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1888

Di« Fuldaer, Bettung' erscheint tüglich, Sonn- und Feiertage angenommen. Vierteljährlich« Abonnementspreis dnngerlohn und Bestellgeld. 1 M. 50 Pf. mit der belletristischen Wochenbeilage «Sterne und Blumen'in Fulda 1 R. 70 Pf., auswäitts 13». 75 Pf.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., 6et Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Berlin, 18. Februar.

* Der .Reichssnzeiger' veröffentlicht folgendes Bulletin aus San Remo den 19. d. 10.45 Vormittag«: Die Wunde des Kronprinzen fährt fort, sich bei bestem Aussehen zu verkleinern. Kein Fieber, Husten wie gestern, etwas mehr Aus­wurf. Der Appetit mehrt sich. Mackenzie. Schrader. Krause. Hovell. v. Bergmann. Bramann.

* Zum vortragenden Rath bei dem Prinzen Wilhelm soll der Direktor im Ministerum des Innern, von Zastrow, ein besonderer Verehrer und Gesinnungsgenvffe des Ministers von Putt- kamer, bestimmt sein.

* Der Reichstag erledigte heute durchKennt - nißnahme den Rechenschaftsbericht über die Ver> Hängung der kleinen Belagerungszustandes über Stettin und Offenbach. DieAbgg. Frohme und Gabor (Soz.) bestritten jeden Anhaltspunkt für diese Maßregel, während der Abg. Brehm (nat.- lib.) als Vertreter für Offenbach das Vorgehen der Regierung rechtfertigte, indem er auf die Wahl­bewegung in den früheren Jahren und die damalige Agitation hinwics. Die sozialdemokratischen Red­ner zogen sich wiederholte Ordnungsrufe zu. Darauf wurde in die zweite Berathung des Etats (Post- und Telegraphenverwaltung) eingetreten. Bei der Abstimmung tirer Titel 24 (Neues Dienstgebäude in Insterburg) erste Rate 100,000 Mk., den die Kommission zu streichen beantragt, ergibt sich Be­schlußunfähigkeit des Hauses. — Dienstag 1 Uhr: Etat.

♦ Das Abgeordnetenhaus überwies die rheinische Grundbuchordnung und das Gesetz, bc- tteffend die Vereinigung der Rechtsanwaltschaft und des Notariats im Geltungsbereiche des rheinischen Rechts an eine Kommission von 14 Mitgliedern und genehmigte dann den Etat der AnsiedlungS- kommrssion für Westpreußen und Posen. Die Polen Hstrowicz und v. Ezarlinsli erklärten sich gegen die Position und bekannten dabei die Verwerflichkeit de» ganzen Ansiedelungsgesetzes, mit welchem der Staat die Nothlage der Polen in wucherischer Weise ausbeute. Die übrigen Redner aus dem Hause, der nationalliberale Abgeordnete Dr. Hagens und die freikonseroativen Abgeordneten Dr. Wehr, Kennen ann und v. Tiedemann (Bomst), gingen auf diese prinzipielle Seite nicht ein, brachten viel-

Mario«.

Original-Roman von Marie Romaup.

(35. Fortsetzung.)

XVIII.

Man braucht sich nicht in den beengenden Ver- hältniffen kleiner Provinzstädte zu befinden, um zu erleben, daß eine Begebenheit, wie die polizeiliche Schließung einer in der Elite der Gesellschaft sprüchn örtlich bekannten Spielhölle Staub in die Luft wirft; auch in Paris kann e» geschehen, daß ein solche», zahlreiche Familien aus den distinguir- ten Kreisen schmähende Ereigniß wie ein Lauffeuer »en Mund zu Mund geht.

Richt vierundzwanzig Stunden waren verfloffen, s» bildete die Schließung de» Salons Fouquet die •au« celebre der hohen und reichen Gesellschaft der Seinesta t. Obgleich Niemand von Allen ein bestimmtes D-tail über die Begebenheit wußte, raunte man sich die abenteuerlichsten Erzählungen in bte Ohren; auch berichtete man mit spöttelnder Miene, welcher Name, dem Adel und der Geld­aristokratie angehörig, durch den Vorfall befleckt worden war.

Auf der Polizeipräfektur ging man unterdeffen reger Beflissenheit den Einzelheiten des aufge-

mehr eine Anzahl einzelner Anregungen vor und zollten sämmtlich der Thätigkeit der Kommission und besonders der Umsicht des Vorsitzenden, Ober­präsidenten v. Zedlitz-Trützschler, lebhafte Anerken­nung. Auch Mmister Dr. Lucius griff wiederholt in die Debatte ein, wobei er besonders den vom Abg. Kennemann berührten Gedanken ablehnte, daß die Kommission auch deutsche Güter kaufen sollte. Ausdrücklich erklärte der Minister noch, daß katho­lische Kolonisten grundsätzlich ebenso willkommen seien wie evangelische, was allerdings dem Abg. v. Czarlinski zu der Erwiederung veranlaßte, daß die katholischen Kolonisten, wenn nicht grundsätzlich, so doch thatsächlich ausgeschlossen zu sein schienen. Die nächste Sitzung findet erst Dienstag 11 Uhr statt. Auf der Tagesordnung steht außer der Sekundärbahnvorlage der Eisenbahnetat.

* Die Petitions-Kommission des Reichs­tages hat ein zweites Verzeichniß der Petitionen, welche fie als zur Erörterung im Plenum nicht geeignet erachtet, vorgelegt. Danach haben dieses Schicksal erfahren sämmtliche Petitionen auf bezw. gegen Einführung von Arbeiter-Legitimationen resp. von Arbeitsbüchern auf Abänderung des $ 149, der Gewerbeordnung, sowie auf mancherlei Zoll­erhöhungen. Auch ein Antrag auf Wiedereinfüh­rung der Zeitungs-Stempelsteuer befindet sich unter den ad acta gelegten Eingängen.

♦ Zur polnischen Schulfrage wird der ,®erm.‘ Folgendes eingeschickt: „Die protestantische Provinzialsynode von Posen, welche am 10. Dezember 1887 ihre Berathungen beendigte, hat in ihrer Sitzung vom 6. Dezember auf An­trag des königlichen Konsistoriums befchloffen, für die polnischen Kinder den von Pastor Koniecki in polnischer Sprache herausgegebenen Auszug von Luther's Katechismus einzuführen. Dieses Lehrbuch hat für die polnischen Kinder protestan­tischen Glaubens der Superintendent Than aus Kempen empfohlen." Genanntes Blatt bemerkt dazu: „Auch im Kreise Ol.tzkv in Masurien ist für die protestantischen polnischen Kinder der Ge­brauch eines polnischen Lehrbuches für den Religionsunterricht vom Kreisfchulinjpektor ange­ordnet worden. Wir sehen hierin einen Beweis, daß die gesunden pädagogischen Prinzipien endlich zum Siege gelangen, wenngleich fie zeitweise be­kämpft werden." Die ,®ernt.' hätte statt dessen die Frage aufwerfen sollen, warum man gerade deckten Verbrechens nach. Sämmtliche in Haft ge­nommenen Personen waren bei hereinbrechendem Tage nach der Gefangenen-Abtheilung der Präfek­tur tranrportirt worden, wo sie, ein jeder getrennt •on dem andern, eingesperrt wurden, bis zu ihrer Vernehmung resp. ihrem Ausweis vor dem Rich­ter geschritten ward. ES hatte nicht geringes Auf­sehen erregt, als Nanette in ihrer Schlepprobe aus schaumfarbenem Sammt und Atlas, mit Pfirsich- blüthen garnirt und mit Edelsteinen durchwoben, geführt von Sergeanten, die Korridore der St» fängnißabtheilung pasfirte. Sie würde vblleicht der Scham erlegen fein, wäre sie eine weniger schuldige gewesen ; was sich als starre Entschloflen- heit bei ihr zeigt«, war das Bewußtsein völliger Vernichtung für alle Zeit.

Sobald der Tag angebrochen gewesen, batte ein Polizeihauptmann, begleitet vom Kommissar und drei Sergeanten, eine eingehende Untersuchung der Fouquetffchen Wohnung veranlaßt; er hatte des Erstaunens kein Ende gefunden über die märchen­hafte Pracht, welche die vom Staate mit Gnaden­gehalt versehene Wittwe in ihren Räumen entfal­tete, aber seine Entrüstung war auf die Spitze ge­stiegen, al» im Boudoir der Damen in einem eisernen Schrank, den Mutter und Tochter stet»

beim protestantischen Religionsunterricht nach gesunden Prinzipien verfährt und die Kinder in der Muttersprache unterrichtet, während man beim katholischen Religionsunterricht die polnische Sprache möglichst zu beseitigen sucht. Heißt da» nicht unter dem Vorwand der ©ermaniftrung die .Protestantifirung' fördern?

* Breslau, 17. Febr. Die Deputation aus Duderstadt, bestehend aus Herrn Bürgermeister Freericks und Bürgervorsteher Bankier Theodor Klinckhardt, welche Sr. Fürstlichen Gnaden, dem Hochwürdigsten Herrn Fürstbischof Georg den Ehrenbürgerbrief jener Stadt — der Vaterstadt des Herrn Fürstbischofs — überbrachte, kam Mitt­woch Abend 11 Uhr auf dem Zentralbahnhofe hier an und nahm im Hotel „zur goldenen Gans" Absteigequartier. Donnerstag Morgen gegen 10 Uhr wurde die Deputation im Wagen des Herrn Fürstbischofs vom Hotel nach dem fürstbischöflichen Palais abgeholt. Hierselbst sand unter herzlichen Ansprachen seitens der beiden Depntirten die feier­liche Ueberreichnng des Ehrenbürgerbriefes statt. Se. Fürstlichen Gnaden dankte sichtlich bewegt mit ebenso herzlichen Worten für die ihm durch die Ernennung zum Ehrenbürger seiner Vaterstadt gewordene Auszeichnung. Im Laufe des Vor­mittag» besichtigten alsdann die Depntirten den Dom und einen Theil der Stadt, und fanden sich später wieder in der fürstbischöflichen Residenz zum Diner ein, zu welchem noch einige andere Ein­ladungen ergangen waren. Nachmittags besichtigten die Herren aus Duderstadt in Begleftung der Herren Konfistorialrath Habel und Baurath Eber» andere Sehenswürdigkeiten der Stadt. Abend» begaben sich die Herren zu einer Taffe Thee zu Sr. Fürstlichen Gnaden. Heute Mittag 2 Uhr reiften die Depntirten wieder über Berlin nach Duderstadt zurück, nachdem sie sich heute morgen bei Sr. Fürstlichen Gnaden verabschiedet hatten.

* München, 18. Febr. ILbe: 600 Rvmpilger, darunter Bischof Haffner von Mainz, viele Geist­liche und Landleute, größtentheils aus denRheir.- landen, haben heute früh mit einem Extrazug die Stadt verlaffen. Ihr Führer, Graf Konrad Prey- fing, ging gestern nach Verona voraus.

• Der Bericht der kirchenpolitischen Kom­mission der badischen Abgeordnetenkammer, er­stattet vom Abg. Kiefer, ist nunmehr erschienen. Nach der vom ,Bad. Beob.' entworfenen Cha-

wie ein unzertrennliches Kleinod behüteten, ein Ver­mögen von nahezu fünf Viertel Millionen Franks in Gold und in- wie ausländischen Kaffenscheinen gefunden ward.

Alle Details des Vorgefundenen waren nach wenigen Stunden schon zur Kenntniß der obersten Behörde gebracht. Der Polizeirath Marie, dem die Vernehmung der Gefangenen, sowie die pro­tokollarische Aufstellung der Einzelheiten des Ver­brechens überwiesen worden, glaubte im Interesse der kleinen Gesellschaft von neunzehn Aristokraten und Bonvivants, die beim Spiele attrepirt wor­den, nicht unrecht zu handeln, wenn er die Vor­führung der Herren nach Kräften beeile. Er hatte sich nicht getäuscht, als er annahm, daß ein jeder von ihnen in der Sage sein würde, die für ihre Freilassung erforderliche Kaution zu erlegen; und so waren, wie man allseitig erwartet hatte, nach Verlauf von zwei Tagen sämmtliche Herren, nach­dem beträchtliche Summen für sie nitbergetect worden, bis zu dem vom Gerichte zu fällenden Urtheil wieder auf freien Fuß gesetzt und mir Katdarine und Nanette sowie Zola, blieben im Gefängnisse.

Durch die Freilassung der Herren, durch b e Erzählungen, welche sie, mehr ober weniger da