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M 52.

Sonnabend, den 3. März.

1888

fnlhier

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Erstes Blatt.

Ansprache des heil. Vaters an die deutschen Pilger

in der Audienz vom 27. Februar.

Die bekannte Anhänglichkeit der Katholiken Deutschlands an Uns, geliebte Kinder, wird heute nicht nur durch euere Worte bestätigt, sondern auch durch diese große, edle Versammlung bezeugt. Wir empfinden daher große Freude über euern Anblick und nehmen die Gefühle, welche euch Alle gleich, mäßig beseelen, mit väterlichem Wohlwollen, wie immer, entgegen. Was aber die Hoffnung auf ein weitere» WachSthum der Kirche betrifft, worauf euere Worte soeben hinwiesen, so nehmen Wir sie wirklich al» gute Vorbedeutung hocherfreut an. Denn wa» könnten Wir mehr wünschen, wa» könnte eine Unseres heiligen Amte» würdigere Sorge sein, al» dauernde, ruhige Fortschritte de« katholischen Namen»? Und besonder» bei euch, geliebte Kin- der, deren treue« Verharren in der Religion der Väter bei so verschiedenen schwierigen Anläffen zur Genüge erprobt wurde.

Uebiigen« kann Niemand leugnen, daß die für den Stellvertreter Christi allenthalben erweckte An- theilnahme, welche Wir jetzt mit Staunen wahr­nehmen, eine große Bedeutung habe und einen ge- wissen besondern Willensausdruck enthalte, zumal da die Arglist und Macht Unserer Feinde so groß ist. Aus allen Welttheilen schaut man auf den Stuhl de» heil. Petrus hin, und eine unzählige Menge legt freiwillig Zeugnis ab von ihrem Glau­ben an Jesurn Christum und offenbart durch diese Thatsache, welche Heilskraft im Römischen Ponti­fikate enthalten ist. Es ist daher zu wünschen, und wir müssen Gott darum ar flehen, daß Seine Gnade diese Strömung der Geister lenke und täglich wei­ter ausbreite: das würde nicht nur zum Wohle der Kirche, sondern auch zum wahren Wohle der Staaten und Völker sein.

In dieser Hinsicht werden Wir gewiß, wie e» Unseres Amte» ist, mit größter Anstrengung und Sorgfalt dahin wirken, daß erdichtete Anschauun­gen endlich der Wahrheit weichen, damit die Welt allen Argwohn aufgebe, ihre Nebel heilen lasse und nicht länger hindere, daß die der katholischen Kirche

6m „schlechtes jeden".

Erzählung »on RhönanuS.

(4. Fortsetzung.)

3. Kapitel.

Eine stille Hochzeit.

Der Kaplan, der so treu Freud und Leid mit der Familie gethellt, der die Alten begraben, die 3ungen getauft hatte, war längst versetzt worden. Aber es verging fast kein Jahr, wo er nicht da» liebgewordene Dörflern heimsuchte und dann auch die alte Mutter, die sich immer mehr dem Greisen­alter näherte. Ihr gute» treue» Gesicht zeigte Falte an Falte, die schwarzen Haare, einst der Stolz ihrer Jugend, wurden immer seltener, und still und ernst ging sie ihrer Arbeit nach. Wenn aber der Kaplan zu Besuch kam und sich nach Jung und Alt erkundigte, dann verklärte ein Lächeln ihre runzligen Züge und von Herzensgrund kam e», wenn sie sagte: „Ich bin ganz glücklich, wenn ich Sie wieder seh'; kann die schönen Zeiten nicht vergessen, die wir zusammen verlebt, und

Sie mich immer getröstet und aufgeheitert haben."

„So wird'» nicht mehr/ warf der hinzukom- aiknde Lehrer dazwischen, dessen dichter rother Voll­bart die jugendlichen Züge nun ganz verdeckte.

von Gott gegebene Kraft in größerem Maße auf das ganze private und öffentliche Leben Einfluß übe. Fürwahr, wenn Wir Uns weigern, eine an­dere Macht zu dulden, wenn Wir entschiedenen Sinne» Unsere Rechte geltend machen und geltend machen werden, so ist dabei der Hauptgrund der, welchen ihr eben erwähnt habt, nämlich, daß wir nach Wiedererlangung und geziemender fester Siche­rung Unserer Freiheit für da» Wohl de» Menschen­geschlechtes nach jeder Richtung hin ausgiebig Und ungehindert wirken können.

Allein Unsere apostolische Autorität und Unsere Bemühungen müssen die entsprechende Unterstützung der Völker finden, und zwar einen unverdrossenen Sinn, gelehrig für christliche Zucht, gewappnet und gestärkt namentlich durch Standhaftigkeit in der Tugend, so daß er bereit ist, wenn um der Reli­gion und der Gerechtigkeit willen Leiden herein- brechen, zu helfen und willig zu dulden.

Was euch betrifft, geliebte Kinder, so haben Wir in den Rundschreiben an die Bischöfe von Preußen und jüngst an die Bischöfe von Bayern mehrerlei vorgeschrieben, wa» die Umstände erheischten, und wa» ihr, wenn euch euer Heil am Herzen liegt, wie es ja der Fall ist, streng und unverbrüchlich, Jeder an seinem Theile, beobachten werdet. Schwie­rige Zeiten find hereingebrochen; allein die Katho­liken Deutschlands find ja an schwierige Zeiten ge­wöhnt. UeberbicS haben Wir, Dank den Verhand­lungen mit dem erhabenen Kaiser und Könige, und unterstützt von seinen Ministern, erreicht, daß da», was dem Wohle und der Freiheit der katholischen Kirche in Preußen am meisten entgegenstand, zum großen Theile beseitigt worden ist. Und in den- selten Angelegenheiten haben Wir auch große» Zu- traue» zur Billigkeit der anderen Fürsten Deutsch­land».

Es erübrigt noch, geliebte Söhne, daß ihr stets die Einigkeit im Denken und im handeln, deren große Wichtigkeit ihr ja aus Erfahrung kennt, unter euch bewahrt und fördert. Erinnert euch auch stet«, daß in allen Dingen die Tugend der Standhaftigkeit die Klugheit zur Begleiterin haben muß. Jederzeit aber wird der Vorkämpfer Seiner Kirche, Gott, euch gern mit Seiner Gnade bei­stehen: mit Seiner Hülfe werdet ihr reiche Früchte euerer Ausdauer ernten. Das Unterpfand Seines himmlischen Schutzes und zugleich ein Zeichen Un-

„Hab' ich'» nicht gesagt, al» Sie noch frei und ledig waren?" entgegnete der Kaplan.

„Ja! die Kinder — krank, die Frau — oft widerwärtig („und er noch mehr," setzte der Kaplan hinzu), mit dem neuen Kaplan komm' ich nicht zurecht" — „erfind zwei Hitzköps'," fiel die Mut­ter ein — „der alte Schölte» ist weggekommen und da» neue Schöltesche, der Diftelmaier, meint Wunder, wie g'scheidt er fei, weil er die Buch­staben schön hinmalen kann, hat mir die Gemeinde­schreiberei abgenommen, und der Verdienst ist auch beim Kukuk, und die Mutter da heult fich die Augen 'raus wegen dem Eduard. Ich sag' Ihne», e« ist nimmer schön I"

„Was ist denn Eigentlich mit dem Eduard?" fragte erstaunt der Kaplan.

„Da lassen Sie fich's von der Mutter erzählen, ich mag gar nicht» mehr davon wissen," sprach er unwirsch und ging in seine Schule.

„Also hergesetzt, alte Mutter, und frischweg er­zählt!"

„Seh'n Sie", Hub die Mutter nun an, „ich wollt' über Alle» nicht klagen. Wa» so in der Familie vorkommt, Krankheit und Widerwärtigkeit — Sie wissen'» ja, wie'» geht — da» wär' nicht so schlimm. Die Gretel ist gut untergebracht, da« Schneiderche hat jetzt ein klein HäuSche und er-

sere« Wohlwollen» sei Unser Apostolischer Segen, den Wir Jedem von euch und eueren Familien, sowie allen Katholiken Deutschland« in Liebe ertheilen.

Deutsche- Reich.

Berlin, 2. März.

* Da« Abgeordnetenhaus fitzte heute die Berathung des Kultusetat« fort und zwar bei der Position „Ministergehalt". Zunächst wurde in der heutigen Sitzung von den Abgeordneten Bachem und Biesenbach Beschwerde darüber geführt, daß in Folge einer engherzigen und durch­aus nicht zu rechtfertigenden Interpretation de» Artikels 14 der Novelle vom 21. Mai 1886 die katholischen Pfarrer am rechten Rheinufer, insbe­sondere in Landen des ehemaligen Großherzog- thums Berg vom Vorsitze au» dem Kirchenvor­stande ausgeschlossen würden. Der Kultus­minister erkannte dem kurzen Bericht der ,®ernt.' zufolge an, daß dem Artikel 14 der Gedanke der resitutio in integrum zu Grunde liege und ver­sprach wohlwollende Prüfung und Remedur, wenn ihm aus dem betreffenden Bezirk Beschwerden unterbreitet würden. Nachdem alsdann die Abg. Lassen und Jürgensen betreff» der Verhält­nisse in Nordschleswig wieder ihre widerstreitenden Meinungen ausgetauscht, griff Abg. Dr. Jazd- zewski die Klagen der Polen wieder auf. Auf kirchenpolitischem Gebiete würden die Polen fich, soweit irgend möglich, Zurückhaltung auferlegen, wenn auch in der Provinz Posen in Betreff de« Kirchenvermögen-VerwaltungSgesetze« und betreff« der Beseitigung der Stadtpfarrer besondere Wünsche vorhanden seien. Auf die gestrige Rede de« Mini­ster« zurückgreifend, erklärte er, daß er dem Minister persönlich nicht impusiren wolle, daß der­selbe die evangelische Konfession zu Ungunsten der katholischen befördern wolle, indessen finde that- sächlich auf allen Gebieten de« öffentlichen Leben« eine solche Förderung statt. Da« geschähe nament­lich auf dem Gebiete der Schulverwaltung. So seien z. B. in einer katholischen Schulbibliothek Bücher wie „Jubelbüchlein zu Dr. Martin Luther» 400jährigem Geburtstag" und andere enthalten, welche die schmählichsten Angriffe gegen die katho­lische Kirche richten. Diesem Unwesen müsse ein Ende gemacht werden. Redner beklagte fich ferner

nährt sich auf fein Geschäft, aber der Eduard macht mir die größte Plage."

„Der Eduard? der war doch immer ein braver Bursch, der trotz seiner vierschrötigen Gestalt ein wahre» Kindergemüth sich bewahrt hatte?"

„Da« war er auch, bi« er in die großen Städte kam, zuletzt nach Frankfurt, wo er eine sehr gute Stellung bekam al« Braugehilfe. Dort hat er nun ein Mädchen kennen gelernt — e« ist auch eine Rhönerin — und. . ."

„Die hat er wohl geheirathet?" fiel der Kaplan ein.

„Ja, wenn da« nur wäre! Aber er lebt schon l’/j Jahre in wilder Ehe mit ihr, und e« ist schon Familie da. Alle« Schreiben und Mahnen ist umsonst gewesen. Ach l da» ist doch da« Härteste, wa« ich noch vertragen hab'. Hab' all' meine Kinder christlich erzogen und hab' gedacht, ich will ihnen wenigsten» gute Grundsätze mit in die Welt geben, daß fie brav und rechtschaffen bleiben; und der Eduard kommt auf solche Abwege. Der ist gewiß in schlechte Gesellschaft gerathen, wo man unfern Herrgott und alle« Ch.istenthum wegwirft."

„Er wird schon mit der Zeit sich wieder zurecht­finden," wollte der Kaplan trösten, da er einst­weilen gar keine Möglichkeit sah, wie man deut, wie e» schien, vetkornrnenen Burschen beikommen