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J2 24 Montag, den 30. Januar. 1888

filher W 3tifiig.

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Zweites Blatt.

Mr Joseph, durch Gottes Barmherzigkeit und des heiligen apostolischen Stuhles Gnade Bischof von Fulda, 5t. päpstlichen Heiligkeit Hausprälat, entbieten der Hochwürdigen Geistlichkeit und allen Gläu­bigen des Bisthums Gruß und Segen im Herrn!

3n dem herrlichen Abschiedsworte, welches mein Hochwürdigster Vorgänger auf dem Bischöf­lichen Stuhle von Fulda, der nunmehrige Herr Fürstbischof Georg von Breslau unter dem (6. Oktober v. 3- an Euch richtete, hat Hochder- selbe folgendes Zeugniß seines väterlich liebenden Herzens niedergelegt: „Insbesondere ist mein in­nigster Wunsch, daß Luch der Herr recht bald einen neuen Oberhirten schenken möge, der an meiner Stelle die wache am Grabe «Eures hl. Glaubensvaters wieder übernehme". Drei Wochen waren seit dem Datum dieses Hirtenschreibens an Luch, Hochwürdige Mitbrüder und vielgeliebte Diözesanen, noch nicht verflossen, da hatte der Herr den heißen Wunsch des scheidenden Bischofs und die frommen Gebete seines Bisthums er­hört und am q. November, am Feste des großen, heiligen Lrzbischofs und Kardinals Karl Bor­romäus, der Diöcese Fulda einen neuen Ober­hirten, dem theueren Grabe des hl. Bonifatius, einen neuen Wächter gegeben.

Die einstimmige Wahl des Hochwürdigen Dom- capitels war — mit einem Herzen voll Zagen und doch auch voll Gottvertrauen spreche ich es aus — auf mich gefallen. Alsbald brachte mir der Telegraph die Kunde des überraschenden Lreignisses inmitten meiner lieben Tommunion- kinder, welchen ich den Vorbereitungsunterricht für den schönsten Tag ihres Lebens ertheilte. Die Nachricht raubte mir für einige Zeit die Fassung und brachte Thränen. Vor meiner Seele stand die für Lngelsschultern drückende Last der Verantwortung des Bischöflichen Amtes, die Be- sorgniß vor ganz neuen Verhältnissen, die Erwä­gung meines Lebensallers, die Anhänglichkeit an die vielen tausend Seelen, mit welchen ich über sechsundzwanzig Jahre Freud und Leid getragen und mit denen ich wie ein Vater mit seiner Familie verwachsen war. Sollte in diesem An­drang der verschiedenartigsten Gedanken und Ge­fühle mein Wille nicht schwanken zwischen An­nahme und Ablehnung der Wahl, welche mir mit der hohen würde eine so schwere Bürde in Aussicht stellte? 3^ ging mit Gott, mit Männern von gereifter «Erfahrung und aufrich­tigem Wohlwollen, mit mir selbst zu Rathe. Und als am dritten Tage auch mein Hochwürdigster Herr Bilchof in mich drang, statt der von mir beabsichtigten Ablehnung, die Annahme der sicht­lich durch Gottes Fügung auf meine geringe Person gefallene Wahl auszusprechen, habe ich mit schwerem Herzen dem Hochwürdigen Dom- capitel erklärt, daß ich im Vertrauen auf Gott und den Beistand des hl. Bonifatius, den ich während der ganzen Dauer meiner Wirksamkeit als Pfarrer zum Patron meiner Pfarrkirche und meiner theuern Pfarrgemeinde hatte, bereit sei, dem an mich ergangenen Rufe Folge zu leisten. Vom heilige Vater, dem glorreich regierenden Papste Leo XIII. am 25. November v. 3* in feierlichem Tonsistorium präconisirt und von Sr. Majestät, unferm allergnädigsten Kaiser und König durch Urkunde vom (2. d. M. als Inhaber des Bischöflichen Stuhles anerkannt, habe ich durch meinen früheren Oberhirten und jetzigen «Erzbischof im hohen Dome dahier die Gnade der hl. Bischofsweihe empfangen.

So stehe ich nun, theuere Diöcefanen, aus­gerüstet mit der Fülle der bischöflichen weihe- und Iurisdirtionsgewalt im Geiste vor Luch, um Luch väterlich zu begrüßen, wir bilden fortan durch Gottes Anordnung eine Familie. Ihr feid meine geistigen Kinder, denen ich das «Erbe der Wahrheit und Gnade zu sichern schul­dig bin. Ihr seid meine geliebte Heerde, für welche ich nach dem Vorbilde des guten Hir­ten selbst das Opfer des Lebens zu bringen be­reit fein foll. Gebe Gott, daß ich Luch ein guter Vater, ein Oberhirte nach dem Herzen Gottes, in Gebet und Beispiel, in Lehre und Regierung, ein Vermittler reichen, göttlichen Segens sei!

Mit dem hl. Apostel Paulus rufe ich Luch am heutigen Tage, an welchem ich durch die feierliche Inthronisation Besitz vom bischöflichen Stuhle der Diöcese Fulda ergriffen habe, zu: „Unser Mund ist aufgethan gegen Luch, unser Herz ist weit geworden, nicht seid Ihr beengt in uns.....um die entsprechende Vergeltung

aber zu üben (ich rede, als wäret ihr meine Kinder), erweitert auch Ihr Luch!" (((. Tor. 6, (( -15). Ja mein Mund ist aufgethan, um «Euch das Vertrauen auszusprechen, welches ich zu Luch Allen habe, mein Herz ist erweitert, um Luch Alle in väterlicher Liebe zu umfassen, wenn ich mit solchen Gesinnungen vor Luch erscheine und in «Euerer Mitte meinen Wohnsitz für die noch übrige, vielleicht sehr kurze Zeit meines Lebens nehme, dann darf ich gewiß hoffen, daß Ihr als willfährige Heerde gern beachtet und befolgt, was ich Luch über die gegenseitigen Pflichten des Bischofs und der Bisthums-Angehörigen im Einzelnen sagen will.

Die Bischöfe sind, wie der hl. Apostel Paulus in seiner Abschiedsrede an die zu Milet ver­sammelten Bischöfe, Priester und Gläubigen ver­sichert, „vom HI. Geist bestellt, die Kirche Gottes zu regieren, welche «Er mit Seinem Blute Sich erworben hat". (Apgesch. 20, 28). Die Bischöfe ermahnt darum der Fürst aller Apostel, der hl. Petrus, in seinem ersten Send­schreiben: „weidet die Heerde Gottes, die bei Luch ist, Aufsicht haltend, nicht erzwungen, sondern freiwillig . . '. nicht als Gewaltherren über den Luch angewiesenen An- theil, sondern, indem Ihr Vorbilder der Heerde werdet aus Herzensgrund". (I. Petr. 5, 2 u. 3). Demnach beruht das bischöfliche Amt auf göttlicher Linsetzung und haben die Bischöfe, welche Nachfolger der Apostel geworden sind, mit den Amtsbefugnissen der Apostel die kirchliche Regierungsgewalt über die ihnen vom Papste, dem Träger der kirchlichen Linheit, zugewie­senen Sprengel; sie sind deren Oberhirten und „weiden und beten“ wie das allgemeine Va­tikanische Toncil noch im Jahre (870 ausdrück­lich erklärt hat, „als wahre Hirten die ihnen anvertrauten Heerden, jeder die seine". (Datic. Sess. IV, Tap. 3). So haben auch die Bischöfe unseres Vaterlandes noch vor dreizehn Jahren in einer gemeinsamen «Erklärung, welche der hoch- selige Papst Pius IX. als eine vortreffliche Darlegung der Willensmeinung des letzten Ton- cils und des heil. Stuhles anerkannt hat, es feierlich ausgesprochen, daß „das bischöfliche Amt kraft göttlicher Linsetzung bestehe und seine Rechte und Pflichten vermöge der von Gott selbst getroffenen Anordnung habe". In vollem Bewußtsein der Thatsache, daß das walten des der katholischen Kirche von ihrem göttlichen Stifter verheißenen, gesandten und bei ihr ewig verbleibenden hl. Geistes (Ioh. (7) mich Luch zum Bischof gegeben ohne mein Zuthun und ohne jegliches Verdienst, will ich mich daher demüthig bestreben, im Namen Gottes die mir anvertraute Heerde zu weiden und zu beaufsich­

tigen. Die von Gott verliehene Gewalt der Diöcefanleitung und der kirchlichen Regierung legt mir die Pflicht auf, die kirchlichen Angele­genheiten meines Sprengeis zu ordnen und zu verwalten. —

Ich muß dem Lehramt obliegen, wie es „der gute Hirt" (Ioh. (0, (() „der Hirt und Bischof unserer Seelen" (I. Petr. 2, 23) Jesus Lhristus vor seiner Himmelfahrt den Aposteln geboten (Matth. 28, (8—(9), wie es der große Völker­apostel Paulus, dessen Gedächtniß wir heute feiern, seinem Bischöflichen Schüler Timotheus befiehlt: „Du aber sei wachsam, thue das Werk eines «Evangelisten" (2. Tim. % (5 Ich habe Luch, meine geistigen Kinder zu weiden mit der Wahrheit, die Luch in der Verkündigung des Wortes «Lottes geboten wird, wie freue ich mich darauf, in den dreizehn Decanaten des Bisthums, wohin ich immer zur Ausübung meines Amtes kommen werde, von Angesicht zu Angesicht reden zu können, wie werde ich Gott danken, wenn Ihr diese Nahrung gleich der hochgebenedeiten Gottesmutter Maria im Herzen bewahrt, (Lucas 2, (9) damit an Luch die Verheißungen des Herrn sich erfüllen: „wenn Ihr in Mir bleibt und meine Worts in euch bleiben, so möget ihr bitten, um was ihr immer wollt und es wird euch gegeben werden." (Ioh. (5, 7). Und wenn ich Luch das Wort Gottes durch meine Hochwürdigen Mitbrüder, die von mir zu Luch gesandten Priester, «Euere Seelsorger, verkündigen lasse, dann hört es gerne an, „denn wer aus Gott ist, der hört Gottes Wort" (Ioh. 8, H7); höret es mit gläubiger Ehrfurcht und befolget es eingedenk des gött­lichen Ausspruchs: „Selig sind, die das Wort Gottes hören und dasselbe beobachten". (Luk. U, 28).

Die kirchliche Lehrgewalt, welche mir mit dem bischöflichen Amte übertragen ist, verpflichtet mich ferner, mit «Eifer dafür zu sorgen, daß der Religionsunterricht und die religiös-sittliche Lrziehung der Jugend auf der Grundlage unseres hl. Glaubens erfolge. Von dem Bischof als dem eigentlichen Religionslehrer für die ganze Diöcese haben Alle, welche innerhalb des Bis­thums Religionsunterricht zu ertheilen berufen sind, die kirchliche Sendung, den Auftrag, in Katechese, Christenlehre und Vortrag der Theo­logie an der Ausübung des kirchlichen Lehr­amts Theil zu nehmen. » Ich zähle darum namentlich auf Luch vielgeliebte Lehrer und Lehrerinnen meines Bisthums, denen mein Hoch- würdigster Vorgänger auf dem Bischöflichen Stuhle in seinem Abschiedsschreiben ein so ehrenvolles Denkmal der Anerkennung in den Worten gesetzt hat: „Ich fand eine fromme gläubige Lehrer­schaft, Dank der hiesigen pflanzfchule der Ful- daischen Lehrer und der treukirchlichen und eifrigen Männer, welche an demselben wirkten und wirken." Ich zähle auf die Fortdauer «Eurer gläubigen Gesinnung, welche Luch in jedem kirchlichen Dienste ein gnadenreiches Lhrenamt schätzen lehrt; ich zähle auf «Euere pflichttreue in dem chehren für die Wohlfahrt des Volkes so wichtigen Lehrerberufe, auf das stete Beispiel eines erbaulichen Wandels. Seit fast vierzig Jahren ehre ich in dem Lehrper­sonal meine Helfer und verkehre mit seinen Gliedern auf den verschiedenen Stufen des Schulwesens freundlich, darum kenne ich die Mühen, aber auch den Segen «Eurer Wirksamkeit. Ich be­grüße Luch Alle mit der zuversichtlichen Hoffnung, daß Ihr mein Vertrauen lohnt und es auch mir ermöglicht, Luch für gewissenhafte, in den heutigen Zeitverhältnissen besonders nothwendige Unterweisung in der Religion, für eifrige Wahr­nehmung des Kirchendienstes und insbesondere