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1888-

Freitag, den 10. Februar.

Mitt

Inserate: Di« «inspalttg« Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. ____________________

Rede des Fürste« Bismarck gehalten im deutschen Reichstage am 6. Februar 1888 Bei der 2. Lesung des neuen Wehrpflichtgesetzes.

(Schluß.)

Das Maß von Leistungen, das bei uns durch die Kameradschaft und das Ehrgefühl aus dem Offizier her- ausgedrückt wird, das kann kein Reglement im Auslande herausdrücken. Darin find wir jeder Macht überlegen. Deßhalb konnten fie uns das nicht nachmachen. (Lebhafter Beifall.) Außerdem ist noch ein Vortheil mit der Aus - mhme des Gesetzes verbunden. Gerade die Stärke, die wir erstreben, stimmt uns nothwendig friedfertig. Mit der ungeheuerlichen Maschine, zu der wir das Seewesen aus- bilden, unternimmt man keinen Angriff. Wenn ich heute vor Sie hinträte und Ihnen sagte, wir sind erheblich be­droht von Frankreich und Rußland, es ist wünschenswerth, daß wir den Vorstoß des Angriffs benutzen, ich bitte also den Reichstag um einen Kredit von einer Milliarde, um den Angriffskrieg auf unsere beiden Nachbarn zu unter­nehmen, ich weiß nicht, ob Sie das Vertrauen zu mir haben würden, mir diesen Kredit zu gewähren. Ich hoffe es. (Heiterkeit.) Aber wenn wir in Deutschland einen Krieg mit dem vollen Erfolge der nationalen Kraft führen wollen, dann muß es ein Krieg sein, mit dem Alle, die ihn mitmachen, einverstanden sind, ein Krieg, der mit dem Enthusiasmus geführt wird, wie er 1870 hervortrat. Es ist mir noch in Erinnerung der ohrengellende, freudige Zuruf, der uns damals von Berlin bis zur Grenze be­gleitete. Die Woge der Volksstimmung warf uns damals in den Krieg hinein. Wenn wir aber einen Angriffskrieg machen, dann wird das ganze Gewicht von solchen Im­ponderabilien auf Seiten der Gegner sein. Dann wird das gesammte heilige Rußland und Frankreich bis zu den Pyrenäen entrüstet sein: Ein Krieg, bei dem wir nicht vom Bolkswillen getragen sind, wird ja auch mit der »ollen Schneide und vielleicht auch siegreich geführt wer­den, aber es wird nicht von Hause aus der Geist dahinter sein. Werden wir angegriffen, dann wird das ganze Deutschland vom Memel bis zum Bod-nsee wie eine Pulvermine sich aufbäumen und von Gewehren starren, (Stürmischer Beifall), und kein Volk wird es wagen, es mit dem furor teutonicus, der sich bei dem Angriff ent­wickelt, aufzunehmen. Diese Ueberlegenheit dürfen wir uns nicht entgehen lassen, selbst wenn viele Militärs der Meinung sind, daß wir gerade jetzt dem Feinde überlegen find. Wenn unsere Gegner etwa vermuthen, daß es die Furcht vor dem Ausgange ist, der uns friedfertig stimmt, dann irren sie sich ganz gewaltig. (Stürmischer Beifall.) Wir glauben ebenso fest an unseren Sieg in gerechter Sache, wie es nur irgend ein ausländischer Lieutenant in seiner Garnison beim dritten Glas Champagner thun kann. (Heiterkeit.) Gerade das Bewußtsein unserer Stärke gibt uns die Möglichkeit, es der göttlichen Vorsehung zu über­lassen, ob sie nicht inzwischen doch die Nothwendigkeit zum Kriege aus dem Wege räumt. Also ich sage, das Feuer muß von irgend Jemand angelegt werden. Wir werden es nicht anlegen. Weder das Bewußtsein unserer Stärke noch das Vertrauen auf unsere Bündnisse wird »ns abhalten, unsere bisherigen Bestrebungen auf Erhal-

Mario».

Original-Roman von Marie Romany.

(27. Fortsetzung.)

Er wendete, während er sprach, nicht eine Se­kunde das Auge von dem jungen Wesen, das, sicht­bar in immer wachsendem Kampf mit sich, den Kopf vorgebeugt hatte und den Blick in den Schoß gerichtet hielt. Auch nachdem er geendet, ruhte sein Auge lange Zeit auf ihr, bevor er das Wort wieder nahm.

„Sie reiften vielleicht nicht, daß Ihr Schweigen strafbar ist," meinte er dann, „das Gesetz beurthsilt Sie als Hehlerin des Verbrechen» und wird Sie demgemäß richten, sogar wenn Ihre Schuldlosigkeit an dem Verbrechen selbst erwiesen sein wird."

Marion hatte die Hand auf ihr Herz gepreßt.

„Mein Gott I" bebte es von ihr.

„Nicht wahr?" sagte Herr deGrillac ernst wie vordem. Es lag eine gewisse Thellnahme auf sei­ner Miene, da er zu ihr redete. „Und haben Sie bedacht, daß diese Strafe nicht ganz ungerechtfer­tigt wäre? Haben Sie daran gedacht, daß nicht die Brandlegung allein Ihrer Wohlthäterin Ver­mögen und Ehre geraubt hat, daß ein andere« schwerwiegendes Verbrechen mit dieser Brandlegung in Verbindung gewesen ist?"

tung des Friedens mit dem bisherigen Eifer fortzusetzen. Wir lassen uns darin auch durch keine Verstimmung zu­rückhalten. Es ist ja unzweifelhaft, daß die Drohungen und die Herausforderungen, die an uns gerichtet sind, ganz erhebliche Bitterkeit erregt haben. Wir sind aber bemüht, diese Bitterkeit zu besänftigen und wir wollen nach rote vor den Frieden mit unseren Nachbarn, namentlich aber mit Rußland suchen. Wir drängen uns nicht >uf, wir haben versucht, das alte vertraute Verhältniß wieder zu gewinnen, aber wir laufen Niemand nach. (Lebhaftes Bravo.) Wir wollen die Vertragsrechte, die Rußland uns gegenüber hat, mit doppelter Genauigkeit erfüllen. Zu diesen Vertragsrechten gehören auch solche, die nicht von allen unseren Freunden anerkannt werden, die aber von Rußland geg nüber anerkannt sind, die bis 1885 unange­fochten bestanden haben. Wir sind auf dem Kongreß alle Tage der Meinung gewesen, daß der vorwiegende Einfluß in Bulgarien Rußland zufallen sollte, nachdem es seiner­seits aus Ost-Rumelien verzichtet hatte. Zn Folge dieser Auffassung hat Rußland einen nahen Verwandten seines Herrscherhauses zum Fürsten gemacht, von dem Niemand annehmen konnte, daß er etwas Anderes, als ein getreuer Anhänger der russischen Politik sein würde. Die Bulgaren oder ein Theil von ihnen waren hiermit nicht zufrieden. Es hat der Staatsstreich — nennen wir ihn den Abfall von Rußland — stattgefunden. Dadurch ist ein faktisches Verhältniß entstanden, das wir mit Gewalt der Waffen zu ändern keinen Grund haben, das aber die Rechte, welche Rußland aus dem Kongreß nach Hause gebracht hat, schwer­lich nicht alteriren kann. Ich würde gewaltsame Maßregeln in dieser Frage nicht unterstützen, auch nicht dazu rathen. Ich glaube auch nicht, daß die Absichten hierzu vorhanden sind. Es ist aber Aufgabe einer loyalen deutschen Politik, die Bestimmung des Berliner Vertrages zu halten in der Auslegung, die wir Ihnen damals gegeben haben und an der die Stimmung der Bulgaren nichts ändert. Bulgarien ist kein Objekt von hervorragender Größe — das Ländchen zwischen Donau und Balkan — an das man die Konse­quenz knüpfen könnte, Europa von Moskau bis zu den Pyrenäen und von der Nordsee bis Palermo in den Krieg zu stürzen. Den» man würde nach dem Kriege gar nicht wissen, mit wem man sich ge­schlagen. Sobald aber Rußland den Wunsch aus­spricht, die diplomatischen Schritte zu unterstützen, um seinen Einfluß auf Bulgarien wieder zu gewinnen, werden wir diesem Wunsche Folge leisten. Ich sage, wenn Ruß­land den Wunsch ausspricht! Wir sind früher mitunter bemüht gewesen, russische Wünsche auf vertraulich- An­deutungen hin zu erfüllen. Wir haben erlebt, daß russische Federn nachzuweisen wußten, daß gerade diese Schritte die feindseligsten gegen Rußland gewesen seien und die uns angriffen, weil wir den russischen Wünschen zuvorge­kommen waren. Es wird das nicht mehr passiren. (Bei­fall.) Aber wenn Rußland uns amtlich auffordert, die Schritte zur Herstellung seiner kongreßpflichtigen Stellung zu unterstützen, die es beim Sultan zu thun beabsichtigt, so werden wir diesem Verlangen entsprechen. Wir haben ja unseren Nachbarn gegenüber — mag die Stimmung sein wie sie wolle — große und gemeinsame monarchische Interessen der Ordnung, allen G-gnern der Ordnung

Marion hatte den Kopf wieder aufgerichtet und starrte halb ungläubig auf den Sprechenden.

„Noch ein anderes?" wiederholte fte1

„Wissen Sie es wirklich nicht?" fragte Herr de St.Grillac, während sein Blick, der allmählich ein gewisse» Mitleiden kund gab, sich gewaltsam in ihrer Miene zu lesen bemühte. „Hörten Sie nie­mals den Namen Baruch? Ist es Ihnen unbe­kannt, welches Verbrechen er auf Geheiß einer an­dern Person ausgeführt hat?"

Marion's Erstaunen wuchs mit jedem Worte, welches der Richter sprach.

„Ich hörte niemals den Namen Baruch," zttter-e es von ihr. „Im Haufe der Baronin wurde die­ser Name, soviel mir bewußt ist, niemals genannt."

„Wirklich?" meinte Herr de St. Grillac fast triumphirend. „So wissen Sie auch nicht, daß die Brillanten aus dem ganzen kostbaren Schmuck der Baronin verschwanden, daß an Stelle der Ju­welen Glas in die Fassung geschmiedet ward?! — Sie wissen nicht —"

Er hielt an. Ein Ausruf des Entsetzens war dem jungen Wesen entfahren, mit weit aufgerissenen Augen starrte sie ihr Gegenüber an.

„Uamö stich!" rief fie.

| Der Richter zögerte. ,

Die Baronin gab ja den Schmuck memal«

gegentber zu vertreten. Ich bitte Sie aber, daß Sie da» Gesetz unabhängig von dieser Befürchtung behandeln und lediglich als eine volle Herstellung der Verwendbarkeit der gewaltigen Kraft betrachten, die Gott in die deutsche Nation gelegt hat — für den Fall, daß wir sie brauchen — brauchen wir sie nicht, wenden wir fie nicht an; wir suchen den Fall zu vermeiden, daß wir sie brauchen. Das wird imS einigermaßen erschwert durch drohend« Zeitungs- ' artikel von Außen und — ich möchte diese Mahnung vor­züglich an das Ausland richten, doch diese Drohungen zu unterlassen, diese Drohung in der Presse ist eine unglaub­liche Dummheit. (Große Heiterkeit.) Man soll doch nicht glauben, das Deutsche Reich durch gewisse bedrohlich- Ge­staltung der Druckerschwärze einschüchtern zu können. Wir können durch Liebe und Wohlwollen leicht b-stimmt wer­den, aber durch Drohungen ganz gewiß nicht. (Lebhafter Beifall.) Wir Deutschen fürchten Gott, aber sonst Nichts in der Welt. (Stürmisches Bravo.) Und die Gottes­furcht ist es, die uns den Frieden lieben und pflegen läßt. Wer ihn aber trotzdem bricht, wird sich überzeugen, daß die kampfesfreudige Vaterlandsliebe, welche 1813 die gesammte Bevölkerung des damals schwachen, kleinen und ausgesogenen Preußens unter die Fahne rief, heute ein Gemeingut der gesammten deutschen Nation ist, und daß die deutsche Nation, wer sie angreift, einheitlich gewappnet finden wird, und jeden Wehrmann mit dem festen Glauben im Herzen: Gott wird mit uns sein. (Stürmischer, an­haltender Beifall und Händeklatschen.)

Deutsches Reich.

Berlin, 9. Februar.

* Der Kaiser empfing Nachmittags Radolinski, der mit Prof. Bergmann heute Abend nach San Remo reist. — Eme Depesche Mackenzie's besagt: Dem Patienten geht es nicht mehr gut, die Schwellung wächst, der Luftröhrenschnitt wird dringend.

• Bei dem Diner zu Ehren de» Branden­burgischen Pcovinziallandtage» brachte der Prinz Wilhelm einen Trinkspruch auf die Provinz Brandenburg au», worin er sagte: Ich weiß wohl, daß im großen Publikum, speziell im Aurlande, mir leichtsinnige nach Ruhm lüsterne Kriegsgedanken imputict werden. Gott be­wahre mich vor solchem verbrecherischen Leichtsinn, ich weise solche Anschuldigungen mit Entrüstung zurück. Doch bin ich Soldat, alle Brandenburger sind Soldaten. Daher lassen Sie mich mit den Worten schließen, welche am 6. Februar der große Kanzler dem Reichstage zuries: Wir Brandenburger fürchten nur Gott, sonst nicht» auf dieser Welt.

andere Hände," berichtete fie daun. „Er lag stet« im Geldschrank und den Schlüssel hierzu vertraute Frau von Wlldenau, soviel, ich mich erinnere, nie* mal» einer andern Person an. Sie trug ihn bei sich/

„Immer?"

„Unausgesetzt."

„Auch wenn fie Feste besuchte?

„Auch dann. Nur in ganz außerordentlichen Fällen gab sie ihn einmal Raoul oder Elly ; eine fremde Person hat ihn, soviel ich weiß, memal« in Händen gehabt." __

E» lag ein seltsamer Ton in den schlichten Wor­ten, die Marion sprach; der Richter konnte mcht umhin, ihrer Aussage unbedingt Glauben zu schenken.

.Also ist es wahrscheinlich, daß Frau von Wil- denau selbst die Steine tauschen ließ/ warf er fragend hin. Er wußte nicht, einen wie empfind­lichen Punkt er mit diesen Worten bei dem jungen

Marion, deren Wange sich gefärbt hatte, hielt einen Augenblick an.

„Nein," sagte sie dann ruhig, „die Annahme ist falsch. Frau von Wildenau würde sich niemal» zu einer Aussage herbeilaften, die unwahr ist, auch unter den mißlichsten Verhältnissen nicht."

Ruhig und fest hielt sie da« Auge auf den Rich- ter gewandt. 6» war unmöglich, gegen ihre Worte