1888
Sonnabend, den 4. Februar.
M 28.
»• 1 *50 *
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Die Jubiläums-Adresse der preußischen Bischöfe.
Wie der .Köln. Vztg.' aus Rom gemeldet wird, wurde der Herr Erzbischof von Köln am letzten Dienstag vom Papste in längerer Audienz empfangen. Derselbe überreichte eine Glückwünsch- Adresie de» preußischen Episkopates nebst dem Peterspfennig der Erzdiözese Köln Nach ihm wurde der Herr Bischof von Trier empfangen.
Die bei dieser Gelegenheit überreichte, vom 1. Januar datirte Adresse des preußischen Epis- kopatcs lautet:
Heiligster Vater! Es erscheinen vor Dir die Bischöfe des Königreichs Preußens, Deine ergebensten Söhne, um mit der ganzen katholischen Welt, ja fast mit dem gedämmten Erdkreis, den hochheiligen Tag Deines goldenen Priester-Ju> iläums freudigen Herzens zu feiern.
Ehrfurchtsvoll nahen wir uns, heiliger Vater, Deinem Throne, indem wir vor allem dankerfüllten Herzens Gott den Herrn preisen, Deflen unendliche Güte in unfern so verhängnißvollen Zeiten der heiligen Kirche einen solchen Oberhirten und Statthalter Seines eingeborenen Sohnes auf Erden verliehen hat.
Seit Du vor nahezu einem Jahrzehnt den Stuhl des Apostelfürsten bestiegen, erglänzest Du in Wahrheit als ein „Licht vom Himmel", das über den ganzen Erdkreis seine segenbringende Strahlen aussendet. Das göttliche Licht des Glaubens hast Du durch Sendboten des Evangeliums, durch Errichtung vieler bischöflichen Sitze den Völkern gebracht, ;die noch in den Finsterniffen und rot Schatten des Todes sitzen. Das hellglänzende Licht der katholischen Wahrheit gießest Du unaufhörlich aus, indem Du die vielgestaltigen Jrrthümer unserer Zeit durch Deine apostostolischen Sendschreiben verurtheilst und als Führer zur wahren Weisheit und Erkenntniß den h. Thomas, den englischen Lehrer, hinstelltest. Das erwärmende Licht der Andacht und Frömmigkeit entzündest Du unter den Gläubigen, da Du unablässig den Rosenkranz der aller- seligsten Gottesmutter anempfiehlst und mit so glücklichem Erfolg den dritten Orden des heil. Franziskus von Assisi als den Hafen und Hort eines reinen und heiligen Lebens wieder erneuert hast.
Nicht minder auch sehen wir, hl. Vater, die Ahnung erfüllt, die sich uns in Deinem Namen kundzugeben schien, so daß jener Ruf: „Ich verkünde euch eine große Freude, wir haben zum Papst Leo", gewissermaßen noch immerfort in unseren Herzen nachklingt. In der That „hast Du Dich erhoben wie ein Löwe (sicutleo) von seinem Lager, und schreitest einher inter Leones, unter den Leonen", unter jenen großen und heiligen Päpsten» deren Namen und Amt und Bestrebungen Dir gleichsam als Erbe überkommen sind. Erscheinst Du nicht einem hl. Leo dem Großen ähnlich, als Lehrer der gesammten Kirche und Vermittler des Friedens? Bist Du nicht ein Nacheiferer des hl. Leo III. geworden, dem es einst durch Gottes
^irien.
Original-Roman von Marie Romany.
(22. Fortsetzung.)
„Es würde unserem Zwecke nicht dienen, wenn wir den Spielsaal plötzlich schließen wollten," begann endlich Katharine; „wenn dieser Marquis de Lancieres wirklich ein ähnliches Gerücht, wir Du glaubst, ausgesprengt hat, würde es feinen Worten nur da» Siegel der Wahrheit aufdrücken. Die Reunions müssen fortgesetzt werden, bis eine Gelegenheit, die uns mit lachendem Gesichte aus der Affaire hilft, von uns angebahnt worden ist."
Nanette schwieg.
„Hast Du nicht den Muth für ein paar Wochen?" fragte Katharine wieder, indem sie das Haupt wandte und ihre Tochter, die einer Sünderin gleich auf den Polstern lag, mit forschenden Blicken betrachtete.
Nanette richtete sich empor.
„Ich habe Muth für Alle», wa» Du willst," sagte sie mit spöttisch lächelnder Miene; „aber ich fürchte, daß nach Verlauf einiger Wochen, da ich Nicht spielen darf, wie ich will, wenigsten» nicht, wenn dieser Marquis bei der Gesellschaft ist, ein beträchtlicher Theil unsere» kleinen Reichthum» wieder verloren sein wird."
Fügung gelang, jenes segensreiche Bündniß zwischen Sacerdotium und Imperium zu begründen? Und wandelst Du nicht in den Fußstapfen eines hl. Leo IX., indem Du die Vereinigung der Kirche des Morgenlandes mit dem Stuhle Petri so dringend anstrebst? „ m ,
Ein solcher Priester und Ob.rhirt bist Du, hl. Vater, uns geworden. Empfange denn zu diesem Deinem glorreichen Jubeltage unsere Glückwünsche und unser Gebet: „Der Herr erhalte Dich und belebe Dich und mache Dich selig auf Erden und üb-rgebe Dich nicht in die Hände Deiner Feinde!" Folgend der Mahnung des Herrn, „heiligen wir dieses fünfzigste Jahr, weil es ein Jubeljahr ist", und eingedenk des göttlichen Gebotes: „Es kehre ein Jeder wieder zu seinem Besitze, und Jeder kehre zurück zu seiner ursprünglichen Familie; denn es ist ein Jubiläum, das fünfzigste Jahr!" wollen auch wir freu müthig und laut bekennen und beten: „Es kehre der Papst zu seinem Bcsitzthum und zu den Seinen zurück, es kehre die Kirche zu ihrer Freiheit zurück, es kehre die Welt zu Gott ihrem Herrn zurück, und zu dem Hause,' das Er Sich auf Erden erbaut, zur Kirche des lebendigen Gottes; denn es ist das Jubeljahr."
Unser Aller Segenswünsche und Gebete geleiteten Dich, heiliger Vater, am heutigen glorreichen Tage hinauf zum Tempel des Herrn, wo Du hintratest „zum Altäre Gottes, zu Gott, der Deine Jugend erfreut". Im Geiste umstanden wir den Altar, als Du „die makellose Opfergabe darbrachtest und den Kelch des Heiles, auf daß er rot Angesichte der göttlichen Majestät zu der ganzen Welt Heil mit lieblichem Wohlgeruch emporstiege." Und während Du opfertest, sieh, da ertönte über den ganzen Erdkreis hm die Antwort: „Der Herr möge annehmen das Opfer von Deinen Händen zum Lobe und zur Glorie Seines Namens, auch zu unserm Frommen und zum Gedeihen seiner ganzen heiligen Kirche!"
Unserm heiligen Vater und Herrn, Papst Leo, dem Oberhirten der gesammten heiligen Kirche erflehen wir aus innerstem Herzensgründe viele Jahre des Lebens und ewiges Andenken. . .
Zu den Füßen Deiner Heiligkeit erbitten wrr, Deme demüthigsten und gehorsamsten Söhne, für uns selbst und für die uns anvertrauten Heerden Deinen apostolischen Segen.
Köln, Posen, Breslau, Münster, Hildesheim, Trier, Osnabrück, Paderborn, Frauenburg, Pelplin, Limburg, Wiesbaden, den 1. Januar 1888.
Philippus, Erzbischof von Köln.
• • Julius, Erzbischof von Posen-Gnesen.
- ■ Georg, Fürstbischof von Breslau.
■ ■ Johann Bernard, Bischof von Münster. - Wilhelm, Bischof von Hildesheim.
- - Michael Felix, Bischof von Trier.
- - Bernard, Bischof von Osnabrück.
■ ■ Franz Caspar, Bischof von Paderborn.
- - Andreas, Bischof von Ermeland.
- • Leo, Bischof von Culm.
- - Karl, Bischof von Limburg.
■ ■ Ioseph, präkonisirter Bischof von Fulda.
Katharine fuhr auf.
,Und was liegt daran gegenüber der Gefahr, die uns droht!" ritf sie mit der vollen Würde, die ihre Figur repräfcntirte, sich ihrer Tochter zu- kehrend. „Darf uns derVerlust reuen, selbst wenn ein Betrag von fünfzigtausend und mehr von uns geopfert sein muß?"
Nanette warf unwillig die Lippen auf.
„Uebrigens mag' die Gefahr nicht einmal so nahe sein, wie e» Tir vorkommt," meinte Katharine wieder. „Vor zwei Jahren hattest Du ein ähnliche» Bangen vor jenem Pierre Bazile», wie Du Dich erinnern wirst; —"
„Welch' ein Vergleich'." fiel Nanette, bte von dieser Erinnerung nicht angenehm berührt schien, unwillig ein; „Pierre Bazile» war ein Knabe! Der Respekt, welchen er seiner Mutter und seinem Vormund schuldete, hielt ihm den Mund zu. - Der Marquis," warf sie hin, indem sie sich vollends aufrichtete, „ist ein Mann, der Herr ferner Handlungen ist!" „ „ .
Ein hämisches Lächeln entstellte für ern paar Sekunden Katharina'» Gesicht.
„Unser Vermögen überbietet da» de« Marquis fünfmal," rief sie in einem Tone, als wolle sie sich die Versicherung ihrer Größe einprägen. „Ich möchte sehen, ob er Dir nicht zu Füßen läge, wenn
Der unnöthige Zwischenhandel und seine Schäden.
IV.
Also noch einmal, lieber Landmann, reiße Dich los von dem unnöthigen Zwischenhändler. Laß das Mißtrauen gegen Deinen Standesgenosien fahren, das noch ein Rest aus jener schlimmen Zeit ist, in welcher der Bauer der ungemess<n steuernde und stöhnende Sklave der Grundherren war und als getretenes Geschöpf zu den Waffen der List, der Verschlagenheit und des Mißtrauens greifen mußte, wie das schon jedes Thier thut, das sich seiner Ohnmacht bewußt ist. Diese Zeiten sind vorbei, Du hast die genannten Mittel nicht mehr nöthig, Dir helfen jetzt mehr gegenseitiges Vertrauen, Gradheit und Offenheit, andernfalls werden die Übeln alten Zeiten aber wiederkommen, nur wirst Du nicht wie früher der Sklave de» adeligen Grundherrn werden, der dem Bauern doch wenigstens so viel zu laffen gute Gründe hatte; daß er seine Existenz fristen konnte, nein, Du wirst Sklave des in fremden Berufskreisen angcsammel- ten Kapitals werden, dem an der Erhaltung Deiner Person gar nichts liegt, das Dein bischen Habe aufsaugt, bis Du gar nichts mehr hast und Dich dann nackt und kalt von Haus und Hof jagt.
Der Zwischenhandel auf dem seither in's Auge gefaßten Gebiete des Viehhandels ist aber noch viel gefährlicher für die Zukunft des Bauernstandes, als es bei der ersten Betrachtung scheint, denn er dient nur zu oft zum Deckmantel des Wuchers. Unter den Zwischenhändlern gibt e» leider nur gar zu viele Wucherer. Das Handelsgeschäft wird vom Händler oft nicht nur deßhalb gesucht und gemacht, um einen Geschäftsgewinn zu machen, der heimliche Hauptzweck ist dabei, um in der Wirthschaft des Landmanns festen Fuß zu fassen, einen Haken in derselben einzuschlagen, welcher der Anhalts- und Ausgangspunkt für weitere und zwar wucherische Geschäfte ist. Der wuchernde Zwischenhändler sieht eine sofortige baare Bezahlung gar nicht gern, er borgt viel lieber und borgt immer weiter, bis der Punkt erreicht ist, wo er sich sagen kann, daß der gedankenlose Landmann, dem es gar bequem war, zu empfangen, ohne bezahlen zu müffen, der an die drohende Zukunft nicht denken mochte, nicht er wüßte, daß in diesem unscheinbaren Eisenschrank mehr als siebenhundert und fünfzig mal tausend Franks verborgen sind!"
„Wir behandeln die Wirklichkeit," sagte Nanette kalt.
„Nun, die Wirklichkeit, daß ein beträchtliches Kapital an Gold und Kaffenscheinen vor uns liegt," meinte Katharine, indem sie die Schubfächer de» Schrankes nach einander aufriß. „Wenn Deine Furcht begründet ist, steht es ja in unserem Belieben, morgen nach England zu reisen und von dort in das Land der Freiheit zu gehen. Mit diesen Schätzen" — ihre Hand wühlte in den Goldhausen — „wird uns überall ein herrlicher Empfang bereitet sein."
„Und das Mobiliar? Unsere Antiquitäten?" „Man vergißt sie. Würde Krieg aurbrechen, käme der Feind in'« Land, so würden wir in nicht viel anderer Weise fliehen müffen, um unser Leben geborgen zu sehen."
Nanette hatte sich auf einen Seffel gleiten lasten und starrte mit leuchtendem Auge minutenlang ihren schimmernden Reichthum an.
„Ich bin ein Kind mit meiner Furcht," rief sie plötzlich. „Ein paar Jahre lang, ohne daß mir je ein Zaudern in den Kopf gekommen wäre, habe ich meinem Roulette Abend für Abend befohlen,