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M 58.

Sonnabend, den 10. März.

1888

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Di« Fuldaer, &«ttung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertag« aulgenommen. Vierteljährlicher LbonnemeMsprei« ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 ®. 50 Pf., mit der belletristischen WochenbeUage .Stern« und Blumen' in Fulda 1 R. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

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Alldentschland in Trauer

(Nachdruck nur mit Quellenangabe gestattet.)

Das

ganze Erdenrund mit Ehrfurcht nennt.

Und Und Wie Als Als

daß in Eintracht wir jetzt um ihn steh'n, daß er ruhen kann in freier Erde?

selig wird er bei den Vätern ruh'n ruhmgekrönter Enkel großer Ahnen, einer edlen Mutter edler Sohn,

Welch' klagevollen Laut vernimmt die Welt, Daß wie gebannt durch eines Zaubers Macht Erschüttert chm die Millionen lauschen? Daß jedes Menschenherz bewältigt wird Von stillem Trennungsleid und tiefer Trauer? „Der Kaiser ist gestorben", — Kaiser Wilhelm, Der Landesvater, Deutschlands Stolz und Zierde, Der Liebling seines Volkes, dessen Namen

Das greise Haupt, um das wir Kränze flochten, Ruht sanft und friedlich auf dem Sterbekisfen, Im Tode noch umstrahlt von Gottes Segen. Wer kann mit Worten sagen, was wir fühlen, Wo Sterblichkeit und Himmel sich berühren, Und vor der Ewigkeit wir zitternd steh'n? Da gibt's nur ein besel'gendes Empfinden: Daß unser Sein ein ehrenvolles war.

Und Kaiser Wilhelm! — Nicht wie Fürsten sterben, In äußerlichem Glanz die Welt verlassend, Er starb wie Einer, dem in karger Hütte Der Seinen Liebe all' sein Reichthum ist. — Trotz aller Lust und Pracht des Herrscherthrones Galt Menschenwürde ihm und Bürgertugend Als eines Fürstenhauses Schmuck und Ehre. D'rum fließt ihm ungeheuchelt manche Thräne, Die schöner glänzt auf eines Fürsten Sarg Als alle Zier von Gold und Ruhmeszeichen. Es war ein Menschenleben voll und ganz, Und dennoch ist so schmerzlich uns — das Scheiden. Sein Name klingt wie eine schöne Sage Von neu erstand'ner deutscher Macht und Größe; Sein Bildniß gilt uns als des Kaisers Bild, Der sich verzaubert hielt im unterird'schen Schlosse Und neu erschuf des Reiches Herrlichkeit.

Fulda, den 10. März 1888.

In Wort und Lied aus Dankbarkeit und Liebe Dem treuen deutschen Volke unvergeßlich! Wir aber wollen fest und treu bewahren, Was Kaiser Wilhelm uns, der Siegesreiche, Errungen hat und anvertraut als Erbtheil: Den ehrenvollen Klang des deutschen Namens! — „Wir wollen sein ein einig Volk von Prüdern, In keiner Noth uns trennen und Gefahr!" Sein Beispiel stärke und belehre uns In Allem, was uns frei und glücklich macht. Sein Segen ruhe auf dem Vaterlande Und auf dem Haupte dessen, der hinfort Die goldne Last der Krone tragen wird. — Des tobten Kaisers thatenreiches Leben Es war als wie ein heißer, langer Tag, Der Abend voll von Blitz und Wetterwolken. Nun kommt in ihrem Schattenflor — die Nacht, Die todtenstille, düstre, bange Nacht.

Das weite deutsche Land liegt schmerzbefangen, — Zu neuem Tagewerk die Kräfte sammelnd, Bis fern im Osten mit dem Goldgeschmeide Die Sonne wiederkehrt — und strahlend leuchtet!

v.

Seit langer Zeit — zum ersten Male wieder Läßt Deutschland seine Glocken feierlich Zusammenklingen um dm Tod des — Kaisers. Wem pocht da nicht an's Herz der Ruf: „Seid einig!" Und scheint es nicht, als schlummerte der Kaiser So sanft und lieblich, weil er weiß, — daß wir Durch ihn geworden sind ein Volk von Brüdern,

* lieber die lebten Stunden des Kaiser Wilhelm

wird uns aus Berlin als ganz zuverlässig folgen­des Nähere berichtet:

Zunächst ist cs völlig unrichtig, daß der Kaiser einen Ohnmachtsanfall gehabt habe. Er verfiel nur einige Male in einen tiefen Schlummer. Um 5 Uhr Nachmittags fitz'.e der Puls aus. Die Aerzte waren in äußerster Besorgniß und glaubten an die bereits eingetretene oder doch nahe bevorstehende Katastrophe, bald jedoch stellte sich der Puls wieder ein. Nunmehr sprach Ober- hosprediger Kögel ein Gebet, welches sich zumeist aus Bibelworten zusammensitzte und da» der Kaiser wiederholt mit den Zwischenrufen: „Richtig !" und „Gut!" unterbrach. Auf eine Anfrage der Frau Großherzogin von Baden, ob der Kaiser die Worte de» Geistlichen vernommen, antwortete

derselbe bejahend. Der Kaiser zeigte sich nach Einnahme einiger Erfrischungen sehr gesprächig. Ec sprach mit dem Prinzen Wilhelm — wahr­scheinlich anknüpfend an ein Gespräch, welches er mit demselben in den letzten Tagen hatte — mit klarer Stimme eingehend über die politische Lage und die HeereSeinrichtungen Deutschlands, er er­wähnte, daß man das, was er für das Heer ge- schaffen habe, in Frankreich nachgeahmt hätte, dann verbreitete er sich über Rußland und betonte, wie er davon überzeugt sei, daß eS zu einem Kriege mit Rußland nicht kommen würde. Die Frau Großherzogin von Baden richtete darauf die Bitte an den Kaiser, sich durch zu vieles Sprechen nicht zu ermüden, worauf der Kaiser antwortete: „Ich habe nicht mehr Zeit, müde zu sein." Bald darauf verfiel der Kaiser indessen wieder in einen Schlummer. Au» demselben erwachte er gegen 8 Uhr, verließ das Bett, kleidete sich an und wieder

aus, wobei Niemand ihm behülflich sein durfte. Dann legte er sich nieder und hatte während der Nacht noch mehrere ruhige Stunden, während welcher ihm auf sein Verlangen Champagner ge­reicht wurde. Erst gegen 4 Uhr trat der Ver­fall der Kräfte ein, sodaß man sich genöthigt sah, nach dem Fürsten Bismarck und dem Grafen Moltke und nochmals nach dem Oberhofprediger Kögel zu fchick-n. Fürst Bismarck und Graf Mollke verließen das Palais gegen 7 Uhr. Die gesammte kaiserliche Familie blieb im Palais ver­sammelt und war auch in der Sterbestunde an­wesend, und außer ihr der Herzog von Ratibor und Graf Otto zu Stollberg-Wernigerode, welcher als Hausminister fungut. Kurz vor dem Eintritt des Todes sprach der Oberhofprediger Kögel einen Segen, welcher in den Vers ausklang: „Auf der Welt herrscht die Angst, aber sei getrost, ich habe die Welt überwunden." Nach dem eingetretenen