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Montag, dm 5. März.

1888

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2)ie Fuldaer, Bettung' «schedrt lSglich, «onn- mrd Feiertage Mlgenommen. Bierteljcthrlicher «bonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: mit der belletristische« Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf, auswärts 1 M 75 Pf Inserate- Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

1 R. 50 Pf,

Antwort auf das Glückwunschschreiben der preußischen Bischöfe znm fünfzig, jährigen Priesterjubiläum Tr. Heiligkeit Papst Leo XIII.

Das aufmerksame Schreiben, durch welches Ew. Erzbischöflichen Gnaden in Gemeinschaft mit den übrigen Bischöfen Preußens dem hl. Vater zum fünfzigjährigen Priesterjubiläum ihre Glückwünsche dargebracht, hat Se. Heiligkeit mit ganz besonderem Danke entgegengenommen. Kann ja doch dem hl. Vater nichts mehr am Herzen liegen, als fich von seinen Mitbrüdern geliebt zu reiften, deren Hirten« sorgen die einzelnen Kirchen anvertraut stnd. Das erwähnte Schreiben aber ist ein leuchtender Be­weis, daß in der innigsten Anhänglichkeit an bett erhabenen Stuhl des Apostolfürsten Preußens Oberhirten Keinem nachstehen; wie denn auch Se. Heiligkeit Niemanden mit größerm väterlichen Wohlwollen umfängt, als gerade die Bischöfe. Der hl. Vater spricht denselben deshalb für den höchst angenehmen Ergebenheits-Erweis seinen Dank aus, wünscht ihnen und ihren Heerden den Reichthum der himmlischen Gaben und ertheilt aus der Fülle des Herzens den Apostolischen Segen.

Indem ich mich freue, Ew. Erzbischöflichen Gna­den dieses mittheilen zu können, und Sie meiner besonderen Zuneigung und Ergebenheit verstchere, erbitte ich Ihnen alles Glück und Heil vom Herrn.

Rom, den 3. Februar 1888.

Ew. Erzbischöflichen Gnaden aufrichtiger Diener: (gez.) M. Card. Rampolla.

An seine Erzbischöflichen Gnaden den Hochw. Herrn Erzbischof von Köln Herrn Philippus Krementz.

4- Wie's gemacht wird.

(Fortsetzung.)

Und der Landmann zu Hause auf seinem stillen Dorfe, entrückt allem Treiben der großen Welt, war hat er davon? Müller und Konsorten haben wie alle Andern ihre auf dem Lande herum­schnurrenden Agenten. Die Herren Börfianer wissen aut genug, daß der Weizenpreis eine stei­gende Tendenz hat, gegen die ste ja mit ihrem Scheingeschäft mit Erfolg, wenn auch nur auf die ihnen nöthige kurze Zeit gekämpft haben. Sie wissen wohl, daß in vielleicht wenig Tagen der Weizen wieder steigen wird, also geschwind daran

und noch ein Geschäft gemacht. Mittelst tele­graphischer Depeschen find die Agenten schnell in Bewegung gesetzt, das Geschäft bringt die Kosten der Depeschen wieder ein, und nun setzt sich diese Schaar von Agenten, die wie Kletten zusammen­hängen, in Bewegung. Hansjochen bekommt das Zeitungsblatt unter die nicht allzuscharfe Nase ge­halten, da stehtS gedruckt, was der Weizen kostet, und wahr muß es fein, es ist ja gedruckt. Nun heißt es: „Hansjochen, schau her, sieh hin! Was kostet der Weizen? Sieben Mark zwanzig Pfennige kostet der Zentner, da stehts in der großen Zeitung. Hättest Du mir ihn vor 14 Tagen für sieben Mark fünfzig gelassen, die ich Dir bot, Du wärst klug gewesen, so warst Du dumm. Nun ist der Preis noch herunter gegangen, er geht noch weiter herunter, Du sollst schon sehen. Also verkaufe. Ich gebe Dir aber immer noch sieben Mark vier- zig, zwanzig Pfennige mehr gebe ich Dir, es ist zwar mein Schaden, aber ich thu's, weil Du's bifi." Und e» gibt manchen dummen Hansjochen, wenn er auch nicht so getauft ist, der dadurch ängstlich wird und zuschlägt. Bekommt er doch zwanzig Pfennige mehr, weil er's ist. Dabei be­denkt der dumme Mann nicht, daß ein Händler Niemanden etwas schenkt, daß viele ihren eigenen Bruder verkaufen möchten, wie Joseph's Brüder e» schon gethan haben, wenn ste könnten.

Die gefährlichsten Feinde des Landmanns, die ihm den Preis seiner mühevoll erzeugten Produkte herunterdrücken helfen, so daß er an ihnen gar nichts mehr verdienen kann, ja ost seine Pro­duktionskosten nicht wieder erhält, sind also die Baissiers der Börse, die auf das Sinken der Preise spekuliren, und ihre Helfershelfer find die zahl­losen Agenten und Zwischenhändler, die neben dem letztgenannten unnützen Geschäft Alles mit- nehmen, was fie mitnehmen können. Deshalb soll der Landmann vorsichtig sein und von -hundert vorgeschwätzten Worten neunundneunzig bezweifeln, besonders dann, wenn ste ihm in süßlichem, menschenfreundlichem Biederton entgegenklingen. Der Landmann soll beim plötzlichen unverhältniß- mäßig starken Fallen oder Steigen der Preise denken, wie beim raschen Fallen und Steigen des Quecksilbers im Barometer: „Es hält nicht an." Wie letzteres eine Störung in den gewöhnlichen Druckoerhältniften der Luft anzeigt, so verräth letzteres ein Eingreifen von unberechtigter Hand |

Hin „schlechtes (tim“.

Erzählung »on Rhönanus.

(5. Fortsetzung.)

Kaum ausgestiegen, ging er direkt aufs Ziel los. Er hatte von früher noch so viel Orientirung im Kopfe, daß er durch die Allerheiltgenstraße, an der Synagoge vorbei hinauskam zum Main und zur Sachsenhäuser Biücke. E-nige vergebliche Fragen nach dem Gartenweg, den Niemand kennen wollte, dann ging'» weiter durch den Bahndamm aus häuserleere Straßen; noch einige Jrrgänge, dann ging'» eine Anhöhe hinauf, welche ein Mächtiges Gebäude mit Häusern, Schuppen, Hallen und Schlöten einnahm, — das mußte die Brau­erei sein. Endlich kam der äußerste Weg, der in'« freie Feld führte, und am äußersten Ende stand m einem Garten ein zweistöckiges sauberes Häus­chen.

»Wohnt hier der Braugehilfe Ehrlich?" fragte er. »Ja, über eine Stiege," hieß es entgegen.

Mit erklärlicher Neugierde stieg er die schmale kreppe hinauf, fragte nochmal — denn hier wohnen viele Leute beisammen — und klopfte endlich an eine Thüre. Eine weibliche Stimme tjef »herein", und rasch eintretend, bot er kräftig * 1

»guten Abend!" Ein verwunderter Gegengruß, und da der Gesuchte nicht zu sehen war, mußte er sich selbst vorstellen. „Ich komme von der Rhön, von der Mutter des Eouard, will ihn ein­mal aufsuchen."

„Ach, da sind Sie gewiß der Herr Kaplan Held?" lautete die freudige Antwort.

„Ja freilich, — woher kennen Sie mich denn?"

„Ja, der Eduard, — ob fie wohl abfichtlich nicht sagte, mein Mann? — „der hat mir schon oft von ihnen erzählt."

„So? Und wo steckt er denn eigentlich?"

„Er ist noch drüben in der Brauerei und kommt spät Abends erst nach Haus; ich will hinüber­schicken und ihn holen lassen.

„Nein, lassen Sie'« nur sein, 'id> will erst mit Ihnen reden."

Sie bot ihm einen Sitz an, vergaß aber nicht, i etwas anzubieten, „ich will einen Krug Bier holen lassen."

„Nichtsda! mir geht es heute wie dem Knechte des Abraham bei Laban, zu dem er sagte, er wolle nicht essen und nicht, trinken, bis er feine Botschaft ausgerichtet habe. Denn was ich auszu­richten habe, ist sehr wichtig."

in den natürlichen Verlauf der Preisgestaltung. Die Umstände, welche die Preise auf regelrechtem Wege verändern, entwickeln sich nur langsam und rufen auch nur eine allmählige Veränderung der Preislage hervor.

Müller und Konsorten bezeichnen ihr Verfahren mit dem Ausdruck: „Eine Mine legen". Dieser Ausdruck ist der Kunstsprache der Kriegswiften- schaft entlehnt, und das ist bezeichnend genug,

I führen diese Leute doch Krieg gegen das ehrliche Geschäft. Wenn eine Armee eine Festung belagert, so greift fie dieselbe nicht blos über, sondern auch unter der Erde an. Letzteres ist eine wahre Maulwurfsarbeit und durch Ironie des Schicksals haben die Börsianer ihr Treiben mit dem Namen dieser Maulwurfsarbeit unbewußt der Bemerkungen, die man daran knüpfen kann, benannt; ist ihr Treiben doch eine Maulwurfsarbeit, die allen sicheren Boden unterwühlt. Der Belagerer treibt aus der Ferne unterirdische Gänge, um unter die Wälle der Festung zu gelangen und diese in die Luft zu sprengen. Der Belagerte sieht dem nun "icht ruhig zu, er legt Contreminen (Gegenminen) an, um dem Feinde zuvor zu kommen und ihn womöglich in feinen Gängen zuerst in die Luft zu sprengen. Das thun nun auch die von den Baissier» bedrohten Haussiers der Börsen, welche auf Steigen der Preise spekulirt haben, denen die Baissier« geschworene Feinde find, weil deren Treiben, wenn es gelingt, sie schwer schädigt. Sie legen, wenn sie Lunte riechen, eine Corttre- mine an, dieser Ausdruck ist in der Börsensprache dafür auch üblich, und nun kommt es darauf an, wer von beiden den anderen zuerst in bi« Luft sprengt, das heißt, wer von ihnen das Bestreben des anderen zuerst zu Nichte macht. Mag es nun aber auch kommen, wie es toiB, ist es nicht traurig genug, daß durch ein solches Kriegsspiel an den Börsen der Geschäftsmarkt nie recht zur erforderlichen Ruhe kommt? Von wessen Hand rühren denn die Schätze her, die fich in den diebs« fieberen Geldschränken der nicht arbeitenden Bör­sianer sammeln? Arbeit muß doch voranSge- gangen sein, denn noch niemals ist ein Gut ohne Arbeit erzeugt worden. Jawohl, Arbeit, oft schwere Arbeit ist vorangegangen, die schwielige Hand des einfachen Handwerkers und Landmannes hat sie gethan und der Börsenspekulant hat den Nutzen davon.

„Ich weiß es, was es betrifft", entgegnete sie und hielt, wie vor Scham, die rechte Hand vor die Augen, während sie auf dem linken Arm ihr Kindlein trug. Es war eine zarte, schmächtige Gestalt, kein robustes, sondern ein schmales Gc« ficht mit feinen Zügen, aber blaß und schon etwas abgehärmt, als ob sie die Noth des Lebens schon kennen gelernt hätte oder ein geistiger Druck auf ihr lastete.

Ohne lange Umschweife fragte ich — wir wollen den Kaplan selbst redend einführen: — „Wie lang lebt Ihr denn schon miteinander?"

„Em und einhalb Jahr", war die leise Ant­wort.

„Wie ftib Ihr denn zusammengekommen?"

„Sehen Sie, der Eduard roar damals Brau- buriche in der Stadt drüben, und ich war in der Nähe im Dienst. Da haben wir uns kennen gelernt, eigentlich haben wir uns schon früher gekannt."

■ „Woher denn?"

„Ich bin ja auch aus der Rhön, aus Born- Hausen, reo die alte Großmutter herstammt."

»So!" sprach ich gedehnt, „b’rutn hat Euch der Wind so schön zusammengeführt! Also eine Rhönerin I und ich dachte immer an eine Städterin,