Einzelbild herunterladen
 

M 22

Freitag, den 27. Januar.

1888

Muer W Ieitiiz.

Die Fuldaer, Zeitung" erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Bierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 R. 50 Pf^ mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen" in Fulda 1 M. 70 Bf., auswärts 1 M. 75 Pf.

Inserate: Die einspaltige Zeil« oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Zweites Blatt.

Mario«.

Original-Roman von Marie Romany.

(Fortsetzung aus dem ersten Blatt.)

So gingen Jahre überschwenglichen Glückes für Katharine de Pretis dahin. Aus dem Kinde ward die Jungfrau, deren Schönheit, deren Reichthum die notable Gesellschaft des weiten Reiches zu Fützen lag. Es wäre eine Spielerei für sie gewesen, sich zur Komtesie, zur Marquise zu erheben; aber sie verliebte sich; und da diese Liebe einem Bürger­lichen gehörte, leistete der Vater zum ersten Male in seinem Leben dem Willen der Tochter Wider­stand. Katharine schmollte, sie bat, flehte, be­stürmte, doch Alles blieb fruchtlos; der Stolz des alten Edelmannes saß fester, als seiner Meinung nach des Kindes Liebe zu jenem Plvletarier war. Katharine entfloh. Sie hatte gewähnt, durch die­sen Schritt, der ihre Ehre bloßstellte, den Vater zu augenblicklicher Nachgiebigkeit zu bewegen; aber sie erreichte nur, daß Herr de Petris ihr fluchte, ihr, die er bis dahin vergötterte, und daß er sie enterbte, indem er seinen vollen Reichthum auf seinen Stiefsohn, Jules de Lamer cier, übergehen ließ.

Fern von der Heimath, nur mit den Juwelen ausgestattet und der geringen Summe, die sie bei ihrer Flucht mit entführte, wurde Katharine das Opfer ihrer Liebe, die Gattin des Hauptmanns Louis Charles Fouquet. Ihren Vater sah sie nicht mehr. Wenige Monate nach ihrer Flucht schied Herr de Prelis aus dem Leben und der ganze Reichthum, die Besitzungen fielen in die Hände des Herrn von Lamercier.

Katharinas Herz war empört. Sie hatte nicht einen Moment daran gezweifelt, mit dem Laufe der Zeit ihren Vater zu versöhnen, und nun blieb ihr nichts mehr und das noch Schlimmere, was dieser Schlag mit sich brachte, war die Ueberzeu- gung, die ihr bali genug vor die Augen trat, daß mit ihrer Enterbung auch die sie vergötternde Liebe ihres Gatten geschwunden war.

Ein trübes, freudeleeres Dasein brach für sie an. Die Revenüen — für sie, die verwöhnte Millionentochter — spärlich, der Gatte mehr und mehr entfremdet, ohne Hoffnung auf Aenderung. — Die wohlthuende Hand des Himmels war es, die ihr die Tochter befcheerte; wäre die Mutter­pflicht nicht gewesen, Katharine hätte einem Leben, in welchem ihr kein Paradies mehr erblühen konnte, Valet gesagt.

So gingen Jahre vorüber, da zog der Krieg in das Land. Charles Fouquet focht bei Straß­burg ; doch hatte eine Kugel seinem Leben bald ein Ende gemacht.

Seit jener Zeit lebte Katharine von ihrem Witt- wengehalt. Sie lebte ruhig, obgleich sie nichts entbehrte, sie befaßte sich nicht viel mit der Welt und dem Leben, obgleich tagaus und tagein frohe Gesellschaft bei ihr verkehrte und allabendlich ein lustiger Kreis in L.ten Räumen zu finden war.

Und diese Räume, die sich über ein volles Erd­geschoß ausdehnten, waren mit überschwenglicher Pracht, mit fürstlichem Luxus ausstasfirt. Die Wohnung schien unbedeutend, wenn man das Entree betrat; einfache Möbel, ein paar simple Malereien und ein altmodischer Kronleuchter machten hier den ganzen Komfort aus. LXffnete man aber die Thür und schritt weiter von Por­tiere zu Portiere, so bewegte man sich in Ge­mächern, die einer morgenländischen Größe ent- sührt zu sein schienen; die Tuilerien, als noch Könige und Kaiser ihren Hof darin hielten, mochten keinen Raum aufzuweisen gehabt haben, in dem

ein traulicheres Uebermaß an Luxus und Pracht zu finden war.

Katharine Fouquet, und vielleicht mehr noch ihre Tochter Nanette, liebten das. Ranette war es, die alle jene Einfälle hatte, durch deren Aus­führung jedes einzelne der in Sioff und Seide schwellenden Gemächer zu einem Musterwerk über­reizten Geschmacks hergestellt worden war.

Nanette vollendete bald ihr zwanzigstes Jahr. Sie galt für eine unerreichbare Schönheit in jenen Kreisen, von denen jihre Salons allabendlich an­gefüllt waren; ob dieses Wort Stich hielt, wenn man sie, bevor sie nach ihrer raffinirten Weise Toilette gemacht hatte, zu Gesicht bekam, mag dahingestellt sein.

Gleichviel. Beim Schein der Lampen, umgeben von Pracht und Luxus, in Toiletten gehüllt, die an Reichthum und Schönheit jeder Kaiserin zum Modell gedient haben würden, stand die Schönheit Nanette Fouquets unerreichbar da. Die feenhafte Gestalt, die mandelförmig geschlitzten Augen, deren schwarze Sterne wie Juwe en funkelten, da« raben­schwarze sich in leichten Wellen kräuselnde Haar, mit Edelsteinen zusammengehalten, die Bläffe der Gesichtsfarbe, Perlenzähne, Rosenlippen, Hände, die von Künstlerhand aus Wachs geformt zu sein schienen, so präsentirte sich Nanette, von einer lichten Sammt- oder Atlasrobe umwallt, wenn die Stunde der Reunions, die allabendlich statt­fanden, herangekommen war. Sie war ja die an­gebetete, zum Himmel erhobene Göttin aller j ner spiellustigen Ehre und Pflicht vergeffenden Bon- viants und Kavaliere, die für ihre Einsätze bei dem Rouge et Noir ihre Schulden vergaffen, für die ein Abend in Rausch und Taumel bei den Reunions der Veuve Fouquet zugebracht, Ersatz für jede kommende Misere des täglichen Lebens war.

Für Nanette selbst war das Spiel ihr alles, das Roulette, welches sie mit so viel Geschick zu handhaben wußte, chr Hochaltar; ihm verdankte sie die Pracht und den Komfort, in deren Voll­genuß sie schwelgte; seine ihr stets holde Laune war der Talisman, durch deffen Zauber die Flatterwelt des an Leichtsinn so reichen^PariS ihr zu Füßen lag.

* ♦ ♦

Es war gegen Ende November, ein regnerischer, fröstelnder Spätherbsttag. Die Lust, die über der Seinefladt gelegen, schien seit Wochen gestorben; in melancholischem Gleichmaß rieselten die eisigen Trop en auf die Erde hernieder und die Düster­keit, mit welcher sich der Himmel umzogen hatte, übte auf die Gemüther der sonst so lebenslustigen Pariser Bevölkerung einen bedrückenden, zur Un­zufriedenheit stimmenden Einfluß aus.

Bis auf die Salons der Wittws Fouquet jedoch — Katharine lächelte, wenn man ihr von der Witterung erzählte — dehnte sich diese Melan- chclie nicht aus; mochten die kurzen Tagesstunden in langweiliger Einförmigkeit, wie ja immer, vor- übergehen, die Nachtzeit brachte Leben; und dieses Leben in ihren Räumen schien um so beseelter, je bedrückender die Düsterkeit über der Stadt und Umgebung war. Täglich bis lange nach Mitter­nacht flimmerte in ihrem Spielsaale die Kerzen­pracht; was mochte ihr daran gelegen sein, ob die Sterne funkelten oder ob der Regen gegen die Scheiben schlug, ihre Salons, schwellend in Pracht und Luxus, funkelnd in Lichterschein, mit Wohl­gerüchen bis in alle Winkel angefüllt, schienen zum Altar des Glücks auserlesen; und die undurch­dringlichen Porti« en über Fenstern und Thüren schloffen jede Berührung der so gelangweilten, ernüchterten, profanen Außenwelt mit diesem Glücks- tempel aus.

Und wie so manchesmal dehnten sich diese Reu­nions am Spieltisch über die Nächte aus! wie so manchesmal schon hatte die Morgenröthe den Himmel umzogen, während in Fouquets Spielsaal noch keine Kerze erloschen war!

Auch heute wieder opferte man ohne Unterlaß an Fortunas Altar. Längst schon hatte die sil­berne Kuckucksuhr auf dem Kaminsims die Mitter­nacht angesagt, aber weder die GroupiSre, noch die ihrem Ruin entgegeneilenden Hasardspieler trafen Anstalten, aufzustehen. Vielleicht — man sah es der Bläffe ihrer Mienen an — mochte einer oder der andere von ihnen das Ende er­sehnen; aber Demoiselle Fouquet, deren Brillant­auge mit seinem schwarzen Funkeln die Szene rücksichtslos dominirte, gab keinem ihrer Opfer nach, so lange noch ein Louisd'or in seiner Tasche vorhanden war.

(Fortsetzung folgt.)

Vermischtes.

* Dem Müh'hauser Tageblatt" wird von Douanne geschrieben: Ein Gewohnheitsschnapser Namens Danz von Großaffoltern hatte bereits eine Flasche Schnaps getrun­ken, als er ausrief: „Hol' mich der Teufel, ich muß noch einen haben!"" Auf die Bemerkung eines andern Gastes, daß er deshalb nicht zu fluchen brauche, erwiederte Danz: „Es gibt keinen Teufel, und wenn es einen gibt, wohlan, so hole er mich!"" Dies waren seine letzten Worte. Zwei Minuten später fiel Danz, vom Schlage getroffen, rücklings zu Boden. Dies Ereigniß verursachte unter den im Saale anwesenden Trinkern einen solchen Schrecken, daß viele hinausliefen und sich gelobten, niemals wieder Schnaps zu trinken.

Getreide-Conrs.

□ Frankfurt a. M., 23. Jan. 1888.

Hiesiger Landweizen (neuer) .... 181/«

Fremder „........17s/«- 2l)i/, I

Hiesiger Roggen (neuer).....14—14'/« I«

Russischer ..........13»/«—14V«) *

Gerste nach Qual........15—16V, ( g

Hafer „ .........12V,—14 I ®

Raps.......... 25-251/, F

Mais (La Plata). ... . . 14 ' 9

Erbsen..........15—181/, 1

Linsen...........19—46 I

Wicken...........12V,—13V, f"?

Roggenkleie bei Abn. v. 200 Cntr. an 41/4—41/* / o

Weizenkleie „ „ „ „ „ „ 41/« | S

Malzkeime .........4Vt—4'/, 1 ?

Rapskuchen ......... — '

Sesamkuchen.........—

Reismehl.......... 4—4V«

Chilisalpeter per Frühjahr 1888, ab

Rotterdam oder Harburg (ohne Fracht) 9,00

Markt unbelebt, Mühlen zurückhaltend, da Mehlabsatz schwierig. Äür die Gegend Fulda wurden größere Posten Roggenmehl ®/i zu sehr billigen Preisen gehandelt. Reis­mehl, Weizenkleie, Roggenkleie ruhig. Thomasphosphatmehl und Chlisalpeter anhaltend vernachlässigt, Käufer treffen hier einen guten Markt.

Der kürzlich in schöner Ausstattung erschienene, auf's Reichste illustrirte Generalkatalog pro 1888 von F.C. Heinemann, Hoflieferant in Erfurt bietet die großartigste Auswahl in Gemüse-, Blumen- und land- wirthschaftlichen Samen, sowie in Bäumen, Sträuchern, Blumenzwiebeln, Knollen, Warm- und Kalthauspflanzen rc. und führt außerdem, meist durch Zeichnungen noch ver­deutlicht, die modernsten Gegenstände für Zimmer- und Salondekoration, sämmtliche Gartengeräthe, diverse Ar­tikel und Gartenutensilien, wie Beeteinfafsungen, Tuff­steine rc. vor Augen. Bürgt schon das 40jährige Be­stehen der Firma F. C. Heinemann für die Gediegen­heit derselben, welche auch allzeit bemüht war, das Beste und Neueste seiner Kundschaft zu bringen, so läßt nament­lich die Abfassung und Ausstattung des diesjährigen Ka- taloges wieder deutlich erkennen, wie das Geschäft vor­zugsweise dem Bedarf der Prioatkundschaft entsprechend eingerichtet, und ist es namentlich dieser Umstand, dem die Firma die großen und erfreulichen Erfolge mit zu verdanken hat. Wir wollen deshalb nicht verfehlen, unsere verehrten Leser auf diesen ausführlichen Katalog von F.C. Heinemann besonders hinzuweisen und den­selben allen Jntereffenten auf das Angelegentlichste zu empfehlen.