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Sonnabend, den 25 Februar.

1888

Mm W 3iiliig.

Die Fuldaer, Zeitung' erscheint täglich, 6omt> und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreir ohne Bringerlohn und Bestellgeld' 1 SR 50 Bf mit der belletrMchen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pf., auswärts 1 M. 75 Pf. '

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Zweites Blatt.

± Aus ZM's KttWMheit.

(Fortsetzung.)

Im Anschluffe an das schon Gesagte sei zugleich eines der aus jenem Anlässe entstandenen Gedichte, verfaßt von Dr. Kilian Wolf, hier mitgetheilt: Gruß- und Wunschgesang Sr. Excellenz dem Hochwür­digsten Bischöfe Johann Adam Rieger zu Fulda zu seinem Weihungsfeste gesungen von der städtischen Knaben- und Mädchen-Schule.

In frohen Jubeltönen sey herzlich uns gegrüßt, der Du nach langem Seinen nun Fulda's Vater bist!

Wir jauchzen Heil und Segen, geliebter Vater, Dir, mit Herz und Mund entgegen! Dir jauchzen Segen wir!

Wie Opfer-Rauches Wogen, wallt unser Grußgesang, empor zum Sternenbogen,. und ruft: Leb' froh und lang!

Heil! Jede Morgensonne soll Dir gesegnet seyn, soll neue Lebenswonne in Deine Tage streu'n!

Wie Deiner hohen Weihe begränzter Tag entwich, erwache jeder neue in schöner'm Glanz für Dich.

Im Herbste Deiner Jahre, Wie muß es uns erfreu'n!

soll Deinem Silberhaare der Lenz noch Blumen streu'n.

Vollbracht ist unserm Leben noch nicht des Guten Macht: der Wahn, die Sünde weben ihm noch des Unheils Nacht.

D'rum müssest Du noch lange Der Weisheit Dienst Dich weihn. mit edlem Herzensdrange für Tugend thätig seyn.

Mit holderem Gedeihen krönt Gott des Edlen Saat;

zu ew'gen Kränzen reihen ihm Engel That an That. Dem Greise, der für Tugend, für Weisheit ringt und schafft, verleihet er der Jugend entflammten Muth und Kraft.

Wie wenn im Blumentha!« der Frühling sich verjüngt, und mit dem neuen Strahle verjüngte Freuden bringt: wird durch Dein Hochbemühen Buchoniens Kirchenthum, wie einst, und schöner blühen, und seiner Schulen Ruhm.

Und wenn in sanfter Feier der letzte Tag Dir sinkt; wenn drüben licht und freier der ew'ge Tag Dir winkt, blickst in den Abendröthen Du, Vaterhuld im Blick, zu Deinem ruhmerhöhten Buchonien zurück.

Drum Heil! In Jubeltönen sey freudig uns gegrüßt, der Du nach langem Sehnen nun Fulda's Vater bist.

Wir jauchzen Heil und Segen, Geliebter Vater, Dir, im Feierlied entgegen! Dir jauchzen Segen wir.

Chor.

Jauchzet! Jauchzet Segen dem Hochgeweihten! Heil! Ihm Segen, Heil! Ihm Segen, Heil! Dem Vater Heil!

Der fromme Greis sollte nicht lange der Kirche de« hl. Bonifatius vorstchen: am 30. Juli 1831 wurde er aus diesem Leben abgerufen. Ihm folgte, einstimmig erwählt, Johann Leonard Pfaff, geboren am 18. August 1775 zu Hün­feld, ein Bäckerssohn wie sein Vorgänger. Lange

Zeit Hofkaplan bei dem Fürstbischof Adalbert HL, stand er dann als Großherzoglich Fuldaischer Studien-Kommissarius dem Lyceum und Gymna­siums vor. Ganz Fulda, ohne Unterschied der Partei, wünschte sich Glück zu einem so hervor­ragenden Kirchenfürsten, den die glänzendsten Geistesgaben auszeichneten. Am 2. September 1832 wurde er konfekrirt, die Lokalpoeten rührten wacker die Saiten zu dieser Feier. Vor mir liegen einige dieser Festgedichte, die vielleicht Mancher nicht uninteressant finden wird, da sie nicht allein die Stimmung ihrer Zeit spiegeln, sondern auch ein klein wenig ihre Verfasser zeichnen, diese aber waren Männer, hie es immerhin verdienen, in da« Andenken der Fuldaer zurückgerufen zu werden.

Wieder ist e» der GymnasiallehrerDr.Kilian Wolf (f 28. November 1736), der sein Saiten- spiel ertönen läßt in folgender, dem neugewählten Bischöfe zur Weihungsfeier gewidmeten

Ode.

Den Erstlingsliedern hattest Du Beifall schon gelächelt; kühner rauschte die Harfe nun.

Wie war ich stolz: dem Eingeweihten schlugen sie inniger an die Seele.

Wie feierlich hochwallender Glockenschall die Hirtenweihe kündet, wie Orgelsturm des Volkes Jubel zu des Domes prangenden Zinnen erbrausend flügelt: auch meine Muse tritt zu dem Festaltar und flicht der Hymne wonnigen Strophenkranz Dir, Leonard, in Deine Silber­haare. Unsterblichen Frühling blüht er.

Du hast errungen, was sich ersehnete die Kirche. Aber eilig, wie Lenzgewölk, verfliegt das nicht'ge Luftgebilde, Wahrheit verkünd' ich, der Erdengröße; wenn nicht der Tugend waltender Feuergeist und ihre Mitgebor'ne, die Weisheit, es zur frohen Ewigkeit beleben.

Du bist besonnen. Wie kann's Dich täuscheNj? Der Hochgedanke König int Volke sein, dehnt weit den Busen; sel'ger, auch ich empfand die Wonne, Seelen, die ein höh'rer Drang uns vereinte, zu beherrschen.

Vom Urbeginne stand in der Schöpfung Buch es ausgeschrieben: Wallet des Kreises Bahn, die ewig feste, ihr Gestirne, regelnd den Wandel des tiefer'n Erdballs.

Wer zählt die Sonnen, mißt die Unendlichkeit der Bahn, der Größe? Nur der Bewunderung hat die Natur des Weltenalles prächtige Fülle so reich entfaltet.

Doch ist die Seele, die, noch von Staub umringt, ob diesen Wundern staunet, Vermeffenheit

ist fern dem lauter'n Selbstbewußtsein, größer, als leuchtende Glanzgestirne.

Noch kennt sie nicht die Fernen, wo selige Vollendung ihrer Bildung entgegenstrahlt, nicht die Verwandlungsstufen all, die sie zum verklärtesten Geiste läutern.

Es zeige Klio's Griffel den Wechsel nur und schnöde Irren. Er ist der Zeiten Loos;

dm Geist, ihn kann er nicht verschlingen: ringend und kämpfend — doch er muß siegen. Und des Triumphes ewiger Freudenzug irrt nicht im Kreise: frei, wie der Adler sich im Aetherflug bewegt, erstrebt der Geist die unendliche Sonnenhöhe.

Wen Tugendweisheit, welchen der Himmel sich erkor, der Menschheit wogenden Sieg'sttiumph zu lenken, höh'rer Lieder ist er würdig, als Pindar's Olympiasieger.

Heil den Platanen! Hohe Verherrlichung den Gottbeseelten! Ringet, Eroberer, den weiten Erdkreis zu erstürmen, freut euch erzwungener Huldigungen.

Jn's Sterngewölbe schreibet der Genius der Menschheit ihre Thaten; und ewig flammt des weisen Moses, des Erlösers und des vollendeten Wmfrieds Name.

Der großen Lehrer sel'ge Verkündigung durchflog dm Erdkreis; tiefer in's Heiligthum trat nun die Forschung: doch des Dunkels Viel noch umnachtet das blöde Auge.

Noch ragen tausend Jrmen, ihr Hain umwebt Gebirg und Thale; tausend Altäre noch bekränzt der Wahn, die Selbstsucht opfert sttll und im Glanze dem falschen Gotte.

Run trittst Du eifernd, Leonard, vor den Zug, Die Menge jauchzet; laut wird die Zuversicht der treuen Führung, und ihr Jubel flehet Dir Segen herab vom Höchsten.

Gott ,um Guten. Dieses dein gold'nes Wort, «oll Selbstvertrauen, Liebe zum Vaterland

im Herzen, leite deine Heerde, führe zum Himmel sie schöner Tugend.

Wie dräuend oft, wie stürmend der Geist der Zett durch's Leben zieht: er bietet, wo muthig du für Edles kämpfest, frei die Hand Dir, horchend der Rede für Recht und Wahrhett.

O Wonne, wenn Dir jegliches Morgenroth den neuen Schritt, und sei es auch einer nur, bestrahlet, welchen Du die Heerde, wie sie mit Liebe Dir folget! führtest.

In reicher Salbung ströme dein Feuerwort in Aller Herzen; lichter entzünde sich die Sonne der Erkenntniß, wärmer strahle sie nieder in's Reich der Tugend.

Di- fromme Sehnsucht, ränge sie stets nach der Verheißung Eden, das nur im Hoffnungsglanz der Seher schaut? O, nein! Der große Tag der Erfüllung ist angebrochen.

Ein anderes Festlied, „ehrerbietigst überreicht und gesungen von der Schuljugend der Dom­pfarrei am 2. des Herbstmonates 1832" ist ver- faftt von dem hochverdienten Dompfarrer Isidor S ch l e i ch e r t, früher Benediktiner und als eifriger Förderer unserer Vaterlandskunde rühmlichst be­kannt. Es lautet folgendermaßen:

Preis der Vorsicht, deren Leitung Heut uns einen Führer gab, Der nach seines Namens Deutung Auch verdient den Hirtenstab! Daß er, als der Allverehrte Schütz' und leite seine Heerde, Die einst Winfried Gott geweiht. Treuer Hirt! Dich grüßen wir, Huld'gen kindlich-folgsam Dir; Und erflehen aus den Höh'n Für Dich alles Wohlergeh'n.

Wohlergehen — aus den Höhen: Mehr, als unser Wunsch vermag! Förd're Gott, der ihn ersehen. Sich zur Ehre an den Tag. Weisheit, Liebe an der Weide Seiner Heerd' steh'n ihm zur Sette, Und, sie zu beschützen, Muth.

Wohlergehen — ihm und allen. Die sich seiner Pflege freu'n! Die, wohin er winket, wallen — Wollen wir die Ersten sein. Uns noch Lämmern feinen Heerde, Ziemt es, daß wir ohn' Beschwerde Und in Einfalt uns ihm weih'».

Wohlergeh'n — dem neuen Hirten!

Niemals seufz' er über uns: Vielmehr unter seinen Bürden Freu' er stäts sich seines Thuns. Eines Sinn's und Herzens werde Mit ihm Buchenlandes Heerde, Für den Herrn, der sie erkauft.

Wohlergeh'n! — Auf lange Jahr- Bleib' er frisch, wie Immergrün! Daß er noch im Silberhaare Schaue seiner Kirche Blüh'n. Unter seinem länger» Walten Muß sie blühend sich gestalten. Wie ihr gold'nes Alter war.

Wohlergehen! — Bis sein Scheiden Alle doch dereinst betrübt. Die sich seines Umgangs freuten, Die er segnend er geliebt.

Heil alsdenn ihm in den Höhen, Wo sein Geist, auf Wiedersehen, Wird empor gefahren sein! Treuer Hirt! Dich grüßen wir, Huld'gen kindlich-folgsam Dir; Und erflehen aus den Höh'n, Für Dich alles Wohlergeh'n.

(Schluß folgt.)