Friedrich Wilhelm von Oranien. Vertreten wurden: der Kaiser Paul von Ruß­land, die Kaiserin von Rußland, der Fürst Wilhelm von Rassau-Oranien, der Landgraf von Heffen-Darmstadt und der Landgraf von Heffen-Kaffel. Die Dberhofmeisterin reichte den Täufling dem Könige Friedrich Wilhelm II., der ihn während der Taufhrndlung hielt, in der ihm die Namen: „Friedrich Wilhelm Ludwig" beigelegt wurden mit der Bestimmung, daß er den Namen „Wilhelm" führen solle.

Noch während der frühesten Jugend seines Lebens vollzog sich, am 16. November seines Geburtsjahres, der Thronwechsel, und sein Vater wurde als Friedr ch Wilhelm III. König von Preußen. Wie es im preußischen Königshause Brauch ist, begann früh schon die militärische Erziehung der königlichen Prinzen. Der Kronprinz, der Prinz Wilhelm und ihr Vetter, der Prinz Friedrich, Sohn des verstorbenen Prinzen Louis, erhielten gemein« «den ersten Exerzierunterricht, und zwar in Pois-

rch den Unteroffizier Bennstein vom ersten Bataillon Garde, dagegen in Berlin durch den Feldwebel Clery im Regimente Möllendorf, und der König Friedrich Wilhelm III. verfolgte genau die Fortschritte seiner Söhne und seines Neffen. Zu Weihnachten 1803 erhielten die Prinzen die ersten Uniformen bescheert, und sie präsentirten sich in derselben am h Abend der Königin Luise — Prinz Wilhelm als Ziethen'scher Husar. Neben der militärischen Erziehung wurde indeß die wiflenschaftliche Ausbildung

* Die deutschen Pilger

hatten am 4. März eine zweite Audienz beim h. Vater, worüber wir in Ergänzung unserer früheren kürzeren Nachricht noch Einiges mittheilen wollen. Jeder Pilger konnte den h. Vater aus der Nähe sehen, seine Stimme hören, seine Hand küssen, und Jeder empfing ein Andenken von ihm, näm­lich eine große, in einem eleganten Etui liegende silberne Mebaille mit seinem Bildnisie. Die Pil­ger waren in drei Gruppen aufgestellt. Der h. Vater erschien kurz nach 11 Uhr 30 Min. in den Loggien, die an seine Privatgemächer stoßen und den Loggien Raphaels gegenüber liegen. Dort setzte er sich auf einen Thronsessel nieder, umgeben von zwei Hofprälaten und von Bischof Haffner und Monsignore Doppelbauer, und empfing zu­nächst die an den Pilgerzug theilnehmenden Mit­glieder des Adel«; dann die Vertreter der farben­tragenden kathol. Studentenverbindungen, welche ihm eine schön geschmückte Glückwunsch- adreffe des Kartellverbandes überreichten. Ec legte segnend seine Hand auf die farbigen Brust­bänder und sagte, er ertheile von Herzen allen Mitgliedern der Verbindungen seinen Segen. Als ihm dann Herr v. St ein le aus Frankfurt als Mitglied der Deputation vorgestellt wurde, fragte er sofort nach Janssen, „dem berühmten Histo­riker", und wie c6 mit seiner Gesundheit stehe: „Erzählen Sie mir etwa« von ihm, ich wünschte

der Prinzen von den königlichen Eltern sorgfältig geför­dert. Im August des Jahres 1800 berief der König den Rektor am Pädagogium Unserer lieben Frauen zu Magde­burg, Johann Friedrich Gottlieb Delbrück, zum Erzieher des Kronprinzen und des Prinzen Wilhelm. Der päda­gogischen Thätigkeit Delbrücks verdankten die jungen Prinzen ihre Ausbildung.

Der Krieg mit Frankreich begann. Am 21. und 23. März 1806 ^wohnte Prinz Wilhelm der Revue über die ausmarschirende Armee bei Berlin bei. Das Unglück brach schnell herein, die Katastrophe von Jena und Auerstädt vernichtete die militärische Kraft Preußens, Napoleon triumphirte. Am 18. Oktober hielt es der Gouverneur von Berlin, Graf von der Schulenburg-Kehnert, für noth- roenbig, daß die königlichen Kinder zu ihrer Sicherheit Berlin verließen, und Delbrück begab sich mit seinen fürst­lichen Zöglingen zunächst nach dem Schloß zu Schwedt. Hier traf die Königin mit ihnen zusammen. Sie hatte auf dem Rückwege von der Armee nach Berlin die Un­glücksbotschaft erhalten und mußte nun sogleich vor dem siegreich herandrängenden Feinde fliehen. „Ihr seht mich in Thränen. Ich beweine den Untergang der Armee. Sie hat den Erwartungen des Königs nicht entsprochen," sagte die Königin zu ihren Söhnen. „Ich sehe an einem Tage ein Gebäude zerstört, an dessen Erbauung große Männer zwei Jahrhunderte hindurch gearbeitet haben. Es gibt keinen preußischen Staat, keine preußische Armee, keinen nationalen Ruhm mehr. Ach, meine Söhne, ihr seid in dem Alter, wo euer Verstand die großen Ereignisse, welche uns jetzt Heimsuchen, schon faffen kann. Ruft künftig, wenn euere Mutter nicht mehr lebt, diese unglückliche Stunde in euer Gedächtniß zurück. Werdet Männer und trachtet nach dem Ruhm großer Feldherren und Helden. Würdet ihr diesen Ehrgeiz nicht in euch tragen, so würdet ihr des Namens von preußischen Prinzen und Nachkommen des großen Friedrich unwürdig sein; könnt ihr aber mit aller Anstrengung den niedergebeugten Staat nicht wieder auf­richten, so sucht den Tod, wie ihn der Prinz Louis Ferdinand gesucht hat."

In Schwedt wurde Prinz Wilhelm am 1. Januar 1807 zum Offizier ernannt. Am 3. Oktober desselben Jahres erschien der Prinz zum ersten Male in der Front bei der Spezial-Revue des neu formirten Garde-Bataillons zu Fuß in Memel. Ueberspringen wir 3 Jahre, dis ausgefüllt waren mit Erlebnissen militärisch-dienstlichen Inhalts, so finden wir Prinz Wilhelm am 15. Dezember 1809 auf der Reise von''Königsberg nach Berlin. Sieben Tage später langte man in Freienwalde an, und am 25. Dezember 1809 zog der Prinz mit dem Garde-Regiment zu Fuß durch das Bernauer Thor in Berlin ein. Ein Gedenktag wehmüthigster Art ist der 19. Juli 1810. Prinz Wilhelm stand am Sterbelager der Königin Luise in Hohenzieritz. Aber schwere, ernste Jahre folgten noch. Am 22. Januar 1813 wurde die Residenz nach Breslau verlegt, und zwölf Mo nate später stand Prinz Wilhelm als Kapitän in den Reihen derer, welche den Feldzug gegen Frankreich mit«

sehr, ihn einmal zu sehen." Als ihm bann Herr v. ©leinte einige Mittheilungen gemacht, fuhr er fort: „Grüßen Sie ihn von mir, gehen Sie expreß zu ihm, im Namen des Papstes, um ihn zu grüßen. Nicht wahr, feine Bücher wirken viel Gutes und helfen die Vorurtbeile verscheuchen? Seine ruhige, klare Darstellung, die Mittheilung der wahren geschichtlichen Dokumente muß ja auf­klärend wirken."

In den nächsten Loggien harrten die übrigen Männer aus dem Pilgerzuge der Ankunft Leo XIII. Dieser schritt durch ihre Mitte, in­dem er zuerst denen, die auf der linken Seite knieten, seine Hand zum Kusse reichte, mit Vielen sprechend ober seine Hand auf ihr Haupt legend ober si; väterlich auf bie Wangen streichelnd. „Meine guten Deutschen", wiederholte er oft, und „meine lieben Kinder". Am Ende der Loggien kehrte er um und ging in derselben Weise an Denen vorüber, die rechts knieten. Es war rührend zu sehen, wie vielen Männern die Thränen über die Wangen liefen, da sie den h. Vater so nahe bei sich hatten und seine Hand fassen konnten und von ihm wie Kinder behandelt wurden. Als er an Allen vorbeigegangen war, wandte er sich um und gab den apostolischen Segen. Nun wurde „Großer Gott, wir loben Dich" angestimmt, und der h. Vater setzte sich nieder und hörte sreudig und den Takt schlagend zu, bis die zweite Strophe vollendet war. Dann sagte er zu seiner Um­

machten. Am 1. Januar 1814 stand der junge Prinz im Gefecht von Mannheim; am 1. Februar in der Schlacht bei Brienne; am 2. Februar im Gefecht bei Rosnay und am 27. Februar im Gefecht bei Bar-sur-Aube. Im Haupt­quartier von Chaumont empfing Prinz Wilhelm das wohl­verdiente eiserne Kreuz zweiter^Klafse. Aber der Krieg tobte weiter. Prinz Wilhelm war am 20. und 21. März 1814 in der Schlacht bei Arcis-sur-Aube; am 25. März im Gefecht bei La Före-Champenoise; am 30. März in der Schlacht bei Paris und am 31. März 1814 hielt Prinz Wilhelm seinen Einzug in Paris, wo er im Bötel de la legten d’honneur Wohnung bezog. Am 30. Mai desselben Jahres erhielt er das aus Paris, 3. April, da- tirte Majorspatent. Am 3. August erhielt Prinz Wilhelm die Kriegsdenkmünze für 1814 und zog dann am 7. August mit der Garde in Berlin durch das Brandenburger Thor ein, auf welchem die wiedereroberte Viktoria enthüllt wurde. Nachdem der Prinz bei der Parade der Garde­truppen mit dem eisernen Kreuz in den Fahnenspitzen am 1. Juni das Füsilier-Bataillon des 1. Garde-Regiments geführt halte, fand am 8. desselben Monats seine Konfir­mation in der Schloßkirche zu Charlottenburg statt. Der Prinz verfaßte selbst ein Glaubensbekenntniß, das er in Gegenwart des ganzen k. Hofes vor dem Oberhofprediger Ehrenberg an jenem Tage ablegte. „Mein fürstlicher Stand", so gelobte der Prinz Wilhelm am 8. Ium 1815, „soll mich immer an die größeren Berpflichtungen, die er mir auflegt, und an die größeren Versuchungen, mit denen ich zu kämpfen habe, erinnern. Ich will es nie vergessen, daß der Fürst auch Mensch ist, daß dieselben Gesetze, welche auf Andere gelten, auch ihm vorgeschrieben sind, und daß er wie die Anderen einst über sein Verhalten wird gerichtet werden. Bei allem Guten, welches mir zu Theil wird, will ich dankbar auf Gott blicken, und bei allen Nebeln, die mich treffen, will ich mich Gott unter­werfen, fest überzeugt, daß er überall mein Bestes beab­sichtigt. Meine Kräfte gehören der Welt, dem Vaterlande. Ich will daher unablässig in dem mir angewiesenen Kreise thätig fein, meine Zeit auf das Beste anwenden und so viel Gutes stiften, als in meinem Vermögen steht. Ich will ein aufrichtiges, herzliches Wohlwollen gegen alle Menschen, auch gegen bie Geringsten — benn sie sind meine Brüder — bei mir erhalten und beleben. Ich will Alles aufbieten, daß das Werk der Heuchelei und Bosheit zerstört und das Schlechte und Schändliche der Verachtung preisgegeben werde. Nie will ich das Gute vergessen, das mir von Menschen ist erwiesen worden; mein ganzes Leben sollen die mir werth bleiben, die sich um mich verdient gemacht haben. Ich will dem Glauben der Christen, für den ich mich in diesen Tagen bekenne, immer getreu bleiben, ihn jeder Zeit in Ehren halten und mein Herz immer mehr für ihn zu erwärmen suchen. Dem höchsten Wesen bin ich bie tiefste Ehrfurcht schulbig; ich will sie meinem Herzen bewahren, in meinen Worten unb Werken blicken lassen. Auf Gott will ich unerschütterlich ver­trauen, ihm Alles anheimstellen unb mir im Glauben an

gebung: „Wie schön unb majestätisch ba« klingt, es ist wirklich erhaben unb großartig; es hat mir sehr gut gefallen." Im nächsten Saale, gewöhn­lich Schweizersaal ober Sala Clementina genannt, harrten seiner ber Klerus unb bie Damen bes Pilgerzuges. Auch an bissen ging er in gleicher Weise vorüber, gütig einige Worte sagend, sie segnend unb den Ring seiner Hanb zum Kusse reichend. Zum Schlüsse stimmte man auch in diesem Saale das „Großer Gott, wir loben Dich" an, und der h. Vater hörte wieder zu, bis man zwei Strophen gesungen hatte. Dann segnete er alle Rosenkränze und Medaillen. Als er den Saal verließ, wurde „O Sanctissima“ an­gestimmt. Er war indessen beinahe l*/2 Uhr geworden.

An demselben Tage fand dann auch die letzte Versammlung oer deutschen Pilger, die in der jüngsten Zeit sich des schönsten Wetters für die Besichtigung der ewigen Stadt und ihrer christlichen Denkmale erfreuten, statt. Bischof Dr. Haffner toastirte dabei auf den Papst und das deutsche Äomite; v. Steinle auf Bischof Dr. Haffner, dieser noch auf das katholische Deutschland. Mgr. de Waal pries die dies­jährige Wallfahrt. Mgr. Doppelbauer warf einen Rückblick auf die schönen Tage in Rom, für bie man Gott Dank schulde. Er wünschte den Pilgern eine glückliche Reise, unb Dr. Haffner ertheilte ihnen ben bischöflichen Segen.