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Deutsches Reich. I Petition um Herabsetzung der Getreidetarife

' vom Osten nach dem Westen wurde vom Abg.

Berlin, 23. Februar. Uhlendorff wieder ausgenommen. Der Vertreter * Der BundeSrath überwies den Gefetzent- des Wahlkreises Hamm-Soest sprach sich entschic-

wurf über die Erwerbs- und Wirthschaftsgenossen- den gegen die Petition aus, während Abg. Dr.

schäften den zuständigen Ausschüffen und stimmte Hammacher betonte, daß die gewünschte Ermäßi-

dem Gesetzentwürfe über Abänderung des Artikels gung der Getreidetarife im Landeseisenbahnrath

24 der Reichsverfassung (fünfjährige Legis- | nicht von den Vertretern der Industrie und des

laturperioden) zu. I Handels, sondern von der Landwirtschaft in

* Der Reichstag setzte die Etatsberathung Mittel- und Westdeutschland bekämpft worden sei.

bei der Zuckersteuer fort. Geh. Rath Brocius Die Petenten möchten deßhalb zunächst den Wider-

theilte auf eine Anfrage DuvigncauS mit, daß die stand ihrer Erwerbsgenoffen und den Widerspruch

Frage wegen Einführung übertragbarer Zucker- des Eisenbahnministers, der von dieser Tarif-

exportscheine erwogen werde. Abg. Dr. Witte und Herabsetzung einen Ausfall von 20 Mill M. bc-

Stobbe hofften, daß die Londoner Zuckerkonferenz fürchte, zu überwinden suchen. Redner regte ferner

zur Aufhebung der Zucker - Exportprämien führen an, die schwankenden Ueberschüffe der Eisenbahn- werden. Eine längere Debatte knüpfte stch an die Verwaltung nicht zur Balancirung des allgemeinen Branntweinsteuer, bei welcher alle Redner von Staatshaushaltsetats, sondern zur Amortisation rechts und links und aus dem Centrum stch über der Staatsschulden zu verwenden. Abg. Berger die Ausführung des neuen Branntweinsteuergesetzes trug eine Reihe von Desiderien für den Personen­beschweren und ihrer Enttäuschung über diesesGe- verkehr auf den Eisenbahnen vor, u. A. ein setz Ausdruck geben. Frhr. v. Mirbach wünschte, allgemeines Verbot des Rauchens, und beschwerte daß von den rigorosen Bestimmungen über die sich darüber, daß man auf den Bahnhofs- Steuerkredite in diesem Jahre noch kein Gebrauch restaurationen für theuercs Geld schlechte gemacht werde. Abg. Dr. Witte empfahl den Kla- Speisen und Getränke erhalte. Es erkläre sich das gen der Brenner gegenüber eine Einschränkung des zum Theil aus dem Protektionsunwesen Betriebes Abg. Racke beklagte die Mißgriffe bei bei Vergebung der Bahnhofsrestaurationen. Minister der Spiritusdenaturirung. Geh. Rath Brocius Maybach ergriff hierauf sogleich das Wort, um in erwiderte, daß ein anderes DenaturirungSverfah- entschiedener Weise allen Verdacht von sich abzu- ren erwogen werde. Abg. Dr. Barth wandte sich weisen, als ob er persönlich jemals auf die Ver- dagegen, daß die Berechtigungsscheine für 20 Mk. gebung einer Bahnhofsrestauration eingewirkt bei der Steuer in Zahlung genommen werden sol- habe. Im Uebrigen bezweifelte er, daß ein allge- len. während ihr Kours nur 18—18*/a Mk. sei. I meines Rauchverbot auf der Eisenbahn der Mehr- Die Etats indirekten Steuern und Reichsstempel- I heit des Volkes zusagen werde. Damit wurde die abgaben wurden genehmigt. Beim Etat des Reichs- Debatte über diese Fraget abgeschloffen. Im schatzamts wurden die laufenden Ausgaben der weiteren Fortgänge der Sitzung brachte Abg. Universität zu Leipzig (40,000 Mk.) aus dem Bachem die Erhöhung der Gehälter für einzelne Extraordinarium in das Ordinarium eingestellt, niedere Kategorien von Eisenbahnbeamten Der Rest des Etats und das Etatgesetz wurden zur Sprache, wobei er namentlich heroorhob, daß angenommen. — Morgen Antrag Goldschmidt: man aus der geringeren Zahl von Petitionen, Vogelschutzgesetz. welche aus den Kreisen der Eisenbahnbeamten in

* Das Abgeordnetenhaus fitzte heute die diesem Jahr an das Haus gelangt seien, nicht Spezialberathung des Eisenbahnetats fort. Die schließen dürfe, die Beamten seien mit ihrer jetzigen gestern ausgebrochene Debatte über die mit der Lage zufrieden. Sie scheuten nur den Druck der Einnahmeposition aus dem Güterverkehr verbundene Vorgesetzten. Die Abgg. Dr. Windthorst und

+ Itlfi flllhiffi Jlf'rmflfnhfif beiDatet huldigte, längst vorüber, und wenn unser

— FUlv» 9 UrlMUjZlMtt. Blick sich rückwärts wendet, so mag er deshalb lieber

Sie ist vorüber, jene bedeutsame Bischofsfeier, eine näher liegende Zeit streifen. Indem ich in

welche Fulda vor Kurzem in wahrhaft bräutlichem alten vergilbten Papieren herumstöbere, finde ich

Schmucke beging, noch aber tönen die Festesklänge mancherlei, was ich meinen lieben Landsleuten als in unseren Herzen nach. Unvergeßlich wird cs uns einen geringen Beitrag zur Geschichte unserer Stadt auch bleiben für alle Zeit da» hehre Bild, das hier bieten möchte.

wir geschaut — e» fügte sich ja so herrlich und Im Anfang unseres Jahrhunderts, im Jahre

harmonisch in den Rahmen einer Stadt, der wie 1802, vollzog sich jene verhängnißvolle Wendung,

kaum einer andern unseres Vaterlandes das Prä- welche die alte geistliche Herrschaft nach 1058 Jah-

dikat „geistlich" gebührt. Mit Stolz blicken ren ihres Bestehen» zu Grabe trug, und den grei- wir zurück auf eine ruhmreiche Vergangenheit, die | sen Fürstbischof Adalbert III. von Harstall Fulda einzig der Kirche verdankt, und wenn c» gewaltsam au» seinem Refidenzschloffe verdrängte, auch in politischer und sozialer Beziehung herabgesun- Er war in der Reihe der Aebte der vierundacht- ken ist: seine geistliche Bedeutung ist ihm zigste, in der der Bischöfe aber nur der vierte; geblieben. Und daß diese ihm auch immer bleiben | war doch Fulda erst am 3. Oktober 1752 von wird, dafür bürgt sein kostbares Gut: sein heil, i Papst Benedikt XIV. unter Am and v on Buseck, Apostelgrav! — der schon lange Weihbischof gewesen, zumBisthum

Kein Wunder jedoch, wenn wir Fuldaer bei erhoben worden. Die Weihbischöfe, die Fulda besessen, kirchlichen Ereignissen, die tief in da» bürgerliche waren: Stephan von ClodH, Bischof von Leben hineinragen und ihren leuchtenden Schimmer Derbe (vom 25. Jan. 1727 bi» 5. Sept. 27), darüber ausstreuen, uns gern zurückversetzt glauben Amand v. Buseck, Bischof von Themiscyra möchten in die alten Tage de« Glanze». Und i (1728—52), Konstantin von Schütz, Bischof konnten wir jüngst nichtträumen, daß jene stolzen vonMenida (1757—75, Ermenold von Pies- Fürstenbildnisse, die von den Wänden de» prächtig port, Bischof von Kapharnaum (1776 — 78), dekorirten Orangeriesaales herunterblickten, wieder Lothar von Breidbach-BürreSheim, Bi- lebendig geworden seien, um glänzend Hof zu Hal- schof von Jencho (1778- 94). Auf den Fürst- ten in ihrer schönen Residenz? — bischof Amand v. Buseck folgte Adalbert II.

Und doch ist diese Glanzperiode, in der Fulda | von Wald erd ors (1757—59), auf diesen Hein- in seinem geistlichen Oberhirten zugleich dem Lan- • rich VIII. von Bibra (1759—88), dann Adal-

Berger schloffen sich diesen Ausführungen an und rügten es besonders, daß auf den Beschluß des Hauses, wodurch eine Petition der Eisenbahn- Telegraphisten und der Betriebstechniker dem Minister zur Berücksichtigung überwiesen wurde, in den Entschließungen der Verwaltung nicht ein­mal eine Antwort ertheilt worden sei. Auch die Abgg. Lehmann und Sperlich nahmen sich der Beamten an und hielten insbesondere die Erthei- lung von Lokalzulagen an die unteren Beamten für unentbehrlich, um wirklich eine Parität zwischen den in den verschiedenen Theilen des Landes an­gestellten Beamten herbeizuführen. Die Petitionen auf Einführung eines Ausnahmetarifes u. f. w. wurden schließlich durch Uebergang zur Tages­ordnung erledigt. Schließlich fand der Etat der Eisenbahnverwaltung unveränderte Annahme. Morgen: Anträge: Hansen betreffend Jmmobiliar- stempel, Antrag Baling und Gen. betreffend die Reliktenbeiträge der Lehrer, Petitionen.

* Prinz Ludwig von Baden, zweiter Sohn des Großherzogs, ist heute früh 6 Uhr an der Lungenentzündung, die ihn befallen hatte, in Frei­burg, wo er die Universität besuchte, gestorben Der Verstorbene war am 12. Juni 1865 geboren' Von dem Todesfälle wird auch unser Kaiserhau' betroffen, denn Prinz Ludwig war ein Enkel unsere^ Kaiserpaares. »

Ausland.

* Die Legung des zweiten Geleises der G o t t- hardbahn hat nunmehr begonnen und zwar gleichzeitig mit der Sprengung der noch vorhande­nen Felsmassen in den Kehrtunnels. E; handelt sich dabei um ca. 20,000 Kubikmeter Felsen. Die Bauzeit für die erst begonnene Strecke Faido- Airolo dauert bis Ende Oktober 1890.

* Der Prozeß Wilson ist noch nicht zu Ende geführt. Der Staatsanwalt hat die Anklage auch nach dem Schluffe der mündlichen Verhandlungen aufrechterhalten. — Das Urtheil wird nach acht Tagen verkündigt werden.

* San Remo, 23. Febr. Bis zur Stunde ist das Befinden des Kronprinzen unverändert;

bert III. von Harstall, der im Jahre 1811 ein 50jähriges Priester-Jubiläum feierte und 1814 sein frommes Leben beschloß. Sein hofkaplan, Leonard Pfaff, hielt ihm die Trauerrede. Fünf­zehn Jahre lang stand nun der Stuhl de» heil. Sturmius verwaist, bis endlich Fulda wieder einen neuen Bischof erhalten sollte. Als der Kapitular- vikar Friedrich Boni fa z Freiherr von Kemp ff zu Angreth — er war noch einer von jenen stch. ! ehnshnigen Prälaten der alten Zeit — die ihm »gedachte hohe Würde ablehnte, da wurde von >etn Kurfürsten Wilhelm II., der sich vertrags­mäßig vorbehalten hatte, den ersten Bischof vor- Zuschlägen, ein Priester von bürgerlicher Her­kunft ausersehen: der Geistliche Rath und Stadt­pfarrer Johann Adam Rieger.

Der Generalvikar von Kempff aber wurde vom Papst mit der Führung de» Jnformativprozeffe» >eauftragt, und al» er zu diesem Zwecke nach Cas- el reisen mußte, passtrte eine ergötzliche Verwechst- ung, die Dr. Malkmu» in seinem „Fuld. Anek« wtenbüchlein" der Aufzeichnung werth erachtet hat. Al» nämlich Herr von Kempff in seinem Wagen n die hessische Haupt- und Residenzstadt einfuhr, >a mußte er an der Thorwache, gemäß der damals »estehenden Einrichtung, Namen, Stand, Heimath u. s. w. mittheilen, welche Angaben dann in den Caffeler Zeitungen bekannt gemacht wurden. Am andern Tage aber veröffentlichten die letzteren, daß der „General Fikar von Genf" angekommen stj