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jg 48. Dienstag, den 28. Februar.

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1888

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schon in zwei Wochen zu Hause sein und hat, I nachdem man den Wählern unerhörte Lasten auf. geladen und Rechte genommen hat, keine Zeit mehr, etwa« Gutes zu thun. Als es galt, neue Steuern und Zölle zu schaffen, welche die ärmeren Klaffen bezahlen müssen, da saß man bereitwilligst bis tief in den Sommer hinein. Um jedoch den Kartell­brüdern nicht unrecht zu thun, wollen wir nicht vergessen, daß sie, dem unausgesetzten Drängen des Centrums nachgebend, der Forderung auf Ein­schränkung der Sonntagsarbeit nunmehr ein- müthig beistimmen. Man darf gespannt darauf sein, ob der Bundesrath, der dem von einer die Minorität de« Volke» vertretenden Mehrheit des Reichstages angenommenen Antrag auf Ver­kürzung der Wählerrechte so rasch sein Plazet gab, sich ebenso beeilen wird, dem einmüthigen Beschlüsse des Reichstages in der Frage der Sonntagsruhe beizutreten. , r ,

* Das Centrum hat im Abgeordnetenhause zwei Anträge eingebracht, wovon der eine den Religionsunterricht in den Volksschulen, der andere dieKorporationsrechte der geiN- lichen Orden bet, isst. Antragsteller des ersten Antrags ist Dr. Wmdthorst. Der Antrag will, daß in da» Amt des Volksschullehrers nur Per­sonen berufen werden, gegen welche die kirchuche Behörde in kirchlich-religiöser Hinsicht keine Ein­wände gemacht hat, daß ausschließlich den kirch­lichen Oberen zustehen soll, die Organe zur Leitung des Religionsunterrichts in den einzelnen Volks­schulen zu bestimmen, daß diese Organe befugt sein sollen, in den Religionsunterricht einzugreifen und für die Ectheilung desselben den Lehrer nut Weisungen zu versehen, welche von letzterem zu befolgen sind und daß endlich die kirchlichen Be­hörden die für den Religionsunterricht und die religiöse Hebung in den Schulen dienenden Lehr- und UnterrichtSbücher den Anfang und Inhalt des schulplanmäßigen religiösen Unterrichtsstoff » und dessen Vertheilung auf die einzelnen Klaffen bestimmen sollen. — Ein dritter Antrag, den das Centrum laut der ,Fr. 3-' zur Berathung des Kultus-Etats eingebracht hat, ersucht die R - gierung 1) Ermittelung darüber anzustellen, ob und welche katholische Seelsorgestellen, deren Unterhaltung von der Staatsregierung ans Grund

Am Ende de« Dorfes, in entern zwar kleinen, aber wohnlicher ausschauenden und auch wohnlicher .ingerichteten Häuschen wohnte der Waldaufseher

besonderer rechtlicher Verpflichtungen geleistet wird zur Zeit ihren Inhabern ein standesgemäßes Ein­kommen nicht gewähren; 2) eventuell in dem nächstjährigen Etat durch entsprechende Erhöhung des im Kap 116 ausgeworfenen Fond» die Mettel zur Aufbesserung ungenügenden Stelleneinkommen» vorzusehen. Ferner wird zu dem Kapitel, welche» zur Verbesserung der äußeren Lage der Geistlichen aller Bekenntnisse vier Mellionen fordert, die Re­gierung aufgefordert, für die Zeit vom 1. April 1889 ab eine VerwendunzSart vorzubereiten, nach welcher derjenige Theil des Fonds, welcher nicht zur Erfüllung rechtlicher Verpflechtungen in An­spruch genommen wird, den kirchlichen Ober­behörden in festen jährlichen Generalsummen mit entsprechender Verwendungsbestimmung überwiesen wird, und desfallsige Vorschläge dem Landtage beim nächstjährigen StaatShaushaltsetat vorzu­legen. Endlech werd zu demselben Kapitel bean­tragt, die Zuschüsse zu dem Amtseinkommen der bereits fünf Jahre int Amt befindlichen Geistlich en auch auf die Geistlichen in staatlich anerkannten Mi'sionspfarr-n auszudehnen. Näheres folgt.

• Der Reichstag nahm die Goldschmidt'sche Novelle zum Blei- und Zinkgesetz, sowie das Vogel­schutzgesetz in dritter Lesung endgültig an, erledigte die erste Lesung über den Gesetzentwurf, betreff, die Löschung von Firmen im Handelsregister und trat dann in die 2. Lesung des Gesetzentwurfs über die nichtöffentlichen Gerichtsverhandlungen ein. Bei der Abstimmung über den Schluß der Diskussion stellte sich Beschlußunfähigkeit heraus. Es waren nur 145 Mitglieder anwesend. Morgen: Kolonial- Justizgesetz, nichtöffentliche Gerichtsverhandlungen.

* Das Abgeordnetenhaus erledigte in seiner heutigen Sitzung zunächst mehrere Rechnungs- iachen und trat dann in die eiste Berathung de» Gesetzentwurfs betr.ffend die Kosten könig- ilicher Polizei-Verwaltung en in Stadtgemeinden. Die Vorlage wurde nach längerer Debatte, an der sich die Abge­ordneten Zelle, v. Rauchhaupt, Bachem, Barth, Friedländer, Enneccecus und v. Eynern, sowie Die Minister v. Puttkamer und v. Scholz de- ttjeiligten, an eine Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Eine unbedingte Zustimmung fand das Gesetz von keiner Seite, so daß erst in der

nannt, ein kräftiger, wetterharter Mann in den besten Jahren, dem der Waldschutz in den gegen die Rhöa gelegenen Forsten anoerlraut war. Em böse» Geschäft, wo so viele arme Leute auf den Wald .in Recht zu haben glauben, auf da« Holz, das ja kaum den Holzhauerlohn werth war, auf die Beeren, die massenhaft darin gediehen, und auch aus da» Wild, da» darin hauste. Sie hatten lange unbehelligt ihr Wesen getrieben — die Holz- frevler und Wilddiebe, so lange ein Einheimischer den Kreiser machte, d. h. seine Flinte spazieren trug, wie das Volk sagte; aber der neue Kreiser, von fremdher vers.tzt, verstund keinen Spaß. Einmal wohl ließ er sie laufen, das zweitemal wanderten sie sicherlich aufs Gericht nach Fulda.

Uno ob er auch oft in aller Güte ihnen gesagt batte: „ich kann doch nicht ander», ich müßte ja .in schlechter, pflichtoermffm-r Diener sein, wenn ich die Befehle der Herr'chaft nicht ausführen wollte." — sie ließen sich« einmal nicht ausreden: hat früher aut gethan, warum denn j tzt nicht mehr?" Uno Emer nach dem Andern, die auf verbotenen Wegen gingen und trotz ihrer Schlau- heit erwischt worden waren, wurden ihm spinnefeind

«in „schlechtes W*)

Erzählung von Rhönanus.

(Getreue Schilderung nach dem Leben.)

Keine Räuber- und Diebsgeschichte ist es, die ich Dir, lieber Leser, unter diesem Titel erzählen will sondern die Geschichte einer schlichten, braven Frau aus dem Volke, welche die Noth des Leben» in der verschiedensten Gestalt kennen gelernt halte. Wie oft, wenn sie mir ihren Herzenskummer ans- geschüttet hatte, schloß sie ihre Klage mit den Worten: „Ja, ja, ich hab'ein schlechte» Leben gehabt und werd'» auch behalten, bi» man mich da drüben — in dem kleinen Kirchhofe nämlich — eingräbt." Und diese» arbeits- und kummervolle, mühselige Leben, da» der Volksmund „ein schlech­tes Leden" nennt, will ich schlicht und einfach er- Men; hab ich'» doch zum großen Theil selbst mit angeschaut und miterlebt, und habe durch Gotte» Gnade mitgeholfen, d«ß e» zu einem guten Abschluß gekommen.

1. Kapitel.

Eine schauerliche That.

Am Fuße de» Petersberger, jene» gewaltigen Bergkegel«, der den letzten Höhenzug der Rhön

•) Nachdruck verbot en.

gegen Fulda hin abschließt, liegt ein arme« Dölf, chen. Wir wollen es Rauschenberg nennen, nack dem andern Bergkegel, der in gleicher Höhe ------ - - _ , , _ ,r „

mH dem Petersberge sich erhebt; nur daß sein Ehrlich, nach altem Brauch noch „Rretfer gt

breiter Rücken nicht Tors und weitschauende Kirche, - * "" 3TMtm tn hei

sondern einen mächtigen Buchenbestand trägt, au» dem ein altersgrauer Wartthurm hoch aufragt. —

In dem Dörfchen gab’» nicht viel zu sehen. E» hatte nicht Kirche, nicht Schule. Kleine, ein­stöckige Häuser, dazwischen armselige Lehmhütten, reihten sich kunst- und regellos an einander. „Miste" und Hausgärtchen, Ställe und Scheunen mit durch­löcherten Giebeln unterbrachen das Einerlei; Wald und Wasser, die Gegend zu verschönern, fehlte im nächsten Umkreis; unmittelbar am Ö rtchen, wo heute die Bahnzüge vorbeisausen, wurden damals die Schienen gelegt; eine Viertelstunde davon pil­gerten sonntäglich die Fuldaer Bürger auf breiter Landstraße zu ihrem „Leipzigerhof", einer vielbe- suchten Gartenwirthschast.

Auch in kleinen Hütten hausen dieselben großen Leidenschaften wie in Palästen. Auch unter dem blauen L-inenkittel schlägt daise'be unbändige, rach- süchtige H<rz, wie unter dem Salonfrack. Eine« Tage« sollte da» in einer grauenvollen Weise zum Ausdruck kommen durch eine That, die man in jener Bevölkerung von Arbeitern, Taglöhnern und kleinen Bauern nicht für möglich gehalten hatte.

Deutsches Reich.

Berlin, 27. Februar.

• Mit seltener Promptheit hat der Bundes- rath dem Beschluß der Kartellbrüder des Reichs- tage» auf Einführung der fünfjährigen Le- aislaturperiode feine Zustimmung ertherlt. Damit ist ein wichtiges Volksrecht auf Nimmer­wiedersehen dahin. Mögen sich die Wähler be, den Kartellbrüdern dafür bedanken, daß diese etwa» weggegeben haben, was ihnen gar rächt ge­hörte. Man kann es den Regierungen nicht ver­denken, wenn sie diese Verkürzung der V°lk»rechte bereitwilligst annehmen. Ist sie ihnen doch von der „Volksvertretung" freiwillig angeboten worden. Die e „Volksvertretung" ist zwar von der Minder- heit der Wähler nach Berlin geschickt worden, »ährend die meisten Wahlstimmen der „Opposition »«sielen, aber darum haben sich die Regierungen nickt weiter zu kümmern. Es ist nunmehr em Jahr verflossen, seit die „nationale" Mehrheit am Ruder ist. Die ,Rordd. Allg. Ztg.' hat am 21. ds. das erste Wiegenfest der Kartellherrlichkeit mit einem Hymnus auf die Annehmlichkeiten des l-tz> gen Zustandes für den Herrn Reichskanzler und auf die „nationalen" Leistungen der Kartellbrüder aefeiert. Die Wähler werden das Jahr allerdings auch im Gedächtnis! behalten: es war ein theureS Jahr. Die Kartellmehrheit hat ihnen einige Mil- lwnen neuer Steuern aufgeladen — e« wurden »eit über eine halbe Milliarde neuer Ausgaben bewilligt - die Blutsteuer erhöht und die winzi- gen Rechte der Wähler verkürzt. Daß sie auch etwas Positives für das Wohl des Gros der Wähler, für die arbeitenden, die Gut- und Blut­steuer in erster Linie tragenden Massen gethan habe das wird sie schwerlich nachweisen können. Ooer sollte sich wirklich darthun lassen, daß die Branntweinsteuer und die Zollerhöhungen den äi- meren Klassen zu gute kommen? An die Alters- und Invalidenversicherung, die einzige für die Ueberbiirbeten und Nothleidenden im wahren Smne — nicht die „Nothleidenden", welche gewiss- uneigennützige Leute unter den Wohlhabenden und B-sitzenden zu entdecken pflegen — bestimmte ge­setzgeberische Arbeit will dir Kartellmehrheit rn dieser Saison nicht mehr herantreten. Man will