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M 57.

Frettag, den 9. März.

1888

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Jritnng.

Die Fuldaer, Zeitung «scheint täglich. Sonn« und Feiertage auggenommen. Vierteljährlicher Lbonnementipreil ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 R. 50 Pf^ mit d« belletristischen Wochenbeilage »Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

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♦ Die Hauptsache bei der Debatte über den Knttnsetat

nicht in den Hintergrund drängen zu [affen, muß unsere angelegentliche Sorge sein. Die Frage der Besoldungen und Zuschüsse für Geistliche, zu welcher eine Unzahl von Anträgen eingegangen war, ist ja sehr interessant und wichtig, und die Verwen­dung der „Sperrfonds", die Ausschüttung der Zwangssparkaffe unserer Geistlichkeit, interesfirt uns in noch höherem Maße. Aber unendlich hoch über aff' diesen Geldsachen und Emzelheiten, so bedeutsam fie auch sein mögen, steht uns die große entscheidende Frage: Wie soll nun endgiltig und dauernd die Gesetzgebung beschaffen sein, von welcher die Entwickelung der katholischen Kirche in Preußen, soweit menschliche Faktoren sie be­einflussen können, in so hohem Grade abhängig ist?

Die Regierung ist über die Reden unserer Führer, soweit fie diese Hauptsache betrafen, mit einem vagen Hinweis auf die Verhandlungen mit Rom hinweggegangen. Der Ausgang von Verhand­lungen zwischen den zwei Mädchen hängt aber leider nicht allein vom Papste ab, zu dem alle Katholiken mit vertrauensvoller Ehrfurcht emporblicken, fonbent auch von dem guten Willen und dem Eifer der Regierung, und ee ist das gute Recht und die Pflicht der Volksvertreter, in dieser Hinsicht anregend auf die Minister zu wirken. Die Presse hat ebenfalls das Recht und die Pflicht, vor denen, welche die Geschicke des Lande« leiten, Zeugniß abzulegen von den Ge­fühlen und Wünschen der betheiligtm Bevölkerung.

Infolgedessen muß immer von neuem konstatirt werden, daß in der katholischen Bevölkerung Miß­stimmung und Mißtrauen wachsen int Berhältniß zu der Länge der Zeit, welche verstreicht, ohne daß zu der in Aussicht gestellten endgültigen, abschließenden Revision von Seiten der Staats­regierung Anstalten getroffen werden. Die Art und Weise, wie man jetzt über diese Kernfrage kurz und schnell hinweggeht, verstärkt die Stellung derjenigen, welche von vornherein eine „Versum­pfung" befürchtet haben.

Die Zustimmung de» hl. Stuhles zu der letzten kirchenpolttischen Novelle ist nur unter der Bedin­gung ertheilt worden, daß noch eine weitere, abschließende Friedensarbeit folgen, daß ins­besondere über das vorläufig unbestimmt gestaltete Einspruchsrecht, namentlich was die Gründe

Phnuiknlt md Uamickerlc.

(Schluß.)

Inzwischen schaute sich Mannuckerle nach neuen Genüssen um. Wieder stützte er sich auf sein Händchen, brachte auch da» andere Händchen auf den Boden, drehte den Ünterkörper langsam herum Und stand nunmehr in Marschpositur auf allen vieren; unternehmungslustig hob er fein Näschen und setzte sich in Bewegung, während Mannickerle fein Schürzchen mit den Zähnen faßte und bereit war, zu zerren ober sich zerren zu lassen. Der Zug ging zunächst nur fünf Schritte weit; da stand im Winkel be» Buschwerks die grüne, lang- haifige Gießkanne — ich konnte von oben herab das Wasser in ihrem dunklen Bauche glttzern sehen. Mannuckerle'» Näschen drehte sich nach ihr hin, der übrige Körper folgte, der Hund zog munter an der Schürze, und bald waren sie an» gelangt. Ich hob hie Pfeife — zu spät, es war schon geschehen, aber der kleine Mensch hatte einen glücklichen Tag: er faßte nicht den Körper der Gießkanne, um sich daran aufzurichten, sondern ihren Hals; infolgedessen goß er ihren Inhalt uicht sich selber, sondern seinem vierbeinigen

de» Einspruch», sowie die Erledigung der etwa auftretenden Meinung» - Verschiedenheiten betrifft, eine endgültige Vereinbarung getroffen werden solle. Im letzten Sommer meldete die ,Schief. Volks­zeitung^, daß die Regierung in Sachen der Ein- spruchsgründe soweit nachgegeben habe, al« ein Antrag Kopp zum Schutze der staatsbürgerlichen und bürgerlichen Rechte der Geistlichen gefordert hatte. Eine Verwirklichung diese« Zugeständnisses durch Anweisung an die betreffenden Provinzial­behörden ist nicht bekannt geworden. Tiefe Stille und dicke« Dunkel ring» umher!

Inzwischen machte man gelegentlich bekannt, daß in so und soviel Fällen von Pfarrer-An­stellungen kein staatlicher Einspruch erfolgt sei. Diese Thatsache mag in allen Ehren gehalten werden — aber liegt darin eine Garantie für die Allgemeinheit und für die Zukunft? Selbst derjenige, welcher den gegenwärtigen Ministerium sein Herz geschenkt hat, wird zuge­stehen müssen, daß er über den Charakter de» künftigen Ministerium« nicht« Sicheres weiß, daß in Preußen auch einmal wieder eine Falk'sche Aera der halbliberalen Kulturkämpfer kommen oder gar Leute vom „Evangelischen Bunde" an die Führung der Geschäfte und damit an die Handhabung de» Einspruchsrechte», sowie der sonstigen Macht- und Kampfmittel gegenüber der katholischen Kirche gelangen können. Daher muß jeder Freund de» Rechte» und de» Frieden» die Forderungen nach fester, klarer, end- gültiger Regelung der fraglichen Verhältnisse erheben.

Es bedarf nur eine» dahin gehenden Ent­schlusses des Staatsministerium», so ist die Vereinbarung mit dem friedliebenden Hell. Stuhle alsbald erfolgt und die Zustimmung der Landervertretung schnell eingeholt. Da» Centrum wird nicht müde werden, in diesem Sinne Wünsche und Anträge an die Staatsregierung zu richten. Eine „moralische Verjährung" dieser Forderung einer abschließenden Revision wird da» katholische Volk zu verhindern wiffen. Dazu werden wir al» preußische Staatsbürger durch unser Jntereffe für da» Wohl de» Lande» veranlaßt, und al» Katholiken durch da» Bewußtsein, daß wir jenen „wahren, soliden und dauerhaften Frieden" anstreben, welchen Papst Leo selbst al» da» Ziel feiner Bemühungen bezeichnet hat.

Kameraden über den Leib. Der stieß vor Schreck einen quiekenden Laut au», schüttelte sich eifrig, wälzte sich am Boden und rieb den Rest von Wasser und Erde, den er im Pilz trug, an Mannuckerle'» Kleidern ab. Letzterer bekam dadurch ein ziemlich feldzug-mäßige» Ansehen, blieb übrigen» fitzen, wo er hingeplumpst war, zauste seinen Freund am Fell, und beide waren höchst vergnügt.

Da raschelte e» hinter dem Ziergesträuch; eine Katze war von irgend einer Mauer herabgesprungen. Hurtig wie der Blch war Mannickerle hinterdrein, mit Kläffen unb Saufen ging die Jagd über Rasen und Weg an ber Küche vorbei, unb der Feind wurde siegreich über die Grenze, b. h. über bie Gartenmauer, geschlagen. Bei dem Lärm würbe ber Professor benn doch auf gerüttelt und hob den gedankenvollen Kopf. Mit dem ersten Blick sah er die Katzenjagd, mit dem zweiten feinen Sprößltng, ber ruhig im Grase saß, mit bem dritten nahm er wahr, wie bie vorerwähnte grüne Raupe ihm in'» Tintenfaß fiel — e» war ihr nach langer Anstrengung gelungen, sich über ben Rand be» Glase« zu schwingen. Er fischte fie kopsschüttelnb heran», schleuberte fie in'» Weite, machte babei einen Klecks auf sein Manuskript unb war für bie

Deutsche- Reich.

Berlin. 8. März.

* Int heutigen .Reichs- unb Staatsanzeiger' liest man Folgenbe»:

Da« .Reichs-Gesetzblatt' veröffentlicht heute in einer besonderen Ausgabe folgenden Allerhöch­sten Erlaß:

In Betracht ber Wechselfälle Meiner Gesund­heit, welche Mich vorübergehend zur Enthaltung von Geschäften nöthigen, und in Betracht ber Krankheit unb verlängerten Abwesenheit Meine» Sohne», be» Kronprinzen Kaiserliche unb König­liche Hoheit, beauftrage ich Ew. Königliche Hoheit in allen Fällen, wo Ich einer Vertretung in ben laufenben Regierungsgeschäften unb namentlich in ber Unterzeichnung von Ordres zu bedürfen glau­ben werde, mit dieser Vertretung, ohne daß e» für bie einzeln« Fälle einer jedesmaligen beson­deren Ordre bedarf.

Abschrift dieser Ordre habe Ich dem Staats- Ministerium, dem Militärkabinet, bem Civilkabinet unb bem Ministerium Meine» Hause» mitgetheilt.

Berlin, ben 17. November 1887.

Wilhelm.

von Bismarck.

An bee Prinzen Wilhelm Königliche Hoheit.

Die „Preußische Gesetz - Sammlung" publizirt denselben Allerhöchsten Erlaß unb außerdem bie nachstehend Ordre an ba» Staats-Ministerium:

Ich habe heute bezüglich Meiner Vertretung in ben Fällen, wo Ich einer solchen zu bebürfen glau­ben werbe, an Se. Königliche Hoheit ben Prinzen Wilhelm bie Ocbre gerichtet, bereu Abschrift Ich Ihnen zur Kenntnißnahme unb Nachachtung hier­bei mittheile.

Berlin, ben 17. November 1887.

Wilhelm.

von Bismarck. An ba» Staats-Ministerium.

nächsten Minuten von ber Reinigung seines Papier» in Anspruch genommen.

Mannickerle aber blieb du». Der Kater war längst vertrieben; aber ber Hunb kam nicht wie­der; seinem zurückgebliebenen Kameraden wurde die Zeit lang. Da stemmte er wieder erst ein Händ­chen auf den Boden, hierauf da» andere und setzte stch in Marsch ; es kann nicht verschwiegen werden, daß er babei mit feinen Beuten eine sichtbare Furche in ben Schlammstreifen der umgefallenen Gißkanne grub. Das hinderte ihn aber nicht, tenax propositi steuerte er geradeaus bi« an ba« Ende be« Buschwerk», wandte fein Näschen nach rechts unb erspähte, wie Mannickerle mit hochge­zogenen Ohren an bem Tischchen vor ber Küche emporschnüffelte. Also machte auch er eine Schwen- üng, schwerfällig, aber mit Erfolg, unb kroch bort »müder. Unb bann strebten fie beibe an den Tisch- )einen in die Höhe. — Soll ich zur Pfiffe grei- en? Nein, die Babette ist eine anständige Köchin, wenn fie einen Kirschenkuchen backt, so find die kuschen auSgekernt; abgekühlt ist er j tzt auch, also assen wir bie Sache sich ruhig entwickeln. — Mannickerle arbeitete vergeblich, seine kurzen Vor- berbeine reichten nicht hoch genug; ber kleine Mensch