Erstes Blatt
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Unter Börse versteht man also die in den größeren Handelsorten, wie Berlin, Hamburg, Frankfurt, Wien, Paris, London u. s. w. eingerichteten Versammlungsorte, an welchen Diejenigen, welche auf der Börse eingeführt sind, das heißt Diejenigen, denen der Zutritt und die Betheiligung gestattet ist, zusammen kommen, um in Effekten (Geld, Papiergeld u. s. w.) und in Produkten (Wolle, Getreide u. s. w.) Geschäfte zu machen. Bei der Zulasiung des Geschäftsmannes ist jedoch durchaus nicht der moralische Werth der betreffenden Person maßgebend, sondern der Mammon. Der Lump wird nicht zugelaffen, und zu den Lumpen gehören in den Augen de: Börsianer schon Viele, die der einfache, bescheidene Bürger- und Bauersmann zu den Reichen zählt. Wer aber auf der Börse durch verfehlte Spekulationen zum Lumpen geworden ist, wird ohne Gnade und Barmherzigkeit aus der Gesellschaft hinausgeworfen. Solche ve-krachte Böisianer sind dann gewöhnlich die fleißigsten Besucher der Börse, aber nicht des allgemeinen Geschäftssaales, denn da werden sie nicht mehr zugelaffen, wohl aber der Zuschauerräume. Es geht ihnen wie den Kutschern, die selbst nicht mehr knallen können, aber das Knallen immer noch gerne hören, oder wie den alten mürben Spitzbuben, welche den Strafgerichtsverhandluugen als Zuhörer so gern beiwohnen, nachdem sie früher als Angeklagte so oft eine mehr aktive Rolle bei solchen Verhandlungen gespielt haben.
Die Börsen verdanken ihre Entstehung einem wahren Bedürfniß, denn die großen Geschäftsleute müffen einen allgemeinen Versammlungsort haben, an dem sie Erfahrungen sammeln, ihre Ideen austauschen und ihre Geschäfte abschließen können. Die Börsennachrichten sollen der Handelswelt eben so gut über die Lage des Handelsmarktes Aufschluß geben, wie uns das Barometer über die Lage der Verhältnisse in der uns umgebenden Luft, weßhalb die Börsennachrichten wie das Barometer nur das Richtige angeben, das heißt nur solches bringen sollen, das auf wirklichen, wahren Thatsachen beruht. Daß sie das leiser nicht immer thun, ja nicht immer thun können, weil die Redakteure der Börsennachrichten nur zu oft getäuscht werden, das werden wir im späteren Verlaufe dieser Abhandlung sehen. Man will aber doch in der Regel vas Wahre bringen, und deß- halb werden nach dem Schluffe jeder Börsenstunde die Ergebnisse im sogen. Börsenbericht veröffentlicht, um für die Fernerstehenden als Richtpunkte zu dienen. So lange es also Großgeschäfte gibt, wird man auch Börsen und Börsenberichte haben müffen, und die redlichen Geschäftsabschlüffe auf den Börsen, denen wirkliche Handelsgeschäfte zu Grunde liegen, werden immer der Menschheit in der einen oder andern Form zum Segen gereichen.
Run haben sich aber auf den Börsen Geschäfts« gebahrungen eingeschlichen, von denen man durchaus nicht behaupten kann, daß sie der Menschheit zum Segen gereichen, nein, dieselben sind ein Fluch für die weitesten menschlichen Geschäftskreise, so daß sogar vor einigen Jahren (1879) ein preußischer Minister von offizieller Stelle, nämlich vom Regierungstische der Landtagsversammlung aus, laut, öffentlich und unumwunden seine An- ficht dahin äußerte, die Börse sei ein Giftbaum, der das Geschäftsleben überwuchert habe und mit seinen giftigen Ausdünstungen die Kreise der großen Geschäftswelt verpeste. So ungefähr lauteten seine Worte, beziehungsweise war der Sinn derselben. Der Minister sprach im Namen und Auftrage der preußischen Staatsregierung und hatte als Vertreter derselben nicht seine persönliche Meinung, sondern die Anficht der Regierung zum Ausdruck zu bringen, und wenn er die obige Aeußerung
Die Audienz der St. Bincenz-Konferenz beim Heiligen Bater.
Der hl. Vater hat am 4. d. M. die Delegir- ten der St. Vincenz-Konferenzen von Frankreich, Deutschland, Belgien, Spai.ien, England, Amerika und Rom empfangen, an ihrer Spitze den Generalrath von Paris, prästdirt durch den Grafen Pagvs und die Präsidenten der Ober-VerwaltungS« Räthe der verschiedenen Länder.
Als JubiiäumSgabe offerirten die Konferenzen dem hl. Vater eine hohe Summe für den Peterr- pfenn'g, sowie ein reich ausgestattetes Album, welches alle Konferenzen der Welt, mehr als 4200, aufführt, ebenso die Namen ihrer Mitglieder, die sich auf mehr als 80,000 beziffern.
Der General-Präsident, Graf de Pagäs, verlas eine Adresse, welche die G-fühle ausspricht, von denen sich die Mitglieder in ihrer Thätigkeit leiten lassen, und dabei die unzerstörbare Anhänglichkeit hervorhebt, welche sie in Verehrung und Gehorsam mit dem hl. Stuhle verknüpft.
Der hl. Vater erwiderte Folgende«:
Wir empfinden, theure Söhne, eine wahre Genugthuung, indem Wir heute die Konferenzen vom hl. Vincenz von Paul so zahlreich vor Uns vertreten sehen, Wrr billigen von ganzem Herzen die Gefühle, die sie beseelen, und Wir nehmen mit Freude die Glückwünsche entgegen, welche ihr Uns in ihrem Namen darbringet. Auch für Uns ist es ein großer Trost, bei dieser feierlichen B-ranluffung Unseres Priester-Jubiläums an euere fromme Vereinigung Worte des Lobes und der Ermuthigung richten und jene Lobsprüche bestätigen zu können, die ihr so oft und — Wir fügen es hinzu — so verdienterweise zu Theil geworden seid. Wir wissen wie sehr euere Konferenzen überall im Aufblühen sind, und in diesem Aufblühen sehen wir vor allem -in Werk der göttlichen Vorsehung, q« unserer Zeit in Wahrheit, mehr vielleicht, als je zu- vor fühlt die kranke Gesellschaft das Bedürfniß nach den Werken der Barmherzigkeit. Die christliche Liebe ist das eigenste und unterscheidende Merkmal der wahren Jünger Christi. Deshalb bemühen sich auch unsere Feinde, deren Zielpunkt es heute ist, die Völker zu entchristlichen, auf alle Weise, den Begriff und das Verständniß für diese Tugend in den Geistern zu verwirren, deshalb suchen sie mit arglistigem und rasfinirtem Sinne an die Stelle der christlichen Wohlthätigkeit eine falsche und lügenhafte Wohlthätigkeit zu setzen.
Angesichts eines so unheilvollen Unternehmens, theuere Söhne, ist es angezeigt, ja unerläßlich, daß ihr demselben energischen Widerstand entgegensetzet, und zwar dadurch, daß ihr euren wohlthätigen Vereinen eine immer größere Ausdehnung gebet, daß ihr deren Thätigkeit eindringlicher und überzeugender macht, daß ihr den heilsamen Einfluß der Wohlthätigkeit auf die Menschen aller Klassen ausdehnt und ihn, als das wirksamste Mittel, auf alle Leiden, alle Bedürfnisse der Gesellschaft anwendet. Und alles das müsset ihr thun mit einem unbegrenzten Vertrauen auf die göttliche Kraft dieser Tugend, welche den eigensinnigsten Widerstand zu besiegen, den widersetzlichsten Geist zu zügeln weiß.
Dies, theure Söhne, ist das eurem Eifer und eurer Thätigkeit offenliegende Feld. Ihr habt das Werk begonnen voller Begeisterung und Edelmuth, geleitet durch das Beispiel und unter dem Schutze des Apostels der christlichen Liebe, des hl. Vincenz von Paul. Fahret fort mit Mutb, ohne Zaghaftigkeit und Menschenfurcht, aber auch mit Bescheidenheit und ohne Aufsehen erregen zn wollen. So werdet ihr der Welt den Beweis liefern, was der wahre Geist Jesu Christi für das Glück der Menschheit ist und sein kann.
Dieser Geist, ihr wisset es sehr wohl, theure Sohne, räth nicht nur, den physischen Bedürfnissen zu Hilfe zu kommen, die körperlichen Leiden zu lindern, nein, die christliche Liebe hat ein höheres Ziel: das geistige Wohl der Seelen, ihre ewige Seligkeit. Das ist ihre charakteristische Seite, ihre erhabene Mission: Weiterführung und Verlängerung der Mission des göttlichen Erlösers selbst.
Dieser Geist, Wir find davon überzeugt, theure Söhne ist es, in dem eure Gesellschaft lebt und von dem sie re« giert wird; es ist dieser selbe Geist der heiligen und übernatürlichen Liebe, die euere Herzen belebt und schlagen läßt. Traget Sorge, ihn euch in seiner ganzen Reinheit zu be- dewahren, und thuet Alles, was in euren Kräften steht, ihn eurer Umgebung mitzutheilen.. Die christliche Liebe
❖ Die Differenzgeschäfte an den Börsen.*)
Als Moses auf den Berg Sinai gestiegen war, um vom Herrn das Gesetz zu empfangen, da machten sich die Juden unterdessen ein goldenes Kalb, das sie anbeteten und neben anderen Cere- monten flott umtanzten. Der Unfug war jedenfalls ein s«hr großer, denn Moses gerieth dadurch in so unbändigen Zorn, daß er sogar die vom Herrn selbst geschriebenen Gesetzestafeln zerschlug, hoffentlich an den Rückseiten der Tänzer.
Das ist nun zwar schon sehr lange her, aber die Tänzer um den goldenen Mammon sind deß- halb doch nicht alle geworden, ja sie Haben beträchtlich an Zahl zugenominen, wenn sie es auch nicht für nöthig halten, dem goldenen Mammon erst die Gestalt eines Kalbes zu geben, die Gestalt des Zwanzigmarkstücks ist für diesen Mammon jetzt zeitgemäßer. Merkwürdiger Weise beteiligen sich die Nachkommen Jakobs besonders lebhaft an diesem Tanze, sie ziehen jedoch dazu nicht nach der Halbinsel Sinai, denn in der dortigen Gegend soll man sehr unkonfortabel (unbequem) eingerichtet sein, nein, man hat es sich bequemer gemacht, man hat in den Haupthandelsstädten solche Tanz- plätzr in Gestalt von großen Sälen in prachtvollen Gebäuden eingerichtet; bequeme Hotels, feine Restaurants, Opernhäuser und Schauspielhäuser sind auch in der Nähe. — Herz! Was oerlargst Du mehr? — Nur Geld, viel Geld haben, denn das Alles kostet Geld; deßhalb Geld, viel Geld rasch und mühelos verdienen, deßhalb mittanzen um den goldenen Mammon! — Das ist dort der Wahlspruch.
Die erwähnten modernen Tanzplätze, auf denen der Mammon, wenn auch aus anderen Motiven wie auf der Sinai-Halbinsel zu Moses Zeit, aber mit nicht geringerer Inbrunst und Hingebung umtanzt wird, sind die Börsen in den großen Handelsstädten. Hier werden zuweilen Tänze aufgeführt, die einen moralischen Menschen, der Gelegenheit findet, sie zu beobachten, mit fast unzurückdrängbarer Gewalt reizen könnten, die Rolle eines Moses zu spielen, wenn das Strafgesetz nicht wäre. Wer in der Börsenstunde von 12 bi» 1 Uhr Nachm. von den Emporbühnen aus dem aufgeregten Treiben der Börsianer zusieht und zuhört, das in B>zug auf äußeren Anstand zuweilen in einzelnen, aber doch öfters sich wiederholenden Fällen ganz unqualifizirbar ist, der wundert sich nicht mehr, daß schon seit einer langen Reihe von Jahren die Irrenhäuser an Zahl und Ausdehnung viel stärker wachsen, als die natürliche Bevölkerungszunahme das erforderlich macht. Die Zahl der geistig Gestörten nimmt eben bei dem heutigen allgemeinen Jagen nach großem und mühelosem Gewinn in stärkerem Verhältniß zu, und die Börsen liefern dabei einen nicht unerheblichen Bruchtheil.
wird aus euch, wie aus ihnen, ebenso viele Apostel machen. I Durch sie werdet ihr in vielen Seelen das Licht des Glaubens, verdunkelt durch Zweifel, auf's Neue zu hellerem Glanze bringen, ihr werdet Hoffnung erwecken dort, wo Entmuthigung und Verzweiflung herrschte. Durch die christliche Liebe werdet ihr im Schoße der Familien das christliche Leben, die Uebung der religiösen Pfl chten, die Liebe zur heiligen Kirche, den Gehorsam gegen ihre Gesetze, die Ehrfurcht vor ihrer Autorität wieder erwecken. Das sind, theuere Söhne, die kostbaren Früchte der christlichen Liebe; möge es Gott gefallen, diese Früchte zn segnen und unter euren Händen zu vervielfachen, euch zu stärken in euren frommen und mühevollen Arbeiten.
Inzwischen ertheilen Wir als Unterpfand der göttlichen Gnaden allen h-er;Anwesenden, allen Konferenzen, die euch entsendet haben, wie auch den armen zahlreichen Familien, die von euch unterstützt werden. Unseren Apostol. Segen.
Pf-, bellen, von >.
W- e, sen 346 id. teu
1888
Sonnabend, den 25. Februar.
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