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Mittwoch, den 1. Februar.

1888

fnliner

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Wegen des Festes Mariä Lichtmetz er- scheint die nächste Nummer ds. Blattes am Freitag.

Der unnöthige Zwischenhandel nnd seine Schäden.

ii.

Ein Jeder, der einem bestimmten Berufe sich widmet, hat zunächst seinen persönlichen Nutzen im Auge, und an diesen denkt er, wenn er in seinem Berufe thätig ist. Das kann man Niemanden ver­argen, denn ein Jeder ist sich selbst der Nächste. Eine jede menschliche Thätigkeit ist jedoch vom volkswirthschaftlichen und wohl auch vom sittlichen Standpunkte nur dann eine berechtigte, wenn sie auch der Allgemeinheit Vortheil bringt. Wäre das nicht so, dann wäre z. B. der Diebstahl vollstän­dig gerechtfertigt, denn er nützt dem Dieb, wenn er nicht dabei erwischt oder sonstwie desselben über­führt wird. Auch der Handelsmann hat zunächst seinen persönlichen Vortheil im Auge. Indem er denselben, selbstverständlich in den von Religion, Gesetz und Sitte gezogene Grenzen, verfolgt, nützt er der Allgemeinheit. Er verhindert, daß Nutzgegenstände da, wo sie in Ueberfülle vorhan­den sind oder aus natürlichen Gründen keine Ver­wendung finden können, ganz werthlos werden, er verhindert ein Sinken des Handelspreises der­selben unter ein zulässiges Maß, und wiederum verhindert er ein Steigen des Preises in den Gegenden, in denen sie fehlen und gewünscht wer­den über die Grenzt die einen Gebrauch derselben dort unmöglich machen würde. Daß nebenbei auch Millionen von Menschen bei der Arbeit des Trans­portes lohnende Beschäftigung finden, möge hier nur kurz mit erwähnt werden.

Ja, die Aufgabe des Handelsmannes ist eine vielseitige; der Blick deffelben muß oft über den ganzen Erdenrund streifen, er muß jederzeit hin­horchen, jede kleine Zeitungsnotiz kann für ihn, wenn er sie beachtet, von Nutzen sein, manches Uebersehen bringt oft unberechenbaren Schaven.

Der freundliche Leser wird aus dem Vorher­gesagten ersehen, daß wir den Handelsstand sehr hoch halten und er wird uns nun vielleicht fragen, warum wir es denn für nöthig finden, ihm das so besonders zu betonen. Den Grund dazu wird er im Folgenden finden.

War111.

Original-Roman von Marie Romany.

(20. Fortsetzung.)

Es war triumphirender Spott, der über Katha­rine'» Züge glitt.

„Ich würde zu jeder That fähig sein, wenn es zu Nanette's Vortheil wäre/' wurde Raoul erreg­ter. „Keine Mühe wäre mir zu groß, ich würde nicht zurückschrecken, selbst wenn —"

„Sie vergessen sich, Herr Baron," fiel Katha­rine mit malitiöser Ruhe ein.

„Mich?" wiederholte Raoul. — Der Sekt, wie es schien, hatte seinen Kopf mehr als wünschens- werth in Verwirrung gebracht. Sein Auge funkelte.

„Die Nachtluft wird auf Ihr echauffirte» Hirn wohllhuend wirken," meinte Katharine.

Raoul stutzte.

„So wünschen Sie —"

„Es ist vier Uhr."

»Freilich."

„Es werden zwei Stunden vergehen, bis Sie Passy erreicht haben werden."

Raoul, sein funkelndes Auge auf die Dame ge­richtet, blieb noch unschlüssig stehen.

„Es wird mir ein Vergnügen sein, wenn Sie

Mit der Verallgemeinerung und Verbreitung des Handels über weitere Gebiete hin, mit dem Anwachsen der Waarcnmassen der Menge und Art nach, mit den gewaltigen Verkehrsmitteln, welche dem Handel in den Eisenbahnen, Dampf­schiffen, Telegraphen und Telephonen geboten wurden, mußte sich derselbe in immer mehr Ge- schäftszweigr theilen, es mußte sich der einzelne Handelsmann immer mehr auf den Vertrieb einer oder einiger weniger Waarenarten verlegen, ein je weiteres Gebiet der Erde von seinem Geschäfts­betriebe überspannt wurde. So liegt der Haupt­kaffeehandel in den Händen einiger weniger Amster­damer, unv der Haupttabakshandel in denjenigen einer Anzahl Bremer Firmen. Es trat auch auf dem Gebiete des Handels Arbeitstheilung ein, die nicht weniger wie die auf dem Gebiete der In­dustrie in's Einzelne geht. Unter diesen entstan­denen Handelszweigen gibt es nun welche, die durchaus der Menschheit nichts nützen, ihr sogar schaden, also vollständig unberechtigt sind und ihre Existenz einem abnormen Zustande verdanken. Wir wiederholen das oben Gesagte, daß wir nur einen solchen Handelszweig als volkswirthschaftlich und auch als sittlich berechtigt anerkennen können, der dem Händler für seinen Aufwand an Scharfsinn, Nachdenken, Zeit und Arbeit den angemessenen Gewinn, von dem er leben muß gewährt, neben­bei aber auch der übrigen Menschheit nützt. Die Handelszweige, welche da» nicht thun, find die Schmarotzer, die vom Schweiße der anderen Erwerbsklaflen leben, ohne ihnen etwas dafür zu bieten. Wenn wir den einen oder anderen dieser Schmarotzer hier einmal etwas beim Schopfe zu fassen und ihm die vorgebundene Maske abzu­ziehen versuchen wollen, so verwehren wir uns ernstlich, dem ehrenwerthen Handelsstande entgegen treten zu wollen, und deßhalb haben wir aber unsere hohe Achtung vor dem Handelsstande im Allgemeinen betont.

Derjenige Auswuchs auf dem Gebiete des Handels, der sich nährt, wie die Wafferreiser an den Obstbäumen, ist der Zwischen handel auf gewissen Gebieten.

Zwischenhandel ist im Grunde genommen ein jeder Handel, bei welchem ein Händler als Zwischen­person beim Produzenten kauft und an den Kon­sumenten wieder verkauft. Jeder Handel, bei dem ein Händler thätig austritt und das sonst eiii-

zu einer andern Stunde unseren Salons die Ehre geben," versicherte Katharine in einer Weiie, die nicht mißverstehen ließ, daß jedes fernere Zögern ihres Gastes ihr peinlich war.

Raoul starrte noch einen Moment auf sie, bann, ohne ein Wort weiter zu verlieren, komplimentierte er und verließ den Saal. Im Vorzimmer warf er seinen Ueberrock um die Schullern und drückte den Hut in die Stirn. Zola öffnete die Haus- thür und schloß sie wieder, als die Schwelle von Raoul überschritten war.

Paris lag in unheimliche Nacht begraben, als Herr von Wildenau wankenden Schrittes auf die Straße trat; eisig kalte Tropfen rieselten in dichten Schauern vom Himmel hernieder, da­zwischen blie» der Wind, kein lebendes Wesen, so weit das Auge reichte; selbst der sonst so heimisch gewordene Sergeant de ville fehlte; es wäre Thor- heit gewesen, nach einem Fiaker Umschau zu halten, da bei solch unheimlicher Novembernacht alles, wie begreiflich, unter dem schützendem Dache weilte, was nicht du'ch ein Mißgeschick den trie­fenden Straßen anvertraut war.

Unlustig, mit sich selbst im Hader, schritt Raoul voran. Noch wirkte der Sekt, den er im Ueber- maß eingeschlürft hatte, noch schwärmte seine er-

malige Handelsgeschäft das zwischen Produzenten und Konsumenten direkt abgemacht wird, in ein zweimaliges Geschäft zerlegt, ist also ein Zwischen­handel. Auch spricht man in besonderer Beziehung von einem Zwischenhandel, den ein ganzes Volk treibt. Wenn ein Volk sich mehr darauf verlegt, statt seine eigenen Produkte zu vertreiben, die Produkte eines zweiten Landes aufzukaufen und dieselben in ein drittes Land wegzuführen, um sie dort abzusetzen, so sagt man, das Volk treibe neben Eigenhandel auch Zwischenhandel. Das thun z. B. die Holländer und Norweger in hervor­ragendem Grade, weil die natürlich» Lage dieser Länder sie auf das Meer hinweist, und weil sich deßhalb eine so zahlreiche, Schifffahrt treibende Bevölkerung in diesen Ländern gebildet hat, daß die Produkte des eigenen Landes als Fracht nicht hinreichen. Diese SRitglieber der hervorragend Zwischenhandel treibenden Nationen sind vom Handels- und Schifferstande anderer Nationen nicht gern gesehen; besonders bann hat diese Miß­gunst ihre Berechtigung, wenn diese fremden Nationen sich sagen dürfen, daß die Lage ihre» Landes zum Meere, die Na'ur der Küsten, die Güte der vorhandenen Häfen dem eigenen Volke gestatten, den Vertrieb der Maaren selbst zu über­nehmen. Das wird auch die betreffende Nation thun, wenn sie nicht erschlafft ist oder wenn sie aus ihrer Verdumpfung sich wieder emporrafft. Der Aufschwung des englischen Handels datirt von der Navigationsakte Cromwell's, der mit der­selben den Zwischenhandel der Holländer in Eng­land lahm legte.

Wenn wir hier von Zwischenhandel reden, so meinen wir den Zwischenhandel in kleinerem Maß­stabe, wie er bei uns von Händlern in eng be­grenzten Gebieten vom Dorf bis zum nächsten ober unfernen Dorfe, ober von den Städten aus in den näher gelegenen Dörfern, besonders mit Vieh, Getreide und Branntwein betrieben wird. Hier ist ein Zwischenhändler vollständig unnöthig und der gesunde Sinn des Volkes sollte denselben sich nicht eindrängen lassen. Leider hat sich der Mißstand aber bereits vielfach so eingefressen und Verhältnisse geschaffen, die eine Abstellung der­selben sehr erschweren, zumal es auch schwer ist, eine gesetzliche Form zur Verhinderung desselben zu finden, welche den berechtigten Handel nicht schädigt. Die richtige Grenze zu finden, darin

regte Phantasie von der dollen Seligkeit, die er sich an ihrer, an Nanette», Seite erträumte, und schon faßte ihn die Wirklichkeit von der unei quick- lichsten, frostigsten Seite an. Nicht der in Strö­men von seinem Hut und seinen Schultern herab­sickernde Regen mar es, der ihm diese» fröstelnde Unbehagen erzeugte; auch nicht die öde Monotonie des endlosen Weges bis nach Passy; die Be­klemmung, die sich mehr und mehr seiner be­mächtigte, entsprang aus ihm selber, au» der moralischen Zerwirfenheit seine» Innern, au» jener unbestimmten Furcht, die ihn beherrschte, so oft er fiiner Heimath zueilte, aus dem entsetzlichen Ahnen einer düsteren, ihn vielleicht vernichtenden Zukunft, die seine Phantasie, vor einer Stunde noch schwelgend in Seligkeit, jetzt, da er durch )ie verödeten, finsteren, in eisiger Nässe triefenden Straßen seiner ihm noch trostloser bünfenben Heimstätte zueilte, wie ein lüsternes, grauener­regendes Gespenst vor sich aufsteigen sah.

Niemals seit jenem Abend der Feuersbrunst hatte Raoul von Wildenau eine zufriedene Stunde gehabt; seine Studien hatte er vernachlässigt, die — seiner Anschauungsweise nach schlichte — Lebensweise in dem bescheidenen Hotel in Passy mißfiel ihm vollends, die ihm zugetheilten Gelder