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1888

Freitag, den 3. Februar.

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Der «nuöthige Zwischenhandel und seine Schäden.

in.

Der Zwischenhändler drückt dem Verkäufer den Preis und schraubt dem Käufer denselben in die Höhe. DaS sauer verdiente Geld des Landmanns sammelt sich so allmählig ohne großen Aufwand von Arbeit in der Tasche des Händlers. Der­selbe bekommt dabei keine Schwielen in die Hände, der Schweiß rinnt ihm auch nicht in Strömen den Rücken herunter, er verklemmt sich auch keinen Finger dabei, alles das überläßt er den anderen, die so dumm sind zu arbeiten, die dabei arm werden, während derjenige, der vielleicht mit Ziegenlämmchen zu handeln begann, als großer Lieferant später in einem Tage Tausende ver- dient. Das Kapital d.s Zwischenhändlers wird im Laufe des Jahres öfters umgesetzt, der Bauer kann den größten Theil des in seinem Betriebe steckenden Kapital» naturgemäß nur einmal im Jahre umsetzen. Wenn der emfache Mann von 5 Prozent Gewinn hört, so ist er nur zu leicht aus der Zinsrechnung geneigt, .an die Frist eines Jahres zu denken, weil man unter 5 Prozent Zinsen in der Regel doch die 5 Mark versteht, welche 100 Mark zu dem genannten Zinsfuß in einem Jahre bringen. Wie aber dann, wenn die 100 Mark nicht einmal, sondern viermal, sage nur viermal im Handel umgesetzt werden, und jedesmal 5 Mark Zinsen abwerfen? Sind da» nicht für das ganze Jahr gerechnet 20 Prozent?

Die durch die Natur des Gewerbes hervorgc- rufene größere Erfahrung des Händlers und feine immer mehr anwachsende Kapitalkraft verleihen ihm bald ein Uebergewicht über den in engerem Gesichtskreis aufwachsenden, meist mit drückenden Schulden und Steuern belasteten Landmann, das dieser hart genug empfindet, ohne sich des wahren Grundes seiner Nothlage oft recht bewußt zu werden. Es mögen noch viele Verhältnisse, die unsere Zät beherrschen, an der anerkannten Roth- lage, in welcher sich der landwirthschaftliche Stand befindet, die Mitschuld haben, nicht die geringste Schuld daran trägt aber der nutzlose Zwischenhandel.

Run ist un» verschiedentlich schon entgegengc- halten worden, da» wa» wir oben gesagt haben, sei ganz wahr, aber der Zwischenhändler sei eben

W a r i o«.

Original-Roman von Marie Romany.

(21. Fortsetzung.)

IX.

Die silberne Kuckucksuhr auf dem Kaminsims in Veuve Fouquets Spielsaal hatte mit ihr n glockenreinen Schlägen nun die vierte Morgen­stunde verkündet; die Lust war vorüber, den Salon mit seinen anliegenden Gemächern deckte finstere Nacht.

Katharine und ihre Tochter weilten seit einer Viertelstunde in ihrem Privatgemach. E» waren drei geräumige, nach hinten liegende Zimmer, durch offene Polteren mit einander verbunden, die den beiden Damen zum gemeinsamen Boudoir und je einem Schlafgemach dienten; in türkischem Slyl drapirt, überreich an schwellender Pracht und Luxus, stellten sie, übergossen oon dem farbigen, matten Lampenschein, ein Bild märchenhafter Größe und Schönheit dar.

Da» mittlere der drei Zimmer, wie schon er­wähnt, war Boudoir. Vom Plafond bi» zur Ecde reichende Spiegel, hier schräge, dort senk­recht aufgestellte Toilettentischchen, auf denen zahl­lose Büchschen und Flaxon» in buntem Durchcin

doch unentbehrlich, denn die Erfahrung lehre, daß ohne ihn selten ein Geschäft abgeschlossen werden könne, weil der Bauer gewohnt sei, nicht von seinem Standesgenossen zu kaufen, weil alte Ge- wohnhelt ihn veranlasse, den Zwischenhänvler zu gebrauchen. Wir müssen gestehen, daß allerdings diese Mode, sich des Zwischenhändler» zu bedienen, sehr allgemein verbreitet isi und leider fast überall herrscht Ist aber ein Uebelstand dadurch gerecht­fertigt, weil er sich in weite Volkskceise eingefreffm hat? Soll man ihn deshalb weiter dulden, wenn die Möglichkeit, ihn zu beseitigen, noch nicht aus­geschlossen ist? ,

Wenn der Bauernstand aus Mangel an Ern- sicht, aus Gleichaültiakeit, aus dem leider oft tn diesem Stande sich findenden Mißtrauen gegen seine Standesgenossen und Gott weiß au» was sonst noch für verkehrten Umständen sich allmälig von den Drohnen des Bienenstocks, in dem er die Arbeitsbiene vorstellt, einen großen Theil des ein­getragenen Honig» fressen läßt, soll man deshalb nicht versuchen, ihn aufzuklären und aus seiner Lässigkeit aufzurütteln, ihm zu zeigen, in welchen Punkten er selbst an seiner Nothlage schuld ist? — Wir denken, daß e» sogar Psiicht eines jeden wohldenkenden und mitfühlenden Menschen ist, seinen Theil nach seinem Können dazu beizutragen, daß dem nutzlosen Zwischenhandel möglichst ein Ende gemacht werde.

Lieber Landmann, hast Du Dir einmal eine zusammengesetzte Maschine betrachtet mit vielen Rädern und Riemscheiben , Hebeln unb' Kurbeln, und wie die einzelnen Maschinchen, welche die zu­sammengesetzte Maschine bilden, alle heißen? Hast Du das gethan und mit einem Sachverständigen über die Einrichtung einer solchen Maschine ein­mal gesprochen, so wirst Du erfahren haben, daß während des Ueberganges der Bewegung von der Stelle der Maschine, an welcher die Bewegung mittelst Dampf-, Wasser-, Windkraft, thierischer oder menschlicher Körperkraft erzeugt wird, bis zu jener Stelle, an welcher die übertragene Bewegung denjenigen Maschinentheil treiben soll, welcher die b-abstchtigte Arbeit leistet, um so mehr von der S'ärke der erzeugten Bewegung durch die Reibungen und andere Hindernisse verloren geht, je mehr Zwischenmaschinchen zwischen die Erzeugungsstelle unb die Arbeitsstelle eingeschaltet sind. Diese Zwischenmaschinchen erzeugen keine Bewegung und ander aufgethürmt waren, bekundeten sofort, daß man sich diese« Raumes in erster Linie zur Fertig­stellung der Toilette bediene.

Auch die Chaiselongue und da» Ruhebett boten, wie es schien, größere Behaglichkeit während der frühen Morgenstunden, die man vorzugsweise in diesem Raume zuzubringen gewohnt war; eins aber, den Umstand nämlich, daß die zum Korridor führende Thür zuqebaut und von innen wieder mit einem gewichtigen eisernen Schrank zugestellt worden, verrieth, daß noch ein anderer und vielleicht schwerwiegender Grund bei der Ein­richtung dieses Zimmers mit in Beziehung ge­treten, daß auch die Unzsrtrennlichkest, die Mutter und Tochter, sobald die Wohnung von Gästen frei war, für diesen Raum bekundeten, dem Ge- beimniß, welches da« Zimmer in sich barg, auf Rechnung zu schreiben war.

Eine Viertelstunde war jetzt vorüber, seitdem die Wohnung von dem letzten der Gäste befreit worden war.

Katharine, sobald sie sich überzeugt hatte, daß das Hausthor hinter Raoul von Wildenau zusiel, war in« Boudoir geeilt; auch Nanette, nachdem sie ihr Roulette vom Spieltisch fort und zu sich genommen, hatte sich dorthin begeben; eine jede

leisten auch nicht die gewünschte Arbeit, sie über­tragen und verändern die Bewegung blos, und dafür machen sie sich durch Entziehung von Be­wegung bezahlt. Die so dem allgemeinen Zwecke der Maschine entzogene Bewegung ruft unter an­derem die Erhitzung der Lager und Axen hervor, die Niemand wünscht, die sich sogar in Folge von Unaufmerksamkeit des Maschinenleiters sehr unan­genehm geltend machen kann. Trotzdem können in vielen Fällen solche Zwischenmaschinen zwischen der Krafterzeugungsmaschine und der Arbeitsma­schine nicht entbehrt werden, aber wo eine oder die andere nicht nöthig ist, da hütet sich der erfahrene Maschinenbauer wohl, dieselbe einzu­schalten.

Dem Gang einer Maschine ist das Geschäft« - leben zu vergleichen. Die einzelnen Menschen sind hier die Maschinenelemente der großen Maschine. Der eine produzirt, der andere überträgt, verarbei­tet oder verbraucht. Hier muß auch Alles wie bei einer Maschine hübsch ineinandergreifen, wenn keine Störungen und Stockungen entstehen sollen. Hier sollen aber ebensowenig unnöthige Zwischenhändler Vorkommen, wie bei der Maschine unnöthige Zwischen­maschinen, die nur die anderen berauben, ohne dem Allgemeinen dabei zu nützen, die einen Theil der erzeugten Bewegung zur Seite leiten statt da­hin, wo sie ohne sie nützlich gewirkt haben würde. So leitet auch der überflüssige Zwischenhändler nach und nach einen Theil de» durch schwere Ar­beit erworbenen Vermögens aus dem Brru Skreise der Landwirthe zur Seite in den Berufskreis der Zwischenhändler, ohne daß das nöthig gewesen wäre, und das so au« den landwirthschaftlichen Taschen entschwundene Eigenthum ist denselben für immer entschwunden, es fließt nicht zurück in irgend einer Form, denn die genannten Leute wissen es festzuhalten wie kein Anderer, sie schlagen oft zur Herostzeit lieber heimlich dem Bauern einige Aepfel oder Birnen von den Odstbäumen, als daß sie zur Stillung ihre» Hungers Etwas ausgeben; sie sitzen imWirthshaus bei den Verhandlungen stundenlang bei einem Anstandsglas Bier oder bei einem An­standsgläschen Schnaps und überlassen es den Bauern, sich die Köpfe anzuwärmen, denn dann bieten sie besser, der Alkohol macht ihnen Kourage. Das letztere Verhalten der Händler, daß sie sich selbst nüchtern halten, soll ihnen aber nicht zum Vorwurf gemacht werden, daß sie aber dabei die

von ihnen hatte vor die Thüre ihres Schlafge­maches den Riegel geschoben, so daß jede Neugierde eine» Unberufenen hier resultatlos war.

Katharine — sie hatte sich flugs in ein Neg­ligee gehüllt — saß auf einem Stuhl zur Seite der Chaiselongue und überzählte Louisd'ors und Scheine, die auf einem Tischchen auseinander ge­legt waren; Nanette, in ihrer zeisiggelben Sammt- rode mit den schillernden Jasminblüthen, die ihr während de» Abend« so viel Bewunderung ^ge­tragen hatte, streckte sich auf den Polstern. Sie stellte in der That ein auserlesenes Bild orien­talischer Schönheit dar, al» sie, halb aufgerichtet, den Kopf in die weiße Hand gestützt, das aufge­löste Haar über die Schultern geworfen, mit lüsternem Blick das Produkt ihres nächtlichen Eifers betrachtete.

„Wie viel, Mama?" fragte sie endlich, al» Katharine sich zum zweiten Male mit dem Ueber- zählen der öumme beschäftigte.

„Ich zähle sechzehnhundert und zwanzig Frank», —

„Wie so?"

„Still doch," sagte Katharine schnell.

„Sechzehnhundert und zwanzig Franks in Gold und einen ungefähren Betrag von dreitausend Franks in Noten. Ich glaubte, da» Erträgniß de»