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M 56.

Donnerstag, den 8. März.

1888

Jilhtr W Jritni.

Die Fuldaer, Bettung4 erscheint täglich, 6otm» und Feiertage ausgenommen. Bierteljährlicher «bonnementSprei« ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 A. 50 Vf mit bet belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen4 in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf.

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Deutsche- Reich.

Berlin, 7. März.

* Der .Reichsanzeiger4 veröffentlicht an der Spitze des amtlichen Theiles folgende Mittheilung: „Bei Sr. Maj. dem Kaiser und König haben sich zu den, seit Sonnabend, den 3. d. M., vor-" handenen allgemeinen Erkältungserscheinungen, welche mit einer Affektion der Halsschleimhaut und Reizung der Augenlid-Bindehaut verbunden waren, in den nächstfolgenden Tagen öfters ein­tretende schmerzhafte Unterleibsbeschwerden gesellt. Seit gestern hat sich auch der Appetit wesentlich vermindert. In Folge dessen ist eine merkliche Abnahme der Kräfte eingetreten." — Ueber das Befinden des Kronprinzen veröffentlicht der ,Reichsanzeiger4 heute folgendes amtltcde Bulletin: „San Remo, 7.März, 9 Uhr 55 M. Vorm. Se. Hoheit der Kronprinz hielt Höchststch gestern mehrere Stunden im Gatten auf. Der Schlaf war wieder gut, im Uebttgen wie früher. Mackenzie. Schrader. Krause. Hovell. von Bergmann. Bramann.

* Der Reichstag, in welchem Abg. Dr. Kohle (frs.) eingetreten ist, erledigte in erster Lesung den Entwurf über die Auslegung des Gesetzes be­treffend die Einführung des deutschen Strafgesetz­buches in Elsaß - Lothringen. Von einer Kom­missionsverweisung wurde abgesehen, die zweite Berathung findet demgemäß direkt im Plenum statt. Die Vorlage betr. den Reingewinn aus kriegsgeschichtlichen Werken des großen General­stabes , sowie betr. die Aufführung der inter­nationalen Literarkonvention wurden in erster und zweiter Lesung debattelos angenommen, der Nach­tragsetat betr. strategische Bahnen im Osten wurde der Budgetkommission zur schleunigen Berathung überwiesen. Der Gesetzentwurf betr. die unter Ausschluß der O.ffentltchkeit statifindenden Ge­richtsverhandlungen wurde in dritter Lesung de­finitiv angenommen. Der Gesetzentwurf betr. Ver- fchärfung der Sonntagsruhe, wurde ebenfalls in dritter Lesung angenommen, ebenso der Antrag betr. die Entschädigung unschuldig Verurtheilter. Zum Schluß wurden die Wahlen der Abgg. Dammes und Bösen (nat.-lib.) für gütig er­klärt. Morgen 3. Berathung der Etats. Der Schluß der Reichstagssession wird am 10. März statlfinden.

* Im Abgeordnetenhause wurde heute die zweite Berathung des Kultusetats fort-

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Sie waren zusammen etwa zwei Jahre alt, beide rund, beide dick, und beide liefen auf allen Vieren, aber nur einer aus Beruf; denn Man- nuckerle war ein kleiner Mensch und Mannickerle ein kleiner Hund. Sie gehörten meinem Nachbar, dem Professor, und vom Fenster meines Arveits- zimmers aus, welches auf seinen Garten ging, hatte ich sie auftauchen und anwachsen sehen. Erst erschien Mannuckerle als weißes Bündel auf weib- lichen Armen, oder als schlafendes Fleischklümpchen hinter den blauen Vorhängen seines Wagens; nach etwa einem Jahre kam Mannickerle dazu, als geld­liches Wollknäuel, das sich auf vier Stummelsüßen plump und vergnüglich tummelte. Der Papa förderte ihr Zusammenleben auf jede Weise; er sagte „unsere Kleinen44, rmnn er von ihnen sprach; die junge Frau war im Anfänge innerlich empört darüber, daß ihr Goldkind mit dem Hunde auf gleichem Fuße benamst und behandelt werden sollte, aber wes konnte sie machen? Der Professor I Hatte seine eigene, gutmüthig ironische Art, feine Auffassung durchzusetzen, und es blieb dabei: wie ste ihren jungen Mannuckerle, so taufte er seinen '

gefitzt und 'zwar bei dem Kapitel Universitäten. Zum Etatstitel der Universität Göttingen wurde vom Abgeordneten Lubrecht die Verwendung des zu geistlichen Fonds bestimmten Hannoverschen Klosterfonds für die Göttinger Universität zur Sprache gebracht. Auch Abg. Dr. Windthorst tadelte e», daß aus den vermehrten Einnahmen des Klosterfond» die Göttinger Universität bevor­zugt werde, statt daß die Staatskasse größere Bei­träge zu den nichttheologischen Verwendungszwecken liefere. Redner lenkte dann die Aufmerksamkeit des Hauses und des Minister« auf die bekannte Festrede des Prorektors Ritfchl bei der vorig­jährigen Säkularfeier der Göttinger Universität. Eine solche Rede als Polemik und Parteimani­festation fei mindestens eine Rücksichtslosigkeit. Hoffentlich beuge der Minister für künftige Fälle Derartigem vor. Der anwesende Herr Kultus­minister schwieg zu diesen Ausführungen. Ein späterer Versuch des Abg. Dr. Mithoff, seine Kollegen von der Göttinger Universität damit zu vertheidigen, daß es sich hier um eine wissenschaft­liche Darstellung des Prorektors Ritfchl handle, mißglückte vollständig. Abg. Dr. Windthorst ver­wies in dieser Beziehung auf die vortreffliche und gründliche Widerlegung, welche die Ritschl'sche Festrede seitens des Herrn Prof. Dr. Freiherr v. Hertling gefunden hat, und betonte nochmals, daß es eine Taktlosigkeit fei, wenn ein Professor als Rektor an solcher Stelle und unter solchen Verhältnissen eine offizielle Rede hält und darin einen Angriff gegen eine ganze Reihe von Zuhörern erhebt, die nicht antworten können. Vom Abg. v. Meyer-Arnewalde wurde die Frage der Kolle- giengelber, des Unfleiße» der Studenten und de» Promotionswesens angeregt, worüber eine längere Debatte geführt wurde, an ter sich auch der Abg, Dr. Windthorst zu wiederholten Malen betheiligte. Beim Kapitel höhere« Schulwesen regte Abg. Dr. Langerhan« auch die Zulassung der Realschul- abituttenten zum Univetsitätsstudium an. Minister v. Goßler wies diese Forderung unter Hinweis auf die Ueberfüllung in allen gelehrten Berufen zurück. Die Ausgaben für die Universitäten und höheren Lehranstalten wurden genehmigt. Beim Kapitel Elementarschulwesen wurde die Weiter- berathung auf morgen vertagt.

* Die Budget - Kommission der Abgeordneten­hauses, an welche am Samstag alle zu der Etats­position für Aufbesserung der äußern Lage

Hund Mannickerle. Und den beiden Kleinen war es recht; sie hielten treulich zusammen von den ersten Tagen ihrer Bekanntschaft an. Trug eine Frau den Knaben auf dem Arme, so konnte man sicher sein, daß Mannickerle an ihrem Kleide zer­rend sich mitschleifen li.ß, und wurde der Hund aus Gründen der Sicherheit oder der Bcquemlich- feit in die Küche gesperrt, so stimmte Mannuckerle kräftigst in das Geheul seines Freundes ein, bis beide wieder vereinigt waren. Sie theilten mit­einander, was sie hatten; Mannickerle bekam feine Prozente, wenn fein Freund ein Bisquit aß, und er zeigte sich feinerfeit« erkenntlich; einmal brachte er zwei Koteletteknochen, die er — der Himmel weiß wo — ergattert hatte, und trug sie getreu­lich auf den Teppich, wo fein Bundesbruder auf ihn wartete, dieser nahm den einen, er selber den andern und beide waren fröhlich am Nagen, al« die Frau vom Hause dazukam — iq höre noch den mütterlichen Schreckensschrei und Man- nuckerles Protest gegen die nachfolgende Mund- waschung.

Es war schöner, warmer Sommer. Der Pro­fessor kam mit Tinte und Papier, setzte sich an den Tisch unter der dichtbelaubten Kastanie, nahm

der Geistlichen gestellten Anträge verwiesen wurden, hat gestern hierüber berathen und ist zu dem Beschlüsse gelangt, diese Anträge fämmtlich abzulehnen. Angenommen wurden die Etatrsätze und folgender Antrag Brüel: „Das Haus möge die Staatsregierung ersuchen, für die Verwendung des Fonds in Kap. 124, Titel 5 des Etats (4,000,000 Mk. zur Besserung der äußern Lage der Geistlichen) zu Alterszulagen feste Grundsätze im nächsten Etat durch einen Vermerk zum Aus­druck zu bringen."

* Karlsruhe, 6. März. Am Montag wird die Berathung der kirchen-politischen Vor­lage statlfinden, worauf eine Vertagung der Kammer bis nach Ostern eintreten dürfte.

Ausland.

* Die Kundgebung des österreichischen Episkopats in der Schulfrage wird wohl in der nächsten Zeit erfolgen. In Wien find einer Privatmeldung der ,Vofl. Ztg.4 zufolge fämmt- liche cisleithanifchen Bischöfe versammelt, um Schritte zur Unterstützung des Liettenstein'schen Schulantrages zu berathen. Wie verlautet, beabsichtigen sie eine Deputation an den Kaiser zu entsenden und eine Eingabe an das Ministerium zu richten. Der Liechtenstein'sche Antrag gelangt nun bestimmt vor den Osteiferien zur ersten Lesung im Abgeordnetenhause, nachdem es gelun­gen ist, alle Gruppen der Rechten dafür zu ge­winnen, den Antrag an den Schul ausschuß zu verweisen. Wenn sich bis zur entscheidenden Stunde die Meinungen nicht noch ändern, so ist dem Fürsten Liechtenstein der erste Erfolg sicher.

* Dem Drängen Rußlands nachgebend hat die Pforte, ohne einen Collektivschritt der Mächte zu erwarten, die Anwesenheit des Ko- burgers in Bulgarien für ungesetzlich erklärt. Sie hat das sehr bezeichnend in der einfachsten Form gethan — durch eine telegraphische Mit- theilung an die bulgarische Regierung, gerade als ob sie wünsche, sich der lästigen Ausgabe möglichst bald zu entledigen. Was Fürst Ferdinand zu dieser Erklärung sagen wird, wenn er zwischen den Zeilen zu lesen versteht, wird vermuthlich — nichts sein; bei aller Achtung vor der Ober­hoheit der Pforte wird er die Note gehorsamst zu dem Uebrigen legen und sich wahrscheinlich das ©einige dabei denken; und da wird ein nahe­liegender Gedanke der sein, daß die drei bei der

behaglich einige Züge der Morgenluft und zündete sich eine Zigarre an; dann -öffnete er seine Moppe, verglich Notizen und begann zu schreiben. Nicht lange, so erschien auch seine Frau, ihren Sohn auf dem Arme, Mannickerle, wie üblich, hinten­drein. —

„Bernhard," sagte sie, „du weißt, ich störe dich nicht gern, wennS nicht unbedingt nöthig ist. Aoer heute ists nöthig, ich habe das Mädchen ausschicken müssen, die Babelt muß kochen, ich selbst muß nach den Zimmern sehen, a so spare dir von Zeit zu Zeit ein wenig Aufmerksam­keit ab und gicb acht, daß die beiden sich nicht umbringen; in einer halben Stunde wirst du befreit."

„Gut," sagte er, „setze den Wurm dort vor das Rosenbect; das Schlimmste, was ihm be­gegnen kann, ist, daß er sich in die Finger sticht, und wenn er das thut, wird er schon Lärm machen."

Sie warf einen mitleidigen Blick auf die Fingerchen ihres Lieblings und einen zweiten gen Himmel:

„Zeus, du hörst den Barbaren."

W„Hm," lächelte er, „Zeus weiß auch, daß