1888
Dienstag, den 7. Februar.
Minier
Zwischenhandel die Mutter, also weg mit ihm. । Ein anderes Gebiet des unnöthigen Zwischenhandels, ein anderer Weg zum Wucher ist der Schnapshandel. Es ist schön, ein Fäßchen Schnaps | im Keller zu haben, es ist so b quem, dazu zu treten und stch ein Gläschen zu füllen und noch bequemer erscheint es, unsint man es geborgt er- !;ält. Es ist auch billiger, als wenn man den Schnaps schoppenweise beim Wirthe kauft, wenig» lens scheint es vorläufig so, denn daß die angewachsenen Schnapsschulden schließlich den Mann ruiniren, daß er schließlich doch den Schnaps mit dem Verluste von Haus und Hof thsurer bezahlt, daran denkt der gute Mann nicht, br« es zu spat ,st. So weit kommt es aber doch in vielen Fä^n, es wird hier gerade so gemacht, wie auf dem Gebiete des Viehhandels. Der redliche Geschäftsmann ,n der Stadt, der Brenner, alle diese wollen bald bezahlt sein und brauchen das Geld in ihrem Geschäfte. Sie können daher nicht aus längere Zeit Kredit gewähren, fte haben auch keine verdeckte Nebenabsicht. Der wuchernde Schnapshändler will sein Geld auch einmal haben, er hat noch Niemanden Etwas geschenkt und wird das auch
gute Gesetzeskenntniß ihm dem Bauern gegenüber, der da» Gesetz gewöhnlich nicht kennt,. zu Gute kommt. Dadurch wird manches Recht in Unrecht verkehrt, und dann wird der Richter und das Gesetz da verantwortlich gemacht, wo allem ote Unkenntniß verantwortlich ist. Da« Gesetz wird dann der Schlechtigkeit und der Rechter wird der Parteilichkeit beschuldigt, ohne daß man bedenkt, daß der Richter nicht nach dem Wunsche der Parteien R-cht sprechen darf, sondern daß er nach dem Recht sprechen muß, was die Parteien vorbringen. Daß er dabei oft durch den Fmdrgen zum Schaden des Unerfahrenen getäuscht wird, tft wahrlich nicht seine Schuld, er ist ja auch nur em des JrrthumS zugänglickier Mensch. Gar oft hat der Richter die innere Ueberzeugung, daß derjenige Recht hat, dem er mit blutendem Herzen Unrecht zusprechen muß, er darf aber nicht nach seinen Gefühlen das Urtheil fällen, sondern nach dem, was er au« den Aeußerungen der Parieren in den Akten schwarz auf weiß hat, und daß das für den kundigeren Wucherer spricht, dafür hat dieser reichlich gesorgt, unterstützt ihm habet doch
dann, da er seiner Pflicht genügt zu haben glaubte, erhob er sich. , t
Es bleibt also nichts" mehr zu bestätigen , sagte er kurzweg. „Ich habe nach Pflicht und Gew ss-n die Aufnahme gemacht und das Weitere gehört Zbnen. Für Herrn de St. Grmac kann der Erfolg nicht weit sein," fügte er lächelnd
Der unnöthige Zwischenhandel nnd seine Schäden.
V. (Schluß.)
Wenn es dann soweit gekommen ist, daß der an Händen und Füßen gebundene Bauer sich durch die Frau vor dem Wucherer verlaugnen laßt, dann s-tzt sich der Mann, der au« guten Gründen früher bei Nacht und Nebel zu seinem auser- wählten Opfer schlich, vor bie Haus thüre und wartet geduldig, bis der Bauer kommt., Erwe.ß ja gut genug, daß der letztere nicht weit entfernt ist, daß er vielleicht in der Kammer steckt und daß er kommen wird, um zu vermeiden daß bre Rach- barn das Verwandtschaftsverhaltmß Mischen ihm und dem Wucherer durch das sich offen setzen des Wucherers erfahren. Der arme Tropf denkt nicht daran, datz im engen Kreise des Dorsis Nichts verschwiegen bleibt, daß die Nachbarn schon längstens Lunte gerochen haben, und daß der Wucherer selbst schon dafür gesorgt hat von dem Zeitvunkte an, wo es dem Wucherer von Nahen Erschien, daß das seither heimlich betriebene Wesen bekannt werde. Nun geht das Treiben mchr öffentlich weiter, bis es Zeit ist, den Sirang zu- zuziehen und die lieben Nachbarn stecken die Köpfe schadenfroh zusammen, haben sie doch einen lange vorhaltenden Unterhaltungsstoff, den Mangel deS ihnen abgehenden christlichen M^esühlS uberseyLN sie dabei. Gar mancher der schadenfrohen Nach barn bedenkt in feiner Gedankenlosigkeit nicht, daß ihm auch schon längsten« ein Stnck gedreht ist daß dasselbe Loos ihm früher oder spater erblüht, daß er also durchaus keinen Grund hat, sich über derartige Vorgänge lustig zu machen- Aber auch der Bauer, der sich noch frei erhalten Hat , hat keinen Grund, sich sicher Ereignisse zu freuen denn: „Geht es meinen Mitbrüdern schlecht, so wirkt das auch auf irgend «ine Weise, die ich noch nicht voraussehen kann, auf mich schädigend ein. Abgesehen von vielen andern Punkten, daß z. B. der von Haus und Hof Vertriebene mit seiner Familie der zur Armenunterstützung verpflichteten Gemeinde zur Last fällt und damit auch mir ge- winne ich vielleicht im Wucherer einen Nachbarn, der im freien Bauern ein entronnenes Opfer steht, der mich vielleicht auf alle mögliche Weise zu chikaniren sucht und der oben bleibt, wenn eS deshalb zu den üblichen Prozessen kommt, weil seme
wieder auswärts, wohl um den lärmenden Durcheinander der unteren Geschoffe 'ein Bischen entrückt von ungerufenen Gästen nicht belästigt zu sein,' die endlosen Reihen von Audienz- und Arbeitszimmern der verschiedenen Richter, jene Raume, in denen man das Urtheil ausarberteb welches m den Gerichtssälen über die Unglücklichen, die von der Hand des Gesetzes getroffen worden, gefallt
Am Ende des Ganges nun. zu deffsn beiden Seiten diese Bureaus sich befinden, liegen die Arbeitszimmer de» Richters Henri de St. Grills eines verhältnißmäßig noch IW«, aber durch seine Fähigkeiten als hervorragend anerkannten Juristen, dem die eingehende Untersuchung der Brandaffaire von Wildenau übertragen ward.
Es war zu früher Stunde an entern der ersten Februartage, als er, mit der ibm eigenen Berufs- gier einzelne Details der Affaire prüfend, vor Sm to-iutüi W- .«»E»,,'L vergangen, feit dem er fernen »«tu« ml dem Volstenath Martmel eingestellt hatte, Herr
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H^Er griff nach seinem Hut und wendete sich der Tbüre^zu. Der Richter, der sich augenscheinlich K L-Me-Mg i-g-»d *•*>* hatte, blickte etwas verwirrt in dre Hohe und de trachtete den Sprechenden.
„Eine., Moment, Herr Rath", sagte er heftig.
Herr Martine! zögerte.
„Diese Brandstiftung", meinte Her,: de <SL «IMac „ist klar wie das Sonnenlicht! Jedes Leuonen dieses Verbrechens könnte nur Betrug genannt! werben! 'Bare eb nur mW. -u ein paar Fragen von diesem Baruch Antwort zu haben. —" ,
„Für die nächsten Wochen aut keinen Fall, wie ich schon erwähnte",fist Herr Marlinel ein. „Ich W« m°in- Wtigung bem b-,
Original-Roman von Marie Romany.
(24. Fortsetzung.)
Wenn man nur eine Stunde lang das Auge über die Treppen und Korridors geworfen, seinem Blick den Eintritt in die Vorzimmer aller der Gerichtssäle und Wartehallen gestattet hat, wird man sich einen, allerdings nur annährenden, Begriff machen, welche Thätigkeit sich zwischen diesen Mauern entfaltet, welch enorme Anzahl von Verbrechen in der Weltstadt ausgeführt werden wie viele Beamte, von den höchsten bis zu den niedrigsten täglich auf das angestrengteste arbeiten milffen, um zu forschen, zu unteriuchen, damit der Schuldige von der Hand des Gesetzes getroffen wird. Deshalb auch sind die nicht endenwollenden Räume des Justizpalastes je ihren Bestimmungen entsprechend neben einander gelegt; auf dem ersten Stock die Gerichtssäle mit ihren Nebenzimmern und Vorhallen, die Empfanassalon» der Präsidenten und der Übrigen Excellcnzen, wieder ein Stockwerk höher die Bureaus der Sekretäre und Rechnungsführer, die Wartezimmer der dienst- thuenden Beamten, die Stuben der Pedellen und
niemals thun, er sorgt auch zur ihm recht scheinenden Zeit, daß er bezahlt wird, aber diese Zett scheint ihm dann gekommen, wenn er Mit Einziehung der Schnapsschuld Hau» und Hof verschlucken kann. Wir sind nicht Anhänger der Monopole irgend welcher Art, aber im Angesichte de» mit dem Schnapszwischenhandel verbundenen Treiben» könnte man wirklich fast Anhänger des Branntweinmonopols werden. Daß die Orleich- terung des Erlangens von Branntwem manchen moralisch schwachen Menschen zum Trinker erzieht, daß derselbe schließlich aus Verzweiflung zum kannibalischen Säufer wird, das möge biet nur kurz angedeutet werden. Wir glauben, daß es am Platze ist, wenn wir hier unter kurzer Abschweifung von unserem Thema, nachweisen, daß te Wirkung des Branntweins allgemein verkannt und sein Nutzen vollständig überschätzt wird. Wenn es mich friert, so hat das seinen Grund bann, daß der Unterschied der Temperatur meines Körpers und der mich umgebenden Luft em so großer ist, I daß mein Körper mehr Wärme abgibt als er durch den Lebensprozeß ersetzen kann. Je starker
. . „ - _ dieser Temperaturunterschied nun ist, desto rascher
die Unerfahrenheit des Gegner». ' . - bie Wärmeabgabe meines Körpers,
Und von allem dem ist gar oft der unnöthige J mehr habe ich das Gefühl des Frostes. Nun su Stontur nffn «im Mit ibm. I 1 n die Leute, der Branntwein erwärme den
Körper, er erhöhe die Blut- und somit die Körp-r- temperatur. Wenn er das thäte, so mußte ich au» dem eben angegebenen Grunde nach dem Genuß von Branntwein noch mehr frieren, denn der Unterschied zwischen der Temperatur meine» Köders und der Umgebung würde ja durch den Branntweingenuß vergrößert und die Wärmeabgabe dadurch vermehrt. Der Branntwem erniedrigt aber im Gegentheil die Körpertemperatur. Das kann man mit einem guten und feinen Thermometer leicht nachweisen. Mißt man bie Körpertemperatur mit einem solchen, btffen Kugel man un er bie Achsel steckt, trinkt man bann Branntwein unb mißt man auf bie angegebene Weise bie Körpertemperatur wieder, so steigt das Thermometer j tzt nicht so hoch wie vorher, bie Körpertemperatur ift also durch den Branntweingenuß erniedrigt worden. Das ist die Ursache, weßhalb man in erhitztem Zustande mit gutem Erfolge vor dem Trinken eine» kalten Getränke» Branntwein trink.
। Man mäßigt dadurch bie Körperwärme, das kalte Getränk wirkt jetzt nicht so abschreckenb, entgegen-