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1888

Montag, den 27. Februar.

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Die Suldaer «eitunn* erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 M. 50 Pf., mit der belletristischen Wochenbeilage .Stern« und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 R. 75 Pf.

Inserat«: Dir «inspaltig« geile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

❖ Die Differenzgeschäfte an de« Börsen.

(Schluß.)

Der Landmann steht sich oft gut beim Abschluß eines solchen Zeitgeschäftes. Es kann dann vorkommen, daß der Preisstand des Weizens am Lieferungstage ein solcher ist, daß er sich gratuliren kann, das Geschäft eingegangen zu sein, mag nun gleich beim Abschluß des Ge­schäftes der Preis vereinbart fein oder mag nach getroffener Vereinbarung der Preisstand der Waare am Lieferungstage gelten. Der Händler kann sich trotz Erwägung aller maßgebenden Verhältniffe doch irren, und er irrt sich auch zuweilen, nicht jedes Geschäft glückt ihm, der Jrrthum des Ge­schäftsmannes kommt dann dem Landwirth zu Gute. Ferner erhält der Landwirth, wie das üblich ist, gleich nach Abschluß des Geschäftes eine verein­barte Anzahlung, mittelst deren er in den Stand gefetzt wird, sich augenblicklicher drückender Ver- pflechtungen zu entledigen. Solche den Landwirth drückende Verhältniffe liegen aber in der Regel vor, denn entgegen gef.tzten Falles wird sich der Landwirth selten zu einem solchen Zeitgeschäft her­beilaffen, da es immerhin eine Fessel für ihn ist, die der Kluge sich nur dann anlegen läßt, wenn es nun einmal nicht anders geht. Wenn aber auch am Lieferungstage der Waare der Preie- ßand derselben ein solcher ist, daß der Landwirth sich sagen muß, er hätte bester gethan, das Zeit­geschäft nicht eingegangen zu sein, so muß er sich, Nothlage beim Geschäftsabschluß vorausgesetzt, doch sagen, daß der erlittene Verlust ganz oder zum Theil dadurch ersetzt wird, daß er durch das Zeit­geschäft Hilfe bekam, als er in Noth war. Es ist immerhin so bester, als wenn der Gerichtsvoll­zieher die Ernte vielleicht auf dem Halme noch billiger unter Erwachiung beträchtlicher vorweg genommener Gerichtskosten verkauft hätte. Händler werden sich immer finden, die sich zu entern solchen Zeitgeschäft hergeben, es brauchen deßhalb noch keine Wucherer zu sein, und solche Zeitgeschäfte wer­den so lange noch nöthig fein und bleiben, so lange es Land wirt he gibt, die in gedrückten 83er« häitnisten leben, und wie viele leben heutzutage nicht in solchen I

Es hat sich nun aber leider an den Börsen

± Am jista'r NnMgknhkit.

(Schluß.)

Auch ein „Kindergruß" der städtisch en Schul­jugend kommt mir in die Hand, doch ist fein Ver­fasser nicht genannt, ich will deßhalb lieber ein anderes mehr charakteristisches Poem hier mit- thrilen. Verfasser dieses ist der Kirchenrath und Pcof-flor Friedr. Erdmann Petri, ein origineller aber überall beliebter Mann, mn dem die allen Fuldaer, insbesondere seine ehemaligen Schüler, noch manches Anekdötchen zu erzählen w'sten. Als erster evangelischer Geistlicher von Dresden nach Fulda berufet, ward er bald hier heimisch und stand mit der katholischen Geistlichkeit auf bestem Fuße. Seine gelehrte Feder hat viel zusammen­geschrieben — (namentlich war sein „Fremdwörter­buch" weit verbreitet) — und rote er sie ergriffen, um dem abgeschiedenen Bischof einen warmen Nachruf zu widmen, so spitzte er sie jetzt zu folgendem

Zuruf an Sein« Excellen, den Hochwürdigsten Herrn Bischof Johann Leonard Pfaff, am weihfestlichen zweiten Tage des Herbst-Monates im Jahre 1832.

Dem Musageten folgte der Jünger Schaar; sie horchtrn Dir, in Sälen der Wissenschaft; sie folgten zu der Tempel Hallen gern dem begeisterten, hehren Redner.

eine Sorte von Zeitgescl ästen das Bürgerrecht, wenn auch nicht durch offene Anerkennung, ober doch stillschweigend und verstohlen zu erwerben ge­wußt, die durchaus nicht nöthig und für die All­gemeinheit nützlich sind, die letzteren sogar Schaden bringen. Es find dieses diejenige Sorte von Blüthen des G.ftbaumes „Börse", die man Differenzgeschäfte nennt. Dieselben werden auf folgende Weise betrieben:

Müller verkauft an Schulze hunderttausend Centner Weizen, mit geringen Beträgen wird sich nicht abgegeben. Hier wird nun der Preis gleich vereinbart, zum Zeitgeschäft wird das G-schäft zwischen Müller und Schulze dadurch gestempelt, daß die Lieferung nicht gleich, sondern erst nach Verlauf einer gewissen Frist, gewöhnlich am ersten des nächsten Monats erfolgen foll. Wir wollen annehmen, daß das Geschäft am 2. März abge­schlossen wird und als Lteferungstag der 1. April vereinbart wird. Wir wollen weiter annehmen, der vereinbarte Preis betrage für den C ntner Weizen 7 Mark 50 Pfennig. Ob das genau mit dem heutigen Marktpreis stimmt, darauf kommt es hier nicht an. Müller erwartet ein Sinken des Preises, er ist ein sogen. Baissier, (fpr. Bäss'jch), er spekulirt a la baisse (a la Baß), sonst hätte er nicht verkauft. Der Käufer Schulze dagegen erwartet bis zum LiefernnaStage ein Steigen des Preises, er ist ein sogen. Haussier ('prich Osfjeh), er spekulirt ä la hausse (a la Oh), sonst hätte er nicht gekauft. — Bis jetzt ist gegen das Ge­schäft nichts einzuwenden.

Der erste April kommt nun heran. Bis dahin bemüht sich nun wohl Müller, die hunderttausend Centner durch Ankauf herbeizuschaffen, um sie am ersten April an Schulze zu liefern und dafür siebenhundert und fünfziglausend Mark von Schulze in Empfang zu nehmen? Das fällt ihm jedoch gar nicht ein. Zum Einkäufen rührt er weder Hand noch Fuß, wohl aber zu anderen Zwecken, wie wir an einer späteren Abhandlung sehen wer­den. Er will an Schulze gar keinen Weizen liefern und weiß gut genug, daß Schulze die Lieferung auch gar nicht erwartet. Was wollen denn aber um Gotteswillen die beiden Leute? Sind sie denn toll? Mit Nichten sind sie das, wie wir sofort sehen werden.

Der erste April ist da, Müller und Schulze

Zu höchster Würde führte ins Heiligthum Dich, Ober-Hirten, heute die frohe Schaar der Tausende, die Dir vertrauen, hoffend auf Dich, Verehrter, blicken.

Des würd'gen Folgers freue sich Adalbert, der zum Genoffen Dich, zum Vertrauten kohr l Auf solchen Folger schaue freudig unter den Himmlischen, sel'ger Rieger!

Das ahne jenseits würdiges Eltern-Paar; deß freue dort noch innigst der Pathe sich, er, deffen Namen wiederhallet festlicher Ruf: Leonardus lebe!

Er lebe lange, lange der Seinen Trost, bedrängter Armen Stütze, der Vaterstadt geliebte Zierde, Rahen, Fernen, Lehrer, Berather, Erfreuer, Helfer!

Hochwürd'ger Heil Dir, Segen der Wirksamkeit, Vorahnung schon hienieden der Seligkeit, die dort, im Kreise treuer Hirten frommer Buchonier, spät Dein harre!

Auch fei es gestattet, den Anfang des ersten, von dichterischem Schwünge durchwehten Hirten­briefes des Bischofs mitzutbsilen:

Johann LeonardPfaff, durch die Gnade Gottes und die huldreiche Bestätigung des apostolischen Stuhles Bischof zu Fulda, wünscht allen Angehörigen der Fuldai- schen Diözeie Heil und Segen in dem Herrn.

Durch freien Entschluß des hiesigen Domkapitels zum Bischof« der Fuldaischen Kirche einhellig erwählet, von Sr. päpstlichen Heiligkeit bestätigt und von Sr. Hoheit unserm Landes-Regenten anerkannt, endlich von dem

treten zusammen. Wir wollen annehmen, Müller habe bei seiner Spekulation recht gehabt, der Preis des Gentners Weizen fei auf 7 Mk. und 20 Pf., also um 30 Pfennig gefallen. Müller sagt nun zu Schulze: „Gesetzt den Fall, ich lieferte Dir heute die hunderttausend Centner Weizen und du erhieltest so nach dem heutigen Preisstand an der Börse einen Lrrerthbetrag von siebenhundert und zwanzigtausend Mark von mir, für den Du mir siebenhundert und fünzigtausend Mark laut unseres Übereinkommens zu zahlen hast. Gib mir also einfach die dreißigtausend Mark der Preisdifferenz (des Preisunterschiedes) zwischen unserem verein­barten Preis und dem heutigen Preis, und die Sache ist abgemacht." — Schulze thut das auch, vielleicht mit einigem Zucken feiner Gesichtsmuskeln, die das unangenehme Gefühl des Verlustes ver- rathen, wenn Schulze noch kein hartgesottener Börsianer ist, denn der hartgesottene Börsianer zuckt nicht mehr, und wenn ihm auch das Fell über die Ohren gezogen wird, er weiß sich zu be­herrschen, er ist hart geworden, ein Verrathen seiner unangenehmen Empfi ibung würde seinem Kredit bei den Herren Kollegen der Börse schaden. Er muß sich stellen, als wenn ihm ein solcher Verlust eine Bagatelle wäre, von der man nicht weiter spricht, über die man höchstens lacht.

Es kann aber am ersten April auch anders kommen. Schulze hat richtig gerechnet, der Preis des Gentners Weizen ist auf 7 Mk. 80 Pf. ge­stiegen, also um 30 Pf. Nun kehrt Schulze bett Spieß um uno spricht mit Müller. Ec sagt zu Müller: „Du hast mir heute einen Werthgegen- stand von stebenhundertundachtzigtausend Mark zu liefern, für den Du blos siebenhundertundfünfzig­tausend Mark zu beanspruchen hast. Gib mir also die dreißigtausend Mark Differenz unserer gegenseitigen Ansprüche heraus, und es ist gut." — Müller zahlt an Schulze die dreißigtausend Mark und es ist gut. So werden an einem Tage ganze Vermögen an der Börse mühelos ge­wonnen, und gehen ganze Vermögen anstandslos verloren.

Daß also bei solchen Geschäften, wie wir sie eben in dem vorstehenden Beispiele geschildert haben, der Preisunterschied oder die Preisdifferenz zwischen dem am Tage des Geschäftsabschlusses vereinbarten Preis und dem Tagespreis am Tage

hochwürdigsten Bischöfe von Würzburg, Friedrich, Frhrn. von Groß, dem unsere Diözese schon so viele Beweise nachbarlicher Freundschaft und dienstfertiger Liebe verdankt, am 2. September d. I. in der hiesigen Domkirche feier­lich eingeweiht, trete ich an die Stelle des in dem Herrn entschlafenen Bischofs Johann Adam Rieger, der reich (ni stillen Verdiensten, voll Demuth und Liebenswürdigkeir nur kurze Zeit unter uns wandelte. Diesem tugendhaften, erfahrenen und in der Seelsorge ergrauten Manne, mit welchem eine neue Reihe Fuldaischer Bischöfe begann, kann ich mich nicht gleich stellen. Rur Eines habe ich mit ihm gemein; von bürgerlicher Herkunft und aus glanz­losen Lebens Verhältnissen emporgeboben, wie er, nehme ich von Fulda's bischöflichem Stuhle Besitz, zum Beweise, wie wenig in der Ki che Christi vornehme Geburt, irdisches Vermögen und Glück bedeuten und bedingen; gerührt, wie er, durch den Gedanken an vie Hilfe, den Rath und die Lehre, die mir Gott durch gute Menschen, Freunds und Schutzengel meiner Jugend, zufließen ließ, folge ich Gott preisend, den zu ihm hingegangenen mit meinen Bl-cken, wie die dankbare Armuth dem Wege des Wohl- thälers nachschaut.

Aber bei dem Bewußtsein mein -t Fehler und Mängel fühle ich mich tief beschämt über die mir gewordene Aus­zeichnung ; und wenn ich die schwere Bürde erwäge, die ich tragen soll, und die furchtbar ernste Rechenschaft, die der Herr einst fordern wird von den Hirten seiner Heerde, Hebr. 13, 17: bi wanken meine Kniee, da bebet mir das Herz. Wäre meine Vorbereitung und meine sitiliche Kraft dem redlichen Glauben und der Ehrfurcht gegen das Christenthum gleich, die, dem Himmel sei Dank, mein ganzes Leben beherrscht: so würde ich weniger zagen. Jn- deß das Vertrauen auf Den, der so gütig und mächtig ist,