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JVs. 55.
1888
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ÜHe Kuldaer, Zeitung" "«Uq^Sonn. und Fetettage ^-genommen Bierteljährlich« AöonnemeM,preis ^'ne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 R. SO Vf mtt der belletristischen Wochenbeilage «Sterne und Blumen' in Fulda 1 R. 70 Pf., auswärts 1 M 75 M 8 *'**
Inserat«: Di« «inspaltige Zeil« oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen mtsprechender Rabiat
Ich
Ich blieb noch ein Stündchen, und da habe ich nun da« eigenthümlichste Braut« xamen gehalten; nicht wie e« sonst der Pfarrherr abhält im schön durchwärmten Empfangszimmer, wo er im schwarzen Talar die Brautleute empfängt, die ängstlich und „ iiiwti lvlc
schüchtern hereinkommen, '"ch halb und halb auf 1 da« Haus gefegt H' und'^dieMaienblümchen
* 3m Abgeordnetenhaus-wurde die Ver- beträgt der Beitrag zu 'den Ausgaben auf den längerung der Legislaturperioden von drei Kopf der Bevölkerung jährlich bei der Stadt- auf fünf Jahre von der Cartellmazorität in der ' ' ~ ------ -
verfassung-gemäß erforderlichen zweiten Abstimmung endgiltig beschlossen. Daß die heutige Verhandlung neue Momente zur Beurtheilung dieser Frage hervorbringen werde, war nach den wiederholten Diskusfionen im Reichstage und im Abgeordnetenhause wohl nicht zu erwarten. Dr. Windthorst nagelte die Bemerkung des Abg. Freiherrn v. Minnigerode fest, daß derselbe kein unbedingter Anhänger der geheimen Stimmabgabe bei den Wahlen sei. Es erschien diese Constati-
i gemeinde Berlin 2,50 M., bei allen übrigen Stadtgemeinden 1 M. Die Feststellung der Kopfzahl und der dadurch bedingten Höhe der Beitragr- pflicht geschieht nach den jeweiligen Ergebnissen der Volkszählung. In denjenigen Ortsgemeinden von 10,000 Einwohnern und darüber, in welchen die örtliche Poltzriverwaltung durch die Organe der Ortsgemeinde geführt wird, trägt der Staat zu den durch diese Verwaltung unmittelbar ent» stehenden Ausgaben jährlich 80 Pfennig auf den Kopf der Bevölkerung bei. Diesen Anträgen liegt eine Berechnung bei, nach welcher die Stadt Berlin etwa eine Million Mark weniger bezahlen wird als nach der Regierungsvorlage. Ebenso verringert sich die Beitragspflicht der übrigen zwanzig Städte gegen die Regierungs-Vorlage um mehr als 200,000 M. Die von den Städten mit kgl. Polizeiverwaltung an den Staat zu zahlenden, in den Staatshaushalt einzustellenden Beträge, über drei Millionen Mark, genügen, um den Beitrag von 80 Pfennigen auf den Kopf der Bevölkerung für die übrigen 176 Städte der Monarchie mit einer Einwohnerzahl von ungefähr vier Mill.
Beweisführung erlitt jedoch dadurch einen heftigen Stoß, daß der Abg. Dr. Me yer (Breslau) dem Abg. Dr. Gneist den Professor Dr. Gneist gegenüberstellte, der in seinen Vorlesungen über Staatsrecht die Parlamentsmacht und Parlament-Herrschaft als ein großes Unglück schildert. Eine namentliche Abstimmung fand nicht statt und erwies sich auch nicht nothwendig, da die Eartell- Parteien geschlossen für den Antrag stimmten, die anderen Parteien geschloffen dagegen. Morgen soll die zweite Berathung de» Cultusetats fortgesetzt werden.
Rach der bekannten Aeußerung de» Kriegsminister» v. Roon ist Herr Dr. Gneist der
* Von den national-liberalen Abgeordneten v. Eynern und Dr. Friedberg werden in der Kommission für die Polizeikosten Anträge gestellt, deren Hauptinhalt nach der .Köln. Ztg.' folgender ist. In denjenigen Stadtgemeinden, in welchen die örtliche Polizeiverwaltung ganz oder theilweise von einer königl. Behörde geführt wird,
die gepolsterten Sessel s tzen und dann mit klopfendem Herzen erwarten, daß sie tüchtig ausgefragt werden. Hier saß ich noch im Reiseanzug, indem einsamen Gartenhäuschen, wohin kein Ton drang aus der hellbeleuchtelen qnb lautbewegten Großstadt, im kleinen Stübchen, vor mir der Braubursche mit seinen ungeschlachten Händen und seinem Kindergemüth; neben der Wiege, da» Händchen de« Kinde« mit ihrer Hand umschließend, saß — schwach erleuchtet vom Lampenscheine — da« schmächtige Frauchen, die feinen Züge von einem glücklichen Lächeln erhellt.
im „schlechtes (rtm“.
»rzählung »on Rhönanus.
(Schluß.)
„Aber ich habe schon meinen Plan getroffen, weiter zu reisen, kann nicht länger mehr warten. W,e lange mag'« wohl dauern, bi» die Antwort kommt?"
„Wenigstens vier, vielleicht auch acht Tage. Aeberlaffen S:e's einfach mir, die Leutchen können dann zu mir kommen I"
„Ich trau' nicht und trau' nicht. Wenn i ch sie nicht bringe, dann bleibt'» beim Alten. Der Bursche steckt zu sehr in der Sklaverei und wird dann die Kette resignirt weiter tragen. Machen wir e« also so! In acht Tagen muß die Antwort ta sein: bestimmen wir demnach den nächsten Montag dazu, da komme ich mit meinem Hochzeitszug; sorgen Sie, daß dann Alles bereit ist." Ich schrieb da« Gesuch, und dies wanderte weit, weit fort — was ich damals nicht wußte — nach Böhmen hinein, wo auf Schloß Haid im ArbeitS- zimmer des Bischof« von Limburg die Sache erledigt und die zwei Rhönkinder dispensirt wurden.
Am Abend saß ich wieder im kleinen Stübchen »m Gartenweg und entwarf den Feldzugsplan. „Ich reise ab; in dieser Woche erhältst Du, Eouard, eme Postkarte des Inhalts, daß ich komme und in
Und nun sagte ich, was solchen Leuten zu sagen ist, die jahrelang durch Arbeit und widrige Ver- hältN'ffe von allen Tröstungen der Rligion ferr- gehalten waren, und bei denen der gläubige Sinn, den sie vom Elternhause mitgebracht halten, nicht erstorben, sondern nur niedergetreten war. erinnerte sie an den Vater in der Ewigkeit und an die braven Eltern in der Rhön, beten heiße Wünsche unb Gebete nun erfüllt würden. Ich erinnerte sie dann, mit welcher Feier daheim ber Rüsttag einer Hochzeit begangen wirb, wenn ein „richtiger Bursche" und „ein braves Maje" (Mädchen) sich zum ernst, n Lebensgang anschicken: Wie die Brautkleider gerichtet, wie die Kuchen gebacken und die Braten geschmort werden, wie
Deutsche- Reich.
Berlin, 6. März.
* Der .Reichsanzeiger' veröffentlicht heute Abend folgende» ausführliche» Bulletin:
San Remo, 6. März, 11 Uhr Bonn. Gegenüber »en in der Presse verbreiteten Gerüchten von Meinungsverschiedenheiten unter den behandelnden «erzten Sr. kaiserlichen und königlichen Hoheit des Kronprinzen des Deutschen Reichs und »on Preußen erklitren die Unter- k«ichn-ten, daß hinsichtlich der Natur und Beurtheilung der Krankheit eine solche unter ihnen nicht besteht. Ebenso wenig ist von ihnen die Nähe einer gefährlichen Wendung des Leidens behauptet worden. Die einheitliche, verantwortliche Zeitung der Behandlung befindet sich wie vor der Operation in den Händen des mitunterzeichneten Sir Morell Mackenzie. An die Zeitungen des In- und Auslandes richten die Aerzte n»ch einmal im Interesse des hohen Kranken und der Völker, die ihn hochachten, lieben und verehren, die Bitte, sich jeder Di.kussion über die Krankheit Höchst- desselben oder über die bei der Behandlung angewandten Methoden und Instrumente zu enthalten. Die örtlichen Störungen im und am Kehlkopfe Sr, jk. und k. Hoheit haben fich wesentlich nicht verändert, die Wunde ist geheilt, die Kanülen liegen gut, die Lungen sind gesund, Husten und Auswurf wurden geringer. Der Kräftezustand ist ein befriedigender, der Appetit im Zunehmen begriffen, Berdauungsstörungen sind nicht vorhanden, ebensowenig Schmerzen beim Schlucken oder Kopfweh. Der Schlaf hält ununterbrochen Stunden lang an. Da die M'ssion des Geheimen Raths v. Bergmann beendet ist, wird er demnächst abreisen. Mackenzie. Schrader. Krause. Hovell. ». Bergmann. Bramann.
Au» diesem Bulletin geht offenbar hervor, daß über den krebsartigen Charakter der Krank- I heit kein Zweifel mehr besteht. Die Konstatirung der Einigkeit unter den Aerzten hinsichtlich der Natur und Beurtheilung der Krankheit ist wahrscheinlich als eine Folge de« Resultat» der W a l - deyer'schen Untersuchungen anzusehen und der Gevanke liegt nahe, daß diese Kundgebung auch I auf die Einwirkung de» Prinzen Wilhelm zurückzuführen ist. Im Uebrigen spricht das Bulletin und auch die sonst vorliegenden Privatnachrichten für die Richtigkeit der jüngsten Meldung , daß eine momentane Gefahr nicht vorliegt , und daß wieder eine kurze Zeit ver- hältnißmäßig besseren Allgemeinbefinden» zu erwarten ist.
• Der.Reichsanzeiger' veröffentlicht in seiner gestrigen Nummer da« Gesetz, betreffend die Unter»
I stützung von Familien in den Dienst ringet re- I stärken, tener Mannschaften. r ■
• R-ich-.'°z nahm i,™ tot™,«™:™ ÄSTbTita »X|Ä E. »’S Vertrag zur Unterdrückung de« Branntweinhandel» ' ---------- ' <- » - - - • - - - ®
1 unter den Rordseefischern auf hoher See und die Handelsverträge mit Ecuador, Guatemala, Honduras in erster und zweiter Lesung an, erledigte -ine Reihe von Rechnungasachen, genehmigte in 3. Lffung den Gesetzentwurf, betreff, die Rechts - oerhältnisse in den deutschen Schutzgebieten, und nahm dann eine Reihe von Wahlprüfungen vor. Für gültig wurden erklärt die Wahlen der Ab- geordneten v. Oertzen-Parchim (kons.), v. Seyde- witz (kons.) und Dr. v. Kulnig (Reichrp.). Ein Antrag de« Abg. Rickert, die Behörden auf die gesetzlichen Bestimmungen hinzuweisen, wonach da« Vertheilen von Stimmzetteln und Wahlflugblättern der polizeilichen Genehmigung nicht unterliegt, wurde der Wahlprüfungs-Kommission überwiesen. — Morgen: Nachtragsetat, nichtöffentliche Gerichtsverhandlungen, Sonntagsruhe, Befähigungsnachweis.
rung um so mehr angezeigt, als aus den Reihen der Conservatioen gegen die Erklärung de» Abg. Frhrn. v. Minnigerode kein Widerspruch sich erhob, auch dann nicht, al» der Abg. Dr. Windt- horst sogar ausdrücklich feststellte, daß die Con- | servativen nach den Aeußerungen ihres Wortführers i nicht unbedingte Anhänger des geheimen Wahlrechts seien. Mit einer eigenartigen Rede debutirte der Abg. Dr. Gneist. Er hatte es sich zur Aufgabe gestellt den Nachweis zu führen, daß die Verlängerung der Legislaturperiode wünfchens- werth sei, um die Macht des Parlaments zu — dringenden Familien-Angelegenheiten Dich sprechen muß — ist gewiß die reine Wahrheit. Du erbittest Dir ein paar Stunden Freizeit, und am Montag früh um 6 Uhr seid Ihr in der Sakristei der Domkirche. Aber nur Wort halten!" schärfte ich nochmal ein, „sonst komme ich Euch mit der Richtung."
Sie versprachen'« mit Hand und Mund, und fort war ich. Acht Tage trieb ich mich noch im schönen Mainthale herum, besuchte die reizend ge» legenett Plätze Amorsbrunn, Godesberg u. A.; daß meine Gedanken dabei oft nach Frankfurt eilten, ist sehr begre-flich — ich fürchtete, es könne immer noch etwas dazwischen kommen. —
Endlich am Sonntag fuhr ich mit dem Abendzug auf Frankfurt zu, voller Erwartung. In den Pfarrhof ging ich nicht, da war ich meiner Sache sicher. Aber die Unruhe trieb mich hinaus in den Gartenweg. Es war eine späte Abendstunde, die zwei Leutchen saßen still und friedlich beisammen, das Kind schlummerte ruhig in seinem Bettlein.
„Wie steht'S? Hast Du frei bekommen? Ja? — Nun, Gott sei Dank, daß es so weit ist."